Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an < ? > ["Du"-Anrede] in < ? > v. <Jan. / Febr. 1836> ( <Burgdorf>)


F. an < ? > ["Du"-Anrede] in < ? > v. <Jan. / Febr. 1836> ( <Burgdorf>)
(BN 707a, Bl 20-21) (Entwurf)
(Abfolge: 21R, 20VR; 21V ist leer)
(Dat.: lt. 20V ist der Brief sicher in den ersten Monaten eines Jahres geschrieben. Auf 20R verweist F. auf frühere Mitteilungen aus Burgdorf [dort ist F. seit Mitte 1834]. Mglw. wird auf die Schrift "Erneuung des Lebens [...]" angespielt. In BN wird Jan. 1836 aus Burgdorf vermutet.)
(Adressat: Die "Du"-Anrede engt den Adressatenkreis ein, sicher nicht Wilhelmine Fröbel.)

[21R]
Wie das endl. Beginnen des Gestaltens, Bauens
allgemeine Ford[erun]g der Zeit u der Menschheitsentwickl[un]g
ist so bin ich dieß auch mir, meinem Streben, meiner
treu Mitbegründenden und ausdauernd Mitgeprüfenden [sc.: mitgeprüften] Frau und
allen bisher treu mit mir aus-
gehaltenen Mitarbeitern am Werke schuldig, ich bin
es dem mir u uns zur Ausführung u Darleb[un]g an[-]
vertrauten Gr[un]dgedanken schuldig, ich bin es allen
denen schuldig welche mir und uns in so vielfachen Form[en]
u Graden bis jetzt Vertrauen schenkten
ich bin es unsern Kindern schuldig.
Ich bin es mir schuldig damit ich nicht mich selbst d[urc]h eigene Schuld untreu <miß[l]iebig>
stelle als Menschheits Glied[.]
Ich bin es meiner Frau schuldig daß sie, die sie so viel
ja alles gethan ihr Leben zur Ausführung eines genügend
Menschheiterziehenden Gr[un]dgedankens hingezielt hat
nicht aus der Welt gehe ohne nicht nur einen Saamenkorn
gestreut, sondern einen Keim <seines> Baumes sehe
ohne den gestreuten Saamen keimen u wachsen, ohne zu dem Aufbau des
Lebens Gebäudes einen sichern Grund gelegt und so nicht umsonst die Hingabe u Aufopferung Ihre[s] Lebens zu sehen[.] /
[20]
Mehrmals habe ich Dir die Lebens<beurt[ei]l[un]g> ausge-
sprochen, daß ich eigentl. nie in meinem Wollen nach Zweck
u Mittel einen R[ü]ckschritt gethan habe. Der Gr[un]d
Wenn ich auch leider wohl gestehen muß daß ich
die Lebensentwicklungen nach Mittel und Zweck nicht
immer fest genug gehalten sondern leider <me[h]rmalig>
stehenden Eingriffen zu viel Raum u Gewicht gegeben zu
viel Wirksamkeit gestattet habe.
Der Gr[un]d des ersten liegt ganz einfach darin daß
ich der Entwicklung meines des Leben[s] in ihren Stufen u Grad-
weisen Ergebnissen nachgehe, nicht aber diese
Entwicklung, Ergebnisse u ihre Forderungen erfinde oder
vielmehr erdenke, erschließe, combinire. So
ist es denn nun auch mit meiner letzten innern u äußern
Lebensentwicklung welche ich die zu Ende des jüngst
Verflossenen u zu Anfang dieses J. statt fand u welche
ich Dir unter dem Ausdruck LebensEinigung u ihren Folgen
Erziehungs<Anstalt> durch <Selbstbildung> u <Selbstbethätigung> im Anfang
dieses Jahres Mittheilte. Auch diese Lebensent-
wicklung selbst bis auf Ort u Art bewährt sich
<nur> ich mag mich auch seit den nun schon dazu
verflossenen Monaten <sinnend> beachtend u prüfend hinwenden wohin
ich will[.] Meiner geliebten
theuren u treuen Frau, welche das Leben auf die /
[20R]
innigste [Weise] in seinen tiefsten Beziehungen mit mir theilt
geht es ganz so u sie ist auch in dieser Erfahrung u Auf[f]assung
ganz mit mir eins u einverstanden.
Ohne mich weiter hier auf das Wesen u den Charakter
dieser Anstalt einzulassen in welcher Hinsicht ich mich <nun>
mehr ganz auf meine früheren Mittheilungen aus Burgdorf beziehe
halte ich hier nur einzig den Ort u die Art der Aus-
führung fest.
Und diese En [Text bricht ab]