Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Adolph Frankenberg in Willisau v. 1.3.1836 (Burgdorf)


F. an Adolph Frankenberg in Willisau v. 1.3.1836 (Burgdorf)
(BN 428, Bl 4-11, datierter Entwurf 4 B fol 15 S., zit. Prüfer 1909, 15f.; tw. ed. Riedel 1940, XVI, 71-73)

Burgdorf am 1 Tage im Monat des keimenden
Lebens 1836.


An Adolf Frankenberg Erzieher in Willisau


Mein Lieber Frankenberg

Aus einigen Deiner Äußerungen bewahrend u nach meinen
Mittheilungen am verflossenen Sonnt[a]g an Dich u unsern gesammten Kreis in so fern er
dabey gegenwärtig seyn konnte
ging mir hervor daß es Dir wesentlich lieb seyn
würde wenn ich dem dort dargelegten Plan nach Grunde u
in klarem Zusammenhang u Gliederung Dir nochmals u zwar schriftl[ich]
wenn auch nur in seinen Grundzügen Dir mittheile zur
weiteren Prüfung für Dich u vielleicht zur weiteren Mittheilung
Gebrauch für Deinen l. Bruder so wohl persönlich Ernst die lieben Deinen
in Göttingen als für Louis u Georg in Amerika schriftlich mittheilen
könnte. Da ich nun genöthigt war
zur Verständigung u Mittheilung an unsern lieben Barop und
durch diesen für den g[an]z[en] Keilhauer Kreis meine Gedanken
andeutend zu Papier zu bringen, so will ich es versuchen
durch eine Art Auszug aus jenem Briefe den Deinem Wunsch
entgegen zu kommen.-
Vorerst rufe ich Dir meinen Lebensgrundsatz u Lebens[-]
grundgedanken zurück:
wer seegens wohlthätig u fruchtbringend wer seegens-
reich u bleibend d.h. fortentwickelnd zu steigender Vollkommenheit sey es für sich oder zugleich für
die von ihm geliebten Seinigen, sey es für ein einzelen [sc.: einzelnes]
oder sey es für ein Ganzes - wirken will, der
muß genau und im innig[en] Zusammenhang mit
der Mensch- u Naturentwickelung genug in Überein-
stimmung mit der gegenwärtigen Entwickelungstufe der
Natur u der Menschheit das h. des g[an]zen All[s] zu
handeln u wirken, wie also vorher zu empfinden zu
fühlen zu denken und so zu leben suchen.-
Ich wandte diesen Satz wie Du dich noch erinnern wirst bey unserm jüngsten Stelldichein
zu Waltrige auf das Streben nach Begründung von
Familien wohl an wo ich sagte: wer förderlich u
fruchtbringend, bleibend u seegensreich für Familienwohl
und desen Begründung wirken will der muß sein
Streben an einen erfassenden einfachen u doch allgemein menschheit-
lichen Grundgedanken knüpfen, wer das nicht thut der
baut auf mehr oder weniger auf lockeren Sand.-
Es handelt sich nun bey dem Zwecke welcher mir
bey dieser Mittheilung an Dich hier vorliegt gar
nicht darum auf die höchsten u letzten Gedanken zu-
rück zu kommen welche dem menschlichen Wirken
als ein menschheitl. begründetes zu Grunde liegen
können u müssen zurück zu gehen; diese sind Dir
in Beziehung auf meine Bestrebung < ? > g[a]nz klar u liegen
zu Jedermanns Prüfung oft genug auf Weiß und
Schwarz zur Prüfung vor ich kann hier nur an
einen <davon> abgeleit[et]en Gedanken anschließen
der innerste Zusammenhang mit dem höchsten Lebens-
gedanken tritt dadurch lebenvoll für diesen
Zweck bestimmt genug vor die Seele. /
[4R]
Als einen solchen abgeleiteten Gedanken - (:wozu mir
viele zu Gebot standen:) will ich nur gleich den gerad
meiner Seele vorschwebenden hervorheben:
"Das jetzige Streben der Zeit u Menschheit ist freye
"Selbstgestaltung u freye Selbstentwick[el]ung, also
"Streben nach Erziehung, Unterricht, Belehrung u Ausbildung freyl[ich]
in so unendlich verschmolzenen Stufen und von
kaum erkenntliche[m] Äußeren an bis zum klar <darliegenden>
Zweck allein bey alle diesem bleibt doch der
Geist die Seele das Ziel des Ganzen - Bewußt[-]
werden, Bewußt Klarheit über sich und das Leben
zur Beherrschung u zum zum [2x] richtigen Gebrauch des
Lebens[.]
Ohne mich also auf seine tausend verschiedenen
Erscheinungen u Schatti[e]rungen vielleicht von der gar nicht mehr kenntlichen
Verzerrung an einzulassen, spreche
ich also ganz einfach als <einen> jetzt allgemeingü[l]tigen
Lebensatz aus:
"Das Bedürfniß nach Unterricht, Belehrung
"Ausbildung, genug Lebensvervollständigung
"u Lebenserfassung sowohl der Einsicht als der Ausführung nach ist jetzt auf auf <d[ie]s[e]r> Erde <zwar>
allgemein u macht als Erscheinung aufgefaßt
der jetzigen Charakter des menschheitlichen Lebens
aus.["]
Also das Bedür[f]niß nach Unterricht ist allgemein
a. zur Lebensvervollständigung, zur Ausfüllung der
immer mehr jedem einzelen fühlbaren Lü[c]ken seiner
eigen[en] Bildung so wieder [sc.: wie der] fühlbaren Lücken der allgem[einen] u besond[eren] gleichen Bildung daher
<leichteren> Lebensverkehr u <schnelleren> Lebensaustausch
b. zum gegenseitigen Lebensverständniß
zur gegenseitigen Lebenseinigung und Ausgleichung also
c. zu b. c. zur [sc.: c. zur] Lebenserfassung u Lebensbeherrschung für Lebens-
selbstständigkeit u Unabhängigkeit also
d. wie zur Einsicht so zugleich zur Anwendung u zum
Gebrauch; ich möchte sagen wie die Speisen welche
wir genießen sogleich unsern Körper Säfte
Kräfte Stoff u Größe geben.-
Darum ist nun bey dem als gewiß angenommen[en] allgemei[nen] Bedürf-
niß nach Unterricht die weitere Anforderung an
denselben:
a. jeder wünscht sich möglichst selbst belehren
zu können; d.h. er wünscht sich für sich selbst zugleich
Lehrer u Schüler, Meister u Lehrling zu seyn.
b. jeder wünscht sich ganz nach seinen Bedürfnissen
wie u wo er eine Lücke in sich fühlt und wie
die Anforderung des Lebens es von ihm <ersucht>
d.h. zur unmittelbaren Lebensanwendung be-
lehren zu können.
c., allein ohngeachtet dieser factisch vorliegenden
Zerstückeltheit u[n]d unmittelbaren Nutzen sucht
doch der Mensch auch sein Wesen und der /
[5]
hohen u höchsten Forderung d. Menschheit wovon er ein Glied ist um bewußt in sich getreu,-
sich für Erfassen der Einheit u des inneren wie äußeren Zusammen-
hang des Lebens und alles Lebens
zu <belehren>[.]
Dazu kommen noch zwey höchst wichtige Forderungen welche ganz
auch im Geiste der jetzigen Stufe der MenschheitsEntwickelung
liegen
einmal daß zu diesem Zweck mehr oder minder
dunkel u unbewußt oder entgegengesetzt ausge-
drückt minder u mehr klar u bewußt angestrebt
werdende allgemein u durchgreifender menschheitl[iche]
Bildung, die früheste Häusliche u Kinderbe-
schäftigung, der sich früh im Menschen im Kinde
regende Bildungs- u Thätigkeits Trieb zur <freythätigen>
zur Belehrung ergriffen werden muß; wie denn
auch zur Pflege und Nährung dieses Thätigkeitstriebs
gar manche Eltern u Familienglieder, gar mancher
Vater u Großvater, Mutter u Großmutter
Base u Oheim u älterer Bruder oder Schwester
oder sonst Familienfreunde wohl <gewiß> sind
<das ihnen> aber diesen
ferner die dazu nöthigen Mittel auch wohl die
dazu nöthigen Fähigkeiten <Ferti[g]keiten> überhaupt
Kenntnisse u Bildung fehlen; darum <nun> /
[5R]
also drittens diesen dazu solche Unterrichts- Lehr- und
Bildungsmittel <an / in> die Hand gegeben werden
welche dem angegebenen Bedürfnisse und Forderung ent-
sprechen welche also
einmal dem Doppelbedürfnisse von Eltern u Kind
Alter u Jugend entspräche[n] d[.]h. wod[urc]h Eltern u Ältere
fortgebildet würden indem sie sich mit ihren Kindern mit den Jüngern be-
schäftigten, ja ich möchte sagen
<mit> die Selbstbeschäftigung diese[r] Kinder u Jüngern als
Eltern u Ältere <sähen>;
denn zweytens solche Bildungs- u Unterrichtsmittel
welche den Bedürfniß und den Forderungen der jetzigen
Menschheitsentwickel[un]gsstufe ganz entsprächen
welche also
a.) zum freyen Gebrauche u zur freyen Selbstwahl ganz
offen da u vorl[i]egen
b., welche in ihrer Anwendung wie ergänzend so
fortentwickelnd wären.
c. welche zur sinnigen Beachtung des Lebens in all seinen
Theilen u Erscheinungen führen besonders
d. zur sinnigen Naturbeachtung u. so weiter
e. zur Ahnung und Erkenntniß zur endlichen Anschauung
der Einheit und Gleichgesetzkeit in allen Lebens-
und Naturerscheinungen, und so sogar der Erfahrung
f. und Anschauung Geistigen im Räuml[ichen] u k[ö]rperl[ichen] des Unsichtbaren im Sich[t]baren, des
durch die Schönheit muß der Weg zur Wahrheit
geführt werden
g. Wie <so> der Weg von der äußeren Anschauung zur inneren
Erkenntniß u innerer Anschauung führen müsse so müssen
h. auch der Weg der menschl u der Kindernatur
gemäß von der Schönheit u durch die Schönheit
zur Wahrheit führen.
Endlich das letzte Erforderniß dieser Bildungsmittel
müßte seyn daß sie
wie für jedes Bedürfniß verhältniß <nach>
möglichst u höchst billig so
in gehöriger Menge geliefert werden könnten. /
[6]
Alle diese in dem vorstehenden nur angedeuteten
Forderungen der jetzigen Allgemeinen Menschenbildung u Belehrung
des allgem[einen] Unterrichts besonders auch die des häuslichen u Familienlebens
erfüllen zeigten <mir nun> zwar gleich in ihrer ersten Ausführung u schon immer, aber besonders
hervortretend seit den jüngsten 5 Jahren meine Anschauungs-
Lehr- Anschauungsbildungs- u Anschauungsunterrichtsmittel
in ihrer vielseitigen verschiedenartigen Anwendung in
steigender Vollkommenheit erfüllend, und dieß
besonders seit während dem letzten Jahre namentlich in
Beziehung auf zeichnerische u F mathematische
auf Formen u Gestalten auf Farben u Bildung rc.
wovon Du lieber Frankenberg ja selbst so vielseitig
Zeuge warest u als freywilliger Schüler selbst an Dir erfahren
hast.-
Seit längerer Zeit trug ich daher den Gedanken
in mir einer vielseitigen u oft wiedergekehrten
Anforderung an mich zu genügen diese Unterrichts-
mittel durch Veröffentlichung allgemeiner zu machen
bisher war erschienen mir aber sowohl die allgemeinen als die <neuen>
besondern Verhältnisse u Umgebungen dazu noch nicht angemessen
u günstig genug. Allein seit Ende des vorigen Jahres
besonders seit dem Beginne dieses Ordnen u vollenden sich <mehren>
die Umstände u Verhältnisse zur <Aus[-]
führung> einer solchen Unternehmung nach jeder Seite hin günstig
[-] Besonders zeigten besonders [2x] so mußte ich nach meiner
doch nicht ganz oberflächlichen Prüfung des
nordamerikanischen Lehr- u Unterrichts-
bedürfnisses finden daß die Ausführung
Durchführung und die Veröffentlichung meiner Lehr-
mittel u Lehrweise, des Geistes meines
Unterrichtsweges besonders dem amerikanischen
Lehr- u Unterrichts- überhaupt Bildungsbedürfnisses
entgegen kommen würden [-]
so daß ich nun alles Ernstes nicht nur an die
Ausführung desselben denke sondern mein ganzes Leben
in all seinen Verhältnissen darauf prüfend anschaue
u ordnete; indem ich so den ganz bestimmten
Entschluß u Plan faßte
a.) alle meine Anschauungs- lehr-, Anschauungsunterricht-,
Anschau[un]gsbild[un]gsmittel in vielen stetig auf
einander folgenden sehr gegliederten, aber
in sich wieder wie leicht <aufweisbar / nachweisbar> so leben-
voll zusammenhängenden Reihefolge auszuarbeiten
u zwar in der Form von Kinderspielen
als Mittel zur Selbstbeschäftigung u Selbst-
belehrung.# [*Einfügungszeichen ohne Bezug*] Ich meine nämlich in entfernter
Ähnlichkeit wie manche <Unternehmung> Einzelner
Vereinzeltes dieser Art schon liefern, vor
allem das dadurch zu seiner Zeit in die deutsche
in die europäische ja die Weltbildung so
mächtig eingegriffen habende Nürnberg
und die sogenannten Nürnberger waren
in ihrem großen Umfang und einzelner Unternehmer
z.B. die <Homerischen> <Gartenfabeln> mit einge-
schlossen.- /
[6R]
b. Von den verschiedenen Nürnberger <Waaren> u
Unternehmungen unterscheidet sich aber meine Un-
ternehmung u mein Plan ganz wesentlich in sein[em]
ganze[n] Geiste, in der allseitigen sowohl philosophischen
und historischen als in der physiolog[isch]en und psychologischen ganz in der so
wohl anthropologischen als physikalischen ganz
in der allseitig menschheitl[ich] scientistisch wie praktischen Begründetheit dieses
Planes und zwar
besonders dadurch
α) daß jeder Gegen ausgeführte Lehr- u Unterrichts-
Gegenstand auf rein menschliche u menschheitl[iche]
d.h. in sich einige und ei[ni]gende Belehrung und
Ausbildung berechnet ist; ich meyne daß d[urc]h
jedes auch das kleinste Lehrmittel der
Mensch, das Kind so wohl für sich gebildet u
gefördert aber auch als Glied der Menschheit
erfaßt u entwickelt wird. Sowohl als Glied
der Menschheit als auch als Glied der Natur und
des All[s].
ß. Daß das Ganze nach einem einzigen, nur nach
dem sich als rein menschlich wissenschaftl u in der Anwendung bewährten Erziehung[-]
Lehr[-] Unterrichts[-] u Bildungsgrundsätzen beso als
ein stetig in sich zusammenhä[n]gendes Ganze be-
arbeitet wird u so zunächst nach den
von mir vielseitig aufgestellten Lehr- und
Erziehungsgrundsätzen insofern u so weit sie sich
auf den verschiedensten Bildungsstufen < ? > in ihrer
Anwendung seit Jahren u bey <Manchen> u <Menschen>
von Urtheil u Einsicht wie an u bey Kindern
von noch unverdorbener <Naturführung> oder <freyen>
Muttersinn bewährt haben.
γ. so daß also auch jedes Einzelne was ge-
reicht wird, sey es nun so klein u einfach
als oder Groß u zusammengesetzt als es immer
wolle ein in sich geschlossenes Ganze u
doch wieder gleichsam ein Kern u Saamen-
kern ist aus welchen <mehrseitige> Entwickelungen
hervorgerufen werden können u welches in dem
welcher sie gebraucht selbst wieder mehr-
seitige Entwickelungen hervorruft, daß indem deßhalb also darum
δ. nicht nur bey jedes Einzelne u sey es noch so klein als
es wolle in sein[em] lebenvollen vielseitigen Zusammenhang mit
dem Ganzen aufgefaßt u dargestellt wird sondern
daß die Gr[un]dsätze andeutend in Natur u Leben
nachgewiesen u leicht faßbar dargelegt u
ausgesprochen werden sollen
indem auch so daß jederzeit nachgewiesen ist was ihm
vorhergeht u was ihm folgt u was ihm zur
Seite steht. /
[7]
ε. daß diese AnschauungsUnterrichtsmittel das
ganze Gebiet zunächst des begründenden Unterrichtes
Formen, Gestaltungs, Zahlkunde <Größenkunde>
<eigen[t]l> Mathematik Zeichnen, Bildung des Farben-
sinns u Farbenbildkunde, ebenso Bildung des Gehörsinns
die Sprache, die Kenntniß der Natur in all ihren
Richtungen Physik u Mechanik mit Gewerbkunde eingeschlossen ja in Beziehung auf Selbstunterricht u selbst das Turnen umfassen sollen.
ζ.) daß aber endl. ganz besonders jedem einzelne[n]
Selb[st]beschäftigungs-, Selbstlehrmittel eine kurze
Anweisung beygelegt werde wird welche
a. welche nur die allgemeine Beziehung u den
Zusammenhang mit dem Ga[n]z[e]n andeutet
b. welche eine kurze Anleitung zum Gebrauch giebt
das Wort d[urc]h Zeichnung erläutert, die Zeichnung
d[urc]h d. Wort erklärt,
c. welche die aus dem Gebrauche und aus den ver-
schiedenen Darstellungen hervorgehenden und abzu-
leitenden allgemeinen u besonderen Gesetze her-
vorhebt und
d. besonders darinn allgemeine und besondere
Natur u Lebenswahrheiten veranschaulicht
andeutet[.]
η.) Zuletzt müssen wieder übersichtliche Zusammen-
fassungen u Zusammenstellungen aller zusammen[-]
gehörigen Einzelheiten die beziehungsweise
Einheit darstellen; endlich aber alle ver-
schiedenen Richtungen u Seiten der Darstellung
in einer <einzigen> Übersicht zusammengefaßt
werden woraus dann die <Auftrag> und
Auffassung der Einheit an sich hervorgehe
u so      Einheit Klarheit u bewußt[sein] in die Einsicht
             Einhheit [sc.: Einheit] in die Bildung
             Einheit Klarheit u Bewußtseyn
u so      Friedigkeit u Friede in das Leben
des Menschen komme, so daß der Mensch
dad[urc]h wie eigentl[ich] alle Einheit unsichtbar
ist vom dem Sichtbaren u äußerlichen zu
dem Unsichtbaren u Innern erheben werde
und so eines seiner selbst als einiges u <geistig>
<einiges> Wesen entsprechender Bildung u Erziehung
wenigstens solche erste Beschäftigung bey der
Pflege u Nährung des Thätigkeitstriebes hingeführt
werde; wie wichtig ja alle wie solche erste
Eindrücke u Beschäftigungen bleibend für das g[an]ze Leben sind.- /
[7R]
Ich hoffe lieber Frankenberg Du wirst mich in diesen
Andeutungen verstehen Du darfst dabey nur unsern
ich darf wohl sagen unzähligen Geb Formen, Farben
Zahl u Sprach Gebilde u Gestalten aus den verschiedenar-
tigsten Stoffen gedenken.
Genug wie Gott z.B. den Ged einzigen Gedanken
Gewächs in Tausenden verschiedenen Pflanzen
vom Schimmel u Moos bis zur <Pflechte> u Eiche von
Veilchen bis zur Rose u Lilie kund thut, so soll der
<Große> Gedanke der Lebenseinheit u <Lebensgliederung>
d.h. des innigen Zusammenhang alles erscheinenden Lebens
zunächst auch wenigstens in Hunderten von unter sich verschiedenen
und doch stetig auf einanderfolgenden
und gesetzmäßig unter sich zusammenhängenden Anschau[-]
ungsgegenständen Lehrenden u Lehrenden [sc: Lernenden] zu schnellerer
u gründlichere lebenvollerer Auffassung dargelegt werden.
Alles was wir bisher lieber Frankenberg nur je
<mit einander> besonders die verschiedenen Lebens- u Naturerscheinungen
die <Erschauung> der Erkenntniß u des Thuns mit betrif[f]t mit <einan-
der> vergleichend unter uns besprochen haben; Alles was ich
über diese Gegenstände gedacht u empfunden habe[.]
Alle die Unterweisungen u Anschaungen der höheren
Lebensgesetze welche Dir vielleicht so lieb waren
u Dich oft so fesselten, alles soll hier in
Form Gestalt u Gebilde zu wieder frey[-]
u selbstthätiger u so lebendiger Auffindung für
Andere niedergelgt werden,. w Wie Gott seine
Selbstoffenbarung d[urc]h Steinchen Moose Blümchen
Bäume geschrieben hat, so soll der Mensch sich
in seinen Wesen u das Wesen der Menschheit in
eigene Selbstthätigkeit gegenständlich und <gegenbildl[ich]>
finden.- Wie in der Natur alles Einzelnes u
Alles Ein Ganzes, jedes ein Einiges u alles Einheit
ist, so soll es auch in dem seyn was meinem
Geiste meiner Seele vorliegt mei[ne]m Leben vorliegt; Gott
in seinem Wirken und in seiner Natur soll mir
dabey in all mei[ne]m Thun Vorbild seyn. Wie Gott
in der Natur Auf Wiese u Acker, in Feld
u Wald, d[urc]h Quel[l]chen u Ströme mit Sonn Mond [und] Sonne
das große Erziehungsbuch der Menschen u der
Menschheit geschrieben hat Kindern zum
Spiel, Müden zur Erquickung, Hungrigen
zur Speise, so will auch ich in Kinder[-]
spiel u Lebenslust das Menscherziehungs /
[8]
das Menschenerziehungsbuch schreiben wofür ich bis
jetzt weder Worte noch Sprache noch Gehör noch
Prüfung finden konnte. So wird meine Seele
mein Geist noch verwirklichen, gestalten was
ich so lange als Wesen [in] mir trug; wenigstens
hoffe ich noch ein Abc und ein Einmal Eins
zu liefern daß man endlich Gottes Sach[-] u That[-]
Offenbarung die Natur wenigstens in der Natur werde lesen und sich
so selbst im Einzelnen u als Ganze[s] werde verstehen und
erkennen können. Hölzchen, Striche, Klötzchen
Kinderbauen und Kindereinreis[s]en wie Lithogra-
phie u Buchdruckerkunst rc. sollen mir dazu die
Hand reichen.
Wenn so daraus sich mehr selbst die Umgebung u das Leben erfassende verstehende u
das Allgemeine wenigstens in der Ahnung erfassende
Menschen und Kinder hervorgegangen sind aus welchen
sich reines Menschen- u Menschheitswesen minder
getrübt, gestöhrt ausspricht, wenn Ahnung höheren
bestimmten Lebens Lebensgesetze allgemeiner seyn werden, wenn
dem Menschen so das Bedürfniß nahe kommt auch
als Mensch seine hohen Geistes- u Gemüthsbedürfnisse
u [-]forderung zu befriedigen und in der Fülle der
Körperlichen u Materiellen Welt eine bey weitem
höhere Geistige ahnet, dann soll auch die Darlegung
der höheren Leb[-] u Lebens[-] der Menschenentwickelungs[-] u Men-
schenbildungsgesetze in Zusammenhängenden
Darstellungen folgen wovon Dir lieber Franken-
berg die jüngst mitgetheilten Bogen über Lebenser-
neuerung oder wenn Du sie lieber so nennen willst
über das G[an]ze des Menschenlebens eine noch un-
vollkommene Probe seyn können.
Allein auch über das Wie? u Wo? u d[urc]h Wen?
dieses sonst mit dem Kleinsten beginnen und doch
eine <weite> Welt umfassende sollende Werk und Un-
ternehmen beginnen soll wirst Du lieber Franken-
berg auch hier nochmals von mir ausgesprochen
wissen wollen.
Durch wen? - natürlich d[urc]h den der es dachte
und seit Jahren in sich u außer sich viel prüfte
also durch mich selbst, zunächst wenigstens
d[urc]h mich selbst, dann durch jeden oder jede besonders des jetzigen Lebens[-] u Freundeskreises selbst dazu ein <Prüfstein> in Dir [we]lche
Vertrauen zu dem Dargelegten Unternehmen
in sich finden u sich thatsa wirksam an dasselbe
anschließen werden. Du Frankenberg <trägst / frägst> ja für Dich[.] /
[8R]
Aber W wie? beginnen.- Wie ich Euch Sonnt[a]g
sagte u durch Kleinigkeiten, Stäbchen, Klötzchen rc. rc.
rc. zeigte d[urc]h vielfache Gliederung[,] Theilung u Zusammen-
ordnung der Euch bekannten Anschauungslehrgegenstände u
Spiele u Selbstbeschäftigungsmittel. Denke dabey nur
an die Menge der Materials welches im ver-
flossenen Sommer die Körperlehre lieferte, so
wie dessen wovon ich Dir ein Theil als die Übung
der Zöglinge in Keilhau vorzuzeigen habe. Denke
an die Menge der von den Zögl. gemachten Erfindungen für Form, Farben überhaupt Gestaltungs
Übung rc. rc. rc.
Und Wo? beginnen. Zunächst wohl in Keilhau
wo sich dazu wie der Raum, so die meisten
dafür vorgebildeten Kräfte u vieles Materielle zur Ausführung finden. Wie
sich schon mit der Anstalt dort vereinte Hülfe findet
so zeigt auch die Umgebung Gelegenh[ei]t sich davon mehr
für alle Richtungen des Bedürfnisses hervor heran zu bilden.
Diese Wirksamkeit muß zwar als <ein[i]g> für
sich g[an]z selbstständige von der eigentl[ichen] Erziehungs-
anstalt geschieden seyn kann aber doch zu gegenseitiger
Hebung mit derselben in Verbindung stehen.
Welches Land? u welche Gegend zeigte nun aber
für diese auf solche Weise zu Tage geförderte
Lehr- und Unterrichtsmittel das zunächst
das meiste Bedürfniß, denn in Menge müßten
sie gefertigt werden um sie so wohl wohlfeil
als in angenehmen Äußern zu liefern um sie allge-
mein zugängl[ich] zu machen.
<Unumwunden> will ich Dir lieber Frankenberg
wiederkehr die <Überzeugung> dahin niederschreiben, [we]lche
ich diesen bey unserer mündl[ichen] Mittheilung darüber
aussprach.
So sehr ich auch diese Lehr- und Bildungsmittel
jetzt für dies Volk überall u in allen Landen
also auch in unser[er] nächsten Umgebung ein Be[-]
dürfniß achten, und so sehr ich daher auch über[-]
zeugt bin daß sie selbst bey uns gewiß später Eingang finden
werden; so ist sind doch ganz
vor allem dem Volksbildungszustand u der
Volksbildungsweise u VolksbildungsAnsicht
von Nordamerika diese Anschauungslehr-
und Anschauungsbildung[s]- Selbstlehr- u Selbstunter[richtsmittel]. /
[9]
nach meiner Kenntniß u Kunde vom Stand-
punkte des amerikanischen Lehr- u Unter-
richtswesen am meisten Bedürfniß <worin>
ich hoffe daß auch Du nach deinem Vertraut[-]
seyn mit den amerikanischen Verhältnissen
einstimmen wirst; doch wird es mir sehr
lieb seyn wenn Du dich mir schriftl[ich] klar
darüber aussprechen willest.
Aus dieser meiner Ansicht vom Stande und
dem Bedürfnisse des Amerikanischen Unterrichts
lehre geht nun wie ich Dir hier offen auch schriftlich aus-
sprechen will der Entschluß u Vorsatz hervor
zugleich u in Verbindung mit dieser Anstalt Unternehmung in
Keilhau eine Anstalt in Amerika für die Ver-
breitung <und> die Anwendung dieser Anschauungslehr-
mittel zu begründen . Ja ich habe den ganz festen <Entschluß>
in angemessener Zeit sie dort <auszuführen>.
Ich gestehe Dir auch gern daß ich schon alle
meine Bekanntschaften u mir näher stehenden
Verhältnisse und Orte darauf angesehen habe und
ich lege hier nun abermals [Dir] u wenn Du willst
Deinem Bruder Ernst in Göttingen, Dein[en] Brüdern Louis
u Georges und ihren Freunden in Columbus die Frage
zur Prüfung vor. Ob sich nicht nach dem angedeute-
ten Plane eine in sich innig einige
Keilhau in Deutschland u Columbus im Staate Ohio
Anstalt
für Anschauungsunterricht zur Selbstbelehrung
u Selbstbildung, zum Spiel u zur Selbstbe-
schäftigung
in Keilhau u in Columbus
als eine zwar in sich innig einige errichtet werden
könnte u zwar so daß in Keilhau die Unter-
richtsmittel wegen leichter und wohlfeilerer Aus-
führung gefertigt u von Ohio aus wo dann die
Hauptniederl[a]ge dafür wäre in Amerika
verbreitet würden.
Ob ich nun gleich von dem Gelingen einer solchen Ver-
schwisterten Unternehmung in mir tief überzeugt bin
so werde ich doch gern sowohl Dein als Deiner
Brüder Ansicht darüber hören und besonders lege
ich es hier Dir, Deinen Brüdern für allgemein menschheitl.
Streben erkund[end] u achtend anerkennend für Mitwirken Theilnahme zur
Prüfung vor.- /
[9R]
Doch ich wiederhole Dir unbefangen hier schriftlich was ich Dir
schon mündlich aussprach, so sehr ich das Urtheil
Deiner Brüder u ihrer Freunde ehre, so sehr will-
kommen u gewiß belehrend u förderlich es dem
Ganzen seyn wird auch wenn es sich ganz ent-
gegnend ausspräche - (:denn das hoffe u wünsche
ich von Ihnen daß sie sich Dir als wahrer u treuer
Manne u Bruder so offen als wahr nach ihrer
Ansicht darüber aussprechen werden:) - so kann
mir dieß doch nicht die Überzeugung nehmen daß nach Deiner großartigen Theilnahme
auch wir beyde
ja ich von Keilhau aus allein das G[an]ze durchzu-
führen für möglich achte. Denn im letzten Fall hätte
ich ja weiter nichts zu thun als mit einer hinlängl[ichen]
Menge solcher Unterrichts Mittel u Gegenständen ver-
sehen selbst nach Amerika zu gehen u ihnen dort
begleitet mit mündl[ichen] Lehren und persönl[icher] Darlegung
ihres Wesens ihrer Bedeutung u ihres Geistes ihnen
dort Eingang zu verschaffen.
Auf jeden Fall lieber Frankenberg wenn Du Dich
<bewogen> finden solltest dieß g[an]ze Deinen Brüdern
in Amerika zur Prüfung vorzulegen so bitte sie u besonders
auch ihre beyden Freunde d[en] He. Pfr. Schmid u He <Imkb[a]ch>
Dir unumwund[en] als wahre deutsche u treusinnige
Männer Dir ihre Meinung darüber nach Maaßgabe
ihrer Erfahrung u gestützt auf dieselbe auszusprechen[.]
Willst Du vielleicht das G[an]ze auch noch besonders
deinem Bruder Ernst in Göttingen mittheilen und
könnte es dessen wahrhafte Theilnahme wecken
so wäre es wohl gut wenn er nicht nach Amerika
abreiste ohne mich nochmals vielleicht oder doch wenigstens nochmals den Barop vorher dort in Keilhau gesprochen
zu haben[.]
Du wirst nun lieber Frankenberg gewiß mit
mir durch die vorliegende Darstellung erkennen und
einsehen daß die Hauptbedingungen erreicht sind welche
die Erreichung jedes großen u großartigen stetige
Fortentwickelung zu steigender Vollkommenheit
für Vollendung in sich tragen muß: einen kleinen
wenn auch g[an]z umfassenden aber in sich einigen Anfangspunkt welcher aber
im Fortgang seiner Entwickelung sich alle die Kräfte aus in sich entfaltet und die Bedingungen Mittel
aus sich schafft welche zur
Ausführung des Ganzen nöthig sind; und welche jeden
der näher oder ferner stehenden
Lebens- oder Geistesverwandten
Mitlebenden nach dem Bedürfniß u den
Forderungen seiner eigenen Entwickelung frey <ver[-]
statte[t]e> daran thätigen Antheil zu nehmen oder nicht. /
[10]
So kann nun jede unserer bis jetzt begründeten
Erziehenden Unternehmungen an denen Du in der
u persönlich thätig so gern förderndenden Antheil nimmst
sich selbst u freythätig und <ohne Da> nicht <nun>
d[urc]h die neue Unternehmung in ihrer Fortent-
wickelung nicht gestöhrt sondern vielmehr be-
fördert zu werden - kräftig fortentwickeln[.]
Ja es knüpft sich mir daran die Ausführung eines
noch bey weitem größ[er]n Gedanken, des Gedanken
nemlich welcher wie eine Sonne an dem Himmel
meines innern Lebens u Gemüthes steht: - in Amerika und zwar in den Freystaaten
zuerst u zunächst vielleicht d[urc]h meine u unsere sich schon
befinden[den] Freunde und Bekannte einen großen Familien[-] u Lebens[-]
Verein eine wirkliche in sich innig einige Lebensgemeine
für Darlebung für Darstellung u Ausführung reines
Menschen u Menschheitslebens (d.h. den einzelnen
Menschen stets zugl[eich] als Gliedganzes der Menschheit u
der Natur des Alls ins Auge gefaßt) zu bilden.
So weit mir nun die Amerikanischen Verhältnisse
bekannt sind so sind dafür nicht geringe Hemmnisse zu
beseitigen: Ackerbau kann zunächst nicht alles
reichen was das edlere u höhere Menschen<land>
besonders Menschheitsleben fordert, Gewerbe
Künste u Wissenschaften höhere die höheren Bedürfnisse
des Menschen befriedigende Industrie gehört auch
dazu. Aber einer menschenwürdigen Geist[-] u Gemüth[-]
volle Pflege von alle diesen wollte Amerika
bis jetzt nur kümmerlich die Subsystenz des
bestehen[s] sichern.
Da ich nun in mir wirklich nicht nur ahne sondern
sogar hoffe u nicht zweifle daß eine Dir im
vorstehenden Ganzen vorgeführte Wirksam-
keit dem amerikanischen Bildungsbedürfniß
entspricht, so könnte dadurch die große Ausführung dieses Planes schon in kurzer Zeit
eine hübsche An-
zahl edler hier nach Darstellung reinen Lebens strebenden Menschen in ächt menschl[ichem] Lebensver[-]
bandt in <gegen[seitiger]> gesicherter Subsistenz <eben> mit[-] u nebeneinander in gegenseitig
bestehen
die Sicherung der Subsistenz so wohl für vielartige
als höhere Kunst- Bildungs- u Lebensstufen besonders
zu gegenseitiger Förderung nebeneinander
und so in wechselseitiger Grundbiethung /
[10R]
war aber dafür bisher in Amerika immer
ein unübersteigliches Hinderniß zur Ausführung höhern u <rei[n] m[en]schheitlichen>
Lebens in Amerika [für] das edle
sich nach Amerika flüchtende Leben wenn es
nicht eben zugl[eich] < ? > Säen Holzfällen u Holzfahren
konnte <gieng> dort unter.
Die Großartige Ausführung aber des Dir ganz im Klein[en] vorgeführten
Gedanken machte aber die Sammlung
das zusammentreten u zusammenwirken edler Deutscher
in Amerika zu Einem Orte der Menschen-
Pflege, Menschenerziehung u Menschenbelehrung mögl[ich].
Es könnte sich so recht gut u bald in Amerika
um im Bilde zu reden ein zweytes Nürnberg
oder Göttingen (denk erinnere Dich nur was
Göttingen zur Zeit der Universitätserrichtung war)
oder ein zweytes Waimar aber dieß alles
in hohen Mensschheitlichen Sinne bilden.
Doch das größte Hemmniß für Vereinigung für Darlebung Ausführung vom
Menschheitslebens was war immer
das, das gemeinsame u gegenseitige einigende
Verständniß bey dem natürl[ichen] auseinander
Streben der menschlichen Wirksamkeiten; der
nun von mir vorgeschlagene Weg bewirkt
aber auch dieß auf mehrfache Weise für einzelne
für ganze Familien u für ganze Familienver[-]
eine u Kreise und so sehr ich durch <Betre[y]bung>
und Ausführung desselben für Amerika u zunächst
in den Freystaaten die Möglichkeit daß sich dort
menschheitl[iches] Leben rein und in Gemeinschaftheit
im menschlichen geselligen Zusammenleben gestalten könnte wie
ich Dir in den Dir jüngst mitgetheilten Blätter[n]
über Lebenseinheit u das Lebens Ganze mitgetheilt angedeutet
habe: die Darstellung des Gesammten Lebens als
"Eines Ganzen"
oder wie ich es auch sonst nannt[e] die
"Lebenserneuung"
Wie sich denn auch immer die Verhältnisse
u Lage von Deutschland wenden möge so war
denen welche höheres menschheitl[iches] Leben suchen
u bedürfen eine wirkliche FreyStatt ein Asyl
gebildet sich zur Darlebung desselben zusammen
zu bilden und so könnte sich am Ende - denn
Amerika hat noch gutes unbewohntes
Land genug um sich nach u nach dahin in großer
Gemeinsamheit zusammen zuziehen -
in Amerika ein wirkl[icher] Staat zur Darlebung /
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ächtes Menschenlebens bilden.
Und so bin ich denn mit wiederkehrender
Darlegung dieses meines Lebensplanes an Dich zur freyen Prüfung für Dich
zur freyen aber mals zu Ende, zwar freylich wieder
nur der Schaale, dem Körper nach, doch Du
wirst den Kern u den Geist darinn finden u ihn
auch andern wenn Du Dich weiter an die Deinen
darüber mitzutheilen für gut findest - finden machen[.]
Wirst Du nun so in der Schale den Kern, unter der Rinde
u in dem Holze das Mark in der Form das Wesen in
dem Körper den Geist in dem Leibe die Seele in den Todten das Leben, in
der Vielheit die
Einheit, in dem Äußerlichen das Innere u Innerste
in dem Vergängl[ichen] das Unvergängl[iche] u Einzige u so
in dem Kleinsten das Größte gefunden u erkannt
haben so hast Du mich u mein Leben in sein[em] Wollen
u Streben gefunden - Du hast das Ziel u den Zweck
gefunden welchem mein Leben geweihet u gewidmet
ist u zugleich die Mittel u die Wege erkannt
wodurch ich es zu erreichen hoffe.- Welchen
Antheil Du nun daran für Dich oder die Deinen
nehmen willst ist Dir nun in Deine Hand u Kraft
in Dein[en] Geist u Dein[en] Willen in Dein Gemüth u
in Deine That geleget u gegeben. Wenn Du nun
das Ganze klar in Dir wieder durchdacht hast so
theile mir Dein[en] Entschluß oder mindestens
Dein innerstes Stehen zu dem Ganzen so klar als
bestimmt als bald mit, denn die Zeit läßt uns von
Gedanken bis zur Ausführung durch die That nur eben
kurz u genau die Zeit welche dazu nöthig ist[.]-
Theile diesen Brief auch an Middendorffen <mit>.
Nun so sey Du, ihr alle u das G[an]ze Gottbefohlen
Euer

       Friedrich Fröbel /