Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 14.3.1836 (Burgdorf)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 14.3.1836 (Burgdorf)
(KN 52,26, Brieforiginal 1 B 8° 3 S.+Adresse, zit. Heerwart 1905, 159f.)

Burgdorf, Montags am 14' März 1836:. Mittags


Gott zum Gruß lieber Barop.

Mit der Meldung einer tief ergreifenden Trauerpost komme
ich zu Dir welche ich diesen Vormittag aus Berlin eingetroffen
ist komme ich zu Dir. So unerwartet diese Nachricht zu
Dir kommt, so unerwartet war sie uns und so unerwar-
tet war der Tod unserer verehrten Mutter am verflossen[en]
Sonnabend vor 8 Tagen also am 5. d. unseren Verwandten
in Berlin. Noch weiß meine theure Frau welche still neben
mir sitzt und arbeitet, weil sie selbst seit gestern etwas ange-
griffen die Stube hüten muß, nicht welch' ein Verlust und Schlag
sie getroffen hat. Ich weiß noch gar nicht wie ich ihr die Nach-
richt nahe bringen soll; selbst ich habe den Brief, welchen ich, da
er von unserm Verwandten Pochhammer war, schon die Trauer[-]
post ansah, bis jetzt noch nicht lesen können wie ich ihn nicht erbrechen
konnte; da mit seinem Anfassen mir seine ganze Wirkung auf
meine Frau entgegen trat. Sie ist zwar im Ganzen so wohl als
sie seit langem nicht war; allein eine Erkältung am Sonntag
vor 8 Tagen in der Kirche, hat ihren Körper ihre Nerven außer
ordentlich reizbar gemacht. Da ich aber dennoch glaube, zu Gott
hoffe daß meine geliebte Frau bey ihrer sonstigen Gemüths- und
Geistesstärke auch diesen für ihr tieffühlendes kindliches Herz
gewiß sehr harten Schlag überwinden wird, so eile ich, Dir
diese Nachricht mitzutheilen ohne ihn vorher der Tochter aus[-]
gesprochen zu haben, indem dieser Todesfall tief in unser
Gesammtleben eingreifen wird, und jetzt, wo alles in ganz
neue erwartenden Lebensformen erwartend vor uns liegt,
alles im Zusammenhange klar und besonnen überschaut werden /
[1R]
muß; dieß wird Dir nun möglich. Verflossenen Dienstag am 8en 
habe ich ein Pakket an Dich abgeschickt welche[s] eine umfassende Dar-
legung unseres Gesammtlebens in seinen innersten wie in seinen
äußersten Beziehungen enthält. Ich hoffe daß dieß Pakket sogleich
mit diesem Briefe oder doch wenigstens unmittelbar darnach bey
Dir angekommen [sein] wird. Ich habe ganz spezielle doppelte Declaration
beygefügt damit die Auslieferung keine Schwierigigkeiten habe; doch bist
Du von des Packetes Ankunft benachrichtigt so gehe lieber selbst um es
abzuholen damit man nicht in den Papieren krame.- Das Packet selbst
enthält 1 Ex: Festkalender herausgek: bey Cotta 1 kl. Basler Taschenkalender[.]
Handschriftl. Mittheilungen unter Kreuzquart. Dieß ist eigentl. das Wichtigste;
um nun die Neugier nicht zu reisen und doch wahr zu seyn, habe ich ihm
die Aufschrift gegeben "Das Leben ein Ganzes" als Festgabe.- Weiter
enthält das Pakket ein Paar von der Mutter dem ChrFr zum Geburtstag
genähete Schublätter nebst einem Brief von ihr u mir welche offen bey
liegen; noch liegt ein unverschlossener Brief von mir an Johannes Vater
v. vor: Jahre bey.- Sobald nun das Ganze bey Dir angekommen ist,
suche Dir ja sogleich die möglichste Freyzeit zu verschaffen um es ruhig
prüfend ein[-] und ist es nöthig zweymal durchzulesen. Ist nun aber
Dir das Leben nach den Dir vorliegenden Thatsachen möglichst klar
so schreibe mir eben so klar als bestimmt dessen alleitigen Stand
als Deine und all der übrigen Ansicht insoweit dieß möglich ist[.]
Schreibe mir besonders ganz klar und mit männlicher Offenheit
und Treu[e] wie die Glieder unseres Familienkreises in ihren Herzen
und Gemüthe in ihren Ansichten zu mir und meiner so treulebigen
und treusinnigen Frau stehen. Ich wünsche alles zu thun daß allseitige
Zufriedenheit
mit dem Leben, so weit als nur immer möglich ist von
dem jetzigen Lebensstandpunkte allen Gliedern unserer Familie werde. /
[2]
Aber auch ich für meine Person bin fest entschlossen mein Lebensziel klar
im Auge und im Handeln zu behalten: nachzuweisen, erkennen, anerkennen
und darleben zu machen das Ewige in dem Zeitlichen; die Einheit in der
Mannigfaltigkeit, das Göttliche in der Natur und in der Menschheit.
Dieß wirst Du Dir durch die nur bey Dir eintreffenden Mittheilungen
commentiren können. Ich will wenigstens im unverrückten Streben
nach meinen immer klarer und im tiefen als wahr schauenden Ziele streben.
Nun das letztere. Überlege es; ich halte nicht für gut daß Du jetzt viel Er-
öffnungen vom Tode der Mutter selbst im Kreise machest, damit die Nach[-]
richt Euch sich nicht zu schnell verbreite und Ihr dadurch viel störende
Einwirkungen erfahret; ist es nöthig so erkläre gerade zu ich würde im
Laufe dieses Sommers nach Hause kommen; gestern habe ich in Burgdorf
es [bey] der Behörde ausgesprochen, daß es wohl schwerlich mir
persönlich möglich werden würde lange Zeit über das Probejahr
noch dem Zutrauen der Burgdorfer zu genügen; doch war auch dieß
noch keine officielle sondern nur vertrauende Mittheilung. In all
Deinem Handeln zeige jedoch mein wie Dein volles Vertrauen.
Die herzinnigsten Grüße an Euch alle von Euern
FriedrichFröbel /
[2R]
[Adresse:]
Johannes Arnold Barop
in
Keilhau
bey Rudolstadt in Thüringen.