Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 15.3.1836 (Burgdorf)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 15.3.1836 (Burgdorf)
(KN 52,27, Brieforiginal 2 Zettel 8° 4 S.)

Burgdorf am 15en März 1836.


Lieber Barop.

Endlich nach 24 bangen Stunden habe ich es gewag[t]
diesen Morgen meiner theuern Fr. die Nachricht von
dem Scheiden der Mutter nahe zu bringen; allein so
wie ich nur erwähnte das Briefe aus Berlin an
mich in Beziehung auf die Mutter da seyen, so stand
auch schon der ganze Verlust in seiner ganzen
Gewißheit wie mit einem Schlag vor ihrer ahnungs-
vollen Seele, tief war die Erschütterung, ganz
in sich selbst versunken konnte und wollte sie sich
nur aus sich selbst erheben. Jetzt scheint ihr starker
Geist und ihr tiefes Gemüthe unerschütterliche Gründe
des Trostes gefunden zu haben und sie sitzt ruhig
und still neben mir.- Gestern Nachmittags wo
ich sie während des ganzen Tages vorzubereiten
suchte sprach sie mir noch aus: Jahrelang habe ich
mich schon auf diesen Verlust vorbereitet ich muß
ihn stets erwarten, doch wenn er kommen wird,
wird mich seine Wirklichkeit unbeschreiblich <treffen>
und so war es.- Gott sey Dank daß die treue
Frau, in den letzteren Tage[n] sich körperlich bedeu[-]
tend besser fühlte, wenn auch gerad gestern
etwas angegriffen; doch ein ruhiger Schlaf
hatte sie - wie Gott immer gütig ist - <zur Ertragen>
dieser herben Nachricht gestärkt.- Du Barop
wirst gewiß der Base und Mutter selbst ein Wort
der Theilnahme schreiben.- /
[1R]
Der Zweck meines heutigen Briefes ist die Mit-
theilung der gestern von Willisau erhaltenen
Nachrichten damit gar nichts Dich hindere
das Ganze nach allen seinen Theilen und For-
derungen
zu überschauen.-
Gerade zu kann weder ich noch meine Frau
mit welcher ich gestern darüber sprach noch
Langethal für den Vorschlag der Willis-
auer stimmen daß Gascard als Ersatz
für Audemars nach Willisau gehe. Ich
halte Gascard zu stark f mit den Keilhauer
Kindern verwachsen und für ihr Leben wirk[-]
lich nöthig; dagegen glaube ich nicht daß
sich Gascard längere Zeit in den in seinen
Forderungen so strengen und harten Willisau
gefallen könne schon weil noch kein eigentliches
Familienleben dort ist. Du hast nun alles
wohl zu überlegen. Drey Sachen sind dabey
wichtig
erstl. wird die Lücke in Keilhau nicht zu
groß.
zweitens ist es freylich ein Großes wenn
dadurch Middendorff in Willisau frey wür[-]
de und nach Keilhau zurück kehren könnte
wie aus Ferdinands Äußerung hervorgeht
drittens Ob es vielleicht möglich wäre daß
Gascard mehr in ein Verhältniß der Mit- /
[2]
führung zu Ferdinand träte als in das Verhält[-]
niß eines blosen Lehrers. Im letzteren Fall
dünkt mich könnte er blos durch den Gehalt ge-
bunden werden und Willisau müßte ihn
ohne Zweifel die Reisekosten von Keilhau
nach Willisau, oder wenn er, was ich jedoch
nicht glaube darauf Verzicht leistete wenigstens
400 Schweizerfranken jährlich (= soviel bekamm
auch Audemars Gehalt zu sichern.- Nun
das Ganze liegt zu Deiner und Euer aller Prüfung
klar vor.- In Beziehung auf Burgdorf
glaube ich auch mit großer Wahrscheinlichkeit
aussprechen zu können: daß man es wohl
von den einsichtigern Punkten, den Schnell rc
aus gern sehen würde wenn sowohl ich als
Langethal in unsrer jetzigen Stelle blieben;
Langethals Bleiben scheint uns also in den jetzigen
Verhältnissen, in so weit es nur immer möglich
ist sich darüber auszusprechen, wohl gewiß.
Was mich betrifft, so bedarf meiner Frau
Leben und Gesundheit der Pflege u Ruhe mir
ist es Pflicht für das was sie alles für mich
und uns alle that sie ihr zu verschaffen;
ich bedarf wieder einer höhern durchgrei-
fenden endlich zum Ziele führenden Wirksam[-]
keit und meine Frau findet fand in meinem Lebens[-]
plan ihr Leben; also muß ich die Entwickelung[en]
abwarten; auch Frankenberg ist eingehend ja /
[2R]
wie Du aus Middendorffs Äußerungen
siehst schon ganz in dem neuen Verhält[-]
niß und Keilhauer Leben lebt.-
Langethal meynt daß es am gerathensten
sey dem Gascard das Ganze zur freyen
Wahl vorzulegen; dieß ist wohl gut
nur mußt Du sehen in wie weit er wirklich
mit Keilhau verwachsen ist und ihr wünscht
daß er noch länger als ein Jahr in Keil-
hau bleibt, und dort förderlich sey.
Wenn ihn später nicht ein besonderes
Band der Theilnahme an Willisau fesselt
so können wir auch nicht glauben daß er
länger als ein Jahr dort bleiben würde,
und so wäre dort auch Wechsel und Wechsel[.]
Um nun doch einen Anknüpfungspunkt
für Willisau zu haben halte ich es für
das Beste (doch alles nach Deiner Prüfung)
Du fragtest ihn ob er uns nicht für
Willisau einen Lehrer vorschlagen könnte
dann würdest Du ja gleich sehen ob sich
in ihm die Lust für diese Stelle selbst rege.
Du hast, Keilhau hat jetzt seine Erneuer[-]
ung in der Hand - fragt treu den
Grundgedanken und das Leben was
es fordert und seyd offen. Schreibe nun
ja bald. Von mir Nachricht so bald ich
mit meiner Frau das Leben besprechen kann FrFr