Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 3.6.1836 (Kehl)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 3.6.1836 (Kehl)
(KN 52,32, Brieforiginal 1 Bl 4° 2 S., ed. Heerwart 1905, 164-166. Es handelt sich um Briefliste Nr. 699, zunächst falsch unter 3.4.1836 eingeordnet, nachträglich verbessert in 3.6. [Verwechslung IV / VI] und verschoben zwischen Nr. 704 und 705. Im Briefkopf Lithographie des Straßburger Münsters mit einer handschriftlichen Sternchenmarkierung Fröbels, auf die im Brief Bezug genommen wird)

Kehl bey Straßburg am 3 Tage im Monat des fruchtenden Lebens (3./VI.) 1836.·.


Grüß Dich Gott lieber Barop

Durch Dich Dein treues Weib, die geliebten Deinen u all die Lieben in Keilhau.
Seit 4 Tagen sind wir aus Burgdorf abgereist. Gottes Güte brachte uns gesund u
wie es besonders der Körperzustand meiner theuren Frau erlaubt über
Basel u Freyburg hierher. Diesen Mittag u Nachmittag waren wir in Straßburg
wo unsere treusinnige, das Hohe u Große gern bewahrend u pflegend in sich aufneh-
mende Mutter den Münster bis zur Plattform d.i[.] bis zu der Stelle
bestieg welche ich durch einen * bezeichnet habe. 330 Stufen führten bis dahin
und günstiges Wetter belohnte sie durch Natur u Kunst für die Mühe der
Anstrengung der Besteigung. Vom Münster gingen wir zur Kirche des St. Thomas
wo wir das Grabmal des Marschall von Sachsen sahen; wo er wie ein Held
und als Held ins Grab steigt. Wir empfanden hier tief die Macht der Kunst
doch darüber mündlich.
Morgen, den 4en Abends denke ich in Karlsruhe zu seyn; dann in 2 Tagen in
Frankfurt a/m und so vielleicht, schenkt uns Gott weiter Kraft zur an-
gemessenen Fortsetzung der Reise, in 8 bis 10 Tagen im lieben u geliebten Keilhau
wohin sich unser Gemüth, Geist u Leben herzlich sehnt.- /
[1R]
Von Burgdorf wo mein Leben und Wirken, wie ich besonders in den Wochen
und Tagen der Trennung empfand tiefe und gesunde, bleibendes Leben in sich
tragende Wurzeln geschlagen hat,- begleitet mich ein dreyschössiger
oder dreyzweig[ig]er Myrthenstock, er wurde uns im Augenblick der
Abreise geschenkt. Auch die in Burgdorf zum Abschied gereichten Blumen,
Vergießmeinnicht, Himmelfahrt, Rosen, Ehrenpreiß rc.rc. begleiten mich noch
blühend u duftend. Meine Abreise von Burgdorf war zwar nach dem
Tage des großen Emmenthaler Sangfestes welches dieses Jahr in Burgdorf
gefeyert wurde und wo Romberg's: - "Was bleibt u was schwindet"
ganz vorzüglich ausgeführt worden war. Bey diesem Anlaß sahe ich
viele u mancherley Menschen u Middendorff welcher uns die Freude ge-
macht hatte in den Tagen der Abreise in Burgdorf zu seyn meynte: -
"Es sey dieß doch ein ganz anderer Abschied als der frühere aus der Umgebung
von Keilhau u er meynte wohl besonders R-dt." - Dieses Empfinden u Aus-
sprechen Middendorffs war mir jedoch das liebste, so wie ich es Dir nur
andeutend mittheile, damit auch Dein treues theilnehmendes Gemüth em-
pfinde u Dein Geist schaue ob u wie ich aus der Schweiz u namentlich Burgdorf
geschieden bin. Meine Frau grüßt Euch mit mir herzinnig; sie freut sich mit
mir u sehnt sich sehr bald wenn auch nur auf kurze Zeit wieder in Eurem lieben
Kreis u Mitte zu leben. Gott gebe Ihr zur Erreichung Ihres Wunsches Kraft.
Dein, Euer FriedrichFröbel