Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 10.6.1836 (Gotha)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 10.6.1836 (Gotha)
(KN 52,33, Brieforiginal 1 Bl 4° 1 S., tw. ed. Heerwart 1905, 167f. Beim Brief liegt als Beilage ein Brief Heinrich Müllers an Barop v. Anfang Juni 1836, in dem Müller auf die kurze Begegnung mit F. Bezug nimmt. Der Brief muß nicht zwingend zusammen mit dem F.-Brief verschickt worden sein, wahrscheinlicher ist, daß Müller Barop vorab kurz informieren will; dann wäre der Müller-Brief dem F.-Brief nur aus inhaltlichen Gründen archivalisch zugeordnet. Wohl weil der Müller-Brief chronologisch früher liegt, ist sein Blatt als Bl 1 foliiert, der F.-Brief als Bl 2.

[2]
Gotha am 10' Juny 1836.·.


Mein lieber Barop.

Ich habe es schon oft während meinem Leben finden und erkennen müssen,
daß dasselbe dem Schicksale oder wenn Du bezeichnender willst, der
Vorsehung angehöre, darum muß ich erkennen daß mein Leben für alle
die bedrängend, ja oft hart u schmerzlich ist welche das Schicksal mit
mir verbunden hat, welchen es aber schwer wird in meinem Leben
die Wege des Schicksals zu finden und des denselben nachzugehen. Für
das erste ist meine Reise und besonders deren Entwickelungsgang in
den letzteren Tagen wieder, für mich ein sprechender Beweis. Ich kam
mit dem festen Vorsatz nach Frankf[.] wenigstens einen vollen Tag daselbst
zu bleiben, sprach dieß auch sogleich nach meiner Ankunft aus und wurde
noch in meinem Entschluß bestätigt als ich hörte daß keine Retour nach
Gotha da sey: Doch sogleich trat zeigte sich auch eine Gelegenheit sogleich unmittelbar nach
Berlin zu reisen, und die Wiederholung der Wünsche unserer lieben Tante
so schnell als möglich nach Berlin zu reisen traten so lebhaft hervor, daß
auf das kürzeste der Entschluß gefaßt werden mußte, sogleich von
Frankf[.] über hier nach Berlin zu reisen. Und so mußten wir denn den
Entschluß aufgeben einige Stunden während des Morgens hier zu bleiben
und dann über Döllstädt wohin wir sehr gern gegangen wären, nach Keil-
hau zu reisen ganz aufgeben.- Wann wir nun nach Keilhau kommen wer-
den darüber kann ich jetzt nicht einmal etwas ahnden noch weniger bestimmen
doch wünschen wir beyde daß es bald geschehen möge. Dieß Euch in größter
Eil zur Nachricht; möchtet Ihr noch nichts zur unserer Ankunft vorbereitet
haben. Heinrich schenkt uns einige Stunden. Die Base ist nach Umständen wohl, heute
mußte sie schon 3½ Uhr Morgens aufstehen. Ihr Vertrauen zu Gott stärkt sie.
Bald nach meiner Ankunft in Berlin mehr. Mit treuer Liebe Dein u Euer
FriedrichFröbel
Sende mir bald Nachricht von Euch u die Briefe aus der Schweiz nach Berlin. Alte Schönhauser Straße No 46 bey Mad: Hanige

Archivalische Beilage:
Brief von Heinrich Müller an Johannes Arnold Barop v. Anfang Juni 1836 (Döllstedt)

[1]
Lieber Barop.

Gestern Abend und heute früh habe ich 1 Stunde
bey dem Oheim und Base zu gebracht er kam mir
ganz unerwartet als ich des Abends am Fenster
sah [sc.: saß] und einen Mann nach den Fenstern sehen
sah in welchem ich gleich dem Oheim erkannte
er sah ziemlich wohl aus, aber die Base war
sehr angegriffen noch vom Abschied in der Schweiz
und von der Reise und deswegen wollte er nicht
erst nach Keilhau <um ihr> den eine[n] Abschied zu ersparen
wenn er dann nach 8 Tagen wieder fort wolle nach
Berlin. /
[1R]
bey mir und in Doellstaedt sind alle wohl,
leben Sie wohl und grüßen alle lieben auch
den He. Pfarrer herzl. von
Ihrem
<treuen> Vetter
Heinrich Müller
in Eile