Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 5.7.1836 (Berlin)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 5.7.1836 (Berlin)
(KN 52,36, Brieforiginal 2 Bl 8° 3 S., tw. ed. Heerwart 1905, 178 [aus 2V])

Berlin am 5en July 1836


Gott zum Gruß
Dir lieber Barop und all den lieben Deinen.

Ich wollte daß schon heut Vormittags ein einfacher Gruß
ein Lebens- und Herzensgruß an Dich und all die theuren
Deinen zu Euer aller Lebensfeste zu Euer aller vielzwei-
gigem Lebensfeste abgehen möchte, damit er ganz ge-
wiß zur Jahresfeyer Eures Einigungsfestes und des
Festes höhern Lebensdaseyns bey Euch eintreffen möch-
te, doch ich hatte mich in Tag und Stunde auf dem
Postverzeichniß versehen, so daß ich den einfachen
Gruß mit mir zurück nehmen mußte; darum
will ich, weil das Leben nach längerer Ruhe wieder
vorwärts zu drängen scheint, die mir noch übrige
Zeit benutzen nicht sowohl und allein eine im vorigen
Briefe an Dich gethanene Bitte zu wiederholen, als viel-
mehr Dich auf die Wichtigkeit der jetzigen Zeit und ihrer
streng zu prüfenden Beachtung aufmerksam zu machen.
Wir, ich, ja unser ganzes Leben steht jetzt in seinem ent-
scheidensten Wendepunkt, in einem Wendepunkt der bey
weitem wichtiger ist als der den ich erst allein und dann da ich
mit meiner Frau nach der Schweiz gieng, die größte
Lebensklarheit und Lebensruhe muß jetzt erstrebt werden,
damit das Rechte des Lebens ergriffen werde. Darum
komme ich mit der Bitte zu Dir mir das im letzteren Brief
an Dich gethanene B Gesuch (mir von dem Stande der Keilhauer
ökonomischen Verhältnissen treue Kunde zu geben) -
recht bald und recht ausführlich zu erfüllen; beachte da-
bey der Gesammtheit aller unserer Lebensverhältnisse und
sprich dann einfach und bündig von Deinem Standpunkte /
[1R]
und Deiner Lebensansicht Dein Urtheil d.i. dasjenige was Du
in den jetzigen Verhältnissen für das beste hältst aus.
Um Dich nicht zu in Deiner einfachen Lebensansicht zu
stöhren will ich Dir von den hiesigen Verhältnissen
nur schreiben daß der Hauswirth mit Bestimmtheit,
das von der seel. Mutter by ihm stehende Kapital
zum 1en Oktober d. J. abzuzahlen gedenkt. Wir
hatten wichtige Gründe dieß anzunehmen obgleich
die Zahlungszeit erst Neujahr gewesen wäre; ob
nun aber auch Herr Blumberg schon am 1n Oktb.
das Kapital zurücknimmt oder ich erst das Geld
in die Bank oder Seehandl[un]g bis dahin geben muß,
steht noch dahin ich habe noch nicht mit Blumberg
gesprochen.-
Ob sich gleich zu Schönhausen schon mehrere Liebhaber
meldeten so konnte bis jetzt noch mit keinem ein Kauf
abgeschlossen werden.
Möbel stehen wegen der Menge der Möbelmagazine
und besonders der Möbelauctionen in unbedeuten[den] Werth.
Mir scheint es zur kräftigen und einfachen Durchführung
Klärung und Sicherung unserer gesammten ökonomischen
Lage höch[s]t wichtig daß diese gesammten ökonomischen
und pecuniären Verhältnisse still und einfach
nur ganz allein zwischen Dir und mir verhandelt
werden; sprich Dich mir darüber in Deinem näch[-]
sten Briefe klar und bestimmt aus; als oberster
Grundsatz dabey muß fest stehen: daß wir sowohl
Keilhau's Bestehen sichern als aber auch das
disponible Kapital nicht schwächen.
Ich hielt für nöthig Dir dieß zu schreiben damit Du
weder mit Deiner Antwort an mich zu groß, noch /
[2]
in derselben zu etwa gegen Absicht unvollständig wä-
rest.-
Mit der Gesundheit meiner Frau geht es G. s. D. immer
ihren gleich ruhigen Weg, doch nicht schlechter und das
ist schon auf das Höchste dankenswerth; auch sie nimmt
den innigsten Antheil an der Feyer Eures Lebensfestes
und wir werden es hier sämtlich Eurer herzlich geden-
kend, freundlich begehen.
Lebet alle recht wohl und denket unserer in Liebe wie
wir stets und immer Eurer.
FriedrichFröbel

Weil ich hoffte daß die Schachtel noch
heut Mittags abgehen sollte, so packte
ich sie gleich beym Kaufmann ein wo
ich sie kaufte deßhalb findest du alles
so flüchtig, du wirst ein oder 2
Kästchen vermissen, welche ich später
gern hinzu gefügt hätte wenn ich die
Schachtel wieder hätte öffnen wollen,
Du wirst wohl was ich versäumte
zu ersetzen wissen. Dein
    FrFr.