Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 14.7.1836 (Berlin)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 14.7.1836 (Berlin)
(KN 52,38, Brieforiginal 1 B 8° 3 S., zit. Heerwart 1905, 180 [aus 1R])

Berlin, alte Schönhauser Str: No 46. Am 14' July 1836.


      Gott zum Gruß.

Heut Vormittags hat uns Schrickel aus Rudolstadt, welcher
den Herrn Rath Kellner aus Oberw[ei]ßb[a]ch hierher gefahrn hatte,
besucht, es war uns eine recht freundliche Erscheinung zumal
da mit seinem Erscheinen Keilhau in all seinen local- und per-
sönlichen Beziehungen recht lebhaft vor die Seele trat und da ich
zumal hoffte er würde uns zugleich Briefe von Dir und Euch
mitbringen; doch ob nun dieß, wie er meynt aus Vergessenheit
< ? > gleich nicht geschehen ist so hat er uns doch mündlich man-
cherley Neues wovon mir Einiges nicht ganz gleichgültig war erzählt
vor allem aber versichert daß es Euch allen in Keilhau recht wohl
gehe.- Im Laufe des Gespräches erinnerte ich mich auch daß ich
ihm früher noch Einiges schuldig geblieben war, da nun dieß bis
jetzt noch nicht hatte bezahlt werden können, so bezahlte ich
ihn hier den ganzen Rest, welchen er mir auf sein Wort auf
Rth. 14. 12 ggr. Ct. angab l. Qu[i]ttung aus. Sey nun so gut
diese Post in Euerm H[au]buch als am 14' Jul. d. J. von mir hier in Berl.
l. Q. bezahlt - ein[zu]tragen. Qtg. wirst Du später empfangen.
Zugleich brachte er mir einen Brief vom Kaufmann Geyer
der Brief ist zwar im Ganzen sehr mäßig geschrieben, da ich
es aber nach keiner Seite hin für das Ganze gut finde, wenn
ich persönlich mit den einzelnen Gäubigern verkehre und
unterhandle so sende ich Dir hier den Brief nebst Ein-
lage nach Keilhau; damit Du das Nöthige und Beste darnach
verfügen kannst. Noch ehe ich den Brief erbrach ließ ich
Herrn Geyer freundlichst grüßen und ihm sagen, daß es mir
um seinetwillen lieber gewesen, wenn er mir nicht
geschrieben hätte. Gegen eine Äußerung Schrickels bey Über-
gabe des Briefes finde ich nun daß der Brief bescheiden
geschrieben ist, daß Geyer zunächst nicht auf die Zahlung
des Ganzen dringt, daß er nur die rückständigen Zinsen /
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zu 4 pr Ct fordert.- Ob ich nun gleich über alles dieß
von Dir in den nächsten Tagen angemessene Auskunft er-
warte, so wollte ich doch sogleich bey Dir anfragen, im
Fall etwa ja deine Antwort an mich noch nicht abgegangen
seyn sollte - ob es vielleicht wesentlich gut sey Geyers rückständige
Zinsen so bald als möglich, also noch vor Michaelis, zu bezahlen
und wie viel auf diesen Fall seine ganze Forderung betrüge
damit wenn es nicht möglich wäre die Zahlung von Keilhau aus
zu machen ich solche dann von hier hier aus über Keilhau
und nach Keilhau zu bewerkstelligen suchte, denn ich wünschte daß
alle Zahlungen, wenn auch mit Rückbeziehung auf mich, doch
von Keilhau aus geschehen damit das Ganze nach jeder
Seite hin auch als Ein Ganzes erscheine. Sey nun so gut
l. Barop so gut unmittelbar das Nöthige deßhalb
schriftlich oder persönlich bey Geyer zu besorgen, damit
nicht etwa ein[e] unzeitige Unzufriedenheit von ihm wenn
auch nicht im Ganzen, doch durch Einzelnes dem Ganzen schade.
In dem Gespräch Schrickels kam auch auf Blankenburg die Rede.
Meine Frau schien in den Mittheilungen Schrickels die Bestätig-
ung einer Meynung zu finden welche sie längst hegte: daß
nemlich zwar außerhalb aber nahe bey Blankenburg
in der Gegend von dem Unter- oder Saalfelderthore
(so will ich es nennen) nach der Brücke oder der ehemaligen
Pulvermühle zu neue Häuser nebst Garten u Hofraum
erbaut worden sind in welchen sich wohl, wenn auch
nicht die Häuser ganz zu miethen, dennoch wohl angemesse-
ne Wohnungen zu haben seyen.- Da das Wohnen in Blan-
kenburg nach jeder neuen Prüfung sich immer von neuen zur
Beachtung hervordrängt, so wollte ich Dir die genannte
Gegend und Häuser bey Blankenburg doch der Nachfrage em-
pfehlen.-
Daß ich Dir von meiner u unserer Reise, von meinem /
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Aufenthalt hier in Berlin gar viel und mancherley in Beziehung
besonders auf meinen höchsten Lebenszweck mitzutheilen
hätte u habe, das wirst Du mir gern glauben, allein
ich habe, wenn ich auch was wohl der Fall ist Zeit dazu hätte,
doch gar keine Lust dazu bis sich wieder meine neue Wirk-
samkeit mindestens entschieden hat, all mein Denken wie
meine Gesammtthätigkeit concentrirt sich jetzt in dem Streben
nach Begründung derselben. Einige Schulanstalten habe ich
besucht, einige Kleinkinderwartschulen nemlich u das Erzieh-
ungshaus sittlich verwahrloseter Knaben (gegenwärtig 86)[.]
Wie mir in jeder dieser Anstalten zu Muthe seyn müßte,
wie mir überhaupt bey dem gesamten Berliner Erziehungs-
und Unterrichtswesen zu Muth seyn muß kannst Du Dir
leicht sagen, ich finde mich in mancher Beziehung wie vom Sturm
verschlagen und doch --- ... Ich mag mit gar Niemand
hier in persönliche Verbindung treten, nicht einmal d. He. Prof.
Weiß
ob ich ihm gleich schon einmal begegnet bin und wir uns
begrüßt haben, mag ich aufsuchen. Es ist mir alles
gar zu leer und zu nichtig.
Meine Frau wird wohl selbst einige Zeilen an Euch schreiben.
Nach der Schweiz habe ich von hier aus immer noch nicht geschrieben,
weil ich gar nicht gern eher dahin schreibe mögte als bis ich wegen
meiner künftigen Wirksamkeit etwas bestimmtes aussprechen kann.
Hier hat die Erndte schon begonnen. Heut begegnete ich vor
dem Thore einem mit Strauß und Bändern am Hute geschmückten
Knechte, welcher von seines Herrn Besitzung das erste Fuder
Getreide heimzuholen bestimmt war.- So wird von allen Guten
und Wohlthätigen, Lebenerhaltenden und Lebenfördernden gern der
Anfang und das Ende bekränzt.
Kränze der Freude, des Dankes und des Seegens <bekränze>
so auch Dein der lieben Deinen u Euer aller Lebenpflegendes Leben.
und dann [ge]denket auch Eures FrFr-