Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johann Arnold Barop in Keilhau v. 6.8. / 8.8.1836 (Berlin)


F. an Johann Arnold Barop in Keilhau v. 6.8. / 8.8.1836 (Berlin)
(KN 52,41, Brieforiginal 3 Bl fol, um 180° gedreht und zu 3 Quartbögen gefaltet = 6 S. 1V/1R; 2V/2R u. 3V/3R; sowie 1 Bl 4°, rechter Rand teilweise abgerissen, = Nachschrift, mit Adresse auf 4R, Text 4V, Zeile 15-21 ergänzt. - Die Angabe im KN-Findbuch, der Brief umfasse 3 B 4° 12 S., ist nicht korrekt. Zum einen fehlt die Nachschrift; das Quartblatt 4V/4R. Ferner handelt es sich um 3 gefaltete Folioblätter. Der Brieftext simuliert formal nicht das Qartformat, sondern betont das Folioblatt. Die auf 1V, entsprechend auf 2V und 3V vermerkten Seitenzahlen 1+2, bzw. 3+4 und 5+6 wirken absurd, denn die Folioseiten 1R-3R haben keine Seitenmarkierungen erhalten. Nach dieser Zählung im KN wird das Quartblatt der Nachschrift zu Seite 7. - Hier wird am Foliocharakter des Briefs festgehalten. Daher umfasst dieser Brief incl. Nachschrift insgesamt 8 S.)

[KN S.1]
Berlin am 6en August 1836


Gott zum Gruß.


*

Dein Brief lieber Barop von Rudolstadt am 2n d. abgegangen traf gestern den 5en Mittags bey mir ein, so daß wenn es unum-
gänglich nothwendig gewesen wäre ich Dir gestern noch hätte antworten können. Ich hatte aber auch Deinen Brief gestern
mit ziemlicher Gewißheit erwartet, indem ich mir gesagt oder vielmehr nachgerechnet hatte, daß Du Sonntags in Blan-
kenburg gewesen seyn würdest um Dich doch von der Lage des Ganzen zu unterrichten. – Der Grund warum ich Dir
dieß alles schreibe ist: Damit das Leben sein Schwankendes verliehre, die Lebensgesetze erkannt werden und denselben
frey und selbstthätig nachgelebt werde. In der Beantwortung Deines Briefes welcher uns wieder sehr erfreut hat
will ich ganz den Vorführungen desselben folgen. Deine Schilderung des als künftige Wohnung in Frage stehenden Häus-
chens hat uns recht lebhaft in dessen Umgebung versetzt. Eines vermissen wir aber in Deiner Beschreibung, was sich aber
auch nach unserer Erinnerung leider gar nicht vorfindet dieß sind schattige besonders aber gegen Sturm, Wind
und Unwetter das Häuschen schützende Bäume in dessen nächster Nähe. Doch nie kann alles vereint seyn. Allein
eines fürchtet und fragt meine Frau besonders: - ob sich die Stuben oder wenigstens eine derselben während des Win-
ters wohl würde erheizen lassen namentlich bey den öfters so harten Wintern am Thüringer Walde? – Dennoch
freuen wir uns sehr daß Du vorläufig schon diese Wohnung mit Beschlag belegt hast und wünschen daß Du
diese Beschlagnahme nicht nur nicht aufhebest, sondern sie festhältst bis nach unserer Rückkehr nach Thüringen
und Keilhau das Ganze abgeschlossen werden kann. Wir würden Dir die völlige Abschließung des Ganzen gern
übertragen wenn nicht der Gesundheitszustand meiner Frau Rücksichten fordert welche ihre eigenes Sehen und
Selbstbestimmen nöthig macht, auch weißt Du ja jedes Unangenehme erträgt sich weit leichter wenn man
es mit noch möglicher freyen Wahl und Selbstbestimmung übernommen hat als wenn es uns übertragen worden ist.
Doch jeder der uns zur Wahl vor liegenden 4 oder 5 Orte hat ein Aber und so hoffe ich daß das in Blankenburg sich zeigen-
de, das am leichtesten zu beseitigende seyn wird. Wir und besonders meine Frau dünkt nun so bald als
möglich ihre Rückreise nach Keilhau anzutreten und hofft, daß dieß Ende dieses oder Anfangs künftigen Monats
geschehen könne um alles dort noch vor eintretender rauher Herbstwitterung zu ordnen. Also
[KN S.2]
Erstlich: Unser bestimmter Entschluß ist daß die von Dir vorgeschlagene Wohnung von Dir vorläufig für uns in Beschlag
behalten werde. Sollte man jetzt schon, was ich jedoch nicht glaube, eine ganz kategorische Antwort verlangen, nun
gut, so schreibst Du, und in 8 Tagen hast Du Antwort. Allein ich zweifle nicht daß d. HE Sup: Örtel mit mir einsehen wird
daß sich persönlich ein solches Geschäft bey weitem leichter bespricht und abmacht.
Zweytens Daß mir der jetzige Pachter etwas Gartenland ablassen will ist mir sehr lieb.
Drittens: Eben was die Herstellung des Hauses betrifft ließe sich mündlich am besten regartiren.
Viertens: Da, wie Du ganz richtig bemerkst, es in dieser Hinsicht besonders viel darauf ankäme wie lange ich die Wohnung
zu behalten gedächte; so scheint es zwar nicht zweckmäßig gleich Anfangs einen Contract auf mehrere Jahre
zu machen, dennoch bin ich auch keinesweges Willens {dort in Blankenburg eine Unternehmung zu begründen um sie nach wenigen
Jahren wieder aufzuheben. Nein! Im Gegentheil wenn sie sich auch erweiterte oder vielmehr verzweigte, so würde sie
doch als Stammunternehmung festgehalten werden. Auch glaube ich nach Deinen Mittheilungen daß sich daß sich [2x] die Unternehmung
in diesem Locale, erweitert ausführen ließe.
Fünftens Daß der Pächter Mich:[aelis] übers Jahr gänzlich das Haus räume da[s] kann ich jetzt weder wünschen noch nicht wünschen;
es kommt alles darauf an wie wir uns beyde in Beziehung auf meinen Zweck zusammenfinden. Vor das erste ist mir
sein Daseyn ohne alle Rücksicht auf die Persönlichkeit u Charakter so wie das Daseyn einer Frau und etwas erwach-
sener Kinder lieb. Also ist es mir jeden Falls angenehm wenn sich die erneuerte Pachtung etwa bis Weih-
nachten oder Lichtmeß zurückstellen läßt.
Sechstens. Möbel werden wir ohne Zweifel mehrere bringen und zwar aus folgenden Gründen: erstlich weil sie gut gear-
beitet u noch im Guten Stande sind und so Werth in sich haben dagegen aber hier fast gar nichts d.h. so wenig kosten daß
wenn wir sie hier verkauften für den Erlös dort kaum ordinären Möbel bekommen könnten, endlich weil der
Transport jetzt billiger seyn soll auch weil wir Keilhau nicht zu sehr von den früher zurück gelassenen Möbeln
entblösen wollen.
Siebentens. Für die Adresse nach Magdeburg danke ich Dir. Ich lese den Namen doch recht: Wilh. Mathee? –Da dieses
Handelshaus ohne Zweifel einen Handelsfreund oder Commissionär in Berlin hat, so wäre es sehr schön die Firma dessen zu wissen.
Achtens. Aus vorigen siehest Du nun, wie meine Frau wegen ihrer Überkunft nach Keilhau denkt. Vor der Rück-
kehr der Schwägerin und Albertinen von ihrer Reise würde nun gewiß meine Frau nicht nach K. kommen. /
[1R]
Sey nun nur so gütig mir im nächsten Briefe zu schreiben wann Du [die] lieben Reisenden zurück erwartest. Aber
vergiß es nicht. Was die Reisebegleitung betrifft so hält es meine Frau nach jeder Seite hin am gerathensten
und für alle Theile am bequemsten, wenn ich die Frau selbst hinbringe, selbst auf den Fall daß ich dann selbst bald
hierher zurück müßte und dieß besonders deßhalb weil sich so sehr schwer die Zeit unserer Abreise eine
längere Zeit vorher mit Gewißheit voraus bestimmen läßt. In welche Verlegenheit könnten wir dadurch nun
Euch und uns setzen. Ein anderes wäre es wenn eine solche scharfe Zeitbestimmung in Beziehung auf die Abreise meiner
Frau noch möglich, von mir aber das längere Hierbleiben hier gefordert werden sollte. Es rückt hier alles
gar zu längstens langsam vorwärts und es zeigen sich Hemmnisse wo man keine zu ahnen für möglich hält.
Neuntens. Lasse Dich also Barop in der Anordnung Deiner Reise d.h. der Reise der Zöglinge nicht im Mindesten stöhren,
noch weniger so daß dadurch die vertrauende Stellung der Eltern zu der Anstalt auch nur gering gestöhrt werden könnte[.]
Zehntens. Herrn Gascards Begleitung konnte ich jetzt nicht Zweckmäßig finden. Einmal ist Berlin jetzt sehr leer, alles ist
in den Bädern; dann müßte ich mich ihm sehr hingeben wenn ein kurzer Aufenthalt für ihn in Berlin von einiger Erfahrung
für den Aufwand welchen das Ganze fordert seyn soll und ich bin zu sehr gebunden. Auch denke ich solche Reisen, thun
Männer wie er, am besten allein weil es dann am leichtesten ist mit der Kasse sich zu berathen. Für Frankenberg
findet sich auch wohl später eine noch passendere Zeit indem jetzt schon mehrere Professoren geschlossen haben, andere
bald schließen, so daß er also vom Universitätsleben wenig oder Nichts sehen würde. Wenn also nicht ein
unerwartetes Ohngefähr gebieten sollte so blieben also Eure Bestimmungen der Herbstreise durch mich ungestöhrt[.]
Eilftens. Auch ich wünsche mit Dir die Anordnung der äußern Verhältnisse ehe wenigstens ihrem Plan nach bis ins
Einzelnste in Ordnung ehe wir nach Keilhau zurück kehren damit wo möglich keine äußere Einwirkung eines stöhr-
ens alles klar vorzuführen um den gegebenen Bedingungen angemessen den jetzigen Moment zu benutzen der An-
stalt die möglichst günstige äußere Stellung zu geben, doch nicht der Anstalt als solcher und als einer Einzelnen
allein sondern überhaupt der menschheitlichen Unternehmung, welcher wir nun so viele Jahre so vieles dargebracht
haben, endlich eine sichere und gesunde kräftige Ein- und Verwurzelung und frische kräftige Entfaltung zu verschaffen.
Aus dieser Ansicht nun geht hervor:
Zwölftens. Meine und meiner Frau bestimmte Entscheidung daß das Kapital an Blumberg von Rth 5500 zurück bezahlt werde[.]
Dreyzehntens. Die Zinsen welche sich meine Frau, oder vielmehr welche sie uns nach dem oftmals ausgesprochenen
Grundsatze
statt der bisher dafür gezahlten 275 Rth mindestens sichern muß sind Rth 100 so daß also
dadurch doch der Anstalt eine jährliche Ersparung von Rth 175 preußisch Cour cca Thlr 190 Rud. Währung zu gute kommen.
Vierzehntens Auf das Kapital der Rth 1000 preuß Cour. kann die Anstalt sicher zwischen Michaelis und Weihnachten
und, nach den vorliegenden schriftlichen gegenseitigen Bestimmungen, ohne Zweifel zum 10en Oktober rechnen
gegen die bestimmten jährlichen Zinsen.
Fünfzehntens. Wenn die Äußerungen Geyers und Wohlfahrts „daß sie dann, wenn sie ganz abbezahlt würden
gern alle Zinsen und noch mehr entsagen wollten“ - gegründet seyn sollten und wenn Herr Stauch sich nicht
gewilligt finden sollte der Anstalt 2500 rß [Gulden] à 4 % zu zahlen, so würdest Du wohl thun uns dieß, sobald das erste
wie das zweyte bestimmt entschieden wäre, sogleich mitzutheilen. So billig und gerecht wie wir dieß mit
Dir nach den von Dir angegebenen Gründen fänden, so fänden wir dieß auf der andern Seite aber
auch so wohl für die Anstalt als aber auch für jeden Einzelnen von <uns> als Glied derselben sehr erspries-
lich; denn wie dadurch das Ganze an materiellen Credit gewänne und jeder Einzelne an Vertrauen, so könnten
wir alle dadurch auch an moralischer u geistiger productiver Kraft gewinnen. Deßhalb glauben wir
nun aber auch die Anstalt könne dann meiner Frau ebenso gut wie HErrn Stauch – jedoch nur unter uns [-] Kapi-
tal und Zinsen zusichern. – Du siehst aus diesem lieber Barop! wie sehr wir und ganz besonders und nament-
lich meine Frau wünscht, Keilhau als Einzel- und selbstständig stehende Anstalt zu erhalten. Allein Du siehst
auch theurer Barop! daß dieß am Ende nur wahrhaft möglich ist wenn wir uns meine Frau u ich, wenn
ich mich so selbstständig und frey erhalte; denn das bleibende gesicherte, d.h. daß [sc.: das] sich stets aus sich erneuende
sich aus sich fortentwickelnde Bestehen Keilhau[s] im Geiste seiner Gründung ist nur dann möglich, wenn ich fort
bestehe. Du weißt Barop! daß so etwas nicht persönlich, selbstisch ausgesprochen werden kann und nimmst
es auch darum nicht persönlich selbstisch auf – (: sieh Barop nur darinne nur in diesem Deinen Verstehen
meiner ist unser bisheriges Bestehen begründet sonst wären wir längst ins Bodenlose gesunken :) – sondern
siehst es mit mir in ewigen Gesetzen – die wir klar zu erkennen und welchen wir klar nachzuleben suchen
- gegründet. Nur der Stamm trägt geschützte fruchtbringende Äste – Geht der Nahrungssaft wenn es einmal ein Baum werden und seyn soll nicht durch den Stamm
hindurch, so werden die Wurzelschosse zertreten oder gar abgehauen, was ich jetzt
täglich an den Lindenalleen Berlins sehe. Siehe Barop darinn liegt das Band /
[2 [KN S.3]]
zwischen Dir und mir daß Du das von mir Ausgesprochene nicht als ein persönlich und selbstisch von mir Gesag-
tes nimmst sondern es als das was es ist, als den Ausdruck eines höhern Gesetzes nimmst, welches ich erkenne
und dessen ich mir bewußt bin. Auch Langethal hat endlich dieß mit Rührung und Dank (ich darf sagen [)] zu
seinem und seiner Frau ja zum Seegen des ihnen beyden keimenden jungen Lebens erkannt. Schon längst wollte
ich Dir in dieser Beziehung und überhaupt als Thatsache seines errungenen höheren Lebensstandpunktes [Langethals] Briefe ab-
schriftlich mittheilen doch mir ward keine Zeit dazu. Auch jetzt zurück zum äußern Leben und dessen Forderungen
damit es in seiner Gepflegtheit der Träger, der starke, des kräftigen großartigen innern und innersten Lebens werde,
dieses Ziel war es was ich so oft suchte und so oft verfehlte zu und für dessen Erringung ich so großes Vertrauen
in Wetzstein hatte, er mir aber aus der Hand sinken ließ weil er nicht eins und einig mit sich war und sich doch eins
und einig mit mir zu seyn wähnte, wohl auch dem Wesen aber nicht der Bewährung nach im Feuer der Prüfung
und Läuterung war. – Also jetzt zurück. Siehe also ob Du mit Geyer und Wohlfahrt unterhaltenhandeln kannst.
Freylich mußt Du dabey auch nicht unbeachtet lassen was Du mir ja noch erst kürzlich selbst aussprechen
mußtest: daß Keilhau leider! den Druck noch nicht entbehren kann und was wie ein mehrfaches
Echo jüngst in unserm Kreise und unter den Gliedern desselben widerhal[l]te. – „Nur Ergebung führt zur
Erhebung.“
Sechszehntens. Auch darinn bin ich Deiner Meynung daß eher die Leute Zinsenvergütung verdienen möchten, welche durch ihre Hände
Arbeit ihre Forderungen verdienten und seitdem ruhig gewartet haben und denen dazu ihre kleine Summe wichtiger ist als
jenen ihre größere. Siehe Barop diesen Gedanken habe ich schon gar lange Zeit auch schon mit mir getragen; deßhalb
war es mit [sc.: mir wichtig] warum ich die neue Wirksamkeit in der Nähe von Keilhau und namentlich in Blankenburg
zu begründen wünschte. Die Blankenburger haben auch doch mehrseitig gleich vom Anfange getragen. Aber
darum lieber Barop wünscht ich schon seit so langer Zeit als ich nun mit Dir über diesen Gegenstand ver-
kehre in Deinen Briefen in Beziehung darauf zu lesen: - „das trifft ganz herrlich“ – und „ Neu, war
nur die Hauptsache die, daß es traf und das war mir zunächst genug.“ – Und daß ich dieß in Deinen Briefen
nicht las, keinen klaren Ausspruch darüber fand, deßhalb war ich fast etwas böse: denn wie und seitdem
mir dieser Gedanke wurde traf auch in mir alles schlagend zusammen und ich erwartete längst schon
daß mir auch von Außen deßhalb eine Bestätigung entgegen kommen möchte, darum gar manche Fragen
<an Dich> welche Du Dir nun in dieser Beziehung vielleicht deuten wirst. Genug ich <freue [mich] wenn [Du] heut>
[KN S.4]
mir nun klar aussprachst: „ es trifft“ und: - „es traf“. – Möge Dir dieß in Zukunft ein oft wiederkehrendes
Echo außer Dir und in Dir werden. Möge sich mir und Dir meine Ahnung, das Schauen meines Geistes so
bewähren und bestätigen wie sich mir dieß bis jetzt bewährt u bestätiget hat, denn siehe Barop! ich trage
ein Saamenkorn einen Gedanken zu einer Entfaltung durch Jahrtausende, wie eine Eichel, einen Eich-
kern in mir, freylich unscheinbar auch wohl hart u bitter aber doch ein Kern mit einem Keim u
Herzpunkt durch zur Entfaltung zu Entwickelungen durch Jahrtausende. – Wie nun aber eine reife Eichel
zur ganz rechten und richtigen Zeit in dem gesammten Natur- und Erdganzen zur Entwickelung einer neuen Eiche vom Baume
fällt und sie nur einen kleinen Raum aber Ruhe Zeit angemessenen Grund und die ganz allgemeinen atmosphärischen Erd-
bedingungen zum Keimen bedarf, so auch der Grundgedanke meines Lebens, es ist ein an Zeiten- und Lebensbaum
der Lebens- und Menschheitsentwickelung gereifter und reifer (: Reif = Abschließung in sich :) Gedanke; - er bedarf
nur des Stoffes um sich zu gestalten. Gott selbst aber gestaltete den Gedanken der Schöpfung freyer Wesen wie er
nicht gleich und zuerst an Wesen seiner Art sondern an und durch unfreyen Stoff und der Mensch soll schaffend wie sein
Schöpfer und auf gleiche Weise u nach gleichen Gesetzen schaffend wie sein Schöpfer, seinen Schöpfer, Gott u Vater ähnlich
werden: darum müssen wir zur fortentwickelnden Gestaltung meines nun unseres gemeinsamen Lebensgedankens
alles anwenden um uns den angemessenen wahrhaft bildsamen und das Bild und so den Geist der es schuf treu wahrenden Stoff zu erschaffen
also auch wieder zu schaffen und uns so bemächtigen, nur auf diese einzige Weise sichern wir
uns als ein Ganzes als eine Einheit unser steigend sich fortentwickelndes Bestehen, wie Gott so das Bestehen
der Welt sicherte. Nur wer und was eine Welt in sich trägt, also ist eine Welt in sich ist, und in dem Maaße als er sie
mit Bewußtseyn in sich trägt, besteht er, besteht es. Nach dem Maaße werden auch wir als ein Ganzes, als eine
Einheit bestehen und somit haben wir unser Bestehen und den Grad desselben in unserer eigenen Gewalt.
Siebzehntens. Du schreibst: - „Nehme ich nun an es sey auf die früher angedeutete Weise die äußere Stellung der An-
stalt geklärt dadurch, daß die Schuldenlast mehr in unsern eigenen Kreis selbst hineingezogen wird, welches
die wahrscheinlichste ist, so ergiebt doch eine nähere Betrachtung, daß auch ihre äußere Sicherheit nur in
eines Höhern Hand und in der eigenen innern Kraft beruht woraus die Selbsthülfe hervorgehen muß.“ -
Das so eben Ausgesprochene bahnt mir zur Erwiederung oder willst Du lieber zur Beantwortung dieser Stelle auf
das Trefflichste den Weg. – Siehe l. Barop! das war von ersten Beginn meines Wirkens der Grundgedanke meines /
[2R]
äußern Handelns und die Bestimmung, der Grund desselben. Wie uns die Erd- die Stern- und Weltenkundigen, die Astronomen
u Physiker versichern daß die Last jedes der Weltkörper und so auch der Erde schwinde, weil die Massenlast
von allen Seiten gleichmäßig nach der Mitte hineingezogen werde und so der Körper als Masse selbst wie
so groß er auch sonst seyn möge, wieder für seine Umgebung und gleichsam in sich und durch sich so zum Schweben
leicht werde, so meynte auch ich daß wir als Ganzes, alle ein Ganzes und als uns uns selbst Schuldner doch
wie ein Himmelskörper, wenigstens wie eine Erde, leicht schwebend eine Welt der Gestaltung aus uns
entwickeln sollten und gewiß würden. Siehe hierinne Barop! kannst Du leicht, ganz leicht mein so viel
mißverstandenes Handeln auflösen. Mein Berechnungsfehler dabey aber war, wenn Du ein Nothwendiges so
nennen willst – daß ich ein zu leichtes [Glauben hatte] oder vielmehr zu leicht rein an das wahre Verständniß der Menschen
glaubte und sicher erwartete. Dieser Glaube u diese sichere Erwartung dieses gewisse Vertrauen in und um sich war aber wieder höchst nöthig
wenn nur zuerst die Sache als Keim, als Saat wirklich werden sollte; denn
wer würde dieß wagen ohne Glauben, ohne sichere Erwartung in sich, ohne Vertrauen? – denn wer würde es ohne dieß
dreyes was in sich Eins ist es wagen zu erstreben, als Wirklichkeit anzustreben was ich erstrebte u noch anstrebe und
wir nun alle anstreben: - die Natur- und Weltgesetze, die Cosmischen Gesetze ins Leben einzuführen, d.h.
die LebensGesetze, die Erscheinungen des Lebens als in Cosmischen Gesetzen, in den Gesetzen des Seyns an sich, nach-
zuweisen, die Übereinstimmung der cosmischen und der Lebensgesetze zu erkennen und nachzuweisen, und so Will-
kühr, Zufall u Zerstückt- und Zerstückeltheit aus dem Leben zu verbannen? – Denn dem Menschen muß so möglich
werden zu erkennen und einzusehen, diese Erken wie auch die äußere Sicherheit einer Unternehmung nur in
eines Höhern Hand und zugleich in der eigenen innern Kraft beruht also beydes eins ist und so daraus
die Selbsthülfe sicher hervorgehen muß – und dieser Erkenntniß und Einsicht gewiß und getreu zu leben.
Verzeihe mir Barop daß ich Dir hier – wohl scheinbar ein Wenig an unrechter Stelle – da wo es sich um äußere
Thaten zunächst handelt von innern Ansichten; Gründen u Gesetzen spreche; allein es dünkt mich; es war kaum
zu einer Zeit für uns mehr als jetzt nöthig innere Ansichten, Gründe u Gesetze und äußeres Handeln u. Thun innigst zu einigen.
Achtzehntens. Aus diesem allen geht es nun klar hervor wie so sehr erwünscht es mir ist und seyn muß, daß
Du mir und meiner Frau klar vorführst was die Anstalt jährlich an reinem Ertrag bringen muß wenn sich
<nicht nur an> irgend einen Punkt die Schulden wieder anhäufen, sondern sie vielmehr allmählig [ab]getragen
werden sollen. – Deine Rechnung zeigt 7- 800 Thaler nach Bestimmungen welche von uns beyden als fest und sicher
angenommen worden sind. Um nun aber mit einiger Gewißheit entscheiden zu können ob die Anstalt wir[k]lich
einen solchen Reinertrag und Überschuß jährlich geben könne so wäre nun meines Bedünkens nach
noch ein Zweyfaches nöthig: einmal daß man einen Überschlag der jetzigen Jahreseinnahme und einen
der jetzigen Jahresausgabe mache und dann beyde vergleich[e]. Dieß muß nun nach der Euch vorliegenden Rechnung
und Datis Euch leicht möglich seyn. Du theilst mir nun freylich das Ergebniß der in der stillschweigend gezoge-
nen Billance mit indem Du schreibst: - „Ich theile Dir u der Base dieß auch im Voraus mit, weil es
allerdings wohl eintreten könnte, daß die Anstalt ihr die gedachten Zinsen nicht zu zahlen vermöchte.“
Lieber Barop dieß ist das Einzige was so wohl ich als meine Frau in Deinem Briefe nicht ganz verstehen.
Denn einmal bekommt ja die Anstalt durch die 50 Rth und 100 Rth preuß Cour. jährliche Zinsen an meine
Frau die Anstalt nicht etwas mehr zu bezahlen als sie bisher zu bezahlen genöthigt war und wirklich
bezahlt hat, dann bekommt ja die Anstalt durch die Abtragung des Kapitals an Blumberg eine klare
bestimmte Ausgabe von Rth 175 preuß. Ct jährlich weniger; weiter fielen ja nach dem entworfenen Plane
der Abzahlung die Zinsen an Geyer u Metzger Wohlfahrt wirklich fort, endlich bekäme ja das Ganze durch Ausführung
dieser Anordnungen nothwendig größere innere moralische u Thatkraft d.h. sie würde dadurch mehr frey. Sollte
nun Keilhau das bis jetzt besitzende Vertrauen wider alles Vermuthen nicht zum großen Theil wieder verliehren
so sehe ich wirklich nicht wohl ein wie Keilhau nun nicht mit vieler Sicherheit jährlich 150 Thaler statt früher
275 Rth bezahlen wollte umso mehr als meine Frau der Anstalt zu ihrer Schuldentilgung noch eine Zahlung von
Rth 1000 preuß. Cour: machte. Also nochmals l. Barop wir sehen nach diesem Stande der Dinge nicht ein
warum die Anstalt in Zukunft meiner Frau nicht jährlich ebenso sicher u bestimmt 150 Rth pr Ct sollte zahlen
können, als sie bis jetzt jährlich schon u bestimmt an Blumberg Rth 275 pr Ct zahlen könnte. Sollte die Anstalt
meiner Frau nicht ebensogut wie jenem früheren und jedem andern Kapitalgläubiger die jährlichen Zinsen gewiß zusichern
können, so sehen wir uns ja bey dem Gesundheitszustand meiner Frau, bey meinen ja unser aller Verpflichtungen
gegen dieselbe, ja um die Ausführung des Grundgedankens zu sichern genöthigt – den wie mich dünkt doch allen
Lebensforderungen sehr angemessenen Lebensplan zu ändern. – Merkwürdig bleibt es im menschlichen Leben als Thatsache
immer u. denke Du mit mir weiter darüber nach: - daß der Mensch gewisse Forderungen gegen Fremde pünktlicher u lieber als gegen Befreundete erfüllt. -/
[3 [KN S.5]]
Merkwürdig bleibt es in der Menschennatur für immer daß der Mensch lieber Größeres mit Nothwendigkeit u gezwungen als auch
Nothwendiges Kleineres freywillig und freythätig thut – Es erscheint mir dieß als ein bestimmtes Lebens-Gesetz
Naturgesetzes. Doch Du schreibst ja auch selbst, daß wenn die Anstalt fortwährend wie bisher im Vertrauen zunimmt -
was wir ja eben alle und besonders auch durch unsere jetzigen Anordnungen und Unternehmungen anstreben -
so wird es ihr gewiß nicht an Mitteln fehlen ihre aus den höchsten Lebensgründen und den ersten Lebensgesetzen
übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen. Ja Barop ein nicht zu berechnendes; in seinen Zinsen nicht abzusehendes
Capital haben wir genommen wenn wir uns für unsere geistige Kraft des angemessenen Stoffes bemächtigt haben
und beyde zeitgemäß d.i. der jetzigen Entwickelungsstufe der Menschheit entsprechend von uns gestaltet werden können,
dieß Barop dieß ersehne ich für mich und für uns dann ist mit Einem Schlage all Vertrauen, Credit und alles
wieder gewonnen, wie der ächte Mittelpunkt alle Radien oder Strahlen des Kreises in sich eint und er
zugleich der Mittelpunkt aller gleichlaufenden Kreise ist u.s.w.
Zwanzigstens. Weiter schreibst Du: „Kannst Du die übrigen Kapitalien sicher zu 5 % <von> Berlin unterbringen fortthun
ja hier soll es schwierig zu 4% seyn.“ Gut wir werden darnach handeln. Aber erlaube mir hier l. Barop
in Verbindung mit dem unter Achtzehn ausgesprochenen etwas gleichsam als wissenschaftliche oder Lebens-
aufgabe zu erwähnen. Die Anstalt hat mehrere kleine Kapitale zu 5% nach Deinen Auszügen ist ihr Betrag
ohngefähr Rth 1000; die Anstalt muß nun nicht nur an die sichere Verzinsung dieses Kapitals als auch
an dessen einstige <?> Rückzahlung denken. Ich will nun nur um das von mir unter Achtzehen aus-
gesprochene noch mehr zu klarer Einnahmsweise hinstellen: Würde die Anstalt nicht wesentlich ich sage
bedeutungsvoll in ihrem innersten Wesen gewinnen, wenn die Anstalt in sich selbst z.B. meiner Frau ebensolche
Rückzahlungssicherheit wie jenen und 5 % gewisseren und sicheren Zinsen wie jenen bezahlte? – Würde die
Anstalt nicht, auch bey 5 % Zinsen aber gleichsam sich selbst zahlend aber ebenfalls gewiß zahlend unge-
mein an innerer Einheit u Kraft und an äußerer Stärke rc rc zunehmen und eben dadurch recht in
den Stand gesetzt werden, so als ein einiges Ganze in sich und nach Außen hin, die erforderlichen Zinsen
mit Sicherheit nicht allein sondern auch selbst das Kapital zurück zuzahlen wenn es gefordert
würde wollen wir in uns und unter uns nicht selbst die Sätze bewähren welche wir als unumstößli-
che Wahrheiten nach außen hin hinstellen z.B. daß das Wohl und Bestehen des Einzelnen und des Ganzen
unzertrennlich sey, daß eines das andere bedinge fordere rc. Wollen wir Barop nun nicht wirklich
[[KN S.6]]
beginnen einen wirklichen Staat in uns und durch uns zu bilden d.h. ein in sich einig einiges Ganze wo jedes
ein Bestehen hat. Ich sagte oben Barop: Wer bestehen will muß eine Welt in sich tragen und deren Maaß-
gabe; wenn [er] die Welt mit Bewußtseyn in sich trägt wird er bestehen. Eine Welt aber ist ein Staat
und ein Staat ist eine Welt; wer bestehen u was bestehen will muß ein Staat in sich seyn. Dein Vater
Barop hatte ganz recht wenn er von Dir das Anschließen an einen Staat als Bürgschaft für Dein Bestehen
forderte; allein er kannte mich u mein Streben nicht konnte ein Streben wie das meine, einem so
einfachen unbedeutenden Manne nicht ahnden: einen Staat in dem höchsten Sinne der jetzigen Menschheits-
Entwickelungsstufe in mir und aus mir zu entwickeln. Siehe Barop dieses Senfkorn soll in Blankenburg
ausgestreut werden . – Ja Langethal sind diese höchsten Lebenseinsichten auch als Lebenserscheinungen zum Durch-
bruch und zur Gestaltung gekommen und wie er meinem und unsern Lebensgrundgedanken treu seyn
wird so wird auch demselben alles das treu bleiben was Langethal umgiebt: Ich sehne mich nur ihm
Stoff zu geben woran er sein Wirken knüpfen kann. – Langethal, lieber Barop ist sehr treu und sehr
achtbar; freue Dich Barop! wenn Du ihm diese Achtung bezeugen kannst denn er steht auch wieder in
einem Kreise wo er seine Treue herrlich bethätigen kann. –
Nun wäre ich ja mit der Beantwortung Deines Briefes ganz zu Ende, Du siehst ich bin dem Deinen Zeile
für Zeile gefolgt doch noch einiges ist übrig.
Ein u Zwanzigstens. Wegen der Bette[n] hätten wir Euch nicht beengt nur [um] Auspackung gebeten wenn wir
nicht gefürchtet hätten daß es Euch an Raum mangele und dann daß sie wohl beym beforstehen-
den Baue etwas durch Staub leiden könnten. Meine Frau meynt nun, da die Betten in Burgdorf
trocken eingepackt worden wären so könnten sie wohl noch verpackt bleiben, wenn Du oder Ihr nicht vermuthen
müßtet daß der Bettsack unter Weges sehr durch Nässe gelitten habe; auf diesen Fall möchtest Du dann das Aus-
packen sorglich und an reinlich sicheren Orte besorgen lassen.
Zwey und zwanzigstens. Noch ist wichtig was Du, wenn auch nur ganz kurz zu in Hinsicht auf Berlin berich[t]est. Wohl ist Berlin
ein ganz eigener Ort, und würde ich im Bezug auf die Zukunft nur noch isolirt im Auge haben, so würde ich mich
nicht gern von Berlin als wissenschafts]-] und Kunstort trennen, doch was hier wirkend und für Anerkenntniß auftreten /
[3R]
will muß sogleich als ein in sich geschlossenes Ganze und mit einem Gewissen Ausdruck der Meisterschaft
und Vollendung in sich auftreten die wenigstens so gleich mit einer gewissen Bürgschaft zu deren Erringung,
was diesem selbstständige <Nahrung> nicht gehen [sc.: geben] kann muß wenn es sich heben und halten will eben durch den
Weg des äußerlichen Wirkens hindurch gehen - Ein Weg der <?> nicht mehr der unsere, nicht mehr der meine
seyn kann wie er nie der unsere nie der meine war. Was sich dagegen ruhig und still aus sich hervorarbeiten
und es dennoch zu einem bestimmten <nam>haften äußern Ergebniß bringen will bedarf hier langer Zeit eines be-
deutenden <Wollens> und fehlen die letzteren wenigstens das erstere. Alles schreitet hier in bestimmten <Ba[h]nen> aus <Geläufigem>
fort[;] sollen hier neue Wege betreten werden zu neuen Ergebnissen so fordert es außer dem einzelnen (Zeit u Mittel)
noch besonders geeinte und einige Kraft. Spricht aber das Ergebniß auch zögernd eine oder mehrere Seiten bestimmt
schon für sich so kann es auch frey hier auftreten es wird nach dieser einen oder diesen mehreren Seiten hier
auch dann gewiß eine entsprechende Anerkennung finden. Darum muß ich suchen all meine Kraft in einen und sey es
im Kleinsten, aber in sich ganz (homogenen) einigen Punkte zu einen. Die Forderung des Ergebnisses oder Erzeugnisses
ist aus Einigung aller Mannigfaltigkeit, würde Einigung aller Farbe und Lichtstrahlen in einem (: Focus :) Brennpunkt
und das Schauen und die Darlegung , das Einschließen aller Mannigfaltigkeit, Allheit, Einheit, in jeder Einzelheit[sein.]
Lieber Barop! Ich erlaube mir Dir das was vor meine Seele tritt u wie es vor dieselbe tritt, wenn es aussprech-
enswerth
[ist] auch auszusprechen damit inneres u äußeres Verständniß zwischen uns Hand in Hand u Herz in Herz
und Kopf (Geist) in Geist gehe. – Unser Verhältniß zu Berlin ist gewiß wichtig, so daß auch selbst Du, durch die eigen-
ste Fügung einst längere Zeit wie L[an]geth[a]l Middend[or]ff in Berlin studiren, ja selbst erst den preußisch[en] Soldatendienst
durchmachen mußtest ehe Du Dich mit uns drey einen konntest. Barop! welche höhere Lebenseinigung geben solche
Lebenserscheinungen u welche Kraft, welche Kraft für <Leib> und That. Das ist es was ich sogern immer unter uns besprochen
hätte welche Erkenntniß ich unter uns gern zu einem Gemeingut, zu einem Eingute gemacht hätte; allein immer
wurde ich von Gliedern des Kreises damit zurück gewiesen. So bemerke ich so eben wieder, daß wir alle
3 Stände den Lehr- Wehr- und Nährstand in uns einen. Die jetzige Stufe der Menschheitsentwickelung will
aber nicht nur daß die Sache da ist sondern daß sie auch im Bewußtseyn als eine klar bewußte sey.
Aus den Mittheilungen meiner jüngsten Briefe an Dich Barop! kannst Du nun wohl schließen wie sehr ich mich
sehne wieder in Keilhau in Deiner Nähe zu leben; und mir dieß höchst wohlthuend zur neuen Erhebung
und Belebung von Keilhau wirken muß. – Sey doch so gut und schicke mir gütig <bald> durch die Fahrpost <[ein] Exemplar>
meiner sämtlichen besonders der kleinen Schriften auch der in Sursee gedruckten Grundzüge; es dämmern mir 2 Punkte
herauf wo ich vielleicht Gebrauch machen ließe [von] der Erziehungslehre, vergiß namentlich das Schriftchen über deutsche Erziehung nicht.
Dreyund zwanzigstens. Meine Frau trägt mir noch auf doch darauf aufmerksam zu machen, daß wenn im Saalge-
bäude gebaut würde, doch auf die Möbel welche in den beyden hintern Stübchen ständen, die nöthige Sorgfalt
zu haben sie also vielleicht vor in das ehemalige Stübchen der Langethals setzen zu lassen – Gewiß ist aber schon alles besorgt.
Vierundzwanzigstens. Du weißt doch daß am 16n Septbr sich die Gesellschaft Naturforschender Freunde in Jena ver-
sammelt. Der HErr Prof. Weiß von hier wird hinreisen. Willst Du nicht etwa auch hingehen? – Interessant
müßte es für Dich gewiß seyn. Sollten nicht vielleicht einige der dort versammelten Herren nach Beendigung der
Versammlung Schwarzburg besuchen und so vielleicht selbst Keilhau berühren können? - Allein ihr werdet
wohl alle in dieser Zeit abwesend seyn! -
Fünfundzwanzigstens. Frankenbergen danke ich recht herzlich für seinen Brief. Was er mich [sc.. mir] über den Eintritt seiner Schwester
in Keilhau und besonders über die neue Belebung der Mitverbindung der Mädchenerziehung geschrieben hat, war mir
gar sehr erfreulich doch werde ich ihm heut wohl schwerlich antworten können, denn hier ist man mit dem Gewichte der
Briefe gar sehr genau, und ich will es versuchen ob dieser Brief als ein einfacher Brief abgeht. Sage ihm, daß sich später
gewiß manche sehr passende Gelegenheit finden würde Berlin zu sehen, daß ich aber wünsche daß er möge sich vorher recht vertraut
mit dem eigentlich thatsächlichen und ausführenden unseres Unterrichts[-] u Erziehungsganges bekannt machen, damit er auch als Säule
und Stütze dafür auftreten könne, dazu erfordere es aber nicht nur Vertrautseyn mit den Thatsachen sondern <auch> Handhabung ders:[elben]
Sechsundzwanzigstens. Du weißt daß die seel. Mutter mehrere Prunkmöbel besessen hat z.B. auch einen großen <Trimanau> [sc.: Trianon] Spiegel nebst Marmor
Tisch, Gestell u Rahmen von Mahagoniholz wozu auch eine Standuhr mit Marmornen Säulen u <Bragen> nebst 2 <Girandellen> [Kandelaber] (Leuchtern)
von Bronze und Marmor gehören. Vielleicht erinnerst Du Dich dessen hier in der blauen Stube gesehen zu haben doch ist ja auch schon
ein solcher Tisch nebst Spiegel in der Kleiderkammer in Keilhau. Weil nun hier wegen der Überfüllung in solchen Möbeln sich schwierig Käufer finden
so kam mir der Gedanke – ob vielleicht Stauchs eine solche Garnitur kauften. Die soeben bezeichnete sich in gutem Stande befindende würden wir gern für
Rth 80 pr. Cour. – (Uhr, Spiegel, Tisch, Leuchter) hingeben, ob sie neu weit über das Doppelte in manchen Stücken das 3fache
gekostet haben. – Auch noch ganz moderne silberplattirte wenig gebrauchte Spiel- und Tafelleuchter mit Armen besitzen wir und zwar 4 Spielleuch-
ter, 4 Tafelleuchter ohne, 4 Tafelleuchter mit Armen. Auch dieß kleine Möbels finden [hier keine] Käufer. – Wir würden diese Sachen welche einen zweyfachen Werth in sich
haben zum ½ Preis hingeben. Du siehst welchen Ballast das Lebensschiff hat welchen man doch nicht gerad wegwerfen man [sc.: kann] um es glatt zu machen. – Lebet alle recht wohl[.]
Die herzlichsten Grüße von allen Euer FrFr.

[3V]
[Randnotiz zu Punkt 19] Meine Frau meynt dieß könnte ganz wegfallen. Es mag seyn, denn schriftlich nimmt sich freylich manches viel anders aus als es sich mündlich macht und ich fühlte mich mit Dir im Gespräche; aber da steht es [nun] einmal. –

[4 [KN S.7]]
Montag am 8en August. Da der Brief heute nicht fortkam sondern
erst morgen am 9n Abends 6 Uhr abgehen wird, so will ich doch auch
noch etwas aus dem laufenden Leben mittheilen. – Wie ich jetzt
zum öftern die Vorlesung von HErrn Prof: Steffens besuche, so war
ich auch heut Nachmittags in derselben. Dieser sprach nun zwar im
allgemeinen allein etwas aus worin namentlich mein und uns[er] wahre[s] Leben
und Streben so scharf bestimmt gezeichnet und was so wichtig war daß ich wohl
gewünscht hätte, daß mehrere von uns darin gegenwärtig gewesen
wären, damit sich uns allen objectiv das Wesen und die hohe Bedeutung des
von mir und nun uns betretenen Lebensweges ausgesprochen hätte
denn es wurde (ohngefähr) gesagt: daß es etwas Unaussprechliches, ja Göttliches
sey wenn der Mensch schon von frühe an seinen innern Beruf in sich erkenne
und zweifellos als Knabe besonders als Jüngling und Mann festhielte
daß dieß das höchste Lebensglück sey rc. rc. – Ja l. B. [Barop] wenn ich von
dem was mich gestaltet und tönend, lebend und strebend umgiebt ein[en]
Blick auf und in mich, auf mein Leben und Streben wende, so möchte[e ich]
mich wie ein Eichkern nur ins Grab in die Erde legen können;[ich möchte]
still und ruhig aber mir selbst bewußt keimen, wachsen, lauben, [blühen]
und fruchten können. O würden vergehen Jahrhunderte, ja Jahrta[usende]
ehe zwey Menschen oder gar zwey Familien sich vollkommen ver[einen]
welche Seegnungen aber auch dann durch Jahrhunderte, Jahrtausende! – [Abraham]
u Isaac – Moses u Aron. – David u Jonathan – Maria u Elisabeth – Maria u Jesus. – Jesus u Johannes u. pp.
selbst Luther u Melanthon [Rand*-*] [*] Columbus und sein Bruder.- (Columbus u seine Schwiegermutter) [*]
Unser Geviert[-] [Zeichnung Quadrat] oder besser d.h. richtiger wohl Gedrittleben [Zeichnung
  gleichseit. Dreieck]
sollte uns heilig seyn – (: Wie der Körper u Leib aus Knochen, Muskeln, Nerven u
Adern ein Tempel des Geistes rc. ist :) – aber nicht contemplativ sondern
stetig activ. – Jedes meiner Worte, jede meiner Forderungen von je her
rechtfertigt u bestätigt sich wenn mir so als ein Ganzes das Streben der
Zeit in der Zeit entgegen tritt u vorgeführt wird. -
Nicht allein endliche, treue, thätige, wohlwollend verständige, also ernste, sondern auch ein-
und umsichtige, durchschauende, vernünftige und ausdauernde Menschen gehören -
die höchste Forderung an sich schon vorausgesetzt, zur Ausführung eines wahr-
haft zeitgemäßen Wirkens. -
[4R]
[Adresse]
Herrn Johannes Arnold Barop
Führer der Erziehungsanstalt
frey          in
           Keilhau
     bey Rudolstadt
Berlin 6/VIII 36
FFröbel