Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 26.8.1836 (Berlin)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 26.8.1836 (Berlin)
(KN 52,43, Brieforiginal 1 B 8° 3 S.,)

Berlin am 26n August 1836.


Gott zum Gruß.

Deinen Brief nebst Bücher am 21n von Rud. abgegangen habe ich hier
schon am 25n erhalten, dagegen ist mein Brief an Dich so viele Tage ge-
gangen ich weiß gar nicht woher dieß kommt, diesen Brief will ich
nun noch heut abgeben und sehen, ob Du denselben früher erhältst.
Die Hauptsache warum ich Dir sogleich schreibe ist Blankenburg. Dein
Brief sagt uns daß die Wohnung nur bis Anfang künftigen Monats
für uns offen bleibe. Bis dahin werden wir nun aber aber kaum von hier
abreisen können. Daher eile ich Dich zu bitten es doch ja möglich
zu machen, daß das Quartier in Blkb. vor unserer Ankunft in Keilhau,
nicht vermiethet werde, denn einmal werden wir gewiß
in der ersten Hälfte des 7br. dort eintreffen; schon steht ein Koffer
zum Einpacken der Wäsche bereit und soll damit noch in diesem Nach-
mittag begonnen werden, dann zweifle ich auch, nach allen nur
vorliegenden Umständen ganz und gar nicht, daß ein gegensei-
tig genügender Miethsvertrag zu Stande kommen werde, also
würde es mir mehrfach leid thun wenn die Vermiethenden nicht die
höchstens 14 Tage noch abwarten wollten. Dich aber zu bitten dieß
Abwarten ja zu bewirken ist der Hauptzweck dieses Briefes.
Da die Entwickelung des Ganzen hier so höchst langweilig geht, so wer-
den wir diese in ihrer Vollendung jetzt gar nicht abwarten, sondern
ich werde Anfangs 8ber mit dem Eilwagen hierher zurück kehren, um
dann das Wesentlichste zu Ende zu bringen.- Du wirst den 1' Sptbr
mit den Kindern die Reise antreten, wann denkst Du mit denselben
nach Keilhau zurück zu kehren?- Meine Frau denkt den 7n oder 8n
von hier abzureisen so daß wir also dem 11n oder 12n in K. eintreffen
könnten.- Es wird mir lieb seyn wenn es angeht, daß Du mir vor
Deiner Abreise mit einem Worte die muthmaßliche Zeit Deiner
Rückkehr nach Keilhau melden kannst.- Vor Deiner Abreise /
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wirst Du wohl ihren Forderungen halber nicht mit Gyger u Wohl-
fahrt verhandeln können?- Nach Strauchs Wort dächte ich nun wohl
daß Du es könntest.- Nach dem mehrmals wiederholten Worte
unseres hiesigen Hauswirtes könnten die von uns hier versproche-
nen Gelder, wie ich schon sagte gegen den 10' 8br in K. seyn.
Auf die Berichtigung der Blankenburger Forderungen, namentlich
der Weißeschen Erben müßte wohl, wie Du früher ganz richtig be-
merkst auch gleich Anfangs Rücksicht genommen werden.
Genug, mich dünkt Du bist nun ganz im Stande die Geschichte
klar in Dir zu ordnen, damit mit frischem Muthe u heiterm
Geiste u unzerknicktem Leben die neue Saat geschehe, der Grund-
stein zum neuen vollkommenen Lebensbau gelegt werden könne.
- Was Dir l. Barop in meinem jüngsten Briefe unverständ-
lich war wird sich Dir bey mündlichen Mittheilungen und einem
offenen Blick ins Leben wie es sich zeigt, leicht lösen.-
- Daß Euch oder vielmehr uns Gascard verlassen wird, thut
mir gar sehr leid, meine Frau meint, daß dieß nicht eben
sehr für den Ernst seines Strebens spräche, und so ist es vielleicht
gut, daß er geht ehe ich komme. Aber lieb wäre es mir nun auch,
wenn sein Bruder - nach dem, was ich über ihn hörte - seine Stelle
ersetzen wollte.
Als ich Deinen freundlichen Wunsch wegen Deines Freundes Frdrich B. in H. ge-
lesen hatte, sprach es in mir: Lieber theurer Barop! Wir
vereinigen und reinigen in unserem Streben alle Bestrebungen der
Zeit und - ihre Erfüllung, es mangelt uns nur an einer Wahrheit
innig einiger Organe, um es seinem Geiste und Ziele nach gestalten zu können.
Darum gleich in dieser Beziehung eine ernste Bitte an Dich: Siehe
doch, ob Du auf Deiner jüngsten Reise vielleicht die Bekanntschaft
eines gewandten Figuren[-] und sogenannten Genrezeichners
machen kannst. Ich bedürfte für mein Unternehmen gar /
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sehr eines solchen Mannes. Cotta wenn er anders noch in Rudol[-]
stadt lebt ist mir in seinen Zeichnungen nicht edel und rein genug. Ich
suche wirklich einen angehenden Künstler wie z.B. früher Pätzke
war. Könnte vielleicht die Fr: v. Ahlefeld Dir einen nachweisen.
Ebenso bitte ich Dich, Dich mit den Lithographien bekannt zu machen
welche Dir vielleicht auf Deiner Reise aufstoßen. Ich bezwecke
eine vollständige Bearbeitung der Außenweltsbetrachtung -
der Anschauung des Sprachgebietes - und der Sprachdarstellung
in inniger Verbindung mit dem Bilderleben der Kinder. Ich
habe schon einmal dem Frknbg die Gedanken andeutend mit-
getheilt: er sagte darauf: - "so bekämen wir ja ein vollständiges
sprachliches Elementarwerk" - Ja, es soll aber zugleich als Bil-
derbogen zum Ausschneiden, Illuminieren rc so ins Leben der Kinder
eingreifen daß alles Zusammenhangs- und Bedeutungslose denselben
entfernt und entfremdet werde.- Wäre ein solcher junger
Zeichner vielleicht schon Familienvater, so wäre er viel-
leicht dem Lebenszwecke am treuesten.
Kommst Du nach Eisenach so grüße den Wilhelm Clemens herzlich
von meiner Frau u mir, würde er Michaelis zur Kirchweih nach
Keilhau kommen, so würde er uns ohne Zweifel dort treffen;
er wünschte uns nämlich gleich nach unserer Ankunft in K. zu be-
suchen.
Bald hätte ich doch etwas mir Wesentliches vergessen. In Heßberg
oder Heßdorf bei Hildburghausen sucht doch den Steinbruch oder
in Hildburghausen selbst die Platten auf, auf welchen sich
die Fußstapfen eines urweltlichen Thieres befinden. Hohnbaum
wenigstens kann Kunde davon geben.
An alle in Keilhau von allen hier die herzlichsten Grüße
besonders von Deinem u Euern
FrFr. /
[2R]
[Adresse:]
Herrn
Johannes Arnold Barop,
Führer der Erziehungsanstalt
       zu
       Keilhau
bey Rudolstadt in Thüringen
frey.