Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 17.9.1836 (Berlin)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 17.9.1836 (Berlin)
(UBB 16, Bl 30, Brieforiginal 1 Zettel 8°quer 2 S., ed. KG 1884, 40f. - F. gibt zu erkennen, daß sein auf einem Zettel geschriebener Brief ein Beibrief zu einem von Wilhelmine an Heinrich und Ernestine Langethal ist, der ihm schon einige Zeit vorliegt und noch nicht abgesandt wurde. Daher handelt es sich mit großer Sicherheit um den v. 4.9.1836 [UBB 15, Bl 29] als der letzte, den die Langethals von Wilhelmine erhalten haben.)

Berlin Sonnabend Morgens oder vielmehr Nachts 1 Uhr am 17. Septbr 36.

Mein lieber Langethal


Ich hatte mir vorgesetzt die lieben Zeilen meiner Frau an Euch mit einem recht herzlichen und langen Brief zu
begleiten; allein von dem Augenblicke an als ich den Vorsatz dazu faßte, begann mit mir eine solche Hetze
welche eben in diesem Augenblicke zuerst am Ende ihres Zieles ist, denn mit Ende des vorigen Monats oder viel-
mehr in dessen Mitte schon wurde konnte der ernste Gedanke endlicher Abreise von Berlin gefaßt werden, und - so wie
er festgehalten wurde begann auch das Drängen und Treiben der Geschäfte. Doch Gott sey Dank jetzt ist alles
alles beendigt schon sind alle Effecten u Möbel welche die Frau mitnehmen wollte gepackt und von dem
Commissionär abgeholt worden um solche sogleich nach Rudolstadt abgehen zu lassen.- Schon sind die Koffer
der lieben Frau welche wir sogleich mitnehmen wollen, 4 an der Zahl, gepackt; die Frau war zuletzt
durch das Drängen der Besuche eingeschlossen so abgemattet daß sie jetzt ruhig schläft um in 6-7 Stunden
Berlin zu verlassen. In 4 Tagen also Dienstags am 20sten denken wir mit Gottes Hülfe nach fast 3½ /
[30R]
jähriger Abwesenheit wieder in Keilhau einzutreffen. Dieß Euch nur zu melden war der Zweck,
daß der Brief bis zum heutigen hier blieb. Wenn Ihr ihn also empfanget sind wir so Gott giebt
in Keilhau schon angelangt.
Dieß ist alles was ich jetzt schreiben kann denn ich habe noch zu packen und noch zu schreiben.
Jetzt ist in Berlin bis auf Schönhausen größtentheils alles abgemacht, so daß ich nicht wie es an-
fangs schien in diesem Jahre nach Berlin zurück brauche.
An den lieben treuen Spieß den herzinnigsten Dank für seine schöne Zeichnung. Ich werde nichts finden was
ihm eine gleich liebe Gabe seyn könnte.
Nun Gott uns alle befohlen. Von Keilhau aus sollst Du gleich nach Michaelis Nachricht von
uns haben. Nach Willisau von uns freundliche Grüße. Ebenso grüßt jedes einzelne Glied
Eures Hauses. Außer der augenblicklichen Angegriffenheit ist meine Frau wohl. Auch von Euch
wünschen wir baldigst die Nachricht vollkommener Gesundheit. Euer Friedrich Fröbel.