Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an einen Vetter <Pochhammer> in Berlin v. 27.9.1836 (Keilhau)


F. an einen Vetter <Pochhammer> in Berlin v. 27.9.1836 (Keilhau)
(BlM VII,3, Bl 58-59, Brieforiginal 2 Bl 8° 4 S. ohne Adresse; mit Nachschrift Wilhelmine Fröbels an eine "Muhme" in Berlin [mglw. Wilhelmine Pochhammer], wohl v. selben Tag.)

Keilhau bey Rudolstadt am 27en Septbr 36.·.


Sehr lieber Herr Vetter.

Sie sehen ich bin schon so frey von Ihrer und der
werthgeschätzten Muhme gütigen Erlaubniß
Gebrauch zu machen und unsere Briefe an
die theure Tante an Sie zu freundschaftlicher
Besorgung zu überschicken; ich erlaube mir nun
nicht darüber weiter ein dankendes Wort aus-
zusprechen; allein das vergönnen Sie mir Ihnen
hochgeschätzter Herr Vetter und all den lieben
Ihrigen nochmals meinen herzlichsten Dank für
die vielen Beweise aufrichtiger Freundschaft zu
sagen welche wir während unseres Aufenthal-
tes in Berlin von Ihnen und Ihrem ganzen
lieben und freundlichen Hause empfangen haben.
Seyn Sie versichert daß mir die freudige Erin-
nerung daran unvergänglich seyn wird.
Wie wir seit unserer Abreise aus Berlin, wäh-
rend der Reise und bis jetzt gelebt haben ge-
statte ich mir nicht Ihnen nochmals besonders
auszusprechen, die stets so gütevolle Muhme
wird gewiß auch so gefällig seyn Ihnen den In-
halt meines beschreibenden Briefes an die ver-
ehrte Tante mitzutheilen, nur vergönnen Sie mir
mit Ihnen persönlich die hohe Freude zu theilen
darüber, daß wir die Reise nicht allein glücklich /
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gesund beendigt haben, sondern daß sich besonders
auch meine treue Frau so wohl und heiter be-
findet als es ihr gesammter Gesundheitszustand
und die Trennung von den lieben ihrigen beso in
Berlin, besonders von der hochverehrten, theuren
Tante nur immer gestattet.
Daß es nun wohl gewiß ist, daß wir nicht
Keilhau, sondern das in nächster Entfernung
ein Stündchen davon entfernte Blankenburg
zu unserm künftigen Aufenthalts- und Wohn-
orte wählen werden, wird Ihnen die gute
Muhme aus unsern Briefen an Tantchen mit-
theilen. Das Häuschen welches wir bewohnen
werden ist seiner Lage nach, so wie die ganze Um-
gegend gar lieb und freundlich; da Sie ein
Freund der Natur und einfachen geselligen Zu-
sammenlebens sind, so wird es auch Ihnen ganz
gewiß gefallen. Künftiges Jahr müssen
Sie uns auf jeden Fall besuchen und einige
Zeit bey uns verweilen und sollten Sie auch
wirklich wegen Ihrer strengen Dienstforderungen nicht weiter als nach Blankenburg
und seine nächsten Umgebungen reisen
können. Aber Kommen und Gehen darf dann
nicht Eins seyn.
Auch Ihren lieben Kindern, so sehr sie auch na-
türlich von ihrer Vaterstadt festgehalten werden, /
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wird der Aufenthalt für einige Zeit nicht unange-
nehm seyn. Die freundlichsten Grüße an alle
und an jeden Einzelnen namentlich an den flei-
ßigen Herman[n], die häusliche Auguste, die heite-
re Emma und die gefällige Antonie.
Ihnen hochgeehrtester, lieber Vetter und der
hochgeschätzten, lieben Muhme, Ihrer gütigen
Gattin empfehle ich mich und meine Frau
zu fortdauernder freundschaftlicher Gewogen-
heit
ganz ergebenst,
Friedrich Fröbel.

[Nachschrift Wilhelmine Fröbels an die "Muhme":]

Meine liebe gute Freundin u Muhme!

Ich darf billig den Brief meines Mannes da er mir noch so
ein schönes Plätzchen übrig gelassen - nicht abgehen lassen ohne
ein nochmals herzlich dankendes Wörtchen an Sie zuzufügen für
alle Liebe und Freundlichkeit, durch die Sie mich während meines
Aufenthaltes in B. ermuntert und erfreut haben, als ich dessen
so oft benöthigt, u für alle aufopfernde Güte und Gefälligkeit
die Sie mir bis zum letzten Augenblick desselben bewiesen.
Immer wird die Erinnerung daran, so wie die an Ihre ganze liebe
Familie, die ein gleicher Sinn beseelt, meinem Herzen wahrhaft
wohlthun. Möge sie mich zu einer Nacheiferung immer beseelen -
denn Aufrichtigkeit, Dienstfertigkeit und Treue sind das Leben der /
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Freundschaft, und die Einigung aller guten Seelen.
Aus dem Briefe an die liebe Tante werden Sie sehen wie
es uns bis daher ergangen, und wie das Loos über unsern
künftigen Wohnort gefallen ist. Nun es sey! - weil es ist -
am liebsten währe ich freilich hier in Keilhau geblieben, denn
es wohnt sich trotz den unvermeidlichen Lasten und Sorgen des
Lebens in einem Kreise so biederer und verständiger Menschen
als ich dem unsrigen der reinsten Mehrheit nach das Zeugniß
geben muß - wie in Abraham's Schoos. Aber es geht einmal
in zu vielen Beziehungen nicht, und so will ich den guten Glau-
ben nicht aufgeben, und mit unserm guten Dichter Voß der Meinung
seyn -            "Was ist - ist recht
                     "Was kommt ist gut["]
Manches wird es noch durchzugehen geben - ehe man sich wie-
der eingewöhnt hat in ein neues Leben - und oft werde ich
denken, was würde deine freundliche und gefällige Geerich sich
nicht zu schaffen machen wenn sie hier wäre und dir beistehen
mögte. Sie ließe gern wieder Vater Geerich einen guten
Mann seyn wie in Berlin wo über mein Gehändel mannichmal
die Küche versäumt wurde. Indessen will ich mich freuen daß ich
nicht mehr nöthig habe seine Geduld so strenge zu prüfen - und
ihm nochmals durch seine liebe Frau auf das herzlichste danken
für die gut überstandene Probe, von der sie selbst gewiß am
besten urtheilen kan[n].
Auch den lieben Töchtern, der lieben treuen fleißigen Auguste ins-
besondere, der anstelligen Emma, der ich gern den Kranz der schön-
sten Vergis[s]meinnicht die auf meinem Nähtisch blüht mitschickte, damit
wenn sie den herrlichen Blümchen recht ins Auge schaute sie ganz verstehen
mögte was ich in ihr Stammbuch schrieb, und was es heißt im Leben solcher
Blume reines Bild werden - daß Niemand der an uns vorübergeht, uns je
vergessen mag. Auch die gute herzliche Antonie, die ich mit den übrigen in
Gedanken mütterlich umarme, allen noch einmal meinen warmen Dank
für ihr zutrauliches liebreiches Entgegenkommen das mir so wohl tat
auch dem guten Herrmann noch vielmaligen Dank für seine gütige Bereitwil-
lichkeit mit der er mir die Bücher verschaffte. Noch manchmal werde ich wohl
unter dem Schneegestöber des Winters seiner u der herrlichen Geschichtsbücher denken von
denen ich leider kaum den 1sten Theil zu Hälfte beachte. Nun Gott aufs herz-
lichste befohlen.        Ihre treue W. Fröbel.