Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich und Ernestine Langethal in Burgdorf v. 29.11.1836 (Keilhau)


F. an Heinrich und Ernestine Langethal in Burgdorf v. 29.11.1836 (Keilhau)
(UBB 17, Bl 31-32, Brieforiginal 1 B 4° 3 S., ed. KG 1884, 62f. Laut Anfang dieses Briefs rechnet F. damit, daß der Folgebrief früher ankommt. Dieser Brief lag offenbar dem Packet bei, das laut dem Folgebrief vom 1.12./2.12.1836 [UBB 18] an Heinrich und Ernestine Langethal [Bl 33R] am 30.11. aufgegeben wurde.)

Keilhau am 29en Novbr 1836.·.


Grüße Euch Gott liebe Langethals.

Ob Ihr gleich ehe dieser Brief bey Euch an-
kommen wird vorher noch einen ausführlichen
Brief von mir erhalten werdet, so wollte
ich doch dieß Packet nach der Schweiz nicht ab-
gehen lassen ohne ihm doch wenigstens ein
Lebenszeichen von mir beyzufügen. Ich hatte
manches anders geordnet, allein die Umstän-
de wendeten es wieder anders und so müßt Ihr
schon mit dem Wenigen vorlieb nehmen
mit welchem ich zu Euch komme, denket da-
bey meiner in Liebe, wie ich im Lesen der Frid-
jofs Sage immer Burgdorfs, des Waisenhauses
und unsers Spießens dankbar gedenke durch den und
wo ich sie kennen lernte.
Auch bey unserm liebwerthen und treusinnigen
Spieß, welcher nun schon zweymal mit so lieben
Zeichnungen bey mir und uns eingekehrt ist,
hätte und wäre ich gern mit einer Kleinigkeit
eingesprochen, allein was sich mir hier darbiethet
ist nun gar zu bedeutungslos, ich hatte mir et-
was bis auf mein Wohnen in Blankenburg ver- /
[31R]
spart, doch dieß zieht sich wieder [sc.: wider] alles Ver-
muthen durch Verzögerung im Bau auch so in
die Ferne, daß ich auch in dieser Beziehung auf
die Ausführung meines Vorsatzes Verzicht
leisten muß. Ihr müßt mich noch immer wie
einen Postreisenden betrachten der wegen sich
verspätenden Postabgang nicht vorwärts
kann und auf der vorletzten oder wohl richtiger
letzten Station warten muß ehe er zum Ziele
seiner Reise gelangen kann: um mich stehen
noch fast alle, selbst die aus der Schweiz angekom-
menen Koffer welche theils wegen Mangel an
Raum alle der letzten Reise zur nächsten Hey[-]
math harren. Allein aufgeschoben ist nicht auf[-]
gehoben so denke ich auch in Beziehung auf meine
thatsächliche Einkehr bey Euch. Darum ne[h]met
dieß alle als herzinnigen Gruß. Auch unserm
lieben Roller danke von mir aus lieber Langethal
für seine so freundliche und sinnige Blumen- und
Vogeleinkehr bey Dir, sage ihm ich würde der[-]
selben immer dankbar gedenken, wenn mich Blumen[-]
duft erfreue und Vogelsang erhebe.
In der Gabe meiner Frau "Beispiele des Guten"
begrüße auch ich alle die lieben Kinder Eures
Kreises möge jedes derselben darinn für sich mehr /
[32]
als ein Vorbild finden und denselben auch wirk-
lich nachstreben.
Eben da ich die Bücher u.s.w. zusammen pak-
ken will zeigen sich noch einige kleine Räume
meine Frau benutzt sie jedem der Mädchen
ein kleines Zeichen beyzulegen daß sie sich
seiner freundlich erinnert, wie sich unvorbereitet
darauf sich diese Kleinigkeiten in unserer Nähe
fanden. Es ist jetzt Nachts nahe Mitternacht
und morgen früh muß das Kästchen zu seyn[.]
Es sind dieß also keinesweges eigentlich zu
diesem Zwecke gekaufte Sachen; es ist vielleicht
gut dieß den Kindern zugleich mit zu sagen,
es sind dieß augenblickliche Gaben freundlicher
herzlicher Erinnerung. Die Namen wirst Du finden[.]
Das Päckchen an Herrn Gascard wirst Du
gefälligst durch die Post besorgen.
Nun lebt recht wohl. Möchte doch das Kistchen zum Neujahr bey Euch anlangen[.]

Heil und Segen zum Neujahr

         Immer Euer

FriedrichFröbel.