Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Elise Fröbel, Ferdinand Fröbel und Wilhelm Middendorff in Willisau v. 28.2.1837 (Blankenburg)


F. an Elise Fröbel, Ferdinand Fröbel und Wilhelm Middendorff in Willisau v. 28.2.1837 (Blankenburg)
(BN 724, Bl 83-86 u. BN 566, Bl 4-5, hier: 4V, dat. Entwurf 2 B 4° 8 S.+1 B 4° 1 S.
Zusammenführung der beiden Entwurfsteile: In Briefliste wird BN 724, Bl 83-86 unter Nr. 736 als Entwurf an die drei Adressaten Heinrich Langethal, Wilhelm Middendorff und Ferdinand Fröbel v. 28.2.<1837> geführt, BN 566, Bl 4 unter Nr. 727 als Entwurf an Middendorff v. <1836/37>, was deshalb naheliegt, weil Middendorff am Anfang von Bl 4V genannt wird. Schriftzug, nahtlose Fortführung des Satzes und Papierart sprechen eindeutig für die Zusammenführung.
Adressatenliste: Die Dreierliste entspricht zum Teil den fünf Personen am Schluß des Briefs an Wilhelm Clemens v. Anfang März 1837, danach befinden sich neben dem Ehepaar Langethal Ferdinand und Elise Fröbel und Wilhelm Middendorff in der Schweiz. Der Anrede zufolge muß es sich um drei Keilhauer handeln, die zur Zeit in Willisau sind. Dies trifft für Ferdinand und Elise Fröbel und Wilhelm Middendorff zu, die auch alle drei im Brief direkt oder indirekt angeredet werden. Das Ehepaar Langethal ist dagegen sicher in Burgdorf.
Datierung: Angesichts der Länge des Briefs könnte sein Abschluß auch erst Anfang März geschrieben sein, dafür spricht der Entwurf an Wilhelm Clemens von Anfang März auf dem Rest des Bogens (BN 566, Bl 4R-5V), der frühestens am 3.3., spätestens am 9.3.1837 geschrieben ist und denselben Schriftzug zeigt.
Eine Reinschrift des Briefs liegt nicht vor. Im Brief v. 14.3.1837 an Langethal setzt F. voraus, daß Langethal von den Willisauern gehört hat, daß Titus Pfeiffer nach drei Wochen aus Thüringen abgereist ist. Außerdem schreibt F., Langethal müsse sich wundern, schon wieder einen Brief zu bekommen (der letzte erhaltene F.-Brief an Langethal war aber vom 24.2.1837.
Daraus läßt sich ableiten:
- F. hat Anfang März, nach der Abreise des Titus am 2.3.1837, eine Reinschrift dieses Briefentwurfs v. 28.2.1837 an die Willisauer geschickt. In dieser Reinschrift (noch nicht im Entwurf, der noch die Anwesenheit des Titus in Thüringen voraussetzt) weist F. auf die Abreise des Titus hin. Diese Reinschrift ist verlorengegangen.
- F. hat außerdem nach dem 24.2. und nicht lange vor dem 14.3.1837 wenigstens einen Brief an Langethal geschrieben, in dem die Abreise des Titus (noch) nicht berichtet wird. Auch dieser Brief ist verlorengegangen.
- Da F. unterstellt, daß die Willisauer Langethal über den Inhalt ihres Briefs informieren (u.a. Abreise des Titus), also in Kontakt stehen, und da es unwahrscheinlich ist, daß zwei an verschiedene Orte adressierte Briefe unabhängig voneinander verlorengehen, ist folgendes wahrscheinlich:
F. sendet Anfang März eine Reinschrift des Entwurfs v. 28.2. an die Willisauer. Darin schreibt er, daß Titus abgereist ist, die Reinschrift kann also frühestens am 2.3.1837 beendigt worden sein.- F. legt aus Portogründen einen Brief an Langethal bei, der nach dem 24.2. und vor dem 14.3. geschrieben ist. Die Willisauer sollen den Brief weiterleiten. F. unterstellt, daß die Willisauer dabei den Inhalt ihres Briefs mitteilen und Langethal informieren, daß Titus aus Thüringen abgereist ist. Das Paket aus (wenigstens) zwei Briefen ist auf dem Postweg verlorengegangen.)

Blankenburg ohnweit Rudolstadt am 28 Febr 1837.


Euch drey Keilhauer[n], Willisauer[n]
einen herzlichen Gruß von mir und durch mich von Allen.

Zuerst unsern anerkennenden Dank für Eure klaren Darstellungen über den Stand der Dinge in Willisau.
Deinen Brief an mich gesandten Brief an das Keilhauer Allgemein unsere hiesige Gemeinsamheit habe ich gestern
nachdem ich ihn <zuvor> hier meiner Frau mitgetheilt hatte
in Keilhau in der Gegenw[art] von dem Vater, von Barop von Gascard u Titus Pfe[i]ffer welche[r] sich dazu fand vorge[-]
lesen.- Hierauf habe ich ihn an Albertine zur Mithe[i]lung an die Mutter u <Emilien> abgegeben.- Aus Ferdinands
das Ergebniß Brief an Barop theilte ich das Wichtigste mit so wie der ganze Brief hierauf an die
Familie des Vaters abgegeben wurde.- Heut früh theilte ich noch zur Vervollständigung des Ganzen L[an]g[e]th[a]l[s] jüngsten
Brief von 6/II rc. welcher zugl. mit Ferdinands Brief ankam, so weit als sein Inhalt allge-
mein war In Anwesenh[ei]t von Barop <Frbllen> u Gascard mit -
Nach allen diesen Mittheilungen war das allgemeine Ergebniß in Beziehung auf die Willisau-
verhältniße diese[s] u dieß ist namentl. der wörtl. Ausspruch des Vaters: - daß
unter den bestehenden Gesammtverhältnissenumständen in Stadt u Canton der Stand der Verhältnisse nicht wohl
<folgl.> noch besser erwartet werden könnten als sie jetzt noch sind. Im Gegentheil würden die förderl.
Handl[un]g[en] der Gemeinde einmal hinsichtl. des abzutreten[den] <Miethzinses> für den Artilleriepark u die <Ablassung>
von <Gemeindesc[hul]den> zu dem Bürgerpreiß als wesentl. Fortschritte der sich verbreitenden allgemeinen Theilnahme
angesehen.-
Es wurde als <einstimmig> erkannt daß von unserer Seite das Förderlichste geschehen müsse
um das Ganze, die völlige Wirksamkeit dort uneingeschränkt u unverkümmert zu erhalten.
Da sich nun klar ausspricht daß die Vereins- die Stadt- u die Stadtsverhältnisse [sc.: Staatsverhältnisse] <dadurch>
in Beziehung auf die Anstalt d[urc]h das [sc.: den] § 2 des Staatsgr[un]dgesetzes noch die gefesselten sind, so müssen
wir die sie befreyenden u sie entfesselnden seyn. Ihr wißt alle man soll eine[r] Kraft nicht mehr
auf laden als sie tr[a]gen kann sonst zerbricht sie, darum soll[t] auch Ihr besonders u dieß
war die allgemein[e] Meinung nicht immer so auf den Verein Euch auflegen <nur> auf ihn zu pochen[.]
Auch müßt Ihr dad[urc]h den Verein zu bekräftigen suchen daß ihr Euch näher bringt. So war
z.B. die allgem: Meinung daß Du Middendorff wohl hättest darauf eingehen können ja sollen
ihnen eine Einladung zur Subscribtion aufzusetzen - freylich nach Schweizer<haltung> in der einer ihnen verständl.
Sprache; doch dieß hätte sich vielleicht gemacht wenn Du M. u Ferdinand
Euch in die Arbeit getheilt hättest [sc.: hättet];
Auch der so ehrwü treue als ehrwürdige Sextar wäre Euch wohl dabey an die Seite getreten Ha [sc.: Hand ?]
Auch hätte es ja gar nichts geschadet
wenn man von Eurer Arbeit gar keinen Gebrauch gemacht hätte, sie müßten dann entweder
selbst Hand ans Werk legen oder wenigstens wär ihnen u namentl. d[em] He. Dr Be die Ausrede
rede benommen wir haben Niemand der etwas schriftl. für die Sache aufsetzt.- Überhaupt mußten wir
uns alle u namentl. Barop u ich bestimmt sagen daß Du Middendorffen gerade in den entscheiden-
sten Augenblicken u wenn die Sache bis zu einer bestimmten Spitze gediehen eigentl. die Zügel statt
sie anzuziehen sie ha[s]t losgelassen; so ganz namentl. auch in Deinem Gespräch mit d[em] He. Sch. Schnyder
wo er Dir <eig[en]tl.> aussprach[:] <lassen> sie Ihre Frau u Kinder kommen dadurch bekommt die Anstalt ein
Fundament. /
[83R]
Gut hättest Du rasch u fest erwiedern [sc.: erwidern] sollen wir wollen versuchen welche Opfer es auch
noch Koste zum Dank für die bisherige Pflege dieses Fundament der Anstalt zu verschaffen
was kam aber bestimmt vom Staadte [sc.: Staate] oder privat Verein gleichviel - genug was kann
aber auf irgend eine Weise siche[r] im Stadt Kanton <geschehen> daß wir jenes Fundament geben
können wenigsten daß sicher darauf vorgebauet werde.- Middendorff wir müssen es Dir als
Männer u Mitarbeiter u Freunde offen aussprechen daß es uns scheine Dein höchstes u Gottvertrauen
welche[s] durch Dein Gemüth so oft u so bestimmt ausspricht tritt zaghaft in den Augenblicken der Entscheidung
zurück entweder ist jenes Vertrauen tiefer im Wesen der Sache gegrü[n]det oder nicht
ist es gegründet warum trittst Du dann zagend zurück nicht auch vertrauend daß wenn
Deine Schritte mit Nothwe[n]d[i]gkeit gefordert sind auch der Geist des Ganzens [sc.: Ganzen] sie zum Ziele führe ihn[en]
dazu Boden geben u den Weg zeigen u bahnen werde rc. Ist Dein Vertrauen nicht so tief
gegründet nun gut dann mußt Du aber auch in Dein[en] Forderung[en] und Erwartungen von anderen
weniger streng seyn. = Mit dem Bewußtseyn Middendorff in dem Geiste des Ganzen zu stehen
sollst Du Middendorff auch mit im Vertrau[en] auf diesen Geiste des Ganzen mit Festigkeit handeln. Weiß Erin[n]erst Du Dich
noch was ich einst vor langen Jahren über vom Vertrauen zu Gott u Natur als Lebganzen aussprach? - Du fandest
es dort wahr.- Lieber Middendorff Du willst zu viel durch Dein vernünftelnde[s] Wort die andern durch Einsehen
zum Handeln bestimmen ([da]durch aber wirst Du schwach) statt daß Du sie durch Dein Handeln zum
Handeln bestimmen sollt[e]st (durch jenes Vieles reden wirst Du aber schwach u verliehr[s]t [sc.: verlierst] dadurch Vertrauen Muth u
Kraft zum Handeln. Prüfe Middendorff es handelt sich nicht um ein
absprechenden [sc.: absprechendes] Urtheil sondern um Schau[e]n der Sache wie sie ist.
Allein auch bey u von Ferdinand konnte seine zu beschränkende u. <worinn> elende Ansicht der eigenen
Thatsachen nicht gebilligt werden. Selbst der Vater sagte er ist noch zu jung um sich se schon so allgemeine
einigende u innere Ansichten u solcher [sc.: solche] Lebensanschauungen haben zu können. Und ich wünschte weiter
gar nichts als das Ferdinand von seines Vaters eines einfachen unstudierten nur an der H[an]d der selbstprüfung Selbstbeobachtung u Erfahrung heraus
gewachsenen Mannes das Innere u das
Äußerungen über das Innere u die Bedeutung
unserer Wirksamkeit u Allgemein u
namentl. deren jetzigen Stand zu dem
Luzerner u Willisauer leben Zeuge
gewesen wäre[.] Dieß hätte ihn tiefer das zu beschränkende u vereinzelnde seiner Ansichten
selbst über die wichtigsten Lebenserscheinungen zeigen müssen als alle Worte von mir.-
Wer nicht in den vereinzelten Handlung[en] die Einigheit u in den äußerl. getrennten Erscheinungen die <lebenvolle>
Einigung sieht wer kann dann für beyde mit klar[em] Bewußtseyn <in> nach Mittel Weg u handeln -
die einzelne Erschei[nung] richtig beurtheilen und in ihrem Wesen nach ihrem Geiste erkennen[.] /
[84]
Barop sagte noch besonders in Beziehung auf seine Beurtheilung: - Wie solche sich anders
über den Werth der erziehung äußern u welch andern Maaßstab sollen sie dafür anlegen
als sie thun. - Und der Vater wieß [sc.: wies] <beson[ers] Dich> mit Recht auf sein Handeln hin, wie er von den [sc.: dem]
seegensreichen ausführen des ihm nahegebrachten Erziehungsgedanken ergrif[f]en den Entschluß ge-
faßt Osterode zu verlassen.- Ferdinand soll sich bey Seiner Ernstheit der Lebensanschauung prüfen ob er - ergriffen von einem innigen
<innern> Gedanken wohl im Stande wäre [<wie>] sein Vater zu handel[n] bey im Stande seyn <würde>
bey gleicher Aufforderung u dennoch sollte er jetzt seines Vaters Freudigkeit in Leben u Heiterkeit
<im Blick> sehen. Mann [sc.: Man] fühlt und sieht es ihm an; er fühlt [er] tr[ä]gt das große Bewußtsein in sich ein[en] unver-
<gängl[ichen]> Gr[un]dstein zu rein[em] Menschwohl gelegt zu
haben gleich einem neuen Abraham aber er fühlt das Göttl. im Leben in unscheinbaren
vereinzelten und untergeordneten Erscheinungen. Sein Blick ist vom Körper zum Geist hindurch ge-
drungen daß aber sollte nun aber ein der Lebenswissenschaft sich <befleißigender> reifer junger
Mann nun auch.- Könnte sich Fer Wahrl. Ferdinand sollte u könnte sich nun
bey dem Leben durch welches er hindurch gegang[en] ist u daß ihn umgiebt nur zur <Wahrnehmung> des
großen Einigen Lebensganzen indem [sc.: in dem] wir u alle Dinge leben u zur Wahrnehmung u Pflege der <Übereinstimmung> äussern
Lebens u Wirkens mit den Forderungen <dieser> erheben, so würde
<Will[e]ns / Willis[au]> sich wie ein Pharis bewegen zeigen am [sc.: an] welchem die Wogen des Meeres sich brechen
u er würde d[urc]h <Will[e]ns / Willis[au]> Luzern zur Bedeutung seines Nam[en] <Lucenia> erheben - Aber Ferd[i]n[and]
der Geschichtslehre[r] glaubt nicht an das Sinnb<il[dl]iche> des Lebens ob
es gleich der Lebensnerv in aller Geschichte ist es ist der Schein an welchen der
Mensch zur Anschauung des Seyn[s], es ist die <Ahn[ung]> an welche[r] der Geist zum Wissen empor-
steigt.- Ferdinand der Geschichtsl[ehr]er der Jünger der Lebenswissenschaft der Erzieher vor allem
sollte sein inneres Auge für jene geistige Auge Wirken Einheit [ver]wenden, sein[en] Sinn für die Wahrzeichen
jenes einige[nden] Geist Lebenvolle[n] Wesen[s] u Wirken[s] stärken. Es geht nur zu leicht den Menschen damit wie
dem Bauer mit dem Äther u der Luft er hält sie höchstens für etwas wenn sie stürmt
oder wenn sich Fremdartiges in sie eingedr[än]gt hat. Wahrlich ohne das Anerkennen u das
Schauen dieser lebenvollen Einheit u Einheit des Lebens in allem u durch alles ohne nun diesem Schauen u Anerkennen getreuen Hande[l]n u Leben sehe ich nicht ein
wie ein Mensch mit Be-
wußtseyn (u dieß macht ja den Menschen zum Menschen u zum Beglücker seiner Brüder) Erzieher
der Menschen sogar Pfleger der Menschheit seyn will. Ich bin in mir tief überzeugt daß
Ferdinand durch sein Beharren auf dieser <äußern> starren todten u trennen[den] Lebe vereinzelnenden u alles
einzeln schauenden Lebensansicht seinem Wirken die hohe Bedeutung selbst nimmt welche Sie [sc.: sie] in der Lebens[-]
gesammtheit in welcher er lebt haben könnte, welche das Leben nicht in stillem Überblick u Einblick in sich diesem nicht giebt - Sein Handeln
würde dann auch ganz anders werden doch Worte nützen hier wenig w denn /
[84R]
Ich will hierüber keine Worte hören denn meine aus dem Leben geschöpfte Über-
zeugung ändert <nun> einmal die Erscheinungen des Leben[s]. Der höchste äuße[re] Fle[i]ß, die ertr[a]gendste
Ausdauer, <und> ähnl. äußerlich löbl. Erscheinungen kann [sc.: können] all das nicht leisten was ich forderte dieses Aufgenommen haben
<ja dieses> Gefundenhaben u diese Pflege des [sc.: der] LebensEinheit Einklang u Zusamm[en]klang im eigenen
Gemüthe u Leben. Ich halte mich verpflichtet dem Ferdinand dieß wiederlesend
auszusprechen weil die tiefsten Gesinnungen u Gedanken des Menschen wirken ohne daß er es weiß u
ahnet. Ferdinands mindestens unbestimmtes u sich Stehen in sich in Hinsicht auf den Grundgedanken die - Überzeugung
unseres Wirkens; ja so weit er sich desselben bewußt und er es sich und andern wohl ausge-
sprochen gerad entgegenstehende - daß hat so viel es unbeabsicht von ihm zur innern Festigkeit u Klärung der
Grundansicht des Lebens beygetragen hat - doch im äußern vielen Nachtheil gebracht
ein Beweis liegt schon darin daß er sich man nur gew[a]gt mit ihm allein und besonders im Gegensatz
mit den Forderungen vom Ganzen aus hat unter handeln wollen, daß man
dieß nur gew[a]gt hat ist schon nachtheil[i]g für das innere Stehen Ferdinands u sollte ihn auf
dasselbe aufmerksam machen nun war Ferdinand in die wirkl. unangene[h]me Nothwendigkeit gesetzt
zu erklären "daß er sich als Glied des ganzen Kreises erkenne" diese Erklärung hätten
sie schon aus sein[em] Stehen zum Ganzen lesen sollen ohne daß er sie aussprach u je ausgesprochen
hätte er [hätte] sagen sagen [2x] soll[en] "ich bin Glied" rc. prüfe einmal Ferdinand welche große
Verschiedenheit des inneren Stehens diese beyde[n] Redeweisen ausdrücken. So gliebt [sc.: gibt]
im Leben das Kleinste Äuße[re] Kunde vom innersten.- Ich spreche mir [sc.: mich] Dir Ferdinand darüber
so offen aus nicht um eine andere Ansicht von unserm Kreis u Leben Dir <auszubilden / anzubiethen> oder gar auf[zu]drängen oder
weil ich fürchtete daß durch Dein Stehen die Zielerreichung des Ganzen
gestöhrt [sc.: gestört] würde. Nein! lieber Ferdinand es ist gerad umgekehrt es würde mich kränken [wenn] mein
Wirken u Reden eben als mein Reden oder meine Stellung als solche zum Ganzen etwas bewirkten
ich würde dadurch gegen mich selbst wirken denn ich will wahrhaft freye innere Entwickl. u Aus-
bild[un]g des Menschen aus sich und ich würde also so mein Wollen selbst vernichten - Zweytens
sind mir jetzt - da ich wie ich bald aussprechen werde der Grundgedanke <meines> Lebens außerhalb des Kreises Selbstst[än]digkeit
u Wirksamkeit erl[an]gt hat die noch immer wiederkehrend[en]
Entgegnun[gen] innerhalb des Kreises so gar lieb weil sie mir zeigen wie der Gr[un]dgedanke
meines Lebens ohne geknüpft an zufällige Äußerlichkeiten u Persönlichkeiten sein Bestehen
u die Kraft seiner Entwickelung u Ausbildung in sich selbst hat, damit man einst nicht sagen
kann Verwandtschaft u günstige Äußere Umstände u Persönlichkeiten waren der Entwickelung dieses Ganzens [sc.: Ganzen]
zufällig günstig. Also l. Ferd ich weiß recht gut wie Entgegnung u jemehr sie
innerhalb ist förderl. befestigend u klärend wirkt allein es bleibt doch immer doch für den u die Gesinnungen dessen nicht gut durch welchen
[man] die Entgegnung eben als Entgegnung kennt, es wirkt dieß immer nachtheilig auf
denselben zurück und dieß wünschte ich nicht in /
[85]
Beziehung auf Dich die Familie u in Beziehung auf Dich als Glied derselben; allein ich
wünsche auch nicht daß Du eben als Glied der Familie in welcher der Lebens Gr[un]d[-]
gedanke als ein einiger die Forderungen der jetz[i]gen Stufe der Menschheits Entwickelung u entsprechender die Begründung eines Menschen[-] u Menschheitssinnes
Dich für den Gedanken u zu einem Pfleger u Förderer desselben bestimmen solltest.-
Der Grundgedanke meines Lebens ist ein enger, die neue bewußtere freyere selbstbestimm[te] Entwickelungsstufe der
Menschheit erfassender wie ein Saamenkorn eine ganz neue bewußtere edlere Entwickelung
eines ganz[en] Baumlebens u Baumwaldes begründet u in ihm beginnt[.]
Dieß ist die tiefste Ansicht meines Lebens, seit Jesu Zeiten ist kein das Wesen der Menschh[ei]t
so ganz einig erfassender u ihr auf ihrer Entwickelungsstufe so ganz genügender lebendiger u lebenvoller Gedanke in reine[r] Lebensdarstellung u bestimmte[r] Ausführungen, als der dessen Ausführung u Darstellung
u [sc.: ich] mein Leben widme. Wäre es
m[ö]gl. daß [man] diesem Gedanken u der Wirksamkeit für klare Darstellung desselben in Willisau - Bu[r]gdorf u selbst Keilhau untreu würde, so würde
ich denselben in seiner
Einheit u Einigkeit selbstständig u frey aus mir selbst darzustellen mich bemühen u der Gedanke selbst
würde alsdann ebenso um so mehr in seiner Selbstst[ändi]gkeit u in sich selbstbegründen sein Leben u
Bestehen in sich selbst tragend zeigen u dadurch Selbst[ständi]gkeit u Bestehen, in sich selbst tragendes
Leben wecken. Die Darstellung dieses Gedankens wird auch in allen Punkten der Erde auf verschiedene Weise von Menschen erstrebt, darum muß man ihn nur anschaulich u erkennbar darzustellen suchen, und den Mensch[en] zu seiner Erfassun[g] u Darstellung zu Hülfe kommen
[wahrscheinlich hier Einfügung v. Seitenrand links/unten:]
und so ist es immer erhebender u würdevoller gerad zu und in Ei[ni]g[un]g als in Entgegnung für einen Lebensgr[un]dgedanken zu wirken dazu ist aber nöthig große Klärung u Einigung für denselben in sich.
Ich wünsche über dießes wie über das Folgende keine wörtl. erkl[är]ung durch Wort, denn
mich er[r]egt es zu stark so wie es auf der ande[r]n Seite schon selbst als That zur That schwächt
u so immer nachtheil[i]g für das Ganze wirkt[.]
Noch ist veranlaßt durch Eure u namentlich durch den GesammtInhalt Deiner Briefe an mich Midden[-]
dorff die hohe Wicht[i]gkeit des weiblichen Stehens, des weiblichen Lebens u des weiblichen Bewußtseyn[s]
der weibl. Einsicht so wohl für das Leben in unserm Kreise als überhaupt <wich[t]ig> für klare
Darstellung reinen Menschheitslebens zur Sprache gebracht worden. Es muß Euch
die Wicht[i]gkeit dieses Stehens nach den zerstreuten Mittheilung Eurer Briefe schon von Euern Leben
aus klar bestimmt u lebenb[e]stimm[en]d entgegentreten. In Beziehung auf das gemeinsame Leben müßt werdet ihr
aber gewiß mit uns einsehen "daß jetzt alles von Albertines Lebensansicht
u Lebensbestimmung von ihrem Entschlusse die eigene Wahl abhängt." - Dieß Euer aller Vater "allein" fuhr er fort mann [sc.: man] muß sie
gewähren u sie sich ganz selbst aus dem Gesammtleben
entscheiden lassen; Mann [sc.: man] kann diese Entscheidung nicht herbey führen machen -; der Vater fügte noch wörtlich
hinzu "ich bin für die Reise Albertines u ihrer Kinder nach der Schweiz in mir ebenso wie ich für die Reise von
Elisen war; allein wie dort nichts gesche[he]n konnte ehe die Bestimmung dazu aus Elisen
hervortrat so kann auch jetzt nichts dafür geschehen ehe sich Albertine dafür nicht aus sich selbst ausspricht[."]
Möge Euch und besonders Elisen diese Erscheinung nun nicht klar zeigen welche <hohe> Lebenswichtigkeit das Innere Stehen u
die Inn[e]r[e] Ansicht, also der innerste Bild[un]gszust[an]d eines einzigen weibl.
Wesens besonders wenn sie als Mutter u z[u]gl. als Hausfrau dasteht auf die Lebens[-]
entwicklung nicht nur eines ganzen Kreises in der Gegenwart sondern für dessen ganze Zukunft
hat. Ob nun gleich durch Albertines Handeln es komme wie es wolle[, daß es] den Allgemeine[n] /
[85R]
eigentl. Zweck unseres Wirkens gerad zu vernichtet noch gegen jede stöhr[e]nde Einwirkung gesichert
machen kann so nehmt doch einmal die drey verschiedenen Fälle ihres Handeln[s] an u seht
ei[n]mal daß sie schlechterdings sich nicht dazu verstände ihrem Mann nach der Schweiz
              zu folgen u als mütterl. Mittelp[un]kt von Willisau einzu[tre]ten
dann daß sie zwar folgte aber entweder mit inner[em] Entgegnen wenigstens in
              Bang[ig]keit in Beziehung auf die Wichtigkeit der sie dort fordernden Stell[un]g u
              deß [sc.: des] sie dort erwartenden Wirkens u
endl[ich] daß sie mit größerer <innerer> Fr[eu]d[i]gkeit ganz durchdr[un]g[en] von dem seegensvollen
              Wirken u Folgen nicht all[ei]n für sich u ihre Familie ja für das ganze Menschenge[-]
              schlecht u die Menschheit diesem BeRufe folgte? -
seht nun welch eine Verschiedenh[ei]t der Ergebnisse im Leben
welche Zerstörung Auflösung im ersten Fall welche Schlaf<[f]>igkeit, Gleichgültigkeit
in dem 2en u welche Frische des Lebens im 3en Fall. Und sollte es dem [sc.: denn] unmögl. [sein]
u außer dem Kreise des weibl. Lebens liegen diese allgemeinen höheren u durchgreifenderen
Lebensansichten zu fassen[?] Dieß war der Gegenst[an]d eines besondern Gespräches u
Berathung mit Barop.
Barop meynte das näc[h]ste u Kleinste, die Forde[run]gen u der Ma[n]gel des Nächsten u Kleinsten welches der Mann gar nicht beachte[t] mache
einen ganz besonders tiefe[n] u lebendig[en] also bestimmenden Eindruck
auf sie u die Befriedigungen der nächsten u ersten oft kleinsten für uns unscheinbarsten Lebensford[erungen] wären für sie nöthig ehe
sie sich von der Persönlichkeit u Einzelheit zu höhere[r] Allgemeinh[ei]t erheben könnten.
Gut! ich gebe dieß nicht allein recht gern ja in seiner
tiefbegründeten Nothwend[i]gkeit u Ergänzung nicht all[ei]n zum Leben des Mannes sondern zum
Leben des Kindes zur Erfass[un]g Festhalt[un]g u Erfüll[un]g der Wicht[i]gkeit des Familienlebens zu allein mich dünkt
es eben nothwendig dieses ganze <warlig> [sc.: wahrlich] Kleinste u Einzelnste in lebenvollen zusammenh[an]g
mit dem zukünftig größten u Mannigfaltigsten zu schaun wie in dem Samenkorn
den künft[i]gen Baum, sehen doch die Mütter <sogar> in ihr[er] Tochter die künfti[ge] Braut u Verlobte
im Sohne den künftigen Mann des Staates u bey der Stadt, die Bedingungen dazu u die Zwischenstufen
u die Forderungen derselben festzuhalten
wenn auch nicht im steten Überblick,
<wes> die <richtung> ihrer Aufmerksamkeit
auf das Kleinste, doch dann fest
zu halten wenn sie bestimmend in das
Leben eingreifen aus demselben fordernd
<sich> aussprech<en>, dieß ist aber eine Stufe der Entwicklung
welche wie es scheint nur die selbstbeachtende Bild[un]g giebt
daß aber eine solche Bild[un]g da ist zeigen mir einige
<Züge> welche aus aus [2x] dem Leben der Maria mitgetheilt <sind>
als hoffende hingebe[n]de <gläubig> in <Erwartung auf> des Engels Gruß
als Hoffende in <Erwartung> auf die <Begrüßung> der Elisabeth
als (glaubende) liebende in der <Festhaltung> des Knaben <wartens> /
[86]
u der bleibenden Beachtung im treu pflegenden Mutterherz - (:ja dieser pflege[n]de beachtende Sinn
daß finde ich als die Krone des <treuen> Gemüthes u des We[i]bl. Lebens:) endl. als schauende bey dem
Auftreten Jesu in den Worten: ["]was er Euch sagt das thut" so spricht die hausmüttl. Frau zu
Kindern u allen im Hause in Beziehung auf den Vater u so m[u]ß er handeln daß sie zur <eigenen>
<Beruhigung> ihre<s> Gemüthes so sprechen kann so sprechen müsse[.] Wenn nun schon Ein Fraue[n]
Leben in Hinsicht auf die sinnig pflegende Aufnahme eines Lebensgedankens "Er wird die
Mensch aus Eines Menschenleibes komme u er <kann> ein heilender seyn u werden "Heil[en] kann der
Eine die Gebrechen seines Volkes seiner Zeit u aller Zeiten u aller Völk[er]" so wichtig werden
kann wie vielmehr das Leben <d[r]eyer> innig geeinter Frauen. so [sc.: So] tiefe Bedeutung als
Tiefe erfassende u folgenreiche Lebenswahrheit hatte es daher auch für mich als ich in
Wartenseh [sc.: Wartensee] die Sage des D[r]eyschwesterbrunnens schrieb [und] mich nicht erinnern [konnte]
wie tiefer <Bedeutung> u hohen Sinnes voll die, die Natur in den <Geheimsten Werkstädten>
ihres Lebens belauschenden die Griechen das Dreygeeinte, D[r]eyeinige
Frauen Leben erfaßten in den 3 Horen, in den 3 x 3 Musen in den 3 Grazien
u endlich in den 3 Parzen, und waren es nicht selbst in dem Leben Jesu 3 
Marien die seinem Leben pflegend zur Seite standen eine mütterl. - eine befreu[n]dete
u eine vertrauende. Dieß alles trat mir dort nicht vor die Seele allein ich schrieb <die> 3 <Schwestern[sage]> wie hohen Gesinnungen so tiefen Ernstes voll[.] Hat ein Zufall unser Leben in Beziehung auf die Pflege eines
neuen Lebens[-]
gedanke[n]s so geordnet? - Und hatte er es so ziemt es uns als bewußten
verstehenden verstanden[en] u <vernehmenden vernünft[i]gen> als wissenden bewußten
u als schaffenden schöpfer[i]schen Menschen das <zufällig> <über> innige zum <Parzen> der Darleb[un]g des im Geiste
ei[n]igen zu machen. Und wahrlich in unsern engem [sc.: unserm engen] Kreis haben wir wieder
eine Aufford[erun]g in dem Leben unserer Emilie, ja wir können sie mit Recht
die Unsere nennen, denn sie ist eine <Tr[ä]gerin> eine einfache unser aller Leben -
[darunter, Zuordnung unklar:]
u das <lobende> beachtende Leben legt sich vor ihr hin wie der Lobe <vor> sein[en] <Pfleger>
aber wie heiter und ruhig fließt im Ganzen u Vergleich[un]gsweise ihr Leben hin. Ich
will die tiefste Überzeugung meines Herzens aussprechen: ich habe mir oft die Erschei[nun]g eines
all classischen - göttlichen Lebens gewünscht, in Emilien tritt es mir so oft entgegen wenn [darüber: als] ich sie sehe,
ihr Walten als Mutter - sehe.- Allein ich m[u]ß auch gerecht gegen Albertine seyn, auch sie
zeigt eine Seite des allclassischen Lebens u ich würde sagen römischen Lebens wenn es <mir>
nicht erfassender näher läge in dem deutschen Leben
und sie wird da sehr vermißt werden in Keilhau weil Emilie als 3fache junge Mutter <noch>
an die Stelle geknüpft ist.
Allein der Mann schafft sich selbst
das Weib, d[a]s h. er soll es erkennen u anerkennen in seinem Wesen u Pflege desselben. Middendorff
Du forderst Erkenntniß u Pflege Deines Wesens <von ders.> warum ergrei<fftest> Du nicht kräftige[r] eine Gelegenh[ei]t /
[86R]
die sich Dir Middendorff in Beziehung auf Deine Frau darbiethet, sie in die Mitte eines
vollständigen u eigenen häusl. Familienlebens zu versetzen.- Siehe Middendorff wie Ferdinand <verkleinernd>
<wie lange wird> wohl das Gute u <tüchtige> ja auch wohl wahre will aber
<vereinzelt> u ohne die Festhaltung des <einigen> u. lebenvollen wie also auch leben<ze[i]genden>
u Lebenpflegenden Gedanke[ns], so willst auch Du das Gute mit erfassen u festhalten des
Gr[un]dgedanke[n]s auch wohl voller persönlicher gewalt[i]ge[r] Hingabe ja gewaltsamer Aufopf[erun]gen; allein Du forderst auch
wohl von andern ebensolche Gewalt[i]ge Hingabe ohne zubedenken welche Geduld u Vorübung
u Ausdauer es bey Dir u mit Dir gekostet hat ehe Du dahin entwickelt worden bist
Dich selbst dahin entwickelt hast allein Du suchst nicht aus die sich Dir in Deinen Umkreis
dazu zeigende Mittel beson immer gleich klar zu erkennen u bis zu Ende pflegend fest zu halten. -
Siehe im Kreise u von mir von <Burgdorf> aus wurde Dir schon die
hohe Wichtigkeit des Familienl[ebe]n[s] als ein eigentl. Ganz- u Voll Menschenleben
u als das erste u einzige <innige / s[in]nige> Mittel zur Darstellung reines u vollkommmenen Menschen[-]
lebens gezeigt[.] - In Willisau wird ein solches Familienleben zum endl. <Sicherstellen>
gefordert wie Du uns selbst durch u aus dem <Munde> des G R W. [sc.: Gemeinderat Willisaus] ausspra[ch]st
für den <Kanton> m[ö]chte ich noch die <Äußerungen> des Schultheiß Schnyders sagen gleichfalls
und nun kannst Du auf den Gedanken kommen wollen Deine Familie trennen und Deine Kinder hier lassen zu wollen u
fühlst Du nur nicht wie von neu[e]m du dadurch Dein Leben
zerstückeltest statt eintest Dich schwächtest statt stärktest[;] o Du gefesselter
und <umschleichender> Middendorff kannst Du denn <nun> gar nicht fühlen u einsehen
welch eine Kraft Reichthümer Lebenweckende u Lebenstärkende Kraft Dir Gott
in Deiner Familie in einer Frau, Mutter u Frau wie Albertine u solchen
Kindern einer solchen Familie gegeben hat? - Warum willst Du nicht klar an dieser u durch diese pflegend
entwickelnd, nich[t] anpredigend, vernünftelnd, morali-
sirend, sondern durch Beyspiel zeigend - darthun wofür außer <uns> ins Feld ja in den
Krieg treten.- Wie Middendorff ein anderes <muß> Dir das große seltene Glück Dein[er]
Lage, Selbststä[n]diger Haus- vater herr u Familienvater, Gatte u Mann zu seyn - Warum willst
Du nicht Deine Familie theilen bist Du nicht mehrtheilig in Dir habt u einigt ihr nicht
Leben u Schule - häu[s]l. u öffentl. - einzelne u gemeinsame Erziehung? - hast Du
nicht wenn Du es für nöthig häl[t]st für Dein[en] Sohne Wilhelm u All[wina] einen Lehre[r] u
Erziehe[r] in Ferdinand u wie Du ihnen Vater bist u durch das kleinste was Du für
Deine Familie als Gatte u Vater thust förderst u befestig[s]t Du durch unser aller
Wirken den Zweck der Anstalt - Middendorff wo giebt es noch ein Leben wie das
Deine wo sich bürgerl. u häu[s]l. Staats[-] u Familienpflichten gegenseitig so innig durch[-] /
[566, 4V]
dringen aber Middendorff sey Gatte sey Hausherr, sey Haus- und Fam. Vater
sey Mann darum stelle aber auch <aus> all diesen Beziehungen rein unser Familienleben dar[.] Wahrlich Deine gesammtverhältnisse sind ja um bedeutend <viele[s]>
besser als irgend eines unter uns selbst als Barops u
Langethals meines g und Du willst es nicht dankbar
kräftig erfassen[.] Mann [sc.: Man] sagt Dir[:] "Die Herstellung Ihres
völligen unverkürzten Familienlebens ist begründend für eine ganze Anstalt nicht
<allein> zum Seyn vieler mehrer[er] geeinter Familien, nein! einer ganzen Stadt u eines ganzen Staates
Middendorff wie ich [das lieb] die Dir <wahrhaftig> ausgesprochene Forderung von <Einführung> eines volle[n] Familienlebens in das Schloß zu Wills[au] das lieb da wurde <mir heiß> ich mußte <den Stift> konnte [ich] nicht seyn bleiben
halten und sie überdieß <suchst Du> stellt hast Du dad[urc]h <Gel[egenheit]> den Grundgedanken des Kreises
rein und vollkommen darzustellen, meynst Du nun der Kreis u der Grundgedanke
werden nicht auch ihrer Seits mögl. machen die an Dich ergangenen Forderungen zu er-
füllen?- Könnte u würde nun Elise das FamilienLeben ihrer beyden Schwestern vermittelnd deutend
<blend> u so <einigend> in sich aufnehmen, wo hätte die Geschichte bis
sich d[urch]dringend jetzt <ein / nur> Thatsache aufzustellen, welche der eines solche[s] Dreyschwester[n]
Leben u Wirken als Thatsache aufzustellen?- Du wirst dann Middendorff
selbst in Dein[em] Handeln wohl den Ernst festhalten aber scharfe Strenge u die Härte <lese> man in Dein[em] Leben
besonders <zu jüngern nicht wieder sich verliehre> u väterlich ruhiger erwartender Dein Handeln sey
Du würdest ohne <auf[zu]h[ör]en> lebevol[l]es Glied zu seyn selbstständiges Ganze in Dir werden
und zwar in voller Übereinstimmung mit dem Lebganzen an sich u[n]d der Zeit[-] u
Menschheitsforderung
wahrl[ich] Middendorff ein[e] große Gabe ein schöner Lohn wenn Du auch weder <um>
Gabe[n] noch Lohn gearbeitet hast - oder willst Du lieber einen schönen Kranz für
Deine treue Ausdauer könnte Dir der Lebensgrundgedanke des Kreises, so der Kreis
nicht geben als er Dir dad[urc]h wirkl[ich] giebt <allein> - <öffne> Dein <Genie>, Dein[en] Geist
Dein[e] <inne[re]n> und Deine äuß[eren] A[u]gen, öffne Deine Hände und sey D thätig in Dir aus Dir - das mußt
das Dargereichte zu ergreifen - das <[m]ußt> Du u kein anderer für Dich[.]-
- Es ist mir unlieb so lange Briefe zu schreiben u doch werde ich gegen mein[en] Wunsch Willen
immer dazu getrieben, doch hoffe ich daß dieß einer der letzten wie der letzte überhaupt seyn soll[.]
[Text bricht ab]