Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Wilhelm Clemens in Eisenach v. Anfang März [frühestens 3.3., spätestens 9.3.] 1837 (Blankenburg)


F. an Wilhelm Clemens in Eisenach v. Anfang März [frühestens 3.3., spätestens 9.3.] 1837 (Blankenburg)
(BN 566, Bl 4-5, hier: 4R-5V, undat. Entwurf 1 B 4° 3 S., ed. Hoffmann 1952, 214-216)
Adressatort: Eisenach (s. F. an Langethal v. 31.8./1.9.1837, 121V)
Datierung:
Briefliste Nr. 726 dat. <1836>; Hoffmann 1952 dat. <1836/1837>; inhaltlich vorausgesetzt ist aber sicher Aufenthalt F.s in Thüringen, also Anfang 1837.
Die Datierung ist abhängig von den Ziffern in Zeile 5-7 von Bl 5V:
- In Zeile 5 liest Hoffmann 1952 "Donnerstag, den 5. d. Mts." als Abreisetag des Titus, das ist sicher falsch. Lediglich der 5.1. war Anfang 1837 ein Donnerstag.
- Heiland 1982, Nr. 380 (falscher Adressatort Keilhau) vermutet 8.2.1837 als Datum.
Dagegen folgende Argumentation:
- In Zeile 7 liest Hoffmann 1952 "3 Wochen" (möglich auch: "5 Wochen"); ein dreiwöchiger Aufenthalt des Titus in Thüringen ist auch anderweitig belegt, also Lesart drei Wochen richtig:
- Lt. F.-Brief an Heinrich Langethal v. 14.3.1837 (Bl 62V) war Titus drei Wochen in Thüringen.
- Lt. 5V, Zeile 6 ist Titus am 3.1. aus der Schweiz abgereist, das ist auch durch den Brief Alexander Rodas an F. v. 2.1.1837 (von F. im Brief an Langethal v. 22.2./24.2.1837 abgeschrieben, dort Bl 53V) belegt, wonach die Abreise des Titus für den 3.1. vorgesehen ist.
- Titus war mit Zwischenstationen lange unterwegs; laut Brief an Langethal v. 12.2./16.2.1837 (Bl 43R) ist er am 9.2.1837 in Keilhau angekommen. Daraus folgt: Abreisetag aus Keilhau um den 2.3.1837 (drei Wochen Aufenthalt müssen nicht exakt 21 Tage sein); am 28.2. ist Titus sicher noch nicht abgereist (vgl. Briefentwurf v. 28.2.1837 an Elise Fröbel, Ferdinand Fröbel und Wilhelm Middendorff).
- Da F. auf 5V vom verflossenen Donnerstag spricht, hat die Abreise höchstens vor einer Woche stattgefunden, also Brief geschrieben nach Donnerstag, den 2.3., spätestens am Donnerstag, den 9.3.1837.
- Verbleibendes Problem: laut Zeile 5 reist Titus an einem "5." ab
Dennoch wahrscheinlichste Datierung frühestens am 3.3., spätestens am 9.3.1837 geschrieben, denn:
- Ein Schreiber begeht eher beim Datum als beim Wochentag einen Fehler.
- Die "5" auf Bl 5V, Zeile 5 könnte ein unbewußter Eintrag des tatsächlichen Abfassungstags sein, dann wäre der Brief am Sonntag, den 5.3.1837 geschrieben, das schwer lesbare Zeichen nach der "5" könnte eine "3" oder ein "M" (für "März") sein.
- Die Papiernutzung (Innenseite eines Bogens) ist Indikator dafür, daß der Entwurf an Wilhelm Clemens nach dem Schluß des Entwurfs an Elise Fröbel, Ferdinand Fröbel und Wilhelm Middendorff v. 28.2.1837 (auf der ersten Bogenseite) geschrieben ist.
- Der einheitliche Schriftzug ist Indikator für eine zeitliche Nähe zum 28.2.1837, zumal der Schluß des Entwurfs auch in den Tagen nach dem 28.2. (siehe dort) geschrieben sein kann.)

Mein lieber Sohn Wilhelm

Du hast mich u Deine treusinnige <Pfle[ge]mutter> u Deine mütterl. Freundin, die Fr. v. Ahlefeld schon einigemal durch herzl freundl. liebe Briefchen erfreut ich danke Dir herzl. dafür
besonder[e] Freude aber hat und [sc.: uns] Dein letzter Brief gemacht worinn Du uns die sicherer Hoffnung machst giebst Dich
in diesem Frühjahr auf einige Zeit bey uns zu sehen. Ich freue mich schon zum voraus im gleichen Maaße auf diese
Tage wie Du, denn wenn <es> einem guten treusinnigen Sohne Freude macht wieder einmal einige
Tage in persönlichem u mündlichem freyen Lebensverkehr mit sein[en] liebenden Eltern zu leben und seyen dieß auch nur seine Pflegeeltern
gewesen so macht gereicht es diesem hinwieder auch diesen zu wahre[r] Freude einen wieder[kehrenden]
ihren lieben Sohn und sey es auch nur ihr Pflegesohn gewesen im <wirkl> Sein u Leben bey sich zu sehen besonders wenn die Kunde Nachricht
<machen> welche sie von ihm über <von> seine Zeit- und Lebensbenutzung seit seiner Abwesenheit aus dem elterlichen
Hause von ihm empfangen haben sie wie über dessen Gegenwart so auch dessen Zukunft < ? >beruhigt.- Daß Deine Reise zu uns zugl. in einer
für Dich günstigen Veränderung Deiner äußern Lage gegründet ist freut mich noch mehr, so auch daß sie in
eine so schöne Jahres- und Lebenszeit fallen wird; denn wie Du durch Deinen Bruder Christian
schon gehört haben wirst werden die Kinder Confirmanden in diesem Jahre zu <Eichfeld>
nicht wie sonst zu Palmarum sondern zu Pfingsten eingesegnet. Wir werden Dich also zum fröhlichen Pfingstfest bey uns sehen. Ich kann Dir gar nicht sagen
wie lieb es mir ist denn man kann in der wie sich hoffen läßt so schönen Jahreszeit wie sich hoffen läßt jede
Stunde gleichsam doppelt aus und mehrfach benutzen auskaufen d.h., sich dann zugl. doppelt u mehrfach des Lebens u Wiedersehns
erfreuen.-
Auch das Wiedersehen Deines Bruders ChristFriedrich wird Dir ermunternde Freude machen denn wie ich
vor einigen Tagen selbst aus dem Munde Barops gehört habe, so hat er sich in Hinsicht auf Fleiß und
Achtsamkeit in den letzten 3 Monaten nach den vorliegenden Thatsachen, erfreuliche sichtbare Mühe gegeben -
ob gleich noch gar manches zu wünschen übrig ist[.]
Dein Bruder besucht uns Möchte er gleich doch in dem ernsten u wichtigen Lebensabschnitt in
welchem er jetzt steht den lebendigen Anfang machen auch das Leben in seiner ernsten Bedeutung
zu erfassen. Mir ist es lieb von seinen Erziehern u Lehrern zu hören daß unser[e] Gegenwart
wohlthätigen Einfluß auf sein Leben zur Stärkung seiner Gesinnungen und Bestrebungen seines Handelns
gehabt habe. Ist es wirklich der Fall so will ich um dieses einzigen willen meine
Rückkunft nach Keilhau segnen. So viel ist wahr er erwiedert auch mit liebendem
aufrichtigem Herzen die liebenden Gesinnungen <welche> ihm von uns entgegen kommen; er macht uns zum
öftern die Freude uns hier in Blankenburg zu besuchen was besonders dem Herzen Eurer
Kinder Euch so sehr liebenden Pflegemutter sehr wohlthut besonders wenn sie er ihr zum Gruß zugl. die
Zufriedenheit seiner Lehrer mitbringt. Um uns Freude zu machen hat er uns einen
Vogel geschenkt wobey wir seiner so wie bey ein[em] <Myrthenstab> welchen wir haben <dann> oft
gedenken. Auch eine Calla blüht [u]ns Deine Blumenfreude u Lust u Dein[en] Gruß jetzt entgegen[.]
Jetzt lieber Sohn begnüge Dich mit diesem Briefe der Vater- u Mutterliebe Vater[-] u Muttertreue[.] /
[5]
Wenn Du zu uns kommst wollen wir uns auch über Deines Leben[s], Deiner nächsten Zukunft
ernste Forderung miteinander besprechen u sehen ob und wie sich Dein u Deines Bruder[s] künftiger
Lebensberuf u der Deinige vielleicht einst zu einem gemeinsamen Lebensganzen einigen lassen[.]-
Nun auch einige Kunde <von / aus> unserm Leben[.]
Am verfl[.] Donnerstag den 5[.] <M>. ist Titus welche von hier zu sein[en] Eltern die jetzt in
Schlesien sind abgereist. Er kam aus der Schweiz war aber schon seit dem 3[.] Jan[u]ar auf der Reise[.] Er schenk[t]e uns war 3 Wochen bey uns bezeigte sich als ein treuer
Sohn, der sich viel
Mühe gab das Leben wie in seiner Wichtigkeit wie in seinem Zusammenhang zu erfassen u in
der die That festzuhalten. Ich habe ihn mit großer Zufriedenheit u Beruhigung von mir
gelassen. Ich glaube daß auch er mit den besten Gesinnungen u festen Willen <ihnen> treu
zu bleiben schied.-
Von dem was sich sonst in Keilhau zuträgt wirst Du wohl d[urc]h Dein[en] Bruder
Kunde bekommen.
Aus der Schweiz von Herrn Midden[.], Ferd[.], Elise, Herrn Langethal und Ernestine habe ich
die Erfreulichsten Nachrichten allen geht es gut u alle sind sehr fleißig u thätig
besonders erweitert sich der Wirkungskreis der letzte[r]n beyden bedeutend mündlich
darüber mehr[.]- Er hat das Erdbeben mit erlebt u macht davon sehr lebhafte Schilderungen[.]
Ich lebe hier der Ausarbeitung u Veröffentlichung einer Reihe von Lehr[-] u Erziehungs[-]
Mittel[n], da ich dazu mancher Hülfe bedarf so wie kommt Friedrich Bock zu Zeiten von
Keilhau um mit zu helfen; wenn wir die Freude haben Dich bey uns zu sehen
will ich Dir auch davon mündl[.] mehr Kunde geben auch kann hoffe ich Dir vielleicht schon manches
schon etwas von unserer Arbeit zeigen zu können[.]
Nun lebe recht wohl sonst wird mein Brief ein Buch[.]
Wenn Du kannst bringe auch Du uns zum mehrfachen Gruß die volle
Zufriedenheit Deines Prinzipals mit, sage ihm mein[en] achtungsvollen Gruß[.]
Auch Herrn Gascard grüße freundschaftl[.] von mir sage ihm wie ich mir [sc.: mich] sehr
des Lebens u der Wirksamkeit seines Bruders in K. erfreue und daß wie ich glaube
sich auch dieser dort wohlfühle wenigstens sey er
von allen geachtet u geliebt[.]-
Endlich zum Schluß die <elterlichen> Grüße von u[ns] u[n]d die Bitte
u[ns] wenn es Deine Zeit erlaubt bald einmal wieder mit einigen Zeilen zu
                  erfr[euen] Dein [Unterschrift fehlt]