Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Emilie Barop in Keilhau v. 18.3.1837 (Blankenburg)


F. an Emilie Barop in Keilhau v. 18.3.1837 (Blankenburg)
(BlM VII,3, Bl 77, Brieforiginal 1 Bl 4° 2 S., ed. Heerwart 1905, 220-222 mit falscher Dat.: 1838, Briefliste: 1837 oder 1838. Dat.: Roman Carl [s. 77R] hat 1837 Keilhau verlassen)

Blankenburg am 18en März. Abends.
Du wirst Dich wohl wundern wie ich mich mit eini[-]
gen Zeilen an Dich liebe Emilie wende und nicht
wie gewöhnlich an unsere hausmütterliche Al-
bertine oder unmittelbar an Deinen Mann; der
Grund davon ist Deine töchterliche Sorgfalt für
Deine Base, Du wolltest ihr nemlich für morgen
Mittags gern eine Mühe ersparen, indem Du
mir vorstelltest die uns besuchen wollenden Zög[-]
linge könnten ja erst bey Euch zu Mittag essen;
und ich mußt[e] Deiner pflegende[n] Vorsorge dan-
kend beypflichten. Doch als ich zurück kam und
meiner Frau meine Bestimmung aussprach
mußte ich mich überzeugen, daß sie sich nicht
nur im Äußern sondern ganz besonders in ihrem
Gemüthe für morgen Mittag auf eine Tischge-
nossenschaft aus ihrem ihr so lieben Keilhau vor[-]
bereitet hatte und daß ihr die Erfüllung einer schönen
Hoffnung und freudigen Erwartung genommen würde
wenn sie morgen Mittags einge der größeren
Zöglinge nicht bewirthen könnte; ja sie sprach es
mir selbst aus daß es ihr leid thue; da sich nun
der Mensch von freudigen Gemüthserwartungen
nur schwer trennt, so sann ich gleich auf Mittel
ihr die ihrigen zu erfüllen, was die sich mir auch sogleich
durch eine kleine Sendung von Gottlob Langethal
zeigte. Ich bitte Dich also liebe Emilie es noch /
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durch Deinen lieben Mann zu vermitteln daß
zu morgen Mittag
drey von den größeren Zöglingen zu uns herüber[-]
kommen; ich denke Christianfriedrich - Romany
und Herrmann. Sollte letzterer sich wegen eines
Restes von Husten den er noch hat sich scheuen zu
kommen, so kann ja der älteste Scheller oder ein
anderer die Zahl voll machen, oder es können auch nur
die beyden erstern allein kommen.
Laßt mir nun durch den Bothen mit einem
Worte zurücksagen ob die jungen Leute kom zu
Tisch kommen damit wir nicht unnöthig warten.
Da uns Gottlob Langethal für unser kleines
Hauswesen eine zu große Quantität Brunnen[-]
kresse geschickt hat so eilen wir Euch einen
Theil davon zu überschicken um vielleicht
Eure Ausgewanderten Abends damit zu er-
quicken.
Zu beyliegenden Brief von Gottlob Lange[-]
thal in Beziehung auf das Urtheil Christians
will ich für Deinen Mann noch hinzufügen,
daß ich es schon in Berlin gehört habe, allein
mit dem Beysatz "Des Königs Gnade würde
es ganz aufheben" - hiervon sagt aber der
Brief nichts.-
Verzeih mein langes müdes Geschreibe.
DFrFr.