Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 11.4.1837 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 11.4.1837 (Blankenburg)
(UBB 28, Bl 78, Brieforiginal/Fragment 1 Bl 4° 2 S., ed. KG 1885, 94f. [übersehen bei Heiland 1982, Nr. 390]. In der Edition KG 1885 merkt Fr. Seidel auf S.95 an, daß der Brief vom 11.4. nach "schon wieder" ende und ein neuer, nicht mehr edierter v. 12.4. beginne. Da F. außerdem am Beginn des Briefs v. 12.4./16.4. wiederholt den vom 26.3.-1.4.1837 als "letzten" bezeichnet, folgt daraus, daß dieser Brief unvollendet geblieben ist; da er aber in den Langethal-Nachlaß gelangt ist, wurde er wohl dem vom 12.4./16.4.1837 beigelegt. Für den gemeinsamen Versand der Briefe v. 11.4. und v. 12.4./16.4.1837 spricht auch, daß Bl 79 links oben als Blatt / Bogen Nr. 2 numeriert ist.)

Blankenburg bey Rudolstadt am 11en April 1837.·.


Alles Leben ein einiges und -
der Mensch ein Schöpfer;
hierdurch Dir lieber Langethal und Deiner Ernestine der Seele Gruß.

Zuerst wünsche ich von Herzen daß Du von Deinem Übelbefinden, der Grippe
wieder ganz befreyt seyn mögest und daß sie Dich nicht etwa an die
Krankheitskrippe angebunden habe. Ich freue mich recht; und will
es darum auch gar nicht bergen, daß ich von dieser allgemeinen Seuche
auch in ihren leisesten Andeutungen verschont geblieben bin, so wie
ich überhaupt auch, Gott sey dank! mich ganz gesund fühle. Auch mei-
ne Frau befindet sich ihrem allgemeinen leidenden Zustande nach ziemlich
wohl nur gar sehr schwach; freylich haben wir auch in äußerer Beziehung
- was nicht dankbar genug zu erkennen ist - eine ihrem Zustande der
Lage nach gar sehr angemessene pflegende Wohnung, besonders ein
sehr günstig gelegenes Wohnzimmer. Ich bin in diesem Winter einige
male in Keilhau gewesen und ich mußte mich überzeugen daß bey
den Witterungseinwirkungen die dort Statt finden meine Frau schwer-
lich dort den Witter [sc.: Winter] auch nur so wie hier überstanden haben würde.
Allein auch nur die allersorglichste Pflege kann uns das Leben meiner Frau noch
eine längere Zeit erhalten. Ich schreibe Dir dieß und Euch, damit Ihr auch bey den
Nachrichten von Ihrer [sc.: ihrer] Gesundheit oder vielmehr von Ihren [sc.: ihrem] Wohlbefinden oder
Wohlfühlen, dennoch ihren eigentlichen leidenden Gesundheitszustand
nicht aus der Acht verliehret, und weil Du und Deine treue Frau in der
meinigen eine vielseitige begründende und schaffende Mutter meines
und unseres gemeinsamen Lebens in ihr erkennt und ehrt. Es ist außerordent-
lich was ein still und sinnig waltendender [sc.: waltender] hausmütterlicher Sinn tief und le-
benvoll schafft und wirkt und es ist schmerzlich zu bedauern daß die jetzt her-
aufwachsenden Jungfrauen und Frauen es so schwer erkennen und noch schwe[-]
rer beachten und ausführen. Erschwert dieß außerordentlich die Begründung
ächten Familienlebens ja es macht dasselbe unmöglich und so erschwert
dieß kaum glaublich die Fortschreitung der Menschheit zu ihrem Ziele.
- Du wirst Dich vielleicht mit mir wundern wie ich auch diesen Gegen[-]
stand zu Eingang dieses Briefes und so ganz unwillkührlich ruhe. Der
Grund ist ein zweyfacher, erstlich weil meine Frau jetzt wieder so treu
Mütterlich damit beschäftigt ist sich und uns wieder eine weibliche
Gehülfin für unser jetzt noch kleines Hauswesen heran zu ziehen wozu
seit 8 Tagen wieder eine [sc.: ein] junges Mädchen eingetreten ist. Die ersten [sc.: erste] war
gleich Anfangs nur auf ¼ Jahr und gleichsam nur zur Aushülfe eingetreten.
Zweytens fühle ich es so wohlthuend durch - wie meine Frau bey all ihrer /
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Schwäche so wesentlich hausmütterlich begründend wirkt für meine neue Un[-]
ternehmung wirkt welche, durch Deine und Ernestinens freundliche Nachricht
von Gygers Abreise, nun auch schon aus der Dämmerung ins Morgenlicht auf [sc.: aus]
dem Geistesschauen zur Sachanschauung zu treten beginnt. Dieß wohl[-]
thuende frohe Gefühl eines stillen gesunden Keimens eines neuen frischen
Lebens dieß und wer weiß denn was alles noch ist der Grund daß ich diesen
Gegenstand nicht nur unwillkührlich hervorhob sondern auch darauf ruhete.
Genug jedes Kleine, besonders Häusliche was um mich und namentlich durch meine
Frau geschiehet, erscheint mir wie die Legung eines Grundsteines zu einem neuen
Lebensgebäude. Und so auch Euch meinen herzlichen Dank für die baldigste Mit-
theilung des abgeschlossenen Geschäftes mit Gyger. Ich freue mich recht seiner Ankunft.
Daß der junge A.- Sp- abgehalten wird nach Deutschland zurück zu kehren
thut mir gar sehr leid; ich hätte ganz und gar nichts dagegen gehabt wenn
sie beyde zu gleich eingetreten wären, ich würde sie beyde und ich zweifle
nicht, ganz hinlänglich beschäftigt haben und dieß um so mehr als ich beyde
Gg. und Sp. für zwey ganz verschiedene Naturen halte; den Ggr
hatte ich diesem gemäß mehr zum eigentlichen Mitaus- und Vorarbeiter
den Sp.- aber zum Geschäftsführer bestimmt. Hatte ich darinn recht?-
Auf jeden Fall bitte ich Dich den jungen Sp.- für meine und unsere
Unternehmung auch für die Zukunft ja nicht aus den Augen
zu verliehren und seinen Bruder Adolf in Bgdrf - welchen ich
dankend für seinen Brief herzlich grüße - zu ersuchen Dir und mir
ja Kunde zu geben ehe sein Bruder zur Sicherung seines Lebens viel[-]
leicht weitere halbe Schritte thut. Würde sich meine Unternehmung
ausbilden, wie ich es im Gemüthe tragen [sc.: trage]; so könnte ich ihm vielleicht
eine ihm und uns zusagende Wirksamkeit ohne Rückkehr nach Deutsch[-]
land vorschlagen. Doch dieß nur damit er nicht übereilte Schritte
thue. Der junge Sp.- ist wieder ein Beweis wie sich so viele junge Männ[-]
er in der jetzigen Zeit dadurch daß sie zur Förderung ihres Lebens nach
äußeren Mitteln greifen sich für ihre innere Fortentwickelung des
Lebens rein menschliche Wege selbst verbauen.- Und was noch bey
weitern nachtheiliger ist, die Sache der Menschheit hemmen sie auch
in ihrer Entwickelung wenigstens auf geradem Wege, wenn sie
auch immer durch Entgegensetzung wohl förderlich wirken.-
Hast Du schon meine Bücher und die anderen Sachen an Ggr abgegeben?
Hat Dich auch wie ich bat - Barop - nachträglich zu meinem letzten
Brief ersucht, sämtliche Figurensammlungen, welche ich aus Deutschland
mit nach der Schweiz genommen habe, mir durch Ggr zu überschicken?-
Ich finde hier gar nichts Ausgezeichnetes dieser Art vor so sehr ich es bedarf.
- Nun zum eigentlichen Zweck dieses Briefes nachdem ich mich gleichsam
durchs Leben dazu durchgearbeitet habe. Wunderst Du Dich nicht schon wieder [Text bricht ab]