Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christoph Christian Heinrich Gottfried Müller in <Gotha> v. <nach 23./vor 29.> 4. 1837 (Blankenburg)


F. an Christoph Christian Heinrich Gottfried Müller in <Gotha> v. <nach 23./vor 29.> 4. 1837 (Blankenburg)
(BlM F 7, Bl 5-6, undat. Entwurf 1 B 8° 3 ½ S. ohne Adressatangabe. Datierung auf ”<nach 23./vor 29.> 4. 1837”. Adressat: Bei ”Malchen” handelt es sich um die im Herbst 1821 geborene Amalie Müller, Tochter des Pfarrers Heinrich Gottfried Müller in zweiter Ehe, der in erster Ehe mit F.s Schwester Juliana Dorothea, verstorben 1811, verheiratet war. F. schreibt an Malchens Bruder, seinen Vetter Gottfried Müller. Der im Brief genannte Adolf G ist Adolf Gyger, ein Schweizer, ab 23.4. 1837 Mitarbeiter F.s in Blankenburg, ”Malchen” ist ab 29.4 1837 Wilhelmine F.s Gehilfin. Der Brief diskutiert die Belastungsfähigkeit ”Malchens” als ”Gehülfin. Zu diesem Zeitpunkt ist Amalie Müller noch nicht in Blankenburg. Der Brief ist also nach dem 23. und vor dem 29.4.1837 abgefaßt worden.)

Höchstehrwürdiger Herr


Zuerst Sage ich Ihnen den herzlichsten aufricht[igsten] Dank
für Ihr[e] vertrauende Zuschrift vom [Lücke]
Ob nun wohl die Besetzung einer Stelle als Gehülfin bey
meiner Frau einzig deren Sache
ist, so gestehe ich Ihnen doch offen daß ich doch auch mich
sehr betheiligt fühlte
indem ich bey dem kränklichen besonders körperl[ich] schwachen Zust[an]d meiner
Frau für dieselbe ein[e]
wahre Hülfe gewünscht hätte und daß ich –ich
will es Ihnen nicht verhehlen von Ihrer l. Schwe[-]
ster <für> dieselbe nicht erwartete und ich
darum nichts weniger
als für deren Eintritt u Annahme gestimmt
war. – Doch meine treue Fr. welche auch
in ihrem körperlich schwächlichen Zust[an]d bey <dem> regen
Geiste u lebenvollen Gemüthe die Liebe
u der treue Sinn
zur Pflege der Jugend besonders auch jüngerer
Töchter nicht verläßt, weil sie auch
weiß wie wichtig ein <durchgebildetes> Wirken
<Häusliches Leben für> jedes Hauswesen
das größte Kindes <Dienste> ist, und /
[5R]
wirklich von Ihrer oder Ihrer ihrer
Mutters Ihrer Schwester Annahme
gerührt, will es demnach mit letzterer
versuchen u sie hofft in ihrem Gott ver[-]
trauenden Sinn daß ihr derselbe auch dazu
wohl noch Ihre [sc.: ihre] Kräfte stärken könnte <u>
würde und sie es als eine rein <menschl[iche]>
Handlung beachtet. – Da ich nun weder
diesen Gründen noch diesen Gesinnungen meiner
Frau etwas entgegen stellen kann, so
habe auch ich zwar gern meine Einwilligung
zur Ausführung ihres Entschlusses gegeben
doch <bleibe> ich <noch>
<lange> in der <gewissen> Zuversicht daß
<wie> Sie so Ihr[e] Fr Mutter u namentl <Schwester>
dieß <nicht gewöhnl> Gelingen <öffnen>, und <auch daher> [nicht nur] mit
dem Vorsatz der Willigk[ei]t
in unsern Dienste trete /
[6]
sondern auch der Ausübung derselben
u besonders d[urc]h einen erziehenden u nach[-]
gehenden Sinn u stetes sichtbarl[iche] Freudigkeit <an[-]
bey mache> besonders wohl ein junges
noch lebens<weges>[uner]fahrenes Gemüth <stehen> [sc.. zeigen]
könnte z.B. Achtsamkeit u Sorglichkeit
im Kleinen rc bethätigen wird.
Da Sie uns die Hoffnung machten [Sie] bald
einmal bey mir zu sehen so erlauben Sie
mir die weitere Erwartung dieses Heute
bis dahin zu verschieben. –
Weil nun meine Frau wünscht daß
es Malchen nicht gleich <auch ab heute> zu <schwer währe>
u daß sie noch durch Adolf G [yger] etwas
eingeführt werde, so wird sie das
wohl etwas Beschwerliche für uns über <?>
daß Malchen noch 14 Tage <von ? ? ?>
<hat und sich> etwas hier <wirken u helfen>
<kann>. Wenn auch dann wesentl[ich] <noch>
<eine gleiche> Antwort von hier <mütterlich> /
[6R]
an Ihre [sc.: ihre] Fr Mutter gelangen wird, so
ist es doch vielleicht gut Ihr Sie [sc: ihr sie]
mit wenigen Wort[en] Ihr [sc.: ihr] diese unsere Best[immun]g
[Be]schäfti[gung] aussprechen [zu] wollen[.]
Genehmigen Sie die Versicherung meiner
wahren Hochachtung von
Ihren
ergebenen
Fr Fr