Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 13.5./16.5./17.5./18.5./23.5./24.5./25.5.1837 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 13.5./16.5./17.5./18.5./23.5./24.5./25.5.1837 (Blankenburg)
(UBB 32, Bl 98-106, Brieforiginal 3 B + 3 Bl 4° 18 S.,zit. Prüfer 1909, 25; zit. Prüfer 1920, 58. Die drei Bögen und drei Blätter sind aus unerfindlichen Gründen als Nrn. 2 [!] - 7 numeriert.

1837. Blankenburg am 13en Tage im Monat des blühenden Lebens

Am stillen Abend vor dem heiligen Pfingstfest (13/V) 37.·.

*
*   *

Alles Leben ein Einiges; darum ein Göttliches;
darum göttlich die Welt, die Natur, wo sie Leben offenbart.

Und sie offenbart nur Leben, thut nichts als Leben kund;
darum Gottheit in der Menschheit, und göttlichen Wesens der einzelne Mensch;
darum unser Erdchen auch ein Theilchen und Örtchen im Himmel;
auch eine der vielen Wohnungen in unseres Vaters - Gottes Hause.

Wo aber des Vaters Haus ist, da ist er heimisch; also auch Gott
ist auf unserer Erde heimisch, wohnt bey uns mit uns.

Wo aber der Vater heimisch ist, da sind die Kinder heimisch;
Wo also Gott heimisch ist, sind die Seelen heimisch; wo
Wo aber die Seelen heimisch sind, da wohnen Seelige, da ist Seeligkeit;
darum ist auch unsere Erde zum Wohnplatz der Seeligen,
zum Darleben eines seeligen Lebens bestimmt.-

Ein seeliges, das seelige Leben ist aber ein, ist aber das der Seele
ganz angemessene Leben, ist das Darleben des unendlichen
Wesens der Seele.

Darleben des reinsten, eigensten, innersten Wesens der Seele aber,
ist Schaffen; wie Gott sein eigenstes innerstes Wesern darlebte,
als er schuf, und wie Gott schuf, indem er in sich sein innerstes
eigenstes Wesen für sich selbst, und um der Gestaltung der
Wesen willen die ihm entstiegen, darlebte; darlebte aus Liebe
darum der Mensch ein Schöpfer;

Darum soll in all seinem Denken, Empfinden und Thun der Mensch
sagen wie 1 Buch Moses im 1sten: es scheide und eine sich;
es werde Licht und Leben, keime, breche hervor u gestalte sich;
und am Ende jeder Lebensgestaltung soll er sagen können und sagen:
siehe es ist gut; und von der Erscheinung, zum Seyn an u in sich zu-
rück gekehrt, es den Nachkommenden zum prüfenden Auf-
finden übergeben, damit sie durchdringe die erhebende Wahr-
nehmung: - "unsere Kraft brauchen wir nicht zu verwenden
um Fehlerhaftes zu entfernen nein! ungetheilt können wir sie
zur ewigen Förderung des Guten nur gebrauchen!" - und
uns seegnen und lieben, ihr Streben mit dem unsrigen einigen und
das unsrige fortführen; so wird das Menschheitsleben ein einiges,
ein einiges in sich mit Gott und mit dem Allleben.-
Dieß zum Festgruß Dir Langethal, Deinem Geiste zum sinnigen <Erwägen>
dieß zum Festgruß Deiner Ernestine, Deinem Gemüthe zum lebenvollen Bewegen
und pflegen.- /
[98R]
Ich habe soeben Deinen Brief erhalten Langethal! geschrieben am
Vorabend vor Himmelfahrt und am frohen Heimfahrtsfeste. Da
er mich in mehrfacher Hinsicht so herzinnig erfreute, so wollte ich
Dir im vorstehenden sogleich meinen dankenden Gegengruß schreiben. Es
war Ein lebenvoll empfundener und klar gedachter Gedanke; allein
seine Entwickelung einmal begonnen, mußte er durch durch [2x] die Mannig-
faltigkeit, Vielheit und Allheit hindurch geführt werden.-

<führen> = <reifen>
Herzinnig habe ich mich gefreut, daß Du das Himmelfahrtsfest als
ein Fest gemeinsamer Heimkehr und Einkehr für uns alle fest-
gehalten hast, als ein eigenes Fest unseres Lebens; besonders bedeu-
tungsvoll für unser Leben als ein Streben auf der Erde schon den
Himmel zu erreichen zu erkennen; wie die Himmelfahrtsblume eine
Blume besonders sinnbildlich und bedeutungsvoll für unser Leben ist.

*
*  *
Gottes-Geist
Gottesseyn
fühlend, findend und empfindend in Dir und in all deinen Lieben; wahrneh-
mend und vernehmend in Dir und in Euch; Dir und Euch zum Mor[gen]gruß
am schönen Pfingstfeste am ersten Menschheitsfeste!-

So lese ich, so las ich so eben: "Das Pfingstfest welches wir in der schönsten
"Jahreszeit begehen, da die Natur auch körperlich in Blüthen und beginnenden Früchten prangt,
"ist mit einem Worte das Fest des Geistes und der Erstlinge
"seiner Früchte, und je geistiger wir es feyern desto würdiger und seiner
"Bestimmung angemessener feyern wir dasselbe .... . Es ist das Fest, das sich
"die Menschheit in Absicht auf ihre höchsten Anlagen und Angelegenheiten
"Kräfte und Entwickelungen selbst feyert, und worinn sie sich in ihren
"edelsten, gottverwandten Beziehungen verklärt erblickt. Endlich
"es ist das Fest, das auf der letzten Stufe der Entwickelung, wie verschieden
"auch seine äußerlichen Formen alsdann dabey seyn werden, in allen Re-
"ligionen als allgemeines Menschheitsfest gefeyert werden wird,
"damit Ein (Bund, Ein) Geistesband alle Völker und Geschlechter
"der Erde im Glauben ans Übersinnliche umschlinge und so der
"Geist des Christenthums .... der Geist der Welt und der gesammten
"Menschheit und gleichsam Gemeinsinn der veredelten Schöpfung werde."


So las ich und so lese ich; - und was las ich und lese ich.-

Ich las und lese hier in Beziehung auf die Menschheit, was Paulus in Beziehung auf Gott
am Altare in Athen las:

"Dem unbekannten Gott."
"Dem unbekannten Wesen der Menschheit; der unbekannten Menschheit.

Ist es recht das [sc.: daß] wir als Christen so sprechen? ist es Christen erlaubt so
zu reden? ist es christlich so zu sagen? - "unbekannte Menschheit!" /
[99]
Unsere Prediger, unsere Geistlichen, ja unsere wirklichen Priester
kommen mir vor jener Koch, in dessen Küche, wo <eben> ein köst-
liches Mal bereitet wurde, <und so> ein armer Mann trat von welchem
jener als er fortgieng Zahlung verlangte, indem er ihn ja mit einem
so kräftigen Speisedunst erquickt habe; und wir Christen kommen mir
vor wie der arme Mann, welcher um den Koch zu befriedigen ein
Stück Geld aus der Tasche zog <es> zur Erde fallen ließ, aber schnell wie-
der aufhob einsteckte und sagte: Wie Du mich gespeist hast, so bezahl
ich Dich: Deinen Speisedunst zahle meines Geldstücks Klang. Unsere
Geistlichen ja Priester kommen mir vor wie unsere Erdkunde und Na-
turkunde lehrenden Meister, welche auf dem Papier und im Papier ihre Schüler

mit jedem < ? und> Hymmelaia [sc.: Himalaya] und Felsengebirge, mit dem Aligator
und Mastodon <bekannt> machen und ihnen aber nicht sehend machend den kleinsten Theil
der sie umgebenden Erde und der in sich geschlossenen Mannigfaltigkeit
von Gewächsen und Thieren welche sie nährt.
Wollte Jesus in seinem ganzen Leben und Streben etwas anderes als
die Menschheit Menschen über die, und von der Göttlichkeit der Natur und
der Menschheit zu belehren, ja von der Göttlichkeit aller Lebenserscheinungen?
Jenes in seinem Gleichniß von der Lilie auf dem Felde, dieß in seinem
Gleichniß vom gezählten Haar u dem Fallen des Sperlings vom Dach; das
zweyte in seinem Gleichniß zur Beantwortung der Frage: wer ist der
Größte im Himmelreich? wozu er das ihm nächste Kind unter seine Jünger
stellt; dann in seinem Ausspruch über das Wesen und die Würde der
Kinder u der Kindheit welche in ununterbrochenen Zusammenhang und
stetem Wechselleben mit Gott stehen, denn ihre Engel sehen allzeit das
Angesicht ihres Vaters im Himmel. Es ist gar nicht erlaubt wie unsere
Priester mit der Menschheit und mit dem einzelnen Menschen als Glied
derselben umgehen; Hat Jesus sich nicht vorwaltend und am liebsten
der Menschensohn genannt, dessen Leben u Streben, wenn man so reden
darf, aber mit Gott seinem Vater eins u einig sey. Sucht er seine Jünger
hinsichtlich ihres Wesens und innersten ursprünglichen Lebens von sich
zu trennen zu entfernen oder immer inniger durch das Ge geweckte und
gepflegte Gefühl ihrer Würde und ihrer Kraft mit sich zu einigen?-
"Ihr braucht nun meine Vorbitte u Vermittelung nun nicht mehr; ihr könnt
"Euch nun unmittelbar u persönlich zu Eurem Gott der Euch Vater ist
"wenden; fürchtet nicht er werde Euch Stein für Brot geben; denn irdische
"Väter handeln ja nicht einmal so wie vielweniger Euer göttlicher Vater."
"Habt Glauben, glaubt, überzeugt Euch, daß mein, eines Menschensohnes
"leben Göttliches sey - wie es ja längst verheißen war, daß einst
"des Menschenleben als göttliches Leben sich kund thun u offenbaren würde
"- überzeugt Euch so, daß auch Euer Leben Gotteskraft in sich trage und /
[99R]
"ihr werdet Größeres thun als ich."- Natürlich wenn die Mehrheit gemein-
sam und einig handelt, so muß Größeres hervorgehen als wenn der
Einzelne in und durch Kampf und Widerspruch handelt, wenn auch
hier der Einzelne, eben als Einzelner unter diesen hemmenden Umständen
unendlich vielmehr ausführt, als dort der Einzelne als Einzelner aber
in Einigung mit einer gleichsinnigen Mehrheit.- <Nehmt und erinnere Dich>
lieber Langethal das ganze Leben Jesu all sein Wirken, sein Handeln
all seine Äußerungen und seine Reden und sieh ob Du irgend wo eine
Grenzlinie ein Grenzscheide siehest, die er zwischen Gott und die Menschheit; die Men-
schen als Glieder derselben; zwischen die Menschheit
und den einzelnen als Glied derselben und sich ziehe?- Ihr sollt voll-
kommen seyn wie Euer Vater im Himmel.- Ich gehe hin zu meinem
Gott und Eurem Gott; zu meinem Vater u zu Eurem Vater - In meines
Vaters Hause sind noch viele Wohnungen, ich gehe hin sie Euch zu be-
reiten. Heut noch wirst Du mit mir, der Verbrecher mit
dem Weltheiland zugleich im Paradiese seyn.- Ein göttliches <Einigen>
in Allem und durch Alles, vorzüglich aber auf der Stufe der Ahnung,
des Glaubens, der Anerkennung u des Bewußtseyn in der Menschheit
und so im einzelnen Menschen als Glied derselben. Allein die
Grenzlinien, doch keinesweges feste Grenzscheiden an sich, erkennt Jesu
an; die Grenzlinie zwischen Ahnungslosigkeit - Tod, <so> bezeichnet er
es, und Ahnung; zwischen Ahnung und Glauben, zwischen Lebenvollen
Glauben und alle Handlungen, die Denk- und Empfindungsweise des Men-
schen allseitig und sicher bestimmende Überzeugung.-
Was war es als Jesus trauernd sagte: Ich hätte Euch noch viel zu sagen
allein ihr könnt es noch nicht ertragen?- als die Belehrung und An-
schauung, die Durchdringung von der
Göttlichkeit der Menschheit!-
Was war es, das für einen Augenblick seinen Geist umflorte
und er aussprach: mein Gott mein Gott warum hast Du mich verlassen.
Was war es anders als das Gefühl, die schmerzhafte Empfindung scheiden
zu müssen ohne die Menschheit zum Bewußtseyn ihrer Gotteswürde
und Gotteswesens auch nur im Einzelnen zu erheben
?- Was
war es anders als die tiefste Überzeugung, daß das Gotteswesen
im Menschen, in ihm als Menschensohn aus seinem Leben zu seinen
Jüngern nothwendig sprechen würde und müßte, wenn sie auch
sich ihre innersten Lebenserfahrungen über ihn sich gegenseitig mittheilen, und
sich einander nicht verlassen würden, ehe die einzelnen Ahnungen
in Einzelnen, sich zu einer GesammtAhnung u Gesammtanschauung er-
hoben haben und so die Überzeugung des einigen Gottesgeistes in Allen und
durch Alles, wovon sie Zeuge gewesen
waren, über sie gekommen seyn würde?- Langethal prüfe /
[100]
findest Du in dem Leben Jesu etwas anderes als früh die Ahnung des Gottboten
der Göttlichkeit der Menschheit, welche zur fesenfesten Überzeugung
in seinem Leben und durch sein Leben wurde, und das Streben diese
Ahnung in seinen Mitmenschen zu wecken und bis zu einer festen Über-
zeugung zu bringen
? Was fordert er von Nicodemus anders, als
eine ganz neue Ansicht des Menschen gleich von seiner Geburt an,
eine Ansicht des Menschen und Kindes, welcher die Göttlichkeit seines
Wesens zum Grunde liegt?- Alles dieß war Jesu kein Gleichniß,
kein Sprichwort, kein Sinnbild - einfache Wahrheit, Gewißheit
war es ihm: "Ich gehe zum Vater, wie ich vom Vater kam". Jesus
konnte nun freylich zu seinen Jüngern nicht sagen: Ihr kommt vom
Vater, wie ich vom Vater [ge]kommen bin, denn dazu fehlte ihm die
tiefste <zarte> Selbst- u Lebensbeachtung, die feste Überzeugung in ihnen
ihr ganzes Leben nur der Darlebung ihres göttlichen Wesens gelebt
zu haben. Allein Gott nannte er unbedingt auch ihren Vater und
sie würden mit ihm zugleich zu ihm kommen; in diesem Wesen Streben suchte
er sie auf die Göttlichkeit ihres ursprünglichen Wesens
aufmerksam zu machen; sicher dann der hohen geistigen Lebenswahr-
heit der Menschheit vertrauend: - Lebens- und WesensEinigung
könne nur da eintreten, wo ursprünglich und von Ewigkeit
Einiges Leben war; wenn sie also zu Gott als ihrem Vater
<als> ihm kommen sollten, so mußten sie auch mit ihm von Gott
seinem und ihrem Vater gekommen, schon vor ihrem jetzigen Erscheinen
mit demselben gewesen seyn.
Seit nun fast 2000 Jahren hat man die Menschheit gleich einem
Tantalus in des Lebensmeer gesetzt wo das Lebenswasser von ihm
weicht, wenn er damit seinen brennenden Lebensdurst löschen will,
wo des Lebenfrucht vor ihm fliehen wer in seiner Seele Lebenshunger
stillen will. Während 2000 Jahren hielten unsere Priester <in> guter
u bester Absicht uns Christen u die Menschheit so zurück, so daß Er der Weltheiland u Erlöser noch
immer in Hinsicht auf das Wesen
der Menschheit zu uns sagen müßte: - Ich hätte Euch noch viel
zu sagen, allein ihr könnt es noch nicht ertragen.
Allein sage l. Langethal bekommt u hat das was ich Dir oben über das
Pfingstfest mittheilte einen Sinn, eine Bedeutung wenn Du nicht die
tiefe Überzeugung von der Gottheit der Menschheit, wie von der Gott-
heit in <Jesu> überzeugt hieltest?- Was soll es denn heißen am
"Menschheitsfest" und <gehe> u.s.w. u.s.w. alles vergleichend durch.
Allein lies es mit der tiefsten Überzeugung der Gottheit in der Mensch[-]
heit, wie wir von der Gottheit Jesu überzeugt sind, und nun endlich
ein Sinn! welch ein Leben!- welche Bedeutung <? / !>- /
[100R]
Die Menschen haben es seit länger als Jahrhunderten gefühlt daß
die Scheide- Grenz- und Trennungswand welche die Kirche zwischen
Jesu und die Menschheit gestellt hatte sinken müssen (:allein:) denn
nirgend war dieses Streben der Kirche in dem Leben u Wesen, den Lehren und
Thaten Jesu unwidersprechlich gegründet, wie nicht gegrün-
det in der nothwendigen Entwickelungsgeschichte der Menschheit;
die Einen wollten und wollen noch jetzt - wie ich anderswo
Dir schon einmal aussprach Jesu das <Ahnungswesen>, den Ahnungen
den in sich schauenden Geistesmenschen zu dem gewöhnlichen äußer-
lichen Erfahrungsmenschen herabziehen, als daß man eben
das Gegentheil hätte anstreben und den gewöhnlichen äußerlichen
Erfahrungsmenschen zum inneren Ahnungsmenschen hätte herauf
und empor bilden, entwickeln sollen; denn mit einmal wird
er nicht - dieß ist es was die Menschheit fordert u dieß ist es was die Erzieher ihr geben <so>
die <andern / Kindern>, wohl von der hohen Würde und dem Wesen der Mensch-
heit durchdrungen, stellten es dem Wesen Jesu, wie es sich in
all seinem Leben Lehren, That u Wort kund thut so <nahe>
als sie nur immer glaubten es zu geben zu können allein
Ein Trennendes, ein absolut Schneidendes glaubten sie immer
aufstellen zu müssen, als ob es nicht schon absolut Individu-
elles genug sey, daß Jesu der erste aller Menschgeborenen
wah war und ewig bleibt, welcher das wahre Wesen der Menschheit
in der eigenen Brust ahnete, pflegte darlebte u <bewieß / bewirkte>.
Sie stellten Jesu als Eckstein gleichsam als Würfel z.B.
als Würfel aus 3 = 27 = 33 dar.
Nun sagten sie die Menschheit ist wohl 3 x 3 = 9 = 32, ja sie ist
mehr als daß, sie mag wohl 25, ja sie mag wohl 26 seyn
sie ist wohl 26 9/10 , oder gar 26 99/100 oder 26 999/1000 u.s.w. u.s.w.
also die Menschheit sey ein Fast- ein Nahwürfel, allein
daß die Menschheit gleichsam ein Ganz- und Vollwürfel = 3 x 3 x 3 = 27 = 33
sey, das wagte man nicht auszusprechen.
Schiller sogar selbst sagt: Von der Menschheit kannst Du nie
groß genug, d.h. immer nur annähernd, wie ich so eben zeigte, den-
ken; allein das Wesen der Menschheit wagte er selbst, wenigstens
nicht klar auszusprechen.
In diesen die Menschheit als eine an den Würfel annähernde
Größe darzustellen, gehört auch das Verfassen des Dir oben
über das Wesen und die Bedeutung des Pfingstfestes - als eines
Menschheitsfestes - mitgetheilten Auszuges. Setze aber in dem
Auszuge die Menschheit gleich Würfel = 33 d.h. = dem Wesen Jesu wie kommt nun
alles klar[e] - sichere Bedeutung?- /
[101]
Jesus zwar Erstling und so Erlöser, Heiland, Mittler, Erstgebore-
ner der sich in ihrem Wesen in ihrer Göttlichkeit u Gottheit
bewußten Menschheit, (so wie in einer Familie der das Wesen des
Vaters klar erkannte und im Fühlen, Denken u Handeln anerkann-
te älteste u erste und so mit dem Vater u dessen Wesen innig
einige Sohn); allein die Menschheit würde sogleich unmittelbar in ihm
und durch ihn als Menschensohn sich ihres Wesens ganz und voll
bewußt.
Nun giebt es aber noch eine 3. Beziehung die Grenzen[-] und die Scheid-
wand, die willkührlich gesetzte und unnatürlich ausgebildete
Grenz- und Scheidewand zwischen Jesu u der Menschheit und so
dem einzelnen Menschen durch Priesterphilosophen an die Seite zu schieben - man weiß
gar nicht wie man diesen heilosen Sauerteig mit welchem sie die Wahrheit <durchkneten> gemäßigt genug be-
zeichnen soll - dieß ist das heil-
und schamlose Werk, welches von den und durch die heidnisch römi-
schen Priester, welche sich der reinen Jesuslehre bemächtigten in das
Christenthum übergetragen wurde. Die Grundlage und die Mut-
ter, wie die <Hehlerin> all des Unheils, welches daraus für die
Menschheit bis diesen Augenblick hervorgegangen ist und dessen
<grauenvollen> Folgen sich die Menschheit ohngeachtet des Strebens
der kräftigsten Menschen noch nicht erwähren konnte; - das
ist die Dämonologie welche sich aus dem Heidenthum mit
in das Christenthum übergeschmuggelt hat und in welcher auch
wir alle erzogen sind, ja welche so mit unserer Sprache
und somit, so mit unseren reinsten und besten Vorstellungen, unseren Vorstellungen
vom Höchsten und Besten zusammengeschmolzen
ist, daß wir in Denken und Reden uns kaum davon trennen
können und unsere Kinder u Zöglinge unwillkührlich in diese
Charybdis mit hineinziehen. Um anzudeuten, was ich meyne
nur eines statt allen:- Erkläre mir nunmal, Langethal,
was es heißt unser Geist, oder unsere Seele ist unsterblich.
wer [sc.: Wer] ist denn dieses unsere, oder unser, oder kürzer dieses
Wir, welches dem Geiste, der Seele gegenüber, als ein Getrenn-
tes und besonderes, so weise u verständig von ihr spricht?-
Es muß doch nothwendig etwas vom Geist u Seele verschiedenes
seyn, weil es von Geist u Seele wie von einem zweyten, vielmehr
dritten spricht!- Was steht nun aber dem Geiste u der
Seele anders als ein Entgegengesetztes gegenüber als Körper
und Leib. Das [sc.: Daß] aber Körper u Leib sprechen fällt gewiß Niem-
mand im Schlafe ein. Liegt nun jenem Ausspruche unser Geist
unsere Seele pp eine andere, als dämonistische Vorstellung zum Grunde? /
[101R]
So reden, lehren und fordern wir aber beständig: Bilde deinen Geist
Deine Seele aus; der Mensch bilde seinen Geist, seine Seele!-
Wer ist denn dieses Ungenannte zu dem gesprochen wird,
ja von dem sogar gefordert wird deinen Geist auszubilden?-
Wer ist das Ding, der dem Geiste, der Seele gegenüber als
ein zweytes Wirkendes steht - der Mensch - was Geist und
Seele doch bilden soll?- Es soll doch mit Bewußtseyn, mit
Absicht Zweck geschehen kann es also des Menschen Leib und
Körper seyn?- Hier Langethal ist das breite Thor in welches
die, alles Große u Edle der Menschheit vernichtende Trennung
unter die Menschheit in die Menschheit kommt.
"Bilde Dich Mensch, der Du Dich als Gliedganzes erkennen
und erfassen kannst."
"Bilde Dich Mensch als GanzMensch als Mensch überhaupt."
Siehe, fühle Langethal! Dadurch steht der Mensch eingewurzelt
in Natur u Geschichte in Vorwelt u Mitwelt hinüberragend
in die Nachwelt; Thatkraft, Bewußtseyn u Empfindung ist Eins; wie es stets im Leben des Menschen Eins seyn soll,-
Das habe ich längst gefühlt u gewußt wenig sehr wenig - und
dennoch ungeheuer viel ist nöthig es was zum Heil der Mensch-
heit geschehen muß.- Langethal - befreye die Menschheit
von dieser trennenden dämonistischen Vorstellung in Gedanke
und Wort u - Du hast die Menschheit ihr, sich selbst; Du hast
die Menschen ihnen, sich selbst gegeben.
Ähnlich ist und wirkt auch die im Leben so viel und so ernstlich ge-
brauchte Redensart: "Dein oder sein guter oder bester Genius."-
Es muß dieß nothwendig alles trennen schwächen u.s.w. Langethal
denke es einmal recht allseitig und gründlich durch.

Am 3en Pfingstfeste. Guten Morgen Langethal! Auch ich habe weiter dar-
über nachgedacht; mir kommt das Reden der Menschheit von sich in der
dritten Person gerad so vor wie wenn das sich eben erst bewußt und Sprach-
mächtig werdende Kind von sich in der 3ten Person spricht:
"Fritz will essen" "Malchen will trinken". Welch ein Gefühl der
Kraft aber durchströmt das Kind wenn es zum erstenmal wagt zu
sagen: Ich will essen. Ich will trinken, und <mit rührend> bekräftigenden
Gefühl diesen Ausdruck des Sich-selbst-Bewußtseyns wiederholt.
Eltern sollten ganz besonders Kinder in dieser Entwickelungsstufe beobachten
sie fühlen sich ganz gewiß wie aufs neue geboren. Ein eben solche
neue völlige Geburt muß in der Menschheit vorgehen wenn sie aufhört
von sich als Geist, als Seele u Leben in der 3n Person zu sprechen, und wenn
der Mensch als Glied der Menschheit von sich im Vollgefühl seines Wesens
<Seyns> und seiner Würde sagt: - "Ich Mensch." - "Ich" - fühle <nun> /
[102]
einmal lieber Langethal welches Trennende, Schwächende in dem
<sonst> so herrlichen Gedanken liegt wenn wir sprechen
"Meine Seele preiste den Höchsten u[n]d
"Mein Geist freue sich"
Welches Zerschneiden! - Deiner Seele u Deinem Geiste stehst Du doch
in diesen Worten als Du als das 3e gegenüber; allein nicht Du
selbst als einiges Wesen sondern Deine Seele, ein Anderes für Dich
statt Deiner soll Gott den Höchsten preisen; nicht Du sollst als
einiges Ganzwesen in deinem einigen Denken, Empfinden und Handeln
sondern höchstens ein Theilwesen von Dir soll sich freuen. Du wirst
Langethal! gewiß mit mir einsehen daß wir hier an der Quelle
sind wo die Trennung zwischen und von unserm Denken, Empfinden und
Handeln in unser Leben kommt, an den Ursprung von welchem die <Verschräg-
lichung> in das Menschengeschlecht u in den einzelnen Menschen kommt. Ich könnte
zur prüfenden Bestätigung Dich auf Erscheinungen Deines eigenen Lebens auf-
merksam machen und Dir solche durchs Gleichniß noch erklären wenn
ich dazu Zeit genug hätte; doch Du bist ja Du selbst; Du hast ja das Leben
und Dein Leben selbst, bist treu beachtend, warum sollte Dir das Wahre
nicht ebenso und vielleicht in Deiner jetzt vervielfältigten Wirksamkeit noch
klarer und schlagender entgegen treten als mir.-
Du schreibst lieber Langethal! - und Du kannst Dir kaum denken wie
sehr ich mich darüber gefreut, ja davon durch und durch ergriffen wor-
den bin, Du schreibst mir also:
"Die Majorität des Lehrercollegiums schlägt daher der Schulcommission
"zur Annahme vor:
"ein ganz anderes Prinzip des Elementarunterrichtes."-
Dagegen habe ich nun nichts, ein ganz anderes mag jenes wohl vor-
schlagen und dieses wohl annehmen; allein verzeihe mir mein
theurer Langethal daß ich gar sehr fürchte daß es keinesweges
wenigstens nicht das rechte Princip an sich seyn wird. Wie das
rechte und wahre Princip des Elementarunterrichtes beschaffen
seyn müsse kann Dir nun aber wohl aus der Gesammtheit meiner
jüngsten Mittheilung, die heutige mit eingeschlossen wenigstens
ahnungsweise hervorgehen. Dieses Princip wird aber fürchte ich
gar sehr weder das Lehrercollegium vorzuschlagen noch die Schul-
commission anzunehmen wagen. Du giebst mir selbst durch das was
Du mir aus dem Vorschlage mittheilst den Beweis in die Hand,
leider kann ich ihn schriftlich nur leise andeuten: - durchweg, und
wenigstens den Worten nach geht durchweg aus dem mir mitgetheilten
Auszuge aus dem gemachten Vorschlage hervor, daß auch dieß wie es /
[102R]
sich hinstellt und nennt "ganz andere Princip des E. Unterrichtes"
eben den Unterrichtsgegenstand als Object im Auge hat, nicht
aber das Subject selbst, nemlich den Schüler, den Menschen selbst
das neue und ächte Princip des Unterrichtes - (:schön dieses Wort
bezeichnet einen <mechanischen> Unterbau, wenn man ein Haus von
unten und von außen emporrichtet und muß in der Dar-
stellung des an sich neuen Princips gar nicht vorkommen sondern
mindestens mit Belehrung <in> < ? > <">Sach- und Wesenheitdurchdringung" vertauscht werden:) also das neue und ächte Princip
des Unterrichtes muß die Unterrichts Wirkung auf den
Schüler u Menschen zur allseitigen, sich selbst Erkenntniß, Selbst-
erfassung zu allseitigem Selbstbesitz als Object im Auge haben
und behalten. So heißt es nun in dem mir von Dir Mitgetheilten:
- ..... so wünscht die Maj: des Lehrerc. nun eine möglichst rein
entwickelnde Methode eingeführt, nach welcher vorerst im Kinde
möglichst klar - das Bewußtseyn eines jeden zu erlernenden
Gegenstandes von innen heraus entwickelt u erzeugt werden
u.s.w. sollte nach den Worten "möglichst klar" heißen: -
Welches das Selbstbewußtseyn eines in sich einigen - sich in Handeln durch
Fühlen u Denken kundthuenden, einigen Menschen gepflegt, gewirkt,
gepflegt genährt und erstärkt werde. Auf dieses Ziel hin
nach diesem Zwecke hin "der sich allseitigen Selbsterfassung"
"des <sich> allseitigen Sich-Selbstbesitzens (und Beherrschens) dahin
müßen vor allen die ersten gründenden Belehrungsmittel
hinwirken. Also nach dem neuen Princip der Belehrung (des Unterrichtes)
muß der Schüler und das in dem Lehrgegenstand liegende allgemein
Wesenheitliche das Object des Unterrichtsgegenstandes seyn, das Be-
sondere, die eigentliche Kenntniß des Gegenstandes kommt dann als
Zugabe oben drein. Du siehest nun schon hieraus l. L. in welche ganz
allgemeine Beziehungen die Lehrweise tritt.
(:Allein dabey, so viele auch dadurch schon errungen ist daß der Lehr-
gegenstand aufhört Object der Belehrung zu seyn, darf man nicht stehen bleiben sondern daß
der Mensch von:)
Seit ich das vorstehende begann und, wie es mir leider so oft
oft geht durch die Gewalt des äußeren Lebens, von der Beendigung weggerissen
wurde sind 1½ Tag verflossen; während welchen sehr viel Äußerliches auf mich
einwirkte und ich besonders sehr an, für das Denken so nachtheiligen Magen-
übel litt, so daß es mir nun nicht mehr möglich ist den Satz in seinen
ursprünglichen Geist und Leben fortzuführen; ich beginne darum lieber
von neuem.-

Am 18 May. Jetzt fällt mit die Fortsetzung wörtlich klar ein: sondern daß
des /
[103]
d[er] Mensch vom frühesten an nicht als Einzelmensch, sondern
als Gliedganzes der Menschheit anerkannt beachtet und ge-
pflegt werde. Daß in dem einzelnen Menschen als Gliedgan-
zes der Menschheit, die Menschheit sich allseitig entfalte
und darlebe, das muß die Sorge des Erziehers seyn, welcher
ihm dazu die nöthige Pflege, das muß das Ziel, der Zweck
des Lehrers seyn welcher ihm dazu die nöthige Nahrung, die
zweckdienlichste Nahrung reiche; auf welche Weise er es
aber in sich be- und verarbeite, auf welche eigenthümliche
Weise er die Menschheit in sich darleben in sich aus sich
außer sich darstellen wolle, das - das muß dem Zögling
rein überlassen bleiben; ob als Lilie oder als Rose ob
als Feld- 5 blättrige oder als Garten- als 100 blättrige Rose. Darum
mein sehr theurer Langethal kann entweder nur
eine ganz still in sich ruhende Familie, - oder eine einig in sich
selbst ruhende Stadt d.i. Gemeinde oder ein sich in seinem Wesen mindestens
ahnend gefundenes und es festhaltendes
Volk - das ächte Princip der Menschenbildung, sollte eigentlich

soll heißen - der Menschwerdung
ausführen. Mensch zu werden, siehe das sollen wir unsern
Kindern möglich machen; allein wir sollen nicht - so edel
es erscheint den Zweck haben sie zu Menschen machen zu wol-
len.- Die Grundansicht vom Menschen, vom Wesen des Menschen
und die consequente Durchführung und Festhaltung desselben in
der Überzeugung wie im Handeln, diese macht alles, und darum
ist mir in dieser Hinsicht die Familie Josephs u Maria und die Erziehung Jesus durch
dieselbe für die Menschheit ein ewiges Muster,
das Erziehungsverhalten und die Erziehungsweise von Maria und
Joseph enthält mir alles was ich fordere und ich kann alles
darinn nachweisen was ich im Einzelnen über die Erziehung

zur Menschwerdung
des Kindes ausgesprochen habe. Nur < ? > als die Quellpunkte
hebe ich heraus 1) erstlich hielten sie den Grundgedanken: Gottheit
erschienen in Menschheit, Gottheit erschienen als Menschheit,
Menschheit Einzelerscheinung aber Einige Erscheinung der Gottheit fest
2.) Diesem Grundgedanken, Lebensgrundgedanken geboren, beachte-
ten sie die Einwirkung des gegenwärtigen Lebens und walteten mit
Hingabe als ihres irdischen Bequemlichkeit, <Vaterhand> rc. rc. über
das Kind schützend bis es körperlich kräftig sich selbst schütze. 3) ohnge-
achtet der völligen Durchdrungenheit von dem göttlichen an dem ausgezeichneten Wesen Jesum, nährten
sie es doch mit dem natürlichsten, dem menschlichsten /
[103R]
gleichsam ihrer BerufsNahrung: Zimmern, Hobeln, Sägen, Spalten und Zu-
sammenfügen - Vergleichen; doch die Eltern vergaßen auf ihren
Reisen nicht ihn auf die Natur aufmerksam zu machen. Siehe seine
Gleichnisse von der Lilie u dem Senfkorn; allein auch mit den For-
derungen der Hauswirtschaft - Siehe sein Gleichniß vom Haushalter
Wie ihm sein Vater bey seinem Handwerk die Übereinstimmung von
Zweck u Mittel gelehrt hat (Gleichniß vom Thurmbau). Allein
bey allem diesen z Also das Nächste genügte ihnen zur Nahrung
für seinen göttlichen Geist, obgleich selten aus so einfachem Leben
so einige Menschen hervorgehen. Vielleicht <leidete> sie die
Naturerfahrung auf einem Beete, in einer Erde, getränkt
von gleichem Wasser u beschienen von gleicher Sonne wächst
Kohl und Lilie; wenn sie nun gleich von Jesu hohem Wesen und hoher
Bestimmung überzeugt so ängstigten sie sich doch nicht ihn [sc.: ihm] eine - auf
damalige Weise gelehrte Bildung zu geben; Von dieser Seite ge-
nügte ihnen alles was ihr einfaches Leben zur Beachtung, Prüf[un]g
und Vergleichung darreichte, allein - bey steter Festhaltung
der Überzeugung von seinem Wesen behandelten sie ihn als ächtes
und Leben volles Gliedganze der Menschheit - Und das große
Natur- und Lebensganze seines Volkes was ihm lebenvoll
- so können wir schließen - stets umgab, war der Spiegel
seines eigenen Wesens.
Jesus Leben lehrt uns also: die Menschenwerdungsmittel
sind einfach, es sind derer wenige, allein sie müssen
recht durchdrungen ver- und bearbeitet immer auf das Eine, ein Einiges bezogen werden.
Gleiches lehrt uns auch die Natur: - Nur Erde, Wasser, Luft
Licht u Wärme doch die Erdbeer u der Apfelbaum, das <Sinngrün> u die Eiche
thun jede auf ihre Weise ganz und <einig> das Gewächsleben kund, denn
jede be- und verarbeitet das Einfache u Wenige immer in Beziehung auf das
Eine und Einiges (:In diesem Augenblicke wurde ich veranlaßt etwas in meinem
Taschencalender vom vor: J. nachzusehen und da finde ich daß ich dort schon ganz
dasselbe von einem ganz andern Punkt ausgegangen ja mit ganz den-
selben Worten über Erziehung niedergeschrieben habe ohne daß ich mich dessen
in diesem Augenblick im mindesten erinnerte, dieß ist mir ein äußerer Beweis seiner
tief gegründeten Wahrheit:) (Dieß geschieht mir jedoch öfters).
Ich habe nun l. L. zwar gar nichts dagegen wenn Ihr den Namen "heuristische
Methode" und zwar zur Vermittlung für die Menschen gebraucht; allein
gestehen wirst Du mir daß dieser Name keinesweges der Unterrichts-
weise welche die Menschheit jetzt bedarf genügt und entspricht, nun
ist zwar ein Wort ein Kleid allein jüngst las ich daß auch Kleider den
menschen erziehen. "Schule der Selbstbelehrung" ist mir bis jetzt allerfassend. /
[104]
Der Ausdruck "selbstbe[le]hrend" eint in sich die Ausdrücke "naturgemäß"
["]naturgetreu". Denn eben die Natur belehrt sich aus sich und durch
sich über alles was sie zu thun hat im Einzelnen wie im Ganzen,
wie über das Einzelne u über das Ganze; die Natur belehrt sich selbst
wie sie sich selbst erzieht; der Baum belehrt sich aus sich selbst wie er zu wachsen hat pp.
Der Ausdruck "selbstbelehrend" eint in sich den Ausdruck "gottwürdig"
denn Gott belehrt sich über alles wie über sich selbst, aus sich selbst.
Der Ausdruck "selbstbelehrend" eint in sich den Ausdruck "menschen-
würdig", denn die Würde des Menschen besteht eben darinn Gott u Natur
getreu zu seyn; ist er aber selbstbelehrend der Mensch, so ist er ja, wie
wir so eben sahen auch Natur- und Gottgetreu.
Der Ausdruck "selbstbe[le]hrend" eint in sich den Namen, den Ausdruck
wollte ich sagen: "entwickelnd" denn die Natur entwickelt sich und
belehrt sich über ihre Selbstentwickelung aus sich und durch sich selbst.
Der Ausdruck "selbstbelehrend" faßt auch den des "heuristischen" in
sich, soweit mir das Wort, ohne einen Riemer zum Nachschlagen bey
Hand zu haben,- klar ist; denn die Natur belehrt sich über die zahl-
losen Erfindungen die sie aus sich selbst macht und zu machen hat-
aus sich selbst und durch sich selbst.
Der Ausdruck "selbstbelehrend" erfaßt also schon von diesen Richtungen aus
alles in sich, was der Mensch zur Erziehung und Er Bildung zur u für Voll-
endung ersehnt; allein er erscheint es noch mehr und bestimmter wenn
man den Menschen als ein Geschöpf von Gott, als ein Wesen aus Gott,
durch Gott und in Gott lebend anschaut; denn Gott belehrt sich alles
aus sich und durch sich selbst [(]Gott ist gleichsam der wahre Autodidakt an sich.[)] und der Mensch soll wenigstens streben
so vollkommen wie sein Vater, sein Schöpfer zu seyn; zur Hülfe
in diesem großen, ja gefährlichen Werk - ( wie dieß ja Schiller
so wahr und doch so schön von dem Menschen ausspricht, welchen der Genius
schon in der Wiege beschenkt -:) hat Gott den Menschen mit einer, sich
aus sich, aus ihrem Wesen selbst entwickelnden, die Belehrung über
sich selbst, in sich selbst tragenden Natur umgeben ja den Menschen
selbst zum Gliedganzen derselben und in derselben gemacht. Also
ist der Ausdruck "selbstbelehrend" in Hinsicht auf die Erziehung
und Bildung des Menschen - diesen Ausdruck in all seinen
Bedingungen, Folgen und Verbindungen erfaßt
- ganz erschöpfend.
Und nun mein lieber Lgthl! einen Sach- und Thatbeweis: "wer gab uns
mindestens die Buchstaben?"- wer anders als die Selbstbeachtung, Selbst-
belehrung; - wer brachte uns die Kunde von dem Lauf der Weltkörper?
wer anders als die Selbstbelehrung. Blicke um Dich Lgthl! Wo ist ein Ge-
genstand der Erkenntniß und der menschlichen Darstellung welcher nicht dem
stillen, sinnigen beachtenden Nachgehen, der Selbstbelehrung des Ahnungsmenschen die /
[104R]
Quelle und den Keim seines Daseyns verdankt?- Die Ahnung der Selbst-
belehrung, des Hervorsteigens aus sich; welche die bisherige Erziehung
in den Menschen tödtet, mindestens tief im nächtlichen Hintergrund
stellt, muß wieder in dem Menschen geweckt, gepflegt und erstarkt
werden, damit das Wirken des Erfahrungsmenschen wieder Leben-
seelen-, gemüth- und geistvoll werde.-

Am 23 May. Ob nun gleich das vorstehende unter sehr vielen Stöhrungen und Un-
terbrechungen niedergeschrieben worden ist, so hoffe ich doch daß Dir daraus
das Wesen der schaffenden, - der schaffend beachtenden - Bildung des Menschen,
der Bildung des Menschen durch Selbstbelehrung klar ist. Du wirst hof-
fentlich, mindestens durchfühlen, welch eine wesentliche Verschiedenheit
zwischen der eben bezeichneten Bildung und Belehrung des Menschen
und zunächst der eigentlich heuristischen Lehrweise ist. Was sie auch selbst vorzüg-
liches leiste, so wirst Du hoffentlich nun einsehen
daß sie überwiegend den Gegenstand des Unterrichtes als Object
und die Aneignung desselben für den Schüler, mindestens die Kenntniß
desselben für den Schüler vor Augen habe.- Alle unsere Unterrichts-
weisen, mein theurer Lgthl, beziehen sich mehr auf den Geist, den Verstand
das Urtheil, als auf das Gemüth, das Gefühl, die That; mehr auf
die Erkenntniß als solche, als auf das Leben nach derselben; höchstens
kann er Rechtlichkeit bewirken u bewirkt Rechtlichkeit statt daß
er ächte Sitte, Sittlichkeit, Sittigkeit bewirken könne und be-
wirke. Siehe l. L. hier ist die Scylla u die Charybdis. Wir lehren
und zeigen die Erfassung des Gegenstandes, statt die Selbsterfassung
die Sichselbsterfassung des Menschen denselben, unsern Schülern und
Zöglingen zu lehren und zu zeigen.
Was ich hier sage gilt sowohl von dem logischen - dem rein
mathematischen - dem combinatorischen - wie von dem soge-
nannten Anschauungs- (pestalozzischen) Unterrichte; allein
diese Unterrichtsweisen entfernen den Menschen, den Schüler
von sich führen ihn in den Gegenstand hinein; selbst der ächt
sokratische Unterricht - (ich will gar nicht von unserm <cathe-
chetis[chen]> Mechanismus reden -) ob gleich von dem Menschen
und dessen Selbstbeobachtung ausgehend u auf den Menschen
zurück führend; - selbst dieser ruht mehr auf dem Object
der Erkenntniß als der subjectiven Wirkung, als auf der kuWir[-]
ng
, dem Leben welches daraus für den Schüler hervorgehen soll.
- Unter allen Namen welche Ihr jedoch dem von Euch betretenen Lehr-
weg hättet geben können, ist mir jedoch der des heuristischen der
Liebste; warum? - erstl[.] weil er fremdsprachig und auch hier am
wenigsten gebraucht und somit für das Leben noch der vieldeutigste ist. /
[105]
Suche also lieber Lgthl unter der Ägide der heuristischen Lehrweise
immer in deinem Kreise das <Reinste> darzustellen und auszu-
führen was Dein Geist u Gemüthe von der schaffenden Bildung und
Selbstbelehrung des Menschen, von der schaffenden Belehrung und Bildung
des Menschen erfassen kann.- Allein auch beym Gebrauch dieses
Wortes und durch denselben hüte sich vor Accomodation.-
Meyne nicht dieß Wenig- jene Kleinigkeit, das Bischen kann ich ja
nicht schaden; denn ehe Du es {ahnest / ver siehest} haben Dich die 100 Bischen rc. in
den Staub gezogen. Willst Du es in colosalen Maaßstab schauen,
schaue in den Spiegel der Geschichte, siehe Mongolen, siehe Louis <Philip[p]>.
Was Du nicht rein u. ganz nach den Forderungen der erkannten Wahrheit durch-
führen kannst, dazu gieb Dich nicht her, sonst fällst Du ungeahnet früher
oder später und selbst das Große dem Du Dich momentan anschlossest muß Dich, um nicht mit Dir zu
sinken, - fallen lassen.
Siehe dagegen ob Du Deine Mitarbeiter und hier namentlich <Ries>
zu den Gedanken ächter Menschenbildung und Belehrung durch beachtendes
Selbstschaffen erheben kannst. Mich dünkt Du hast nach allen Seiten
hin dazu Stoff und Mittel genug in Händen, die Gelegenheit sie zu ge-
brauchen muß nur nicht versäumt werden. So dünkt mich z.B.
hat Middendorff eine wesentliche Gelegenheit verabsäumt und [sc.: um] in den
Burgdorfern den sie jetzt belebenden Geist einer bessern Erziehungsweise
zu erhöhen zu steigern u zu bekräftigen, auch ihm die beste Rich-
tung [(]eben die Richtung auf den Geist des Unterrichtes zu geben[)] zu geben; ich meyne in Middendorffs Gespräche mit Dr.
<Dürr> oder H. Schnell über Methode u ihren Werth. Midden-
dorff stand auf der Seite der Methode des Unterrichtes, so
wie sein Gegner auf der Seite des Geistes des Unterrichtes
stand. Hier mußte Middendorff nothwendig die Methode des Un-
terrichtes dem ächten Geiste deßselben unterordnen; denn der
Geist schafft u belebt die Methode, allein die beste Methode ohne
Geist ist todt, wird Mechanismus und wirkt lähmend auf den
menschlichen Geist rc. freylich wenn Lehrweise und Geist derselben
gleich erfassend sind, so ist die Wirkung davon die ersehnte seegensreiche.
Wenn aber diese Einigung fehlt, so wirkt ächter Geist allein über-
wiegend mehr, als ächte Methode allein. Du wirst mich hoffent-
lich nun verstehen, was wenn ich meyne daß Middendorff hier eine sehr
gute günstige Gelegenheit verabsäumt hat, die Burgdorfer wenig-
stens einen ihrer Sprecher in den Geist unserer Lehrweise einzu-
führen, indem er mehr auf der Form desselben ruhen blieb; wogegen
er auf dem ächten Geiste ruhen, von diesem [hätte] ausgehen und zeigen
sollen, wie durch ihn bedingt eben die ächte Bildungs- und Belehrungs[-]
weise des Menschen nothwendig beschaffen seyn müsse. Gleichsam /
[105R]
wie die Theodice zu beweisen sucht, daß diese Welt, unter den möglichen
Welten, die beste sey.- Ich will damit nur sagen wie Middendorff
sich bemühen sollte unser Streben weit mehr in seinem innersten
Wesen zu erfassen und daraus dessen Erscheinen und Forderung
abzuleiten; allein es ist gar nicht zu leugnen, daß Middendorff mit
der Entwickelung unseres Strebens, dessen Geistes, seiner Forderungen
und seiner Wirkungen gar nicht fortgegangen, vielmehr stehen
geblieben, also zurück geschritten ist; der Grund davon liegt in der Ge-
sammtheit seiner Geistigen Lebensweise, seiner dogmatischen Lebens-
ansicht in allen Dingen. Statt vieler Beweise ist mir der eine
- seine Ansicht über sein Willisauer und Dein Burgdorfer, oder
über das Willisauer u Burgdorfer Verhältniß u Leben in Hinsicht
auf Begründung reiner Menschenbildung - genügend. Er blickt
mit einem gewissen Leidwesen auf die Willisauer Verhältnissse
in Vergleich mit den Burgdorfern (:Ich habe leider den Brief nicht
hier um seine eigenen Worte herausheben zu können:) - und doch sagt
er, daß daß in Willisau alles von der Anstalt u vom Volke aus
gehen, durch das Volk hindurch gehen müsse, wie dort weder
der Verein noch die Regierung etwas wesentliches thun könne, und
dennoch spricht er aus, daß Einige im Volke ganz von dem
Wirken und den Leistungen der Anstalt ergriffen seyen.
Nun mein theurer Lgthl will ich Dir meine tiefste Überzeugung sagen: So
herrliches Du u Middendorff mir von dem Stande des erziehenden Wirkens
in Burgdorf und ganz namentlich durch Dich geschrieben habt, so
ist mir doch unsere Wirksamkeit in Willisau viel wichtiger, ja
viel tiefer und sicherer begründet, als die in Burgdorf.
Das heißt für die Erhebung der Menschheit als Ganzes und vom Volke aus kann in K[anton] Luzern ein sichereres Fundament als in K[anton] B[ern] gelegt werden.- Halte
mich l. L. nicht für blind für das was in B[u]rgdorf errungen ist, allein
Lgthl laß Dich auch davon nicht bethören nicht zu sehr einnehmen -
Lgthl im Kanton Luzern schlagen uns theilnehmende, menschlich
theilnehmende Gemüther und Herzen wie ich nicht glaube daß
uns eins im Kanton Bern schlägt. Middendorff erkennt seine
Stellung nicht, er hat Keilhau im Rücken, er soll sich daran anlehnen, darauf
stützen und so Sicherheit u Festigkeit im Handeln bekommen; er hat Burgdorf vor
sich und dieß soll ihm Muth geben. Nur stille Wirksamkeit kann im
Kanton Luzern zum Ziele führen auf Nichts auf keinen Beyfall soll
er sehen, nur auf das wirklich sprechende Ergebniß seines Wirkens.

-----*-----
Das [sc.: Daß] Briefe von Titus angekommen sind siehst Du aus der Anlage; auch sein Vater
hat mit geschrieben. Diesen Brief solltest Du lesen um zu sehen wie sehr Dein Bruder
Keilhau geschadet, ihr Euch in Keilhau geschadet habt, daß Ihr die Jenenser Doctors nach
Keilhau gebracht habt; sie erregten entgegnend die Gemüther und dieß wirkte so
weit als unsere Wirksamkeit selbst.- Nur nicht mehr auf Fremdes gestützt[.]- /

[106]
Am 24n May 1837.·.
Wilhelm Clemens hat uns in diesem Pfingstfest besucht, und hat sich
in der Besorgung unserer kleinen Blumengärtnerey ein schönes Erin-
nerungszeichen gesetzt. Er ist noch immer der alte treusinnige, Ge-
müthvolle und herzlich Anhängliche als welchen er sich stets zeigte.
Über sein Verhältniß hat er ganz offen zu mir und uns gespro-
chen und dieserhalb komme ich nun auch mit diesen besonderen Zei-
len zu Dir.
Dem Worte und Vertrage nach ist seine Lehrzeit, erst künftiges Jahr
am 10' May zu Ende. Es scheint aber bey den Gärtnern, <wie auch>
sonst wohl der Fall zu seyn, daß wenn der Lehrling die beyden ersten
Jahre gut benutzt er dann im Laufe des dritten Jahres frey gegeben
wird. Auch Wilhelm und d. Fr. v. A. haben die Versicherung vom He.
Hofgärtner daß - wie sich Wilhelm ausdrückt - er morgen aus der
Lehre austreten kann wenn er ein Unterkommen, eine Stelle hat.
Daß sowohl Wilhelm als die Fr. v. A. es gleich wünschen ist natür-
lich obgleich aus verschiedenen Günden. Wilhelm wünscht wenig-
stens noch vor Winter aus seinem jetzigen Verhältnissen auszutreten
die Fr. v. A. hat sich nun in dieser Beziehung an Karl in Lenzburg, und wie es
scheint durch diesen an Theodor in Zürich gewendet. Theodor hat nun
darauf geantwortet daß er den Wilhelm gegen Wohnung Kost und Wäsche
bey sich Beschäftigung geben, auch sagt wohl für
Unterhalt in Kleidern sorgen wolle, allein einen bestimmten
baaren Gehalt könne er ihm nicht geben. Daß nun diese letztern
Bedingungen dem Wilhelm nicht zusagen läßt sich leicht begreifen,
besonders da er in sich nicht das Zutrauen zu Theodor trägt, daß dieser
vorwaltend die Fortbildung Wilhelms mehr als seinen Vortheil
bey diesem Antrage; wenigstens beyde gleich im Auge habe. Nach
der Schweiz sagt Wilhelm zögen ihn die Schweizer Pflanzen jedoch
nicht auf Unkosten seiner sonstigen Aus- und Fortbildung welche
ihm wesentlich am Herzen liege. Zum Festhalten des Verhältnisses
mit Theodor in Zürich scheint nun ganz besonders auch die Meynung
beyzutragen 1) daß in Zürich schon ein botanischer Garten für die Universität errichtet
sey oder eben errichtet werde und dann
2ens daß Theodor als Universitätsgärtner angestellt werde.
Denn die Fr. v. A. hat angefragt ob es nicht möglich sey, daß Wil-
helm an dem botanischen Gatren der Universität in Zürich eine feste
bleibende Anstellung erhalten könne?- Worauf Julius geant-
wortet hat daß dieß nicht möglich sey, daß er es aber auch selbst
wenn es möglich wäre
, nicht als ein Glück für Wilhelm erkennen könne.
Wilhelm hat nun an Karl geschrieben ihm über alles was ge-
fordert u gereicht würde klare Auskunft zu geben.- Karl hat
bis jetzt noch nicht darauf geantwortet. So steht nun das Ganze.- /
[106R]
Da nun an jeder Universität wie mir Wilhelm sagt die Gärtner die
Vorlesungen zunächst wenigstens über Botanik frey haben, so
wünschte Wilhelm freylich gar sehr <in / an> einem botanischen Garten
einer Universität eine Stelle zu bekommen, vielleicht auch um
besonders noch Physik zu hören. Deßhalb ergeht nun meine
und Wilhelm[s] Bitte an Dich, Dich doch in Bern vielleicht auch durch
Prof. <Voigt> oder <Demme> zu erkundigen und zu verwenden
ob Wilhelm nicht in den <dasigen> botanischen Garten oder
vielleicht in dem Garten der Großfürstin - den Du ja kennst
eine Stellung <Stelle> bekommen könne.
Es würde mich gar sehr freuen von Dir recht bald darüber
und wo möglich genügende Antwort zu bekommen. Für Wilhelm
bey seiner Herzens- und Gemüthstreue, müßte ich es für sehr
gut halten wenn er eine unabhängige Stellung erhielte. Er
sagte mir selbst, daß natürlich der Frau v. A. nur daran liege
daß er bald ein selbstständiges Unter- und Fortkommen finden möchte.
Von Wilhelm weißt Du daß er außerordentliche Liebe zu seinem Fache
hat, daß er sehr fleißig, gemüthvoll anschließend, sittlich rein und
in seinem Geschäft strebend ist; auch scheint er hinsichtlich seiner Pflicht-
erfüllung sehr sorgsam und pünktlich zu seyn.-

*

Am 25en May. Du wirst wohl auch ein Paar Worte von unsern Arbeiten
wissen wollen. 1) In der Ausarbeitung des Würfels als Grundlage
der Raumes- und Formenkunde bin ich bis zur Zertheilung des Würfels
durch die Schrä Diagonalebenen (:[*Zeichnung: Quadrat mit
  Diagonalen*]:) forgerückt [sc: vorgerückt]. 2.,  In der
Anschauung des Sprachgebietes, oder in der Anschauung des Sprachge-
genstandes
, geknüpft an die Anschauung von Würfel, als die
Stellvertreter jedes Gegenstandes bin ich bis zu den Gegen-
standsverhältnissen; und schon stehe ich hier mit einem Drucker
im Verkehr <der> welcher die Bedruckung der gleichsam selbst-
sprechenden Würfel versucht, wodurch ich bezwecke daß sich
der Schüler in der Beschäftigung mit ihnen sich hier bey 2[)] über
Sprachliche Verhältnisse ebenso durch sich selbst wie oben bey 1)
über raumkundliche Verhältnisse unter Leitung, selbst be-
lehre. 3) Zu den Ausstechbüchern sind die Zeichnungen durch
Friedrich zu den Umschlägen der gerad- und krumlienigen Figu-
ren fertig.- 4) Gyger bearbeitet nach Bedingungen von mir die
<Worttheilung> aus ihren Theilen und sucht jetzt das Wesen jedes Wort-
theiles durch Zusammenstellung rc aufzufinden. Er bearbeitet eben die
Übersicht der Ergebnisse seiner Vergleichenden Beachtung.-
Weil nun meine Unternehmung mich immer mehr in Anspruch nimmt, so wirst
Du so bald, wenigstens keinen so langen Brief wieder von mir erhalten.
- Grüße an alle in Burgdorf im Hause u außer demselben.- Meine Frau
welche Eurer besonders herzlich denkt, grüßt ebenso herzlich D. FrFr

[Randbemerkung mit Sternchen ohne Bezugspunkt im Text:]
Daß der Herr Pfarrer Bähring in Eichfeld vor einigen Wochen gestorben ist wirst Du wohl schon gehört haben.-