Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die Regierung des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt in Rudolstadt v. 15.11.1837 (Blankenburg)


F. an die Regierung des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt in Rudolstadt v. 15.11.1837 (Blankenburg)
(BN 729, Bl 1-2, dat. Entwurf 1 B fol 3 S.)

      Blankenburg Keilhau am 15 Novbr 1837.


An die Hochfürstliche, hochpreißliche Regierung zu
             Rudolstadt.

Hochfürstliche Regierung ersuche ich unterthänig
um hochgeneigte Beachtung nachstehender ehr-
erbietigen Mittheilung:
Während meiner vieljährigen Wirksamkeit
als ausübender Erzieher und Lehrer, wurde ich un-
ausgesetzt zu der Überzeugung hingedrängt:
daß es für das gesammte Erziehungs- und
Unterrichtsgeschäft, in Beziehung auf dessen
Begründung und Fortgang und Folgen von ganz wesentlich
Folgen seyn würde, wenn es möglich wäre, den so
regen Beschäftigungs- und Thätigkeits- trieb der
Kinder nicht allein vom Eintritt der Selbstthä-
tigkeit derselben bis zu ihrem Eintritte in die ei-
gentliche Schul- und Unterrichtszeit, sondern
auch noch während derselben hinlänglich zu pflegen,
so daß die Nährung dieses Triebes der Kinder,
dem ganzen Wesen derselben, also wie ihrem
derselben Triebe, stets etwas ausführen zu wollen,
so um so ihrem Denken und Empfinden, ganz entspreche
und genüge und ihren jetzigen und künftigen Ver-
hältnissen zu Natur, zum Leben und zur Schule
genüge.
A <er>
Seit vielen Jahren mit der Lösung dieser Auf-
gabe beschäftigt, hatte ich Gelegenheit die Ergeb-
nisse derselben vielseitig an Personen aller
Lebensverhältnisse, welche für Erziehung Interesse
hatten zur Prüfung mitzutheilen; so unter andern auch in
einer der ersten Städte Deutschlands, wie ich
schon vor einigen Jahren zur weitern Ausarbeitung und
Veröffent-
lichung dieser den dort verfolgten wie vorgelegten Beschäftigungsmittel der Kinder
aufgefordert wurde. Mehr noch war dieß
während meines mehrjährigen Wirkens in /
[1R]
der Schweiz der Fall wo ich diese Kinderbeschäf-
tigungs- und so Erziehungsmittel zum öfteren
wie ausführend anzuwenden, wie als an Erzieher
und Lehrer, worunter schon erfahrene Familienvä-
ter waren, mitzutheilen die Auf Forderung ja Verpflichtung hatte.
Hier war es besonders, wo ich wiederkehrend zur Ausführung
und Veröffentlichung dieser Bildenden und Belehrenden
Spielmittel aufgefordert wurde, und ich faßte
nun in Übereinstimmung mit der Gesammtentwickelung
meinen Gesammtverhältnissen Lebens den Entschluß, zur Ausführung
dieses Gedankens in meine Heymath zurückzu-
kehren, indem ich da besonders in technischer Hinsicht
den Plan leichter auszuführen hoffte.
Da überdieß dieses Unternehmen im innigsten
Lebensverband mit den erziehenden Gliedern und
Familien der von mir aus begründeten meiner Erziehungsanstalten und so na-
mentlich mit Keilhau steht, so bestimmte mich
dieß nebst mehreren andern zusammentreffenden
Umständen Blankenburg auch zum Orte der Ausführung
meines Planes zu machen, so auch die bestimmte Absicht
diesen Orte im Fortgang der Unternehmung eine wenn nicht unbedeutende Entwicklung <?> dadurch zu erreichen eröffnen.
Da nun die Vorarbeiten dazu endlich so weit
vorgerückt sind um das Ganze hierjedoch in innig Verein all sämtlich meinen erziehenden
Freunden auch außer Deutschland als
             "Anstalt"            D
"zur Pflege des Beschäftig[ung]striebes"
       "für Kindheit und Jugend"
auszuführen,
und da die bisjetzt vorliegenden
Erfahrungen über den Anklang welche
die Unternehmung in einem großen Publikum
finden wird von der Art sind, daß sie derselben
einen günstigen Fortgang versprechen
so erkenne ich es als Pflicht dieß Vorhaben
der Hochfürstlichen hochpreislichen Landes Regierung
zu hoher Genehmigung geziemend anzuzeigen. und
Zugleich bitte Hochdieselbe ersuche zugleich unterthänig, gehorsamst der gedachten
Anstalt im Bereiche ihrer Wirksamkeit Ihren
der Hochfürstlichen Regierung hohen <in Höchst> Schutz gnädigst angedeihen zu lassen.
Zur Herbeyführung der Prüfung sowohl
des Geistes, als der aus Ausführungs- der Geschäfts Mittel dieser
Anstalt als der d[urc]h sie auszuführenden < ? > habe ich mir erlaubt Sr Magnificienz
dem Herrn Generalsuperintendenten Dr Zeh
das Ganze im Umrisse mitzutheilen und derselbe
hat mir hochgeneigt erlaubt in diesem unter /
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unterthänigen Gesuche auf hochdenselben be-
ziehen zu dürfen[.]
Auch Sr Hochwürden dem Herrn Diacon: u[n]d Prof
der Mathematik am Hochfürstlichen Gymnasium
habe ich mir erlaubt das Ganze besonders hinsicht-
lich seines mathematischen Theiles zur Einsicht
und Prüfung mitzutheilen.
Dieß zugleich der Hochfürstlichen hochpreislichen Re-
gierung zur Kenntniß zu bringen erschien
mir gleichfalls als Pflicht.
Einer <Hohegeneigten> gnädigen Erfüllung meiner
Bitte {zuversichtlich / vertrauensvoll} entgegen sehend, ver-
harre ich in ziemender Ehrerbietung
Der Hochfürstlichen hochpreislichen
       Regierung

             unterthänig gehorsamster
             Friedrich Fröbel
Vorsteher der allgemeinen deutschen Erziehungs
       Anstalt zu Keilhau.
[i2R]
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