Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 12.12./26.12.1837 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 12.12./26.12.1837 (Blankenburg)
(UBB 49, Bl 158-159, Brieforiginal 1 B 4° 4 S.)

Blankenburg am 12en December 1837.


Guten Tag lieber Langethal.

So eben habe ich meinen Brief an August Busse als Antwort auf
den seinigen an uns beendigt da ich nun bis zur Tischzeit noch etwas
Muße habe, so will ich sie darauf verwenden Dir einige Zeilen mit[-]
zutheilen welche mir vor einigen Tagen Frankenberg schrieb, als ich bey
ihm anfragte ob ich auch Columbus auf den Titel der Spiele setzen sollte,
und nachdem ich ihm meine Gründe dafür ausgesprochen hatte.-
Dieser Brief enthält nun keinesweges etwas Neues noch Dir Unbekanntes
allein ich halte es in gewissen Sachen wichtig, wenn die wirkenden Glieder
in einer und zu einer Gemeinsamheit nicht allein die Bey- oder Gegen[-]
stimmung der Einzelnen größere Sicherheit und Festigkeit im Handeln [zeigen].
Frankenberg schreibt also in Beziehung auf die gedachte Anfrage an mich:
"Keilhau am 7' Dezember 1837"
"Gar nicht unerwartet, l. Fröbel! kommt mir Dein Gedanke und Vorschlag
(:nemlich ohne erst von seinen Brüdern positive Einwilligung für diesen be-
stimmten Fall einzuholen: "Columbus" sogleich jetzt schon auf dem Titel Deinem
"Burgdorf" beydrucken zu lassen:) - sondern wie gerufen. Schon damals, als
ich zuletzt bey Dir war und Du mir das Blatt zeigtest - (:den Dir schon früher
schriftlich mitgetheilten Titel, nun gedruckt:) - mit Deinem Gedanken fand ich
die Sache ganz angemessen, u. ich war im Begriffe es auszusprechen: Du mögest
gleich Anfangs den Namen Columbus hinzufügen drucken lassen, nur er-
schien mir die Sache noch nicht so wichtig u. in ihrer ganzen Bedeutung als später,
wo ich Dich verlassen hatte. Und es that mir nachher leid, daß ich nicht dazu
aufgefordert hatte. Ich kenne ja meine Brüder hinreichend, um behaupten
zu können, daß sie alles thun werden was sie können um ihre fördernde
Theilnahme an der Sache zu beweisen. Dazu kommt daß Ernst bey seiner
Anwesenheit in der Schweiz mir ausdrücklich das Versprechen gegeben
hat, daß er dafür thun k wolle was er könne, und er liebt sein Wort [ein] zu
lösen. Die Brüder können ja in der neuen Welt nicht plötzlich ganz
andere Menschen geworden seyn. Ich stimme daher unbedenklich für
Beydruckung des Namens: Columbus (Staat Ohio).-
Am Dienstag vor 8 Tagen sind 4 Ex: des S. Bl. nach Göttingen abge- /
[158R]
gangen, und 5 nach München indem ich zugleich an den Inhaber einer
Erziehungsanstalt der bisher einer Kleinkinderschule vorstand, Lindemann
geschrieben habe. Er ist ein Freund von Krauses Gesinnung und Denk-
weise daher schon eine innere Verknüpfung zwischen uns. Ich habe
ihm empfohlen die Vorsteherinnen und Führerinnen von Kleinkinder[-]
schulen damit bekannt zu machen, die er ohne Zweifel kennt.
Auch an Schmidt aus Columbus in Dünsbach gegenwärtig
(:Also, lieber Langethal, nicht Dunsberg wie ich Dir irrig geschrieben:)
sind 3 Ex: abgegangen mit der Bitte: wenn er unsere sichere Er-
wartung seines Besuches nicht erfüllen könnte, so mögte er es jeden-
falls, sobald das Hinderniß eintrete, wissen lassen. Von Burgdorf
habe ich ihm erzählt.-
Ich bin jetzt damit beschäftigt, nach Goslar einige Ex abgehen zu
lassen, der Brief an Luise ist geschrieben und kann morgen abgehen.
Alle Freyzeit verwende ich auf solche Correspondenzen. Ich werde
auch nach Ülzen an Schäfer, den Pastor Holty und den Assessor
Meder, welche beyden letzteren denkende Familienväter sind mehre-
re Exemplare schicken. Daher werden die vorhandenen 9 Exempl
bald versandt seyn und wenn Du daher noch welche vorräthig hast,
so bitte ich etwa noch 10 zu senden.["] (:Außer diesen 10 Ex. welchen
er erhielt, hat er sich später selbst noch 14 Ex. abgeholt; so daß Fran-
kenberg
für die Verbreitung von etliche und dreyßig Ex: gewirkt hat,
Auch an Leutbecher Dr in Nürnberg von welchem ich Dir, irre ich nicht
sehr Dir Langethal schon früher geschrieben habe, hat er einige Ex:-
gesandt. Frankenberg ist sehr erregt und sehr thätig für die Sache.
Nun wenigstens dient es zur Bekanntmachung der Sache. Genannter
Dr Leutbecher hat ihn, den Frankenberg zur Theilnahme an einem Werke

"Emanzipation der Erziehung u. des Unterrichtes,"
eingeladen. Ich sagte darauf zu Frankenberg: - Durch das von
mir Erstrebte und Angebahnte ist sie schon gleich vom Anfange und
von vorne herein gegeben.- Sieh so wogt und treibt es
überall. Frankenberg macht mich immer auf dieses Treiben und Stre-
ben aufmerksam. machen, Und so will auch ich Dich gleich auf eine Abhandlung
von Pölitz in seinen "Neuen Jahrbüchern der Geschichte["] Jahrgang 1838 auf-
merksam machen: Die Herrschaft der materiellen Interessen. Du solltest suchen sie zu lesen.
Du solltest sie der Bibliothek zum Ankauf vorschlagen. Sie sind wichtig, sehr wichtig.- /
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Der Verfasser (Pölitz) behandelt die materiellen Interessen nach dem Zeugnisse
der Geschichte unter vier Gesichtspunkten, und weiset folgende Sätze histo-
risch nach:
1. Wo die Herrschaft der materiellen Interessen bei freyen Völkern (:z.B. in d.
Schweiz:) eintritt, endigt sie mit Despotismus.
2. Wo die Herrschaft der materiellen Interessen bey gesitteten Völkern ein-
tritt führt sie zur Entsichtlichung derselben (:Wir sehen dazu in Deutschl jetzt traurige Bew[eise]:)
3. Die Herrschaft der materiellen Interessen tritt unaufhaltbar ein, wo
man denselben das geistige Leben <u die> Wissenschaft opfert.
4. Die Herrschaft der materiellen Interessen führt die Völker zu den bedenklich[-]
sten politischen Crisen und bisweilen sogar zu ihrem Verfalle und Unter[-]
gange.
Was nun uns zunächst angeht, was zu uns spricht, und uns auffordert
treu, fest und ausdauernd auf dem von uns betretenen, Wege fortzustreben, das
ist diese Stelle:
"Giebt es in diesem Taranteltanze der Völker ein Heilmittel, so ist es die Rettung
"der Jugend durch völlige Reform des Unterrichts und der Disziplin. Das
"alte Geschlecht muß absterben, wie die Hebräer in der Wüste. An die
"Stelle der Oberflächlichkeit muß wieder Gründlichkeit, an die Stelle der
"Vielwisserey, Gediegenheit, an die Stelle der äußeren Sitten, Sittlichkeit,
"an die Stelle der Buttermännererziehung Ernst und gemessene Disziplin [treten].
"Das bisherige Gleis der Erziehung gleicht einer ausgefahrenen Erziehung Chausse[e],
"auf welcher die Räder zu brechen drohen. Saure qui peut!"-

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Blankenburg am 2en Christfest 1837.
Mein lieber Langethal
Seit mehreren Wochen liegen diese Zeilen für Dich in meinem Pulte, immer
erwartete ich vergebens Briefe von Dir oder von Wilhelm Clemens, um
sie dann mit der Antwort darauf an Dich abzusenden; da nun aber auch die
letzte Hoffnung wenigstens zu den Feyertagen Briefe von Euch zu bekommen, ge[-]
schwunden ist, so will ich diese Zeilen als in dem alten Jahre geschrieben
doch nicht bis zum neuen behalten und in das neue mit hinüber nehmen,
und so beeile ich mich, den letzten Posttag, welcher Dir diese Zeilen noch
im alten Jahre bringt zu deren Absendung zu benutzen.
Ich komme dann haupt sächlich um noch im alten Jahre Dir des Herzens
Dank zu sagen, Dir und durch Dich Deiner lieben Ernestine und den /
[159R]
andern mit Dir im Geiste u Leben Einigen, für die Liebe u Treue
die Ihr mir im verflossenen Jahre d.h. die Ausdauer welche
Ihr in der Festhaltung des Lebens Grundgedanken bewiesen habt.
Zwar dankt sich dieß alles durch sich selbst und fast scheint es
als wäre ein solcher Dank ein Überfluß, allein alles Leben
wirkt durch den Lebenden hindurch und der Lebende auch freut
dankbar sich wenn das Leben was er pflegt auch von anderen als
der Pflege würdig erkannt wird.-
Was soll ich Dir nun noch schreiben?- Wirst Du meine Sendung
die letztere <3 x 4> wohl zum Neujahr erhalten haben?- Ich
wünsche es sehr.
Vom Christfest wirst Du wohl gern 2 Worte hören:
Am heilige[n] Abend, 9 Uhr ha Abends haben wir hier den Kindern
im Hause einen Christbaum geputzt u den Leuten im Hause bescheert. Herrn Gyger machte
dieß ihm unbekannte Fest reine Freude[.]
Ich schenkte ihm "<Berrack> der Mensch"[.] Er bekam es zugleich
von Dir, denn Du hattest mich ja darauf aufmerksam gemacht
siehe Langethal so wirken leise Worte ja Gedanken segnend
weiter.- Gestern am ersten Fest war ich mit meiner treuen
Frau in Keilhau und freuten uns der schönen Gaben die dort
das Christfest gebracht hatte und Siehe als ich weggehen wollte
brachte mir Allwina ein von einem Immergrünen Kranze um[-]
wundenes Päcktchen und was enthielt es? - wieder

["]Den Menschen" v. B-,
So bin ich denn in einem vielfach u so auch wieder von Dir be-
schenkt worden, denn daß Du Dich freust daß das Buch in
unserm Kreise ist bin ich überzeugt - wenn es nun nicht et-
wa auch als Festgabe bei Dir und Euch eingekehrt ist, so sprich
es aus, dann kannst Du sogleich ein d.i[.] mein Exemplar be-
kommen, indem ich u Herr Gyger an einem schon genug habe[n]
und es wäre so sehr schön wenn die Gabe von Dir ausgegangen
zu Dir zurückkehrte, wie alles Gute zu dem zurückkehrt von
dem es ausgeht; ich wünschte es wohl. Die Gesinnungen mit welchen wir
in Beziehung auf Dich u Euch alle das alte Jahr beschließen u das neue beginnen brauchen
nicht ausgesprochen zu werden.- Lebensgrüße Dir u allen.
FrFr

Grüße von uns zum lieben Feste alle Groß u Klein jeden Einzelnen. Die Mutter grüßt besonders.