Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 6.2.1838 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 6.2.1838 (Blankenburg)
(UBB 51/52, Bl 162-164, Brieforiginal 1 ½ B 8° 6 S. mit Beilagen, z. T. von anderer Hand. - Dieser F.-Brief besteht aus drei Blättern: Der eigentliche F.-Brief findet sich zunächst auf Bl 162VR einschließlich Randbemerkung auf 162R. Er wird fortgesetzt auf 163R, dem freien Raum des Blatts, das das Abschriftfragment des Briefs Louis Frankenbergs trägt. Dieses Abschriftfragment wurde also vor dem eigentlichen Brief angefertigt. Der Brief endet zunächst auf 163R mit Schlußgruß und einer kurzen Nachschrift. Aus inhaltlichen Gründen (Bezug Sonntagsblatt) wird die Randbemerkung auf 162V noch nach 163R geschrieben sein. - Die Blätter 163 und 164 enthalten insgesamt drei Briefabschriften bzw. -abschriftfragmente:
- Abschriftfragment (Handschrift Adolf Frankenbergs) Louis Frankenberg, Columbus, an <Adolf Frankenberg> v. 10.12.1837 (163VR)
- Abschrift (Handschrift mglw. Wilhelmine Fröbels) Christian Langethal, Eldena, an Johannes Arnold Barop und die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 28.1.1838 mit Nachschrift an die Keilhauer Zöglinge <[Chr.] Eduard Langethal> und Heinrich Röttelbach (164VR)
- Abschriftfragment (Handschrift F.s) Gottlieb Langethal, Erfurt, an Johannes Arnold Barop v. 26.1.1838 (164R)
Die Blattaufteilung und die verschiedenen Handschriften sprechen dafür, daß F. zunächst bei zwei Personen (Adolf Frankenberg und vermutlich Wilhelmine Fröbel) die Abschriften auf Blatt 163 bzw. 164 in Auftrag gegeben hat. Nur auf die ersten beiden Abschriften wird im Brief Bezug genommen; die Mitteilung dieser beiden Briefe stellt, wie aus 162V hervorgeht, den eigentlichen Briefanlaß dar. Möglicherweise hat F. das letzte Briefabschriftfragment erst nach Abschluß des Briefs hinzugefügt. Dafür, daß das letztere Abschriftfragment aus F.s Sicht weniger von Belang ist, spricht auch, daß im nächsten Brief v. 10.2./11.2.1838 wieder nur auf die Mitteilung der Briefe Christian Langethals und Louis Frankenbergs Bezug genommen wird. - Die sekundären Datierungen Halfters auf den Blättern führen völlig in die Irre. )

Blankenburg am 6n Februar 1838.


Welcher Monat sich auch in diesem Jahre wieder in den Tagen die
er uns brachte als "Monat der Klarheit" von Seiten der Na-
tur aus zeigte und diesen Namen rechtfertigte; möchte er es auch
von Seite des Lebens."



Gott zum Gruß Lieber Langethal!"

Ob Du gleich schon in diesen Tagen einen Brief von Frankenberg
mit einer ganzen Reihe von Mittheilungen erhalten haben wirst,
so halte ich doch den Inhalt der beyden Briefe, so wohl des am verflossen[en]
Sonntage Mittwoche aus Amerika von Louis Frankenberg erhaltenen als
den Deines Bruders Christian für das Ganze zu wichtig, als daß ich ihn
Dir nicht, ohne weiter auf irgend eine andere Veranlassung zu warten,
sogleich mittheilen sollte. Die Äußerungen des Polen Prczriminsky
verdienen <nun> unsere höchste Aufmerksamkeit und Pflege. Ich glaube es
wäre recht gut wenn einmal einer der Amerikanischen Freunde der
Unternehmung mehrere Woche[n] bey und mit mir leben könnte um ihn recht
in das Innerste in den Geist und das Leben und die allseitig erfassenden
Richtungen des Ganzen einführen könnte [sc.: zu können]. Ich werde <I[h]nen / J[e]en> in Ame-
rika in Hinsicht auf Louis, oder Prczriminsky durch Adolf Fran-
kenberg
den Vorschlag machen, wenigstens müssen wir es ver-
suchen eine erfassende Mittheilung an Schmid (aus Columbus jetzt im
Würtembergischen) möglich zu machen. Wie es nun aber Prczrimins-
ky für die engli[s]che Sprache oder in der englischen Sprache festzuhalten
sucht, müssen wir es nothwendig auch vielleicht durch St. Louis
und Hundeshagen für die deutsche Sprache festzuhalten suchen. Theile
daher doch ja Louis Frkenbergs Brief an d[en] He. Prof Hundeshagen in
Bern mit, auch an Spieß besonders. Wo ist nur dessen Bruder?
ich höre ja gar nichts von ihm?- Ist er in B[u]rgdorf?- Ist er noch in
Frankreich?- Ist es denn gar nicht möglich daß er nach Deutschland
zurück kehren kann, jetzt da sich das Untersuchungswesen zu beruhigen
scheint?- Mir thut es gar sehr leid, denn ich muß immer noch die
Überzeugung haben daß es wie für ihn so wie für mein Unter-
nehmen sehr ersprießlich gewesen wäre.-
Die Theilnahme und innerliche fortgehende Verknüpfung Deiner Fa-
milie mit meinem Leben und Unternehmen freut mich herzlich;
ja es wäre wohl gut, wenn in dieser einfachen u gesunden, an
Geist und Körper gesunden Familie ein Saame höheren d.h. rein
und allseitig menschheitlichen Lebens Grund und Boden und Pflege
finden sollte. Eduard ganz besonders scheint eine reine und gesunde frische
Seele wie überhaupt im Ganzen eine solche Natur zu seyn. Möchte
<doch> ein reiner ächt menschheitlicher Grundgedanke seinem Gemüthe
entkeimen und in denselben sich allseitig entfalten.- Schon um dieses
wie um Deiner ganzen Familien Willen ist es gut wenn Deine =
"Vertrauenden Mittheilungen" als ein offen vorliegendes Document
in dem Sonntagsblatte abgedruckt werden. Im Vorbey gehen: - Mich
dünkt es müsse sich eine erfassendere Übersicht für diese Abhandlung /
[162R]
finden als die ist: "vertrauende Mittheilungen aus der Schweiz".?-
Doch ist müßte ich unmittelbar Deine Meynung drüber hören weil
wohl in 14 Tagen ihr Abdruck beginnt, allein Zeitig genug könnte
immer noch deine Meynung hier eintreffen.
Auch für "Hans Schnell" und "Baumann", auch für "Fröhlich" dünkt
mich müßten Stellen aus Louis Briefe besonders wichtig seyn
nemlich über das Verhältniß unserer Schüler besonders zur zum
ächten Freystaat.-
In einer der folgenden No des Sonntagsblattes werde ich auf
Krüsis "Bedeutende Augenblicke in der Entwickelung des Kindes" auf-
merksam machen; mich dünkt das Schriftchen um zur Beobachtung
der ersten Kindheit hinzuführen wichtig und dazu noch lang nicht
hinreichend bekannt; was sagst Du zu meinem Vorhaben?-
NB! Vergiß nicht mir mit einem Worte darauf zu antworten.-
Herrn Schäfer in Sumiswalde danke gelegentlich für seine Gefälligkeit
mit welcher er die Fertigung der Zeichnungen zu der LiniirMaschine ge-
fertigt hat recht herzlich.- Sag Lgthl! Da doch eigentlich Summiswald
in mehr als einer Beziehung aus unseren erziehenden Grundgedanken
hervorgegangen ist, wäre es darum nicht recht gut, wenn man
vielleicht von Schäfer selbst eine kurze u einfache Darstellung des
Lebens und Geistes dieser Anstalt für das Sonntagsblatt bekäme?
Schäfer muß nothwendig von mir einen scitzirden [sc.: skizzierten] Entwurf einer
solchen Anstalt haben welche ich für Schneider in Bern in Beziehung auf
Sumiswald, Bätwyl rc. entworfen habe. (Dieser Entwurf muß
sich auch unter meinen die Verhandlungen mit Bern betreffenden P in
Burgdorf zurück gelassen[en] Papieren befinden und mir daraus über-
schickt werden) die Mittheilung könnte sich dann an jenen Entwurf
anschließen; ein Grundriß der Anlage der Anstalt könnte beygege-
ben und vielleicht sogleich in Bern oder sogar Sumiswald litho-
graphiert und von dortaus mir zugeschickt werden; daß wäre
ganz besonders ein herrliches Musterbild für ähnliche Anstalten
in Amerika und überhaupt etwas recht praktisches sprich doch
mit Schäfer, Boder (auch diesem und seiner Frau die herzlichsten Grüße)
Middendorff auch wohl Ferdinand darüber! Es wäre gar unge-
mein schön eine so einfache, aus dem Grundgedanken hervorge-
gangene Ansta ächte Familienanstalt , vom Darstellen und Ar-
beiten ausgehend als Musterbild hinstellen zu können. Hätte
Schäfer nicht einen zu seegensreichen ihm ganz zusagenden Wirkungs-
kreis, ich würde alles versuchen ihn mit mir zu vereinigen er
wäre in jeder Hinsicht alles was ich jetzt bedarf Zeichnen, Arbeiten
rc., rc.
Für dieses Jahr regt sich hier alles wunderbar. Luises Frkbrg Verlobung ist auf-
gelöst, Adolf wird es Dir geschrieben haben und so könnten wir sie wohl wieder
bey uns sehen. Ihre augenblickliche Stellung scheint nichts weniger als gleichgültig
für die Entwickelung des G[an]zen zu seyn, selbst auf den Fall, daß sie mit ihrer
Schwägerin, der Schwester von Ernst Frkenbrgs Frau, in Gesellschaft von
Schmid nach Amerika gehe. Dazu kommt daß Adolf Frankenberg welcher sich /
[Rand]
wie Du bemerken wirst auf das treueste bemüht unseres LebensGr[un]dgedanken lebenvoll zu pflegen - mit ihr als Bruder sich innig verbunden fühlt.- /
[163R]
[untere Hälfte, Fortsetzung des eigentlichen F.-Briefs]
Fortsetzung des auf beyliegenden Blatte Abgebrochenen.
Auch von Wetzstein habe ich wieder einen Brief erhalten, er schreibt
praktisch in alter Lebenstreue, seinen Standpunkt, was auch recht
gut ist festhaltend; ich zweifle nicht daß er zu seiner Zeit ein
treuer sorgsamer Mitgärtner werden wird, wenn nur
erst "die Saamen- oder Kernschule" gekeimt ist und sich etwas
gezeigt hat. Ich freue mich gar sehr daß Dein Brief an ihn, ihm zu
gesagt hat. Das Schicksal von Middendorffs Brief sah ich voraus (
Middendorff hatte mir ihn nehmlich mitgetheilt). Middendorff zeigt immer
mehr daß er das Leben durch Mittheilungen "von Gedanken" außer sich
nicht bewegen kann. In der Wirkung von Middendorffs Brief auf
Wetzstein hast Du ein Bild von der Wirkung seiner Briefe in Keilhau.
Wenn Middendorff klug werden wird, ich sollte besser sagen wenn Middendorff
männlich bestimmt handeln werden wird, d.h. wenn er aufhören wird an die Stelle des <wirklichen> Lebens, seine Empfindungen zu setzen weiß ich nicht; ein Glück für ihn und
für das Ganze ist, daß er so treue Freunde an der Seite hat wie Dich und
ich darf es im vollsten Bewußtseyn sagen, auch mich. Middendorff dünkt mich
muß nothwendig einer ganz praktischen Wirksamkeit leben, ein Leben meyne ich, wo es
sich um klar vorgezeichnetes Thun handelt.- Mit dem Eisenacher Lithographen war es nichts.
Ein Münchner Lithograph forderte 500 fl. Rhein. u freye Station. Schreibe mir doch gelegentl[ich]
was wohl Hirsbrunner in Sumiswalde seinem Lithographen zahlt damit man nur einen Maßstab bekommt.
In den nächsten Tagen hoffe ich wegen Middendorffs Entscheidung Briefe von Euch zu bekommen.
Der Druck des Sonntagsblattes wird nun beeilt. In Keilhau so wie hier bey uns ist
Gott sey Danke alles wohl. Möge Gott auch Eure Gesundheit stärken. D u E. FrFr. /
Pölitz Jahrbuch ist verschrieben.-
[Rand von 162V, gehört inhaltlich erst hierher]
Solltest Du noch z eine größere Zahl von Probeblättern zur Verbreitung durch den Buchhandel bedürfen, so müßtest Du mir sogleich schreiben, damit ich solche der nächsten Sendung beylegte.- /

[163]
[Abschriftfragment (Handschrift Adolf Frankenbergs): Brief von Louis Frankenberg, Columbus, an <Adolf Frankenberg> v. 10.12.1837]

Aus einem Briefe Louis Frankenbergs.
Farm bei Columbus 10/XII 1837.
Vor einiger Zeit besuchte uns der Pole Prczriminscy .....
von Columbus kam er als Lehrer der neuern Sprachen in ein
Gymnasium (College) in Staate Ohio, von da in ein anderes in
Kentucky, wo er sich vortheilhaft auszeichnete und Bekannt-
schaften von Einfluß machte, die ihm eine Stelle als leitender
Ingenieur an einer Eisenbahn in Kentucky bei Frankfurt
verschafften, welche jährlich 2000 $ eintragen soll. Er war in
der polytechnischen Schule in Paris, reiste als Baukünstler
durch Frankreich und Italien und hat etwas Tüchtiges gelernt.
Er unterrichtete nach den besten Methoden, die ihm bekannt
wurden, und die er in mancher Hinsicht noch verbesserte, und
fand, obgleich nicht immer unter seinen Amtsbrüdern doch übrigens
fast allgemein Anerkennung und Aufmunterung und versichert
mich daß eine jede wesentliche Verbesserung der Unterrichts-
und Erziehungsweise hier an ihrer Stelle sey und daß allgemein
lebhaftes Interesse an dieser wichtigen Kunst gezeigt
werde. Eure Methode gefiel ihm sehr und er sagte, er
würde gern die Hand zu einem solchen Institute bieten wenn
es hier eingerichtet werden sollte und zweifelte nicht an
günstigem Erfolge, wenn der Unterricht in der englischen
Sprache ertheilt würde. In den Zeitungen ist auch immer
viel von dem Erziehfache, von guten Schul- und Kinderschriften
u.s.w. die Rede. Neulich empfahl jemand der Jugend durch
Spielen (:Zerlegen und Zusammensetzen:) mit geometrischen
Körpern und Unterricht in den Grundlehren der Geometrie
und Trigonometrie früh Geschmack an dieser so sehr ins Leben
greifenden Wissenschaft einzufließen; dieß ist, wenn ich nicht
irre Fröbels Lehrweise sehr ähnlich. Prczimirsky hat den Plan
sich bald zu verheirathen und dann in den südlichen Staaten ein
Bildungsinstitut für Mädchen einzurichten. .... . Wenn meine
<ferneren> Erkundigungen in dieser Hinsicht das von P. geäußerte
bestätigen würden, so kann ich Dir und Fröbel mit Zuversicht
rathen die Idee einer Übersiedelung seiner Lehrmethode
zu verwirklichen. Mir scheint dieselben hier erst ihr ange-
messenes Feld zu gewinnen, da hingegen Fröbels Zöglinge
nicht ohne großen Zwang sich in die deutschen beengenden Ver-
hältnisse finden werden. Hier tritt keine Regierung,
und kein veraltetes oder vielmehr festgewurzeltes Vor-
urtheil dem Besseren und Vernünftigen entgegen. Als
Vorbereitung zu dem wichtigen Unternehmen rathe ich,
das Publikum durch einige der besseren Zeitungen mit den /
[163R]
Grundzügen der Erziehweise und ihrer Abweichung von den
gewöhnlichen Verfahren bekannt zu machen und von fern an-
zudeuten; daß sie vielleicht bald herüber wandern werde.
Ich werde für die Übersetzung und Einrückung Sorge tragen.
Im Saturday Courier von Philadelphia, der 28,000 Unterschreiber
hat, wird es am besten zuerst erscheinen und daraus gewiß in
ander[e] ähnliche Blätter übergehen. Dieses Blatt, welches uns viel
nützliche und angenehme Unterhaltung gewährt ist gewidmet
der Literatur, den schönen und nützlichen Künsten und Wissen-
schaften, einheimischen und auswärtigen Angelegenheiten,
Erziehung Unterhaltung u.s.w.. Es ist eins der gehaltreichsten,
wohlfeilsten und kurz ich glaube das beste Blatt seiner Art,
nämlich unparteiisch in politischer, religiöser und medi-
zinischer Hinsicht. Es liefert zuweilen in Fortsetzungen
die neu erscheinenden Romane der beliebtesten englischen
Schriftsteller unter denen mir bis jetzt <Bulwer> und
Marryatt am besten gefallen. ..... und warte auf
meinen und meiner Bekannten Nachforschungen wegen der
Übersiedlung deren Resultat ich von Zeit zu Zeit mitthei-
len werde.

[164]
[Abschrift (mglw. Handschrift Wilhelmine Fröbels): Brief von Christian Langethal, Eldena, an Johannes Arnold Barop und die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 28.1.1838 mit Nachschrift an die Keilhauer Zöglinge <[Chr.] Eduard Langethal> und Heinrich Röttelbach]

Abschrift eines Briefes von Christian Langethal an Barop in Keilhau.
Ich richte diese Zeilen an Dich Barop doch sollst Du wissen
daß sie Dir nur theilweise gehören. Sie sind an Euch Alle gerichtet,
freilich zunächst an Dich, das untere Haus von Anno 1826 meinen
beiden kleinen Vettern und die Fröbels zu Blankenburg, dann
aber an Alle die mich kennen und nicht kennen und doch Theil an
meinem Schicksale nehmen.
Gestern erhielt der Director Sulze von dem Kabinets-Rathe
zu Berlin die erfreuliche Anzeige, daß meine Strafe auf 3/4 Jahre
verkürzt sei, mir aber meine Stelle ausdrücklich wieder ertheilt wor-
den wäre.- Wir hoffen, daß ich I in Ferien die Zeit absitzen kann,
II. mein Geld herausbekommen, III auch etwas von dem 3/4 <abge[zo]gen>
<[h]aben> werde. Dem sein nun wie ihm wolle, die Nachricht ist gut und
scheint mir werth sie Euch sogleich mitzutheilen. Erwartet aber heute
von mir keine große Epistel. Geht es nach Wunsche so komme ich selbst
bald zu Euch in Euren romantischen Berge um Euch zu sehen und Euch
viel zu erzählen wie eben so viel von Euch und unsern Schweizern zu
erfahren. Entschuldigt nun meine Eile, denn heute muß noch viel abgemacht
werden. Ich wollte manchmal es wäre einer meiner Keilhauer Freunde
bei mir, der mir Nachricht von Allen geben könnte und auf einige Zeit
sollte er sich wohl bei uns gefallen, zumal jetzt, wo wir den Wellen des
Oceans Oceans Hohn sprechen und auf der erstarrten Fläche mit Renn-
schlitten fahren. Bis Rügen 3 Meilen, seht Ihr jetzt das Meer von Fi-
schern und Schlitten wimmeln. Erstere stechen durch das Eis ihre Aale. Auch
Schlittenbahnen haben wir nun zu Lande. Die Kälte stieg über 13°.-
Ich hörte von eurer Badeanstalt, und habe sie mir deutlich aufgezeichnet.
Das hat Eldena nun vollauf was Euch fehlt und dieser kleine Teich wird
Euch dennoch ein so großes Bedürfniß, von uns so sehr gefühlt, beseitigen. Ohne
Euch Euer schönes Bad zuwider machen zu wollen bemerke ich doch, daß das
Seebad ein eigentliches Bad ist, daß ich es aber gern für Euren Teich eintau-
schte, wenn Ihr mir Eure Berge in die See dafür <reicht>. Wenn ich nur
einmal wieder das Glück haben könnte, einen Sommer lang, mit
der Pflanzenbüchse auf dem Rücken die herrlichen Landschaften Thürin-
gens und besonders des Theils worin ihr wohnt, genießen zu können.
Wolltest Du mir den Gefallen Thun lieber Barop den <alten> [Vater] und seine
von mir hochverehrten Frau besonders zu grüßen und Ihnen beiden
zu versichern, daß ich oft noch mich zurückträumte in die gemüthliche
Tischgesellschaft, wo wir wie Kinder des Hauses zusammen an der
Seite der Würdigen saßen, die Vater- und Mutterstelle an uns
vertraten. Sage Ihnen daß ich dieß noch nicht vergessen hätte. Wenn
Dich nun Dein Weg längs des <Dissauflußes> über den Rücken der
Bergwand nach dem freundlichen Blankenburg hinführt, so trage meinen
Gruß auch dorthin in das Haus unseres Fröbels. Ich weiß daß er /
[164R]
Theil an meinem Schicksale genommen hat und die gute Frau
Fröbel war mir ja sonst so besonders gewogen, Sie wird mich
jetzt noch nicht vergessen haben.
Ich schließe diesen Brief mit der Hoffnung Euch den Aus-
gang meiner Bittschrift an unser Ministerium bald erzählen
zu können. Lebt alle recht wohl.
Euer
       Christian

Eldena d 28 Jan.
         1838
Lieber Eduard und Heinrich!
An Euch noch schließlich einige Worte. Wir haben uns sehr über
Euere Briefe und Fortschritte gefreut und wollten Euch längst schon
wieder schreiben. Der Weihnachtsmann kam auch unter der Zeit
in Eldena für Euch an und seine Geschenke Euch bestimmt, lie-
gen schon längst in unserm Kasten. Nun wollten wir aber ihre
Sendung verschieben bis ich Euch sie selbst bringen kann, oder doch
wenigstens andere Sachen zugleich fortschicke. Geduldet Euch also bis
dahin und fahret fort brave Jungen zu bleiben. Deine Mutter
Heinrich ist recht gesund, auch Dein Bruder Wilhelm. Er wird auch
ein ordentlicher Junge und ist Fahnenträger in der Eldenaer Ar-
mee. Der Schulmeister ist auch sein guter Freund. Nun Liebe Kinder
haltet Euch wacker und denkt zuweilen an Euren Onkel in Eldena.

*

[Abschriftfragment: Brief von Gottlieb Langethal, Erfurt, an Johannes Arnold Barop v. 26.1.1838, Handschrift Fröbels]

Aus einem früheren Brief von Gottlieb vom 26 Januar an Barop
"Wie ist es mit dem Sonntagsblatt von Herrn Fröbel, wird noch
"keines herausgegeben, ich will es auch zugeschickt haben."-
"Wir sind alle recht gesund und wohl und können Gott darüber
"nicht genug danken, denn auch dieses Jahr hat die Apotheke nichts be-
"kommen blos der Dr Rth. 3. für das Loch am Kopfe bey Heinrich welches
"aber sehr gut geheilt ist."
"Wir hätten in Erfurt ein Unglück haben konnen; Tausende
"von Menschen könnten verschüttet werden. Am 8' Januar stürtzte
"nemlich die Barfüßer Kirche mit einemmale zusammen. Ich selbst
"war diese Feyertage noch darinn wo die Kirche g[an]z. gestopft voll war
"und dennoch mag dortmals schon große Gefahr wie eine spätere Unter-
"suchung bewies vorhanden gewesen seyn. 30 Männer nemlich an
"deren Spitze auch der Pf: rc <Möller / Müller> war begaben sich nemlich am ge-
"dachten 8 Jan zur Untersuchung des Standes der Sache und wie der
"Gefahr entgegen zu kommen sey in die Kirche. Eben als sie auf dem
"Rückwege war[en] bemerkte der noch auf einem Gerüst sich befindende
"Maurer daß der Schlußstein im Gewölbe der Kirche rücke u wanke
"er ruft dieß hastig der Commission zu mit dem Beysatze: rettet Euch[.]
"Und siehe! Sie konnten nur noch eben die Sakrystey erreichen als hinter ihrer
"Ferse die Kirche zusammen stürtzte. Auch der Maurer rettete sich."-
"Gottlieb"