Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 21.3.1838 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 21.3.1838 (Blankenburg)
(UBB 56, Bl 171-172, Brieforiginal 1 B 8° 4 S. - Die bei Heiland 1982, Nr. 408 genannten Zitate bei Prüfer 1909, 35. 40f. u. Prüfer 1920, 66f. stammen nicht aus diesem Brief, sondern aus dem v. 21.3./23.3.1838.)

Burg Blankenburg bey Rudolstadt am Tage FrühlingsAnfangs
(21/III) 1838.


Ein Frühlingsgruß aus heimatlicher Flur, möge l. Lgthl.
Deine Gesundheit befördern, sie ganz wieder herstellen
und stärken.

Zum herzinnigen Dank für Deine liebe, freundliche Sendung am
8en d. M. welche ich gestern Abends erhielt schreibe ich Dir
schon heut, Dir ihren gerad rechtzeitigen Eingang meldend, denn
in wenigen Tagen, spätestens Sonntags soll eine zweyte Kiste
mit Spielkästen und s.w. von hier nach Göttingen abgehen,
um dort, wenige Tage darauf von Luise Frankenberg, welche
in Begleitung mit Prof: Schmid nach Amerika geht, mit dieser
die Reise nach Amerika, so Gott giebt, zur Begründung einer
neuen, wenn auch nur zunächst literarischen erziehenden
Wirksamkeit zu machen. Mit dieser Sendung werde ich
nun zugleich eine Parthie Deiner Ankündigungen dahin
abgehen lassen, so wie ich eine Abschrift der früheren
in den schweizerischen Blätter[n] durch Dich bewirkten Ankün-
digungen bey legen werden. Von diesen kann man dann
vielleicht zur Veröffentlichung in Amerika benutzen was
man zweckmäßig hält, und dann Deine jüngste Anzeige
von dem Spiel 1e Gabe vielleicht ganz ins Englische über[-]
setzen. Du wirst hieraus zu Deiner eigenen Freude, Er-
hebung und wenn ich es auch aussprechen darf Belohnung in
und durch das Bewußtseyn sehen wie alles in einander
greift.- Sonntags oder Montags wird Adolf Frankenb[er]g
über Erfurt nach Göttingen zu reisen, theils und hauptsäch[-]
lich [um] seiner Schwester Lebewohl für Europa zu sagen und ihr
seinen brüderlichen Segen für Amerika mitzugeben, theils
um dort den Prof Schmid zu sprechen, um in der Kürze (er
will sich nur 1 höchstens 2 Tage in G. aufhalten) das Nöthigste
mit ihm zu bereden, theils um die ganze Unternehmung durch /
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seine Göttinger Freunde zu fördern. Du siehest nun wie in
allen diesen Beziehungen Deine Sendung ganz zur richtigen
Zeit hier eintraf. Heut oder morgen werde ich nun nach
Keilhau gehen um dort das Nöthige zu besprechen. Im Vorbey[-]
gehen will ich nur sagen: Barop war letzten Sonntags und Montag
in Weimar bey der Frau v. A. Es haben sich durch eine
4stündige Mittheilung von Seite B-s an die Fr[.] v. A.
die Verhältnisse wieder ganz freundlich, ja innig und förder[-]
lich hergestellt. Wilhelm Cl. hat jedoch durch einige Jugend[-]
streiche auch ihre Gesammt Unzufriedenheit erregt.- Er
hatte zu vieles Geld zur Reise gebraucht; (er hatte 20 rth bekommen
ohngefähr 12 rth hatte er nachgefordert doch hat sie ihm 26 rth ge-
sandt damit er nicht gleich in der Schweiz wieder in Verlegenheit
komme) - er hat ihr einen so gar flüchtigen Brief geschrieben;
er hat ihr noch bis jetzt nicht den Eingang des Geldes angezeigt
noch weniger seinen Dank ausgesprochen; (erinnere ihn doch
gelegentlich oder Middendorff daran und daß er der Fr. v. A.
sogleich schreibe) dann hat die Fr. v. A. noch allerhand über[-]
flüssige Rechnungen für ihn in G Eisenach bezahlen müssen, so z.B.
eine Rechnung bey einem Bäcker für Weis Weißbrot u feines Backwerk[.]
Es sind dieß alles ganz gewöhnl[iche] Jugendl. Erscheinungen von denen
man sagen könnte, sie sind auch Glieder des Ganzen; allein Du
siehst wie nun auch wieder ganz unerwartet störende Einwir[-]
kungen kommen denn daß alles dieß mir und uns zur Last
gelegt wird kannst Du Dir wohl denken. Dieß zu einer ge-
legentlich richtigen Erfassung auch dieser Verhältnissse und beson-
ders dem Wilhelm zu befinden daß er auf seiner jetzt so et-
was schwierigen Stelle nicht falle: daß Du mit ihm Dich
darüber besprechen wirst ohne das Zutrauen zu mir und uns
zu schwächen versteht sich ganz von selbst. Ich schreibe es Dir
und Euch nur damit die Verhältnisse allseitig klar vor Euch liegen[.]
Mit ChristianFriedrich ist man jetzt in K gar sehr zufrieden. /
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Nach dieser unerwarteten und doch auch nöthigen Abschweifung zur Haupt-
sache. Deinem Gedanken und Vorsatz zur Herstellung Deiner Gesund[-]
heit eine Reise in Deine Heimath und in Deine alten Verhältnisse
zu machen muß ich von Grund meines Herzens beystimmen und ich
hoffe zu Gott daß er sich zur Genesung für Dich und zum Segen für
das Ganze ausführen lassen wird; ein Brief an Middendorf[f] u Albertine mit
offener Darlegung der inneren Nothwendigkeit der Forderung zur
Pflege eines Manneslebens ist wesentlich; einige die Sache
an der Freundin Herz legende Zeilen von Ernestine, auch wohl
von Dir an Albertine würden auch gut seyn. Ferdinand und Elise
könnten ja auch ein Paar darlegende Zeilen an Albertine schreiben
so würde sie ja gewiß auf einige Wochen, wollte schreiben
Monate auf die Rückkehr Middendorffs verzichten. Und
dann wo das Schicksal und die Nothwendigkeit so unausweichlich
fordernd ist, was hilft da das Zaudern: Ergebung giebt da nur
Erfahrung. Also meine und natürlich auch meiner Frau herzin[n]ige
Beystimmung zu Deiner Besuchsreise; schiebe solche nun nur nicht zu lang
hinaus sondern bringe sie in die beste, schönste Zeit. Dieß sind
alles nur Mittheilungen einzig von mir u meiner Frau, mit keinem
Keilhauer sprach ich noch darüber, allein wie gesagt: "Was Gott
thut das ist wohlgethan." Wie können nun die Keilhauer fordern
daß wir anders thun sollen als Gott fordert.- Ich lasse dabey
auch alle meine persönlichen Rücksichten schweigen; denn natürlich
habe ich mich mit Middendorff in Gedanken schon so zur Förderung
des Ganzen eingelebt, als wäre er schon längst hier. In Beziehung
nun auf die äußere Förderung des Ganzen träte daher für mich - ich
spreche mit Vorbedacht aus - wirklich eine Entbehrung ein; allein was
ist äußere (oft nur scheinbare) Förderung gegen die innere, und
diese schaue ich nun, auch beym Rücktritt der ersteren, um so leben[-]
voller. Du nimmst hier wieder das Leben ganz, voll, frisch
freudig u frey in Dir auf, kehrest mit diesem Schatz so Gott
giebt gestärkt in Deine Wirksamkeit zurück. Middendorff
kommt dann dagegen zu uns, so wird dann das Leben auch /
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im Innern wie äußerlich ein wahres Gewebe. Nimmst Du
dann das volle Leben in Dir mit so ist es dann in seiner
ganzen Fülle und nach dem jetzigen Zustand seiner Entwickelung
wie in Blankenburg so in Burgdorf; Und Middendorff
wenn er dann kommt steht dann recht vermittlend in der
Mitte. Nun nur noch Andeutungen: - Könntest Du Dein[en] Br[u]d[e]r
Christian in der Zeit Deines Aufenthaltes hier sprechen so
wäre es schön, er wollte uns ja diesen Sommer so besuchen;
leite also das Nöthige dazu ein.- Zweytens könntest Du dann
wegen Emilie Bähring Dich selbst unterrichten, sie vielleicht
oder eine andere zu Deiner Frau Hülfe dann sogleich mit zurück
nehmen. Auf der Reise könntest Du öfter Apostel
seyn so g[an]z <vor allem> in Frankfurt a/m vielleicht in
Schweinfurt.
Nun Gott befohlen der Bothe wartet ich muß
schließen so viel ich noch zu sagen hätte, es ist nur
daß Du meine Ansicht weißt und nun sogl[eich] in Überein[-]
stimmung mit den dortigen Verhältnissen danach handeln
kannst. Wie würde es mit Elisen werden?-
- Diese noch längere Zeit zurück zu lassen, das
möchte das Schwierigste seyn. Ferdinands kommen [sc.: Kommen]
halte auch ich für unmöglich
DFrFr