Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 21.3./23.3.1838 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 21.3./23.3.1838 (Blankenburg)
(UBB 57/55, Bl 173-180. 170, Brieforiginal 3 ½ B 8° 14 S.+ Beilage 1 Bl 8° 2 S. v. der Hand Adolf Frankenbergs, zit. Prüfer 1909, 35, 40f.; zit. Prüfer 1920, 66f. - Bei dem eingangs erwähnten, gerade abgesandten Brief handelt es sich um den v. 21.3.1838. - Briefliste Nr. 785 dat. irrig "21.3.-24.3.1838", der Brief wurde aber bereits am 23.3. abgeschlossen, lediglich Poststempel vom 24.3. Bei der Beilage handelt es sich um die auf 178V erwähnte Abschrift von der Hand Frankenbergs des Briefs Hermann von Leonhardis an Adolf Frankenberg v. 19.3.1838, die wiederum Ergänzungen von F.s Hand enthält. Zu den Zitaten auf 177V/178V aus dem Brief Adolf Frankenbergs an Louis Frankenberg vom 18.3.1838: Frankenberg hat für F. auf einem Zettel [BN 428, Bl 116] zunächst eine Passage aus seinem Brief an seinen Bruder abgeschrieben, die F. in seinem Brief am 21.3. verwendet [177V]. Dazu gehört auch die Identifikation "Aus einem [...]". Fröbel notiert dann auf dem Zettel, daß die "Würfelstunden"-Passage fehlt, die dann auf dem Zettel von Frankenberg nachgetragen wurde und in einem zweiten Zitat am 23.3. von F. verwendet wird [178V]. Damit gewinnt der Frankenberg-Zettel einen Entwurfscharakter für den F.-Brief vom 21.3./23.3.1838; möglicherweise ist damit Briefliste Nr. 783 gemeint: Briefentwurf an Langethal v. 18.3.1838 in BN.)

Blankenburg bey Rudolstadt am Tage des Frühlingsanfangs 1838.
an einem lauen Frühlingstage wo die Lerchen im wirbelnden Chor
zum Himmel steigen.


Nochmals des einigen Lebens stärkenden Gruß.

Ob ich gleich so eben erst einen Brief an Dich zur Post gesandt habe, damit
er noch heut Mittags von R. an Dich abgehe, so will ich doch keine Zeit
verstreichen lassen Dir sogleich das weiter Nöthige zu schreiben um so mehr
als ich ein Wesentliches vergessen habe Dir zu melden. Du schreibst:-
"Von Ferd. lege ich 1 Brief bey."- Aber nirgend ist derselbe zu finden; zwi-
schen dem Deinen lag nichts, dann habe ich 2 mal und Herr Gyger ein-
mal Bogen für Bogen der Anzeigen auseinander gemacht, allein keiner
hat etwas gefunden. Wenn auch die umschlingenden Papierstreifen etwas
schmal waren, so kann ich doch ganz und gar nicht einsehen wie er hätte
herausfallen können indem doch Dein Brief ganz fest stak, möge er sich
darum in Deiner Umgebung noch finden. Dieß das Wesentlichste was ich zu
sagen hatte.
Dein Packet dünkt mich ist sehr schnell angekommen. Mit dem Postzeichen
B. am 9n M. hat es das Eingangszeichen Rudolst[.] d. 17n M. so ist also
das Packet beyde Tage eingeschlossen nur 9 Tage gegangen. Hinsichtlich
des Postgeldes habe ich bis von Frfrt (bis wohin es frey war) 8 gl sächsisch
bezahlt, so kostet also das Ganze grad 1 fl. 24 Xr. Dieß Dir zur Nachricht.
Nun etwas was ich oft vergessen habe. Titus hat früher in Burgdorf mein Reiszeug
gebraucht und hat daraus einen starken einfachen Handzirkel verlegt, daß er
bey seiner, wie bey meiner Abreise nicht zu finden war, hat er sich etwa
später zufällig gefunden, er zeichnet sich durch seine Schwere und Handfestigkeit
aus, und im Innern steht I. S. eingegraben.
Weiter haben wie hier gar keine Exemplare mehr von der Grundzügen
Sursee 1833 (?)[.] Vielleicht giebt sich die Gelegenheit einmal bey einer
Sendung von Drucksachen z.B. bey Deiner Anzeige von den Spielen 2e
Gabe einige Exemplare 2 oder 3 beyzulegen (was freylich immer kostbar
ist[)] oder Du nimmst vielleicht auf Deiner Reise 1 oder 2 Ex. (dieß ist dann schon
genug[)] im Tornister mit Dir, denn Du würdest doch die Reise zu Deiner Stär-
kung zu Fuß machen?- In Basel müßtest Du Dich recht umsehen im Dom
und um den Dom.- Den Dom zu Freyburg im Breisg. müßtest Du sehen, den
Dom zu Strasburg, dort das Grabmal von General Graf Sachs rc.
In der Nähe bey Kehl müßtest Du den freundlichen Kaufmann heimsuchen bey
welchem im vorigen Jahre Titus so freundschaftl. Aufnahme fand; er hat
dir irre ich nicht seine Adresse bey Gelegenheit seiner Geld[-] oder Bett-
forderung geschrieben.- Dann müßtest Du wenigstens auf einen vollen
Tag oder noch besser 2 das herrliche Bad BadenBaden (von Kehl
nach Wetz Rastadt rechts ab) besuchen, dort auf die Berge und das
alte Schloß steigen, die Römischen Überreste sehen u.s.w. u.s.w.
In Carlsruhe wäre auch viel Schönes zu sehen vor allem die Häuser
der Ständeversammlungen (1e u 2e Kammer) das Denkmal d[e]s Dichter[s] Hebel[.] /
[173R]
In Carlsruhe müßtest Du ganz besonders wegen eines jungen Lithographen
Erkundigung einziehen. Wenigstens Dich dort persönlich unterrichten
im Fall ich dort einmal ein Kunstblatt für das S. Blatt wollte litho-
graphiren lassen. In Carlsruhe hättest Du weiter die polytechnische
Schule, dann das Seminar für Schullehrer bey <Sterne> zu besuchen
besonders um Dir darinn ihren Gesangsunterricht vorführen zu lassen.
Du weißt Schnyder legte darauf vielen Werth; auch ließ ich einmal
darüber Schriften kommen (sie sind noch in Burgdorf von Gersbach)
sie gefielen Dir aber nicht. Gersbach[s] Bruder ist, irre ich nicht, noch
in Carlsruhe, ich verkehrte als ich dort war viel mit ihm; ihn so
wie He[r]n <Sterne>, dann den Director der polytechnischen Schule
könntest Du von mir grüßen.
In Heidelberg müßtest Du nothwendig das alte Schloß und ganz
besonders seine Umgebungen besuchen. Der alte Veteran der
Pädagogik, ["]Schwartz" glaube ich lebt nicht mehr sonst könntst Du
ihm unsere GesammtHochachtung, ja Verehrung bezeigen, er
verdiente es.
In Weinheim bey Heidelberg müßtest Du bey den Gebrüdern Bender
einge Tage verweilen; dort müßte für Dich für Äußerliches und viel
Äußerliches aber sonst auch sehr Braves und Nützliches zu sehen seyn.
Von Weinheim aus müßtest Du den Melibocus besuchen.
Durch den Wohn- und Wirk Ort von Spiesens Vater kommst Du durch
ihm könntest Du Nachrichten von uns und mir bringen nebst Grüßen
seine Literarische und besonders pädagogische Wirksamkeit hat aber
ihre Bedeutsamkeit und öffentlich anerkennende Achtung verlohren;
somit ist auch für unser Unternehmen nicht mehr viel von ihm zu
erwarten eben da sein Wort kein Gewicht mehr hat. Die Frankfur-
ter Erzieher so auch Dr Bagge wollen gar nichts von ihm wissen.
Könntest Du auf Deiner Reise einen Dichter z.B. Uhland in seinem
kindlichen Sinn und einfacher Sprache für unser Unternehmen, ich meyne
zunächst das Sonntagsblatt interessiren so sollte es mich gar sehr
freuen. Wenn er uns das Mutter-, Vater- das ächte Elternleben
wenn er uns die Kindheit, das Knabenalter, wenn er uns das
Zusammenleben des Kindes <und / aus> der Natur - z.B. Zusammenstellung von
Kindheit u Frühling) - des Knaben mit der Natur besänge; und
die Eltern, Väter u Mütter zur Beachtung und Pflege der Mensch-
heit in der Kindheit hinführte rc. Auch in Frankfurt a/m bey Schnyder
könntest Du darüber sprechen. <Ja> [sc.: Ich] erinnere mich früher durch diesen
von einem sehr kindlichen Dichter ich glaube Diaconus oder Superint:
Süßkind in Stuttgart gehört zu haben; doch dahin trüge Dich ja
Dein Weg nicht.
Jetzt wären wir also in Frkfurt a/m. Hier wäre nun ein Hauptreise-
punkt und der wichtigste Ort des Wirkens für Dich. Vor allem bey
und durch Dr Bagge den Director der Musterschule daselbst.
Bey einem Lehrer in derselben, bey Grosch (er kennt Barop wie mich,
irre ich nicht hat letzterer sogar bey ihm gewohnt, wenigstens viel mit /
[174]
ihm verkehrt:) bey diesen könntest Du vielleicht auch wohnen, er hat eine sehr
liebe Familie, Gattin und Kinder frisch und froh, da wärst Du
gleich in der Mitte deines Lebens und Wirkens. Grosch hat ein ei-
genes (irre ich nicht) kleines Landhaus und wohnt, wenn man von
der Darmstädter Straße in die von nach Offenbach führende kommt,
gleich rechts unten am Berge. Grüße aus der Schweiz von Barop
und mir würden Dich da bald einführen, er hat Barop gar sehr
gebeten wenn er einmal wieder nach Frankfurt käme doch ja bey ihm zu wohnen; denn eben er-
innere ich mich, Barop hat es ausge-
schlagen weil es ihm zu Mi weit aus der Mitte seines dortmaligen
Wirkens in Frankfurt lag, denn von Grosch nach Holzhausens Hof
die Öde würdest Du wohl beynahe 1 Stunde zu gehen haben; wenig-
stens 3/4 Stündchen. Denn Holzhaußens müßtest Du nach Bagge
und Grosch vor allem besuchen. Du fändest hier den alten Herrn
- die Frau von Holzhaußen - die Fräulein Sophie u Caroline
von Holzhausen, erstere auch meine Schülerin in der letzten Zeit <meines>
Aufenthaltes im Holzhaußenschen Hause, dann würdest Du wohl
nur den könig kaiserlich östereichschen Offizier (Lieutnant ?) Carl
von Holzhausen
den ältesten meiner Zöglinge zu Hause finden.
Adolph von H. wird wohl nebst seinem jüngsten Bruder, welchen
ich fast gar nicht kenne in Wien seyn.- Die "Anrede" für die
Männer in diesem Hause ist "Herr Baron".- In diesem Hause
könntest Du nun Kunde von meinem jetzigen Wirken geben. Bey meinem
jüngsten Durchflug vor 2 Jahren durch Frkfrt konnte ich nur mit einigen
ganz flüchtigen Zeilen dieß hochachtungswürdige Haus begrüßen.-
Diesem Haus müßtest Du wenigstens einen vollen Nachmittag widmen
und alles recht klar vorlegen; mich dünkt immer das Leben in und
mit diesem Hause müsse nothwendig noch eine allgemein menschheit-
liche Bedeutung bekommen. Du bist irre ich nicht noch nie in Frankfurt a/m
gewesen Du bist der letztere unseres Kreises Du mach[s]t den Schluß unseres Bekanntwerden[s] dort vielleicht bringst Du
die Sache selbst auch
zu einem Schluß. Denn Barop u Middendorff wie ich waren in Frkf[.],
selbst auch Frankenberg (bey Bagge u Kosel u Schnyder) nur Du
allein noch nicht (oder irre ich?).- Ja Besonders müßtest Du sehen
ob Du das Fräulein Caroline im Einklang mit der Mutter so für die
Sache gewännest, daß sie Du den Gedanken aus ihnen hervorfunkelst:
"Sagen Sie wie könnten auch wir die Sache fördern." Leicht wird Dir
dieß nun eben nicht werden, indem besonders die Fr. v. H. auf einem
eigenthümlich dogmatisch, mystisch religiösen Standpunkt steht. Allein
den Gedanken mußt Du fest halten: "In Frankfurt muß noch
ein eigenthümlicher Keimpunkt unseres Wirkens verborgen
liegen und zu wecken seyn, weil unsere Rückkehr dahin so
oft ist.["] Im Holzhaußenschen Garten vergiß nicht die junge kräftige
Eiche zu sehen welche ich vor ohngefähr 30 Jahren dort mit mei-
nen Zöglingen selbst gepflanzt habe. Deßwegen ist mir dieser
Garten auch so wichtig; ich gäbe viel darum stände diese Eiche so frisch u. /
[174R]
gesund in Keilhau. Du mußt die Familie und besonders die Fr. v. H.
bitten doch ja für die Erhaltung dieses Baumes sorge zu tragen.
Vor einiger Zeit erzählte mir einmal irgend Jemand von diesem
Baume unter dem Namen "der Luthers Eiche". Wie sie zu diesem
Namen kommt weiß ich nicht. Denn die Fr. v. H. wird Dir
wenn Du gleichsam zufällig sie fragst wie dieser Baum dahin
gekommen sey klar erzählen, wie ich es war der ihn dahin verpflanzte.
- Ja noch einen kräftigen herrlichen Mann hast Du in Frankfurt a/m
kennen zu lernen; es ist Kosel der Vorsteher der Taubstummen
Anstalt daselbst. (Zwischen der Stadt und dem Friedhofe an der
sogenannten eisernen Hand; von der Öde aus nach Süd-osten)
Diesem müßtest Du besonders die Spiele, und die Würfel, den
"über sich selbst belehrenden (mathem.) Würfel (:so nenne ich ihn, wie
mich dünkt sein Wesen ganz erfassend, jetzt:) und den sprechenden
Würfel vorführen; vielleicht wäre es gut wenn Du es bey Dr
Bagge
thätest wo Du damit Grosch, Schnyder u Kosel zugleich
einladen könntest. Vielleicht wäre es aber auch angemessen
bey Kosel selbst, damit Du gleich - (:bey den Taubstummen welche
schon lesen können:) - die Einwirkung auf ihren Geist u ihr Leben
beobachten könntest.-
Weiter ist Schwartz ja auch noch in Frankfurt, zwar philistrirend
aber doch aufzusuchen und aus alter Dankbarkeit zu grüßen.-
Noch wäre das Speyersche Haus aufzusuchen und freylich von
mir zu grüßen. In diesem Hause wäre es gut die jetzige Entwicke[-]
lung der Sache recht lebenvoll aus einander zu setzen; ihnen
die Entwickelungen zu zeigen welche seit Sommer 1831 - blos
aus dem stillen und tiefen Vertrauen und Glauben in die Tüchtig-
keit der Sache hervorgegangen sind. Früher blit funkte in diesem
Hause (1831) einmal der Gedanke auf mich in meinem Wirken
materiell zu unterstützen weil man wie man aus sich selbst
aussprach "Zutrauen zu demselben habe"[.] Jetzt könntest Du ihnen
zeigen wie sich dieses Zutrauen gerechtfertigt habe. Vielleicht
daß Du besonderes Zutrauen in diesem Hause - einem israelischen
gewinnst wenn sie hören daß Du Erzieher bey Benthemanns in Berlin
warest.
Endlich ist noch eine Person in Frankfurt welche zwar ich nicht persönlich
kenne, welche aber Louisen Frkenbrg und Adolphen kennt und durch diesen
Antheil an unserm Wirken genommen hat, es ist dieß die Posträthin Kuhn
(oder hat ihr Mann einen Andern Titel, aber bey dem Postwesen
hat er eine höhere Stelle:)[.] Vielleicht könntest Du auch diese durch
einige Zeilen von Frankenberg veranlaßt besuchen. Vielleicht
um später einmal dadurch Postvergünstigungen zu vermitteln.
Durch diese, oder durch Mad[.] Speier, oder d[urc]h Fr. v. H. am ersten
aber wohl durch die Gattin des He Dr Bagge, oder He: Groschs
Frau könntest Du hören ob kleine Kinder Bewahrschulen in
Frankfurt a/m wären. In diesen solltest Du Dir Zutritt, wie /
[175]
unseren Spielkästen vielleicht Eingang verschaffen.
Zuletzt solltest Du wohl einen Punkt in Frankf besuchen es
ist dieß die große Handl[u]ng mit mathem. physikalischen und
Spielsachen von Albrecht vielleicht um auch an diese Absatz zu erhalten. Als
ich 1831 in Frkt war interessirte sich der jüngere der Unter-
nehmer ich glaube es war der Sohn oder Bruder des älteren gar
sehr für die Sache und wollte sogleich mit mir wegen Ausarbeitung
der Ideen einen Vertrag eingehen, die Ausführung derselben
durch ihre Anstalt besorgen zu lassen. Hier kannst Du Dich
durch Schnyder einführen lassen indem Du mit dieser Anstalt
zugleich ein physikalischer Verein verbunden ist, dessen Mitglied
Schnyder ist. Ebenso wird Dich Schnyder, wenn Du es wünscht
gern bey Speyers einführen. Solche Vermittelungen sind immer
gut, man bekommt sogleich mehr und festern Grund.
Du siehst hieran welche Gärten und Äcker in Frankfurt a/m zu
bearbeiten sind. Vielleicht läßt sich auch mit einer besonderen Buch-
handlung in Frankfurt a/m anknüpfen. Wetzstein gebe Dir vielleicht
unter Umschlag an Dr Bagge darüber die bestimmteste Aus-
kunft, vielleicht aber auch dieser selbst.
Damit Du nun in Frankfurt alles ordentlich besorgen kannst
so dachte ich ohngefähr 4 Wochen oder 14 Tage vor Deiner Abreise von Burgdorf
eine Kiste von Sachen an Dich nach Frankfurt
zu senden entweder zur persönlichen in Empfangnehmung bey
Valentin Meidinger oder bey Dr Bagge. Diese Kiste sollte
enthalten: 1 Ex: mathem: Würfel - 1 Ex: Sprachwürfel
2 Ex: Ball 2 Ex: Kugel u Würfel 6 Ex: Sonntagsblatt
Jahrgang 1838. 12 Ex: Sonntagsblatt B Probe P Blatt. 2 Dzzd.
Ausstechbücher von jeder No 3 oder 2 d.h. einen Heft mit bunten
u einen Heft mit weißem Papiere; 1 oder 2 Ausstechpappen
jeder 2 Ausstecher; 1 oder 2 Farbekästen.
Zuerst gäbst Du auch die Sonntagsblätter Jahrgang zur Einsicht. Sollte sich
nun vielleicht bey Bagge, was mir freylich das angemessenste erschien
ein lebendiges Interesse zeigen, so würde ich gern ein Exemplar
davon unentgeldlich laufend übersenden, vielleicht für einige unsere
Freunde gemeinsam nur damit von der Hand ein stetiger ungehemm-
ter Lebensverkehr und Austausch bewirkt würde.
Um zum Ganzen besonders bey Bagge einen Anknüpfungspunkt zu er-
halten solltest Du Dir nachstehende kleine Einladungsschrift
"Über Erholung und Spiel der Kinder in ihren Freistunden.
Andeutungen zu weiterer Ausführung. Einladungsschrift
zu der im May u April (1830) angeordneten öffentlichen
Prüfung in der Meisterschule von ihrem Director E. W. G.
Bagge. Frankfurt a/m 1830 48 Seiten (Abhandlung selbst
32 Seiten)["]
zu verschaffen suchen, gieng es nicht anders, den Dr Bagge selbst
darum bitten. Seite 21 hat dieses Schriftchen folgende Stelle: /
[175R]
"Aber einen Wunsch, der sich auf diese Bemerkung gründet, kann
"ich hier um so weniger unterdrücken, je dring[end]er das Bedürfniß
"sich fühlbar macht, das er beseitigen soll. Möchten sich doch
"unter den jungen angehenden Erziehern und Erzieherinnen,
"meh[re]re, denen die Naturgabe einwohnt mit Kindern zu leben,
"neben ihrem ernsteren Beruf als Lehrer, noch zu tüchtigen,
"besonnenen und gewandten Leitern der Spiele ausbilden. Jede
"kleine Stadt sollte wenigstens einen, größere Städte sollten
"deren mehrere haben. Wer das Kind, dessen Anlagen und Be-
"dürfnisse kennt, weiß die Vortheile einer zweckmäßigen
"Spielaufsicht zu würdigen, und wird gewiß mit mir von
"ganzem Herzen in jenen Wunsch einstimmen" u.s.w.
Du könntest gleich daran anknüpfen auszusprechen wie ich u
wir seit Jahren an der Ausführung dieses Gedankens arbeitete[n]
worin von dessen und zu dessen Verwirklichung die Spielkästen
jetzt der erste leise Keim u k[l]einste Schritt sey. Ich beabsichtige
die Einführung von öffentlichen Spielräumen <u.> im Winter
Spielsäälen u Spielzimmern: alles im großen Leb allseitigen
Natur- Welt- u Lebenszusammenhange.
Man sollte mich nur zur Ausführung dieses großen Unternehmens
unterstützen, mir dazu die Hand reichen, allein vermöchte ich
es und wir alle nicht - zunächst nur dadurch die Hand reichen
daß man den jetzigen Spielkästen einen raschen und guten, d.h.
einen solchen Absatz verschaffe daß ich den kleinen Gewinn
nicht als Provisionen und Procente ganz weggeben müßte
so daß man wenn es anging mehrere Exemplare aus eigener
Hand gegen Ladenpreis absetzen könnte. Mit der Anstalt
hier mit der hiesigen Anstalt zur Pflege des schaffenden Thätigkeits-
trieb des Beschäftigungstriebes der Kindheit u Jugend, beabsichtige
ich eine solche Muster- und Bildgsanstalt zu erziehenden Leitern
der Kinderspiele zu verbinden.- Du mußt also den Bagge
die Sache so vorstellen als wenn es sich hier zunächst um die
Verwirklichung und ins Lebentretung seiner eigenen Idee, seines
eignen Wunsches handele.
Für die Verwirklichung fremder Ideen wenn solche mit den unsrigen gleiche
Quelle oder gleiche Beziehung haben, muß man zuerst wirken, wenn man hoffen
und erwarten will daß auch Fremde wieder für die Verwirklichung unse-
rer Ideen handeln sollen.*
So kannst du auch den Gedanken äußern, dessen Verwirklichung ich auch
schon seit langem in mir trage eine Zusammenkunft von mehreren
besonders praktischen Erziehern und zwar, wäre es möglich schon
im kommenden Jahre in unserm romantischen Schwarzburg zu ver-
anstalten. Dieser Gedanke ist mir kürzlich wieder und zwar ganz
namentlich aus Süddeutschland ausgesprochen worden. Du könntest
gelegentlich hören ob wohl Frankfurter Erzieher z[.]B. Bagge, Grosch
Kosel rc. geneigt wären an einer solchen Zusammenkunft Theil zu /
[176]
nehmen; ich würde bis dahin zunächst die Fürstin Mutter für das Ganze zu
interessieren suchen; wodurch vielleicht in Hinsicht des Locales in Schwarz[-]
burg u.s.w. einige Vergünstigung zu erhalten wäre.
*) Durch den auf umstehender Seite angedeuteten Gedanken von
Bagge siehest Du wäre denn wirklich in Frankfurt ein Anknüpfungs-
und Keimpunkt für die Fortentwickelung, ja für Deutschland der eigent-
liche Grund zur Ausführung der jetzt von uns neu begonnenen Wirksamkeit gegeben
und es könnte sich von da aus wohl die Ahnung ver-
wirklichen als müsse nothwendig auch für mein und unser Wirken
von Frkf[.] aus ein neuer Impuls kommen.
Diesen Sommer dieß wirst Du wissen ist ein großes ganz allgemeines
Singfest in Frankfurt a/m zu dessen Ausführung jetzt schon die Anstalten
getroffen werden; sehe ich auch ganz von unserer innerer und äußerer
Verknüpfung mit Frkf ab, so möchte ich Dir wohl den Genuß gönnen
daß Deine Anwesenheit in Frkf. gerad in die Tage des Festes fiel.
Habe ich aber dabey die Beachtung der eben angedeuteten Bezieh-
ungen im Auge, so glaube ich mir sagen zu müssen, daß zu deren
Berücksichtigung und Pflege, gerad in diesen Tagen der allgemeinen
Aufregung sich in Frankfurt dafür wenig thun lassen würde. Nun
auch dieß ist Dir und der gesammten Lebensentwickelung dafür gegeben.
So könnten wir nun Frankfurt verlassen; wohin wenden wir uns aber?
Du kannst Dich über Gelnhausen (Burg Kaiser Friedrich von Hohenstaufen)
und über Salzungen (Luther) nach Keilhau u Blankenburg wenden oder
über Aschaffenburg nach Schweinfurt zu Wetzstein.
Wie mir das Ganze jetzt vorsteht dächte ich, wähltest Du um
des Ganzen willen das letztere. Du könntest Dich mindestens bey
letzteren über vieles Einzelne hinsichtlich des Geschäftsganges
beym Buchhandel, namentlich hinsichtlich der Mittelglieder, der
Commissionäre und ihrer Provisionen; hinsichtlich der Führung
des Geschäftes überhaupt; in Hinsicht auf die Berufung der Preise
der literarischen Artikel erkundigen. Auch ließe sich mit Wetzstein
überhaupt wegen einer allgemeinen Erfassung der Sache sprechen.
Von Schweinfurt aus könntest Du dann nach Pommersfelden und so auch
wohl vorher noch nach Erlangen gehen, wenn nemlich der Dichter
"Rückert" dann noch dort und nicht schon auf seinem Gute bey Coburg
ich glaube "<Neuses>" wäre. Wäre das letztere so gingest Du über
Bamberg nach Coburg und suchtest dort nächst Rückert zugleich
die Emilie Bähring auf, sie ist in der Töchter Anstalt der Fräulein
<Hiller>; Hier könntest Du gleich sehen wie Du sie fändest und
sie Dir gefiel um sogleich eine Richtschnur für Deine Gespräche
mit der Fr: Pfarrerin zu haben. Gefiel Emilie Dir und hätte sie
bestimmte Lust, so wäre alles leicht gemacht indem die Fürstin
Mutter die letzte und entscheidende Stimme darin hat. Bey Deinem
Besuche bey Rückert läge die Beantwortung der Frage im Hindergrunde:
ob er wohl zu einer dichterischen Theilnahme am S. B. geeignet
und geneigt wäre. Du könntest ja demselben leicht an das seine, von Dir /
[176R]
so geachtetes Buch: "Die Weisheit des Brahmanen" anknüpfen.---
Den Rückweg könntest Du dann über Nürnberg, Stuttgart und Tübingen
machen. Vielleicht fiel die Rückkehr gerad in die Zeit der Zusammen-
kunft der Naturforschenden Gesellschaft daselbst, doch diese würde
wohl erst später seyn. Auf jeden Fall würde diese Reise gar
sehr, wie wir zu Gott hoffen zu Deiner Gesundheit, so auch zur
Ausbildung für Deine praktische Wirksamkeit beytragen. Es
wäre eine wahre Bildungs- Belehrungs- und Erweiterungsreise
von dieser Seite noch mußt Du solche Deiner entscheidenden Behörde
in Burgdorf zeigen, so daß also der Gewinn für die Erlaubniß
vielfach von auf die Anstalt zurück fiele. In Frankfurt
müßtest Du besonders das Großartigste eingerichtete Waisenhaus
auf dem Walle besuchen. Außerdem durch Schnyder, das natur-
historische Museum - die Kunstsammlung, verschiedene öffentliche
Denkmäler so z.B. von Göthe - dann die Antiken Statuen in Bethmannschen Hause
auf dem Walle. Ariadne von Danneker.
Nun Du wirst uns bald Nachricht geben wie Du es mit dieser Reise
zu machen gedenkst.- Middendorff machte dann seine Reise über
Westpfahlen und sähe was sich dort dem Leben günstiges und zu
Pflegendes zeige. Somit hierüber genug.

===*===
Solltest Du jedoch - gegen den jetzigen Stand der Dinge, - diese Reise nicht machen,
so ist alles dieß für Middendorff zur Beachtung mitgetheilt.- Middendorff
welcher schon in Frankf war, kann Dir l. Lgthl auch schriftliche oder münd-
liche Grüße und sonstige Nachweisungen geben.

----------
Als Abwechselung muß ich Dir doch auch etwas Fremdes mittheilen, nemlich

"Bretschneiders Weissagung einer neuen Kirche"

Sie stand in der Hanauer Zeitung irre ich nicht v. d. Mon:

"Jetzt wo mit solcher Bitterkeit über kirchliche Verhältnisse gestritten wird, ist es
"erfreulich, von Männern, ausgezeichnet durch Einsicht, Erfahrung u. berufliche Stel-
"lung, Äußerungen zu vernehmen, wie die nachfolgende, welche wir einem Auf-
"satze des He. Gen: Superint: Dr K. G. Bretschneider in der allgem. Kirche[n]ztg
"No 13. d. J. "über die Zukunft der evangel. Kirche, besond. in Deutschland" - entnehmen. Hier
"heißt es: - "Wir können und müssen hoffen, das beide Kirchen, die kathol. wie die evangel.
"immer mehr einander näher kommen werden. Nicht aber als ob je die eine Kirche
"die andere in sich aufnehmen könnte; - solche Erwartung wäre eine <eilte [sc: eitle]>; - sondern
"das wird immer mehr geschehen, daß beide Theile sich in christlicher Liebe vertragen
"lernen, und endlich mehr und mehr in einem Dritten zusammen kommen
"werden, nemlich in der religiösen Wahrheit. Die Grundlage dazu ist in den
"beyden Kirchen in dem Christlichen, das ihnen gemein ist, enthalten. Dieses
"Dritte, in welchem endlich beyde Kirchen aufgehen dürften, ist weder die
"katholische Kirche mit ihren Tridentiner Beschlüssen, noch die evangelische
"mit ihren zahlreichen symbolischen Büchern, sondern eine neue Gestal-
"tung, welche die Göttliche Vorsehung durch den Geist der Wahrheit
"ins Leben rufen wird."- So schrieb im vorigen Jahr[es] ein Missionar aus
Indien: Erst mit einer zweiten allgemeinen Ausgießung des Geistes würde die
neue Lebens- und Daseyns Stufe der Menschheit beginnen. "Mündlich darüber mehr." /
[177]
Ob Du wohl schon des Unfreundlichen über mein Sonntagsblatt genug gehört
habe wirst, so glaube ich doch daß es gut ist wenn [Du] möglichst alles kennen
lern[st]. Louisen Frankenbergs Bekannte sind wieder die Stimmen zum
größten Theile glaube ich wieder Geistliche oder Lehrer an hohen Anstalten:
Sie schreibt unterm 9' März an ihren Bruder Adolf folgendes: "Du weißt
"wie sehr ich Fröbels Grundsätze und Handlungsweise in der Erziehung an-
"erkenne; aber dennoch kann ich nicht umhin das Urtheil mit vielen ver-
"ständigen Männern zu theilen, daß er zu viel Worte in seinem S. Bl:
"macht und gewissermaßen dadurch unnatürlich erscheint. Ich will die
"Männer nennen welche dieß Urtheil über ihn gegen mich aussprachen.
"Es ist der Waisenhaus Inspector <Brackenhof> in Goslar. Schumacher
"(d[e]r Juris[-] und Universitäts Actuar) in Göttingen. Unser Onkel und
"der Dekan <Wenderoth> in Rothenburg an der Fulda.- Hölty und
"<Meder> (ich glaube beydes Prediger) in Ülzen. Ich wußte dem Dekan
"und dem Onkel in Rotenburg, welche dieß Urtheil, wie ich sagte, auch
"aussprachen, da ich es wirklich theile und doch nicht tadeln mochte (d.h.
"den Fröbel nicht getadelt wissen wollte) nicht anders zu erwiedern,
"als was meine Überzeugung ist, daß seine Art mit Kindern umzugehen
"viel natürlicher und klarer ist, als seine Schreibart. Der Dekan <Wende-
"roth> welcher ein sehr denkender Mann seyn soll, sagte mir noch besonders[:]
" "es sey gar nicht möglich durch diese Schrift das Zutrauen der Menschen
" "in pädagogischer Hinsicht zu gewinnen." " So hat auch der Inspector
"<Brackendorf> noch besonders gegen die Mutter (d.h. ihre <Sch.> Mutter einstmals
in Spe) geäußert " "Das Blatt gefalle ihm nicht." "-
Auch ein Urtheil über die Beschäftigungskästen von Adolph Frknbrg, als derselbe
Deine Urtheile über den sprechenden und selbstlehrenden Würfel an seinen Bruder Louis
nach Columbus geschrieben hat, fährt er im Briefe vom 18 März so fort: - ["]Auch
"ich habe bey dessen (des sprechenden und mathem: Würfels) Gebrauche gefunden, daß er recht eigent-
"lich die Kinder zum Selbstdenken und Forschen, zur lebendigsten Selbstthätig-
"keit und den merkwürdigsten innern Wahrnehmungen führt, zu
"Wahrheiten, die für die Gesammtentwickelung des Menschen von höchster Be-
"deutung und dem entschiedensten Einflusse sind, und die ich und wir erst
"durch das philos. mühsame Studium philosophischer Systeme und mathe-
"matischer und physikalischer Werke empfangen. So ist z.B. die Unter-
"scheidung der ruhenden und wirkenden Eigenschaften und das Aufsuchen
"aller möglichen sehr lehrreich, und führt unmittelbar zu der Erkennt-
"niß des Ewigen in allem Vergänglichen, des Unsichtbaren im Sichtbaren,
"des Bleibenden bey allem Wechsel, des Unendlichen im Endlichen und so zum
"Gefühl und Bewußtseyn unserer göttlichen Abkunft, unseres ewigen
"von der Zeit unabhängigen, unsterblichen Lebens, unseres Menschen-
"Wesens und unserer Menschenwürde."- So weit Frankenberg.
Du lieber Langethal kannst dieß in Verbindung mit Deinen Erfahrungen
vielleicht bey einstiger Einführung die Selbstbelehrungs Würfel ins Leben,
oder auch vorläufig bey einstweiler mündlicher Mittheilungen darüber, besonders
im Kreise Deiner Lehrer benützen.
Doch halt! Da fällt mir so eben etwas ein, was ich Dir schon seit langem und /
[177R]
oft aussprechen wollte, allein ich glaube noch nicht ausgesprochen habe, nem-
lich über Deine Mittheilung wie und wodurch Du deine belehrenden Un-
terhaltungen beginnen wolltest, nemlich über die Feststellung des Sprach-
unterrichtes als erstem Unterricht.
Der erste Unterricht lieber Langethal aber ist nicht Sprach- - sondern
reiner Sachunterricht; der erste Unterricht möchte ich sagen ist
nicht Wort- - sondern reiner Ortsunterricht; (:Ich möchte in Beziehung
auf die Syntaxis und spätern Stylübungen ((:ich gebrauche mit Fleiß beyde
Kunstausdrücke:)) weiter sagen:)[.] Vor dem Satzunterrichte, - (der Satzlehre)
kommt der Platzunterricht, der Unterricht von dem Platze in welchem
das durch die Sprache zu bezeichnende in der Anschauung steht. Du wirst
mich in diesem harten Bilde (Satz u Platz) verstehen. Die Sprache, welche
gleich vom ersten Beginne das Leben mit dem Kinde, alle Dinge um-
giebt, ist gleichsam die Atmosphäre, der Licht- und Luftkreis, welcher alle
Planeten, so unsere Erde - und wieder jeden einzelnen Gegen-
stand auf derselben umgiebt. Die Atmosphäre, der Licht- und Luft-
kreis erhält und ernährt Alles, ehe er in seiner Selbstständigkeit er-
kannt wird, die Gegenstände fallen uns eher in die Augen, als wir
das Licht als ein Selbstständiges erkennen, durch welches eigentlich alle
Gegenstände theils in Hinsicht ihrer Form u Gestalt an sich, theils erst für
uns da sind. So nun auch mit der Sprache, ob sie gleich ebenso zugleich
und in einem Moment da ist, wie der Gegenstand u die Atmosphäre so
und zugleich mit dem Gegenstand geübt, angewand[t] wird, wie der
Luft- und Lichtkreis die Gegenstände umgiebt und umfließt, so
müssen doch in der Menschen- das ist Kinderentwickelung die Gegenstände
ebenso zuerst und überwiegend allein beachtet, betrachtet, und angeschaut
werden, wie man im Leben zuerst den Gegenstand
und dann erst seine Atmosphäre, seinen Lichtkreis beachtet; Erst
muß das zu Begreifende daseyn und wirklich thatsächlich, stofflich
materiell begriffen seyn, ehe sich der Begriff davon bilden;
das thatsächliche, räumliche Begreifen ist früher als der Be-
griff. Nun Du wirst mich liebster Lgthal verstehen. Meine
Frau fühlte bey Deiner Mittheilung daß Du von der Beachtung der
Sprache ausgehen wolltest, wie ich, sie meynte in sich das könne
nicht das erste seyn. Kurz Langethal! Sache u Sprache [*Zusammenfassende Klammer zu "Eins" in der nächsten Zeile*] ist für
den zum Bewußtwerden bestimmten u[n]d sich schon in der Anlage bewußten Menschen wohl Eins; es kommt nun
nur darauf an worauf der
beachtende Mensch zuerst seinen Blick wenden, und wovon zuerst
[er] seinen Blick einstweilen abwenden soll; jenes ist die Sache
dieß, die Sprache, obgleich beyde ein so unzertrennliches Eins
sind wie Leib und Seele [*Klammer auf "Wesen" in nächster Zeile*], wie Körper und Geist [*Klammer auf "sittlichen" in nächster Zeile*]. Wir müssen also
als sinnliche Wesen die wir uns zu sittlichen erheben sollen, zwar
wohl von Leib u Körper, wie von der Natur u dem Daseyn aus
gehen, allein uns nicht von Leib, Körper, Natur u Daseyn verschlingen
lassen, sondern uns zum Seyn erheben; So müssen wir
alle vom Leben ausgehen, allein uns durch dasselbe in demselben /
[178]
zur Liebe erheben; das Leben ist aber der Leib oder Körper [*Klammer auf "Liebende" in nächster Zeile*] der Liebe[.]
Leben und Liebe ist Eins (:das fühlen wahrhaft Liebende im Feuer ihrer
ersten Liebe)[.] Leben kann nicht, ohne Liebe, und Liebe nicht, ohne Leben
gedacht werden wie keine Welt ohne Gott und Gott ohne keine Welt
gedacht werden kann. Zwischen Gott und Welt tritt aber gleich ein
Drittes, ohne welches keine Welt aus Gott hervorgehengegangen und Gott als keiner
Welt das Daseyn gegeben habend nicht gedacht
werden kann es ist dieß d. ewige <vous>, der ewige Verstand, die
ewige Vernunft, die ewige Weisheit, es ist mit einem andern Worte
das ewige Licht; so steht Licht zwischen
Leben und Liebe
und bilden die ewige Dreyheit, Dreyeinigkeit. Es ist auf das Höchste
merkwürdig wie diese 3 Prädikate in unsern heiligen Schriften
zwischen Gott u Jesu wechseln, d.h. bald auf Gott (den Einigen den
Vater) bald auf Jesu (den Einzigen den Sohn) bezogen werden[.]
Weiter ist merkwürdig wie Jesus, der und das Einzige, wieder um
sein Selbst erkennbar zu machen auf das zugleich Innige und Inner-
liche und doch auch alles Umgebende, auf den Geist auf das Licht hinweißt.
Aus diesen wenigen, geringen Andeutungen muß Dein Geist erschauen
daß wir jetzt als Menschen und daß die das MenschheitengeschlechtMenschengeschlecht (:welches ja einzig nach
Licht strebt, nach Aufklärung, welches fast alles vergeistigt, in Begriffe
Gedanken, Ideen auflöst, welches selbst Zeit u Raum (durch Dampf)
einigen, d.h. beydes vernichten will:) oder vielmehr die Menschheit
auf einer neuen Entwickelungsstufe steht. Du wirst hiedurch einsehen
wie Elise, als sie auf Eurer Reise nach der gültenen [sc.: güldenen] Aue auf Herders
Grabmal nur 2 L. ich glaube Leben und Liebe fand - ganz richtig
menschlich und Menschheitlich, d.h[.] als ein reines Menschheitswesen
empfand*), daß hier das dritte L. ich glaube Licht fehlte. Elise
wird Dich selbst gern darüber unterrichten.-
Ja Langethal, Ernestine und all Ihr Lieben und Theuren, drey
Sterne, drey Sonnen, drey Punkte

*
Licht
  *              *
Leben      Liebe
mögen uns stets durchs
Leben geleiten; zeigt doch die Raumeskunde, Mathe-
matik daß stets durch drey Punkte ein sie alle drey
erfassender Kreis gezogen, also noch vielmehr, eine sie durch alle drey gehende
einende Sphäre gedacht werden kann.
Dieß l. Lgthl Deinem sehnenden Gemüthe, Deinem strebenden Geiste und Deinem
einigenden Leben und durch Dich alle den durch Lich Leben, Licht u Liebe mit
Dir Geeinten, mit Dir Einigen.

----------

Am 23 März. [*Zeichnung ?*] Zu Adolf dem Auszuge aus Adolph Frankenbergs Brief an seinen
Bruder Louis gehört noch folgende Stelle, welcher [sc.: welche] ersterer vergessen hatte mir
herauszugeben und die ich mir erst gestern in Keilhau zur Vervollständigung und zu etwa-
eigen [sc: etwaigen] Gebrauch für Dich, mindestens zur Bestätigung Deiner Erfahrungen geholt habe.-:
"Wir nemlich, Barop und ich haben den mathem: Würfel bey unsern Zöglingen
"mit vielem Erfolge und zu großer Freude und Erhebung angewandt. Die
"Kinder sprechen den ganzen Tag von der Würfelstunde und freuen sich [darauf];
"wie auch Barops kleine Mädchen immer nach dem Ballspiel verlangen indem sie auffordern: - /
[178R]
"Komm, wir wollen Bällchen spielen."["])
Nun zu etwas Anderem.
Du weißt wie mir gleich Anfangs des Prof: Schmid aus Columbus Überkunft
nach Deutschland für unser gesammtes erziehendes Streben wichtig erschien. Du
weißt wie ich sogar eine Zusammenkunft Deiner mit ihm wünschte, wenigstens einen
Besuch von ihm hier und in Keilhau mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit erwartete.
Doch vor längerer Zeit schrieb er, daß er d[urc]h den Tod seines eigenen Sohnes welcher
während seiner des Vaters Anwesenheit in Deutschland - in Amerika, schnell dahin
zurück kehren müsse, und wenn ihn Jemand von uns persönlich sprechen wollte
es nöthig wäre, daß derselbe schon am 26 März in Göttingen seyn müsse, wo er
um seine Reisegefährtin über See Louise Frankenberg mit zunehmen 1 Tag ver-
weilen werde. Die Gesammtumstände könnten es in Mitte des Halbjahres nun
möglich machen das höchstens Herr Frankbg um seine Schwester Lebewohl zu sagen
dahin reisen könnte; mir auch sagte das Ganze nicht zu, da alles so übereilt
war, und so ging ich gestern Mittags nach Keilhau um Frknbg noch meine
letzteren Mittheilungen wegen Göttingen und Amerika zu machen. Auf dem
Wege dahin empfing ich von Frankenberg einen Brief von Prof. Schmid, daß
sich die Abfahrt des Schiffes in Bremen vom 7 bis 20 verschoben, also
auch seine Ankunft in Götttingen sich bis zum 8 bis 10 April hinausge-
stellt habe. Also zunächst wenigstens wieder Zeit gewonnen.
Nach Blankenburg aber war auch ein Brief aus Göttingen gekommen und
den brachte ich denselben nach Keilhau. Er enthielt 2 Briefe einen von Leon[-]
hardi und einen von Schumacher. Den Brief von Schumacher will ich
Dir hier abschreiben, der von Leonhardi liegt in Abschrift von Franken-
berg bey. Beyde werden vielleicht für die Entwickelung des Ganzen wichtig[.]
"G. den 19/3 38."
"Mein lieber Frankenberg."
"..... Deine l. Schw. ist jetzt wieder hier und wir sehen jetzt mit großer Freude zusam-
"men Deiner und Herrn Fröbel[s] Ankunft entgegen. Es freut mich ganz ungemein
"des ..... Mannes Bekanntschaft machen zu können. Viel werden wir mit einander
"zu verhandeln haben.- Gebt ja Euren Plan zu kommen nicht auf! und macht
"es möglich etwas länger hier bleiben zu können!- Für Eure Unterbringung
"ist theilweise schon gesorgt[.]- Zwey Gedanken wollest Du einstweilen
"einmal überlegen, die sich mir zur Erweiterung der Keilhauer Anstalt
"heut aufdrängten - und - wenn sie ausgeführt würden, ihr eine festere
"äußere Stellung geben könnten. Die Anlegung einer Buchdruckerey und
"Buchhandlung zugleich für Kinderschriften und doch auch für philosophische
"Werke. Wie viel Geld könnte dann namentlich bey Herausgabe der
"Krauseschen Werke erspart werden. Und wir alle Deine Bekannten
"haben ja so oft etwas zu drucken."-
"Dann wie wäre es, wenn Ihr dort in Eurem stillen Thale von Keilhau
"einen Ort anlegtet, wo alte gebildete wohlhabende Leute Männer und Frauen
"denen die Anverwandten gestorben sind, heimisch u friedlich Ihr alter ver-
"bringen und schön Ihr Leben beschließen könnten. Nirgends würden sie eine hei-
"terere Umgebung finden können, als da wo eine frische Jugend
"um sie her aufblüht, und sie in mannigfacher Beziehung dazu förderl. seyn könnte[.] /
[179]
"Eine solche Einrichtung gehörig angeleitet und bekannt gemacht, würde
"in der That allgemeinen Beifall finden, und aus ganz Deutschland
"edle Seelen dorthin ziehen. Das weitere mündlich von Deinen Schumacher[.]
"N.S. Werdet Ihr allein kommen oder werdet Ihr Euch von nicht von
"einen oder den andern noch begleiten lassen?"-
Nun lies auch erst den beyliegenden Brief von Dr Leonhardi[.]
L. ...... Hast Du es gethan?-
Du siehest nun aus allem diesem wie vielseitig erregt jetzt wie-
der das Leben ist und wie mannichfach sich besonders jetzt wieder
die Leben und die Lebensinteressen berühren und durch kreuzen.
Zwey Gesichtspunkte hebe ich mir heraus.
Sollte sich nun - wie wir wohl nicht abgeneigt sind - Frankenbg
Barops und meine gemeinsame Reise nach Göttingen verwirklichen
so siehest Du so wäre gleich durch die Vorsehung und das Leben
der erste Erzieher Verein verwirklicht ins Leben getreten, wobey für
unsere Interessen und Unternehmung in Deutschland
der Schweiz und Amerika sich Anknüpfungspunkte darböthen
gewiß wichtig. Von hier könnte dann vielleicht gleich für das
folgende Jahr eine Erzieher Zusammenkunft hier in Blankenburg,
Keilhau und Schwarzburg im Allgemeinen verabredet werden[.]
So wirst Du nun deutlich sehen wie wohl die Vorsehung förderlich
für unser[e] Unternehmung im Stillen wirkt und vorbereitet, denn
was ließe sich dann darlegen! Was ließe sich von uns noch binnen
hier und einem Jahre ausführen!- Dieß in Andeutung der eine
Punkt. Träten in Göttingen bestimmte Gedanken, Vorschläge Ent-
schlüsse dafür hervor, so könntest Du auf Deiner Reise besonders
in Frankfurt rc. auch für deren Vorbereitung, Prüfung und Anerkennung
wirken. Hier knüpft sich nun sogleich das zweyte an.
Wie Du aus Leonhardis Brief ersiehst geht derselbe im Monat April
nach Frankfurt um dort eine Erbschaft von seinem mütterlichen Oheim
anzutreten. Wenn sich da die Geschäfte nicht schnell abmachten,
so könntest Du ihn vielleicht dort sprechen, das wäre ein schönes
Zusammentreffen. Doch dieß sey der Zukunft weiter anheim gegeben
jetzt nur das eine als nächstes:
Gar sehr lieb und erfreulich wäre es mir und gewiß für die
Sache auch nicht unwichtig, wenn Du es einzurichten suchtest daß
bis zum Mittwoch den 4n April
wieder ein Brief von Dir in Rudolstadt einträf[e] und uns von dort
die neuesten Nachrichten brächte, besonders wenn das bis dahin die
Sendung über Nürnberg rc. < ? > 7 bey Dir angekommen und vielleicht
schon <ins / ans> Publikum getreten wäre. Nun das sind so Gedanken
um nur die Achtsamkeit darauf zu lenken. Was Du uns
schicktest könnte dann gleich in Abschrift nach Amerika gehen[.]
Wäre wieder etwas gedrucktes erschienen, so könntest Du es auch
theilweise für Amerika - wenn Du glauben kön[n]test das [sc.: daß] es noch bis zum
9en April in Göttingen ankäme, directe dahin an Dr Schumacher /
[179R]
Aktuar beym UniversitätsGericht, senden. Briefe und anderes
für mich aber ja nicht weil das Risico zu groß wäre, ich ja
auch an der Reise nach Göttingen verhindert werden könnten [sc.: könnte].
Daß auch Barop die Reise mitzumachen Lust hat habe ich ver-
gessen zu sagen.
Die Zeit drängt darum nur das Wichtigste für die nächste
Angelegenheit. Fordern es die Umstände daß Middendorffen
für Erhaltung Deiner kostbaren Gesundheit noch längere Zeit in der
Schweiz bleibe so muß dieß nur kurz und bestimmt als Fügung
des Geschickes von Euch und namentlich von Middendorffen an Al-
bertine, wie ich sagte vielleicht von andern Briefen begleitet aus-
gesprochen werden. Wir müssen es dem Stande der Sache gemäß
für das Beste halten jetzt ganz darüber zu schweigen ob wir
d.h. Barop und ich - es jedoch für allseitige Forderung sehen der
Fügung des Geschickes auch freudig d.h. in Beziehung auf Deine Gesundheit
theurer Langethal hoffnungsvoll zu folgen.
Elise sagte Barop müßte auf jeden Fall mit Dir Lgthl
zurück kehren, deren Zurückbleiben würden die Eltern nicht ertragen
irre ich nicht sehr so sagte Barop: der Vater würde in sich darüber
ergrimmen!- den Vater - dieß sage nur Ferdinand u Middendorff
den Vater hat der gegenwärtige Stand von Willisau, das rückgehende
Schwinden der Anstalt auch sehr unangenehm berührt. Dieß sind
genau Barops Worte: Wenn nun auch Ferdinand zur Haltung
zur Erhaltung und Sicherung der Wirksamkeit in Willisau zunächst
noch zurück bleiben müßte, so würde sich der Vater, um so
mehr er dieses hoffen könne darüber beruhigen.- Auch wegen
Middendorffs Zurückbleiben - <vom> Schicksal so gebeten würde
man sich beruhigen.
Du siehest also lieber Langethal daß Du ganz frey nach der Forderung
handeln kannst welche die Pflege Deiner theuren Gesundheit macht[.]
Habe ich Dir schon die letzte Sendung gemeldet?- Sie enthält
18 Ex: selbstlehrender Würfel 1 bis 5 Gabe.
28 Ex: Spielkästen 1e Gabe. (NB warum schreibst Du in Deiner
Bekanntmachung Du habest nur rothe blaue und gelbe Ballen; Du hast
ja auch gleichviel grüne, goldgelbe u veilchenblaue)
77 Exempl. Spielkästen 2' Gabe, der Preis dafür ist verhältniß[-]
     mäßig, bey  Bogen Text - doppelt so große Lithographie u[n]d
     doppelten Kästchen höchst bilig nur 15 Batzen oder 1 fl Rhein[.]
NB bey der 1e u 2 Gabe sind 4 Ex: Text mit Goldschnitt zu bestem
Gebrauch z.B. mit freundlichen Gruß von uns bey <Krafts>; oder <Dües>
oder Schnells oder in Bern.
50 Stück Farbenkästchen mit 3 Farben 2 Pinsel 1 Pinselstock
2 Ausstechnadeln - der Preis dafür im nächsten Briefe
50 Stück Ausstecher - 50 Stück Stechpappen in doppeltem Papier
100 Exempl Wochenschr: No 1 & 2.- Ausstechbücher No 5 - No 12.
Die Preise nächstens. Jetzt Gott alles befohlen. Schreibe ja bald
FrFr.

Die Ausstechpappen sind so gebrochen das [sc.: daß] rechts ein Ausstecher oben ein Farbekasten u Mitten 4 Ausstechbücher zu liegen kommen. Glastafeln könntest Du hinzufügen
so wäre alles vollständig. /
[173V]
(Nachschrift):
Jedes Wort ist ein Gruß von Allen an Euch alle auch in Willisau.
[Randbemerkung von F.s Hand, die den Satzzusammenhang durchbricht: zu 178V:]
*) Diese Menschheitlichen Gefühle u Empfindungen sind es aber die uns (geklärt) in <alle / volle> Wahrheit leiten.

Beilage:
Abschrift von der Hand Adolf Frankenbergs mit Bemerkungen Fröbels:
Hermann von Leonhardi an Adolf Frankenberg in Keilhau v. 19.3.1838 (Göttingen)
(Von der Hand F.s das Wort "Abschrift" und Randbemerkungen zum Brief auf 170R.)

[170]
[Handschrift F.s:] Abschrift.
Göttingen den 19ten März 1838.
Lieber Adolf!
Da Schumacher gerade an Dich schreibt, so will ich wenigstens
einen Gruß beilegen. Ich würde Dir längst geant-
wortet und auch He. Dr. Fröbel meine Briefschuld aus-
führlich abgetragen haben, wenn ich nicht bald nach Neu-
jahr an einem Unterleibsnerfenleiden, und damit
verbundener Augenentzündung erkrankt wäre. Dadurch
wurde meine Zeit noch mehr bedrängt, als sie es durch
meine übrigen Arbeiten und meine indeß erfolgte
Doctorpromotion schon war. Ich freue mich jetzt sehr,
die Hoffnung zu haben, Dich und unsern <ältern> Freund,
vielleicht auch nach Einander Eurigen hier zu sehen, wo
auch andere liebe Menschen unsern Verkehr theilen
werden. Es ist zwar nicht ganz gewiß, daß ich dableiben
kann, da mein mütterlicher Großvater kürzlich ge-
storben ist; doch sehr wahrscheinlich. Ich gehe nächster Tage
nach Braunschweig, Hildesheim und vielleicht Hannover,
überall wohl nur einen Tag weilend, um alte und
neue Bekanntschaften zu hegen. Bin aber jedenfalls
vor Ende Monats wieder hier, und zwar wenn ich
vorher noch durch Schumacher den Tag Eurer Ankunft
bestimmt erfahre, sicherlich bis dahin. Auch hoffe ich
dann einige Tage hier bleiben und nicht gleich nach
Frankfurt weiterreisen zu müssen.- Es ist gewiß
für unsere verwandten und sich organisch entsprechen-
den Bestrebungen höchst wichtig, einige Tage zusammen
verleben zu können. Es läßt sich da vielleicht manches
Gemeinsame in Plan nehmen, was sonst ausgesetzt
bliebe, da meine Zeit wohl kaum erlauben wird, so
bald nach Rudolstadt zu kommen, es müßte dann ein /
[170R]
ganz bestimmter, vorher schon beredeter Zweck dieß
mit sich bringen[.]
Ich antworte auf die von Dir ausgesprochenen Grund-
sätze und Ansichten jetzt nichts, in der Hoffnung es bald
mündlich zu können. Deine, und wie mir scheint auch
Fröbels Interesse für das Erscheinen der Krauseschen
Werke freut mich sehr. Nachdem ich endlich ein gehöriges
Betriebscapital erlangt habe, welche [sc.: welches] sich durch meine
jetzige Erbschaft noch vergrößern wird, so werde ich die
Herausgabe nun freier nach den schon früher ausge-
sprochenen Grundsätzen durch führen und schneller
fördern können.
Ich hätte unter Schumachers früheren Brief*), mit dem
ich Dir die Hefte schickte, einige grüßende Worte gesetzt,
wenn nicht dadurch der Schein hätte entstehen können,
als billige ich seine Reden. Und Zeit zum Selbstschreiben
hatte ich nicht. Ich theile seine Ansicht über die Spiele
nicht, und wenn ich auch glaube, daß manches daran
auch mehr dem Worte: selbstlehrend; gemäß ein-
gerichtet werden könnte, so bin ich doch im Allge-
meinen mit der Idee ganz einverstanden. Dagegen
bin auch ich der Meinung, daß an die Ausbreitung
derselben nicht viel Geld gewandt werden dürfe,
weil ich nämlich überzeugt bin daß dieß nicht hilft. Denn
die Sachen sind so gut und vortrefflich, daß sie sich ohne solche
Opfer, wenn sie gehörig betrieben werden, selbst den
Weg bahnen. Es kommt darauf an, den Vätern, Müttern
und Erziehern durch Anschauung der Erfolge, oder durch
gute Schilderungen den Werth klar zu machen und
die Sache wird reißenden Fortschritt nehmen und dann
Geld abwerfen, statt daß [in] sie ohne solche geistige Mittel
oder bevor diese gewirkt haben, unverhältnißmäßige
Mittel aufgehen werden. Mit herzlichen Grüßen an Dich
u Deine Freunde, besonders aber an Fröbel u mit d[er] Bitte eher
früher als später zu kommen. Dein H. v. Leonhardi Dr. philos.
*) [Randbemerkung zur Abschrift von F.s Hand:]
Schumacher sprach sich nemlich wunderliche[r] Weise auf einer Seite sehr absprechend gegen die Sache aus, auf der andern Seite wollte er doch auch alles <haben>.

[180]
[Umschlag mit Poststempel Rudolstadt 24.3.1838; Adresse:]
Herrn Heinrich Langethal,
Vorsteher der WaisenhausErziehungsanstalt,
         zu
Burgdorf,
Kanton Bern,
Schweiz.
[Der Umschlag enthält außerdem eine stichwortartige Inhaltsangabe des Briefs von einem (frühen) Archivar.]