Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 2.4./3.4.1838 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 2.4./3.4.1838 (Blankenburg)
(UBB 58, Bl 181-184, Brieforiginal 1 ½ B 8° 6 S. - Der Brief wird in Briefliste auf 2.4.-4.4.1838 datiert; vom 4.4. findet sich aber lediglich der Poststempel auf der Adressierungsseite.

Blankenburg bey Rudolstadt am 2en April 1838.


Grüße Dich Gott, mein theurer Langethal
und durch Dich die herzlichste Begrüßung an alle in Brgdf u W

Deinen jüngsten Brief ich glaube vom 22n d. M. (er ist jetzt in Keilhau)
habe ich durch Schuld des Postbothen erst am 29n d. M. (Donnerstags) erhal[-]
ten. Da du eigentlich schon doppelte Antwort darauf von mir, gleich
nach Abgang Deines Briefes erhalten haben müßtest (indem dießmal
Dein Packet mit den Anzeigen sehr schnell gegangen war ) und ich gleich
nach Empfang desselben was ich nicht an Middendorff und bald <darauf>
an Dich schrieb) - so habe ich mit der Beantwortung desselben nicht
so gar sehr geeilt, denn da Du und Ihr alle in den gedachten Briefen
meiner und meiner Frau ganz bestimmten Ansicht wußtest, so wollte
ich Euch doch auch nur die Ansicht wo möglich des ganzen Keilhauer
Kreises schreiben. Zu diesem Zwecke gieng ich nun gestern nach Keil-
hau. Zuerst trug ich die Sache den [sc.: dem] Vater in Gegenwart von Barop
vor. Er sagte sogleich, daß sich hier gar nichts anders thun läßt
als die Sache aufzugeben und daß es in Beziehung auf Middendorffs
Rückkehr, da sich diese nun einmal so weit hinausgeschoben habe gleichgültig
sey ob er 2 Monate früher oder später käme. Was nun aber Elisen
beträfe, hier sprach der Vater in seiner ganzen väterlichen Kraft und
Ernst, - so müßte diese nothwendig zwischen Ostern und Pfingsten
nach Keilhau zurück gekehrt seyn und er wiederhol[t]e mir was
er mir schon früher ausgesprochen habe, daß wenn dann Elise nicht
in Keilhau seyn würde, er sich selbst auf den Weg machen würde und sie aus
der Schweiz abholen würde. In Beziehung auf Ferdinand erklärte er
er [2x], daß sich dessen Rückkehr oder Besuch in Deutschland, zu Ostern
nun wohl schwerlich möglich machen würde. Middendorff, nun gut
er könne dann auch seine Reise nach Westphalen in geraderer
Richtung und schneller mache[n], was ihm dann überlassen bleibe.
Nur hätte ich noch mit Albertinen zu sprechen. Da es die Umstände
gefügt hatten, daß die Briefe durch Frankenbe[r]g einige Stunden vor
mir nach Keilhau gekommen waren, so hatte solche Albertine
auf (Middendorffs) Barops Pulte gefunden und gelesen. Dieß sagte
mir Barop und nach ihren Äußerungen glaubte ich schließen zu können
daß sie auch der unausweichlichen Forderung ruhig nachgehe. Ich
gab ihr nun auch Deinen früheren Brief welchen ich mit den Anzeigen
erhalten hatte und sie erklärte sich nun auch klar mit Wort und Blick
be[y]stimmend; daß ihr jedoch diese Entsagung wohl etwas ans Herz griff
werdet Ihr alle, ihr gern nachsehen; denn es wäre ja nicht einmal
erfreulich wenn es anders wäre. Mit der Mutter Albertinens
noch besonders darüber zu sprechen erschien mir als unnöthige Aufreg-
ung. Emiliens Ausspruch konnte in dem vorliegend[en] Falle nicht be[-]
stimmend [sc.: beystimmend ?] seyn, so war ich mit den beystimmenden Meynungen vom Vater
und Albertinen zufrieden. Jedoch muß nun Middendorffs Rückkehr /
[181R]
nach Deutschland von uns aus für diesen unabänderlich festgehalten wer-
den es ist nur das Äußerste aus den Verhältnissen geboten worden;
jedoch müssen wir und auch ich es für sehr heilsam, selbst für Midden-
dorffs
Gesammtverhältnisse halten; daß Du zunächst nach Keilhau
kommst. Jetzt darüber weiter etwas zu sagen kann nicht helfen; doch
bist Du hier, so fordere von mir daß ich über diesen Punkt ganz offen
ausspreche; Middendorff vernichtet sonst am Ende noch aus <Rücksicht>
über das besondere Leben und die Forderungen desselben, ein besonderes
Leben. Mir will er nicht glauben und ich muß ihn gewähren lassen
vielleicht gelingt es Dir nach Deiner Rückkehr ihn über das Leben
des Wahren zu belehren. Ich könnte Seine [sc.: seine] ganze Stellung die er sich aus
sich selbst zu seinen Verhältnissen giebt wohl in einem Bilde zeigen,
allein es ist mit Schwarz auf Weiß etwas <stark, doch wie gesagt
kommst Du so erinnere mich, ich werde Dir keinen Gedanken, keine
Empfindung vorenthalten. Genug Middendorffs Stellung im gesammten
Kreise macht mir recht bang und um deßwillen ist es mir auch außerordent-
lich lieb, daß Du kommen wirst. Ja wie sich mir die Gesammtheit der
Lebensverhältnisse jetzt zeigt, so würde es zweckmäßig ja nöthig gewesen
seyn Dich zu dieser Reise aufzufordern, auch wenn Dich Dein Gesundheits[-]
zustand nicht dazu veranlaßt hätte. Der Bruder, mein Bruder, der
Großvater im Kreise meynt daher Du Langethal möchtest sogleich nach dem
Examen die Reise antreten, denn sonst würde es ja keine Frühlings[-]
reise. Dieß denke ich wird nun auch mit dem Gesammtstand der Ver[-]
hältnisse und deren Forderungen zusammenfallen.
1. Wird bis dahin nicht nur die jüngst an Dich abgesand[t]e Kiste 8 7,
bey Dir angekommen, sondern auch das zweyte Spiel schon öf-
fentlich von Dir angezeigt und eingeführt, durch das Sonntags[-]
blatt No 1 & 2 an die Abbonennten abgegeben seyn und sich
so dieses Geschäfte, für Middendorff zur Fortführung, geordnet
haben.
2. Gestern am 1' April habe ich nun wieder eine Kiste [*Pfundzeichen*] 10, enthal-
tend 24 Ex: Sprachwürfel 1 u 2 Mittheilung mit 100 Exempl
vom S. Bl. No 3, 4 und 5.- (dann 1[.] u 2. Heft von Pöliz N. Jahr-
büchern 1838) an Dich abgegangen. Auch die Vertheilung dieser
S. Blätter könnte vor Deiner Abreise noch geschehen, damit
sich die Zahl der Abonnenten befestige; und man sähe was sich
für das Fortbestehen dieser Unternehmung hoffe[n] lasse[.]
3. dachte ich wäre es gut, wenn Du wenigstens für den Kanton
Bern und für Deine nächsten Umgebungen das Vorhandenseyn des
mathematischen und des Sprachwürfels anzeigtest; Ich habe
daher nun auch zunächst wenigstens den [sc.: dem] Sprachwürfel seine
eigenthümliche merkantische Form durch Schilder geben lassen;
Gern hätte ich Dir auch, sehr gern hätte ich Dir auch zum mathe[-]
matischen Würfel zu allen Exemplaren welche ich Dir in No 7
übersandte die nöthigen Schilde[r] gesandt - die kleineren im Innern /
[182]
auf die papiernen Kapseln, die größeren außenhin auf die Kästchen - allein
durch ein Versehen vom Drucker ward mir dieß unmöglich; zunächst
empfängst Du in der jüngsten Kiste die Schilder nur zu 8 vollständigen
Exemplaren, mit der ersten Gelegenheit werde ich auch die Schilder
zu den übrigen 10-14 Exemplaren senden.
Wolltest Du vielleicht als jetzt fliegende Beygabe ohngefähr
auf einen 1/8el Bogen eine vorläufige Anleitung zu dem
Gebrauche sowohl des mathem: als eine ebenfalls zu den Sprach[-]
würfel dru in Burgdorf drucken lassen so würde dieß gewiß
sehr gut seyn. Im Allgemeinen habe ich Dir früher dazu in einem
Brief Andeutungen dazu gegeben, Du hast selbst schon wenigstens
6 mal den mathem. Würfel vorgeführt so da lebst also
gegenwärtig darinn, so daß es Dir wohl leicht wäre eine solche
deutende Anleitung jetzt niederzuschreiben. Für diejenigen an
welche Du die Exemplare persönlich abgäbest wäre jene Anlei[-]
tung f vielleicht gar nicht einmal nöthig. Middendorff schreibt mir
ganz wahr und zweckmäßig, daß Ihr Euch jetzt besonders zunächst
damit beschäftigt die Lehr- u Unterrichtmittel in die Schulen
einzuführen. Ja Freunde ich glaube auch hier können und müssen wir
zunächst Wurzel fassen. wenn Ihr nur erst einen Lehrer hättet
der sie anwende. Stauch, Lehner, Gugisberger, einer der Karle
Kury, Pärli. Wo ein wirkliches Interesse aber Mangel an Mitteln
ist, so sucht hier zu Hülfe zu kommen wie es möglich ist damit nur
die Sache einmal Wurzel fasse, noch habe ich Lüder, Schäfer
vergessen. Ich habe noch andere schöne Elementarmittel zum
B. für die allerersten Behandlung der Zahl mit Stäbchen bearbeitet
ich kann sie nur nicht schnell genug veröffentlichen auch fordert
es ja mehr Betriebscapital als ich habe, deßhalb muß man sehen
auch von Zeit zu Zeit immer etwas wieder in Geld umzusetzen, da-
mit man dieß wieder in die Sache verwenden kann.
Würde also vor Deiner Abreise aus der Schweiz wie jetzt schon
das Sonntagsblatt und das 1' Spiel, so nun auch das 2' Spiel
und von der zweyten Reihe der Beschäftigungs Kästen: - die Unter-
richts[-] und Selbstbelehrungsmittel, der mathem. oder wie ich
ihn jetzt genannt habe: über sich selbst belehrenden Würfel (:denn
er ist ja Raum, Größe, Form, Zahl rc darum wenn er über sich
selbst belehrt so muß er dennoch über Raum, Form Größe Zahl
rc zugleich belelehren [sc.: belehren]:) - und der Sprachwürfel von Dir in die Öffent-
lichkeit eingeführt so hätte denn Middendorff in Deiner
Abwesenheit gar herrlich alles angebahnt um - wie sich die
Gelegenheit ihm zeigte darauf fortbauen zu können. Bis zu Ende
dieses Monats hoffte ich - wenn Herrn Beyers Wort uns erfüllt
wird - daß der Sprachwürfel bey Dir anlangt - (wie ich sagte
24 Exemplar, jede von 2 Gaben oder Mittheilungen[)]. Du könntest
also sogleich Deine Prüfung zu ihrer öffentlichen Einführung durch /
[182R]
den Erfolg an Deinen Schülern und in Deiner Schule selbst bewirken; dieß
wäre gewiß so wichtig als schlagend. Dann ließen sich daran noch
gar manche von den wesentlichen Gedanken anknüpfen, von welchen
sich mehrere in Euch bey Gelegenheit der Vorführung des mathem. Würfels
in Langnau hervor gedrängt haben.
Oder wie kommt es, daß Ihr in La[n]gnau des Sprachwürfels gar
nicht gedacht habt?- Wolltet Ihr auf einmal nicht zu viel und zu
vielerley geben, oder wolltet Ihr des Sprachwürfels auch gar
nicht gedenken, weil ich Euch die Absendung von mehreren Exemplaren
desselben noch nicht angezeigt habe?- Wenn ich nur erst
das 3e Spiel, nemlich den einmal in jeder Richtung, also in 8 Theile
getheilten Würfel veröffentlicht hätte, darinn tritt dann schon
der Grundgedanke dieser Spiele allseitig hervor, wird auch der
mathematische Würfel dadurch gar schon vorbereitet.-
Wie freue ich mich mein theurer Langethal! wenn Du kommst und
ich dies Dir dann den ganzen Vorrath des ausgearbeiteten und so
alles im Zusammenhang zeige[n] kann.
Kürzlich war ein gewisser Candidat Kaufmann in Keilhau, der
sagte nachdem ihm Frkenbg den mathem: u den Sprachwürfel
jeden zum Theil vorgeführt hatte - der Herr Superintendent
<Lomler>
in Saalfeld habe ihn [sc.: ihm] viel Schönes davon gesagt, er habe es
sich Schön gedacht; allein er finde es noch viel schöner als er es
sich gedacht habe.
NB Bringe mir recht schön aber ganz einfach und klar gemalte
ausgestochen[e] Bilder von Deinen Kindern mit ich will sie (sage es
ihnen) gelegentlich nach Amerika als Perlen schicken; sie können
auch ihre Namen, den Ort, ja besonders auch bey jüngeren ihr Alter
dazu schreiben oder schreiben lassen. Nächstens sende ich ein[i]ge solche
Bilder von Keilhau dahin nur lebt mir darin der Dir und Euch
bekannte reine, einfache u. klare alte Keilhauer Geschma[c]k nicht genug[.]
(:Ich muß alles festhalten wie's kommt:)
Von mir hier ist folgendes geschehen:
1 Ein Exempl. Spiel 1. & 2[.] Gabe habe ich an an Meyer nach Hildburghausen
     nebst einer Anzeige von Dir Langethal u 2 <bestellte> Exempl. S. Bl. geschickt
2.) Ein Exempl Spiel 1[.] & 2[.] Gabe habe ich ebenso an die beyden Brüder Scheller
     nach Hildburghausen und 1 Ex. Sonntagsbl. geschickt. Und Deine A[n]zeige
3. Ein Ex. Sonntagsbl. an Gottlieb Langethal in Erfurth (bestellt[)]
4. Ein bestelltes Exempl. S. B. von Sup. <Lomler> in Saalfeld, er hat sich
     gestern ein Spiel 1' Gabe holen lassen. Und Deine Anzeige
5. An Wetzste[i]n 3 bestellte Ex. Sonntagsbl. u 3 Exempl à Condition
     dann 2 Ex: Spiel 1' Gabe u 3 Ex Spiele 2' Gabe u Deine Anzeige
6. Am verflossenen Mittwoch (am 28 v. M.) war ich mit Barop
     bey der Fürstin Mutter zugleich war die Prinzess Carl (ihre
     Schwägerin und kurze Zeit auch die Prinzeß von Bückeburg da; ich
     blieb 1 3/4 Stunden da spielte die 1e u 2e Gabe vor u mußte mich
     mit Gewalt losreißen. Viel eingehende Theilnahme, mündlich mehr.
     Deine Anzeige freute sie besonders. /
[183]
Lieber Langethal: Wenn Du mit der Fracht und sonstigen Bestellung über
Nürnberg zufrieden bist so kannst Du ja auch Elisens Sachen über
Nürnberg senden. Der Fuhrmann <Bauer> nimmt sie dann bis Saalfeld
mit, hier ladet sie Dornhein aus Arnstadt auf und in Keilhau ab.
Mit Elisens Sachen sende mir doch
6-12 Stück Grundzüge der MenschenErziehung (Sursee)
Niemeyers Pädagogik. Wenn es weiter angeht, so packt
die Stufenfolge der Gestalten und der Farbenübungen bey; alles ist
in Faszikeln.- Auch die Pläne zu den schweizerischen (Burgdorfer) Anstalten kannst Du
beylegen. Eben frage ich auch meine Frau wie Sie [sc.: sie] es mit Ihrem [sc.: ihrem] Bette was auch
bey Euch ist zu machen gedenkt; sie antwortete mir: hier wisse S sie es
gar nicht zu lassen darum möchte es nur vor der Hand noch in der
Schweiz bleiben nur möchte sich Deine Fr: L. Lgthl - wenn sie es
in Burgdorf zu bergen wisse, gelegentlich die grösseren Bette aus
Willisau kommen lassen, damit wenigstens die Federn erhalten
würden, diese möchten sich sonst nach Elisens Abreise ganz zerstreuen,
was doch sehr schade wäre.- Ihr werdet also sehen wie diesem Wunsch
meiner Frau nachzukommen ist.

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Nun zu Euren l. Briefen über <Hagenau> - Ihr habt noch alle beyde
nicht aber mich allein, sondern auch meine Frau, Frankenbergen und
Gygern recht dadurch erfreut. Ihr habt sehr viel recht brave
Gedanken dabey geäußert; wären nur erst die übrigen Spiele
wenn auch nur zunächst erst in Eurer Hand; Euer Geist u Gemüth
bekommt dadurch <Beginn> der Mittheilung. Wir müssen alles auf[-]
biethen, dahin alle unsere Kräfte concentriren damit nur erst
dieß geschehe. Ich hoffe es wird Dir ergehen wenn Du siehst was
und wie alles hier vorbereitet ist, wie ich oben vom Candidat
Kaufmann erzählte. Ich sehne mich recht darnach; Alles, alles
so weit als es nur M menschenmöglich ist in Deinen Geist u Dein[em]
Gemüth l. Langethal als Vermächtniß nieder zu legen. Jetzt
bist Du dazu, Gott sey Dank! in Dir und durchs Leben vorbereitet.
Mein Gemüth zählt unwillkührlich die Tage bis Du hier seyn wirst.
Ich hoffe zu Gott, daß wenn dieser wichtige Schritt geschehen und
das Wiedersehen errungen ist sich auch Deine Gesundheit schnell
wieder herstellen wird. Dein Hierherkommen ist so wichtig als es
sich ohn demohngeachtet merkwürdiger Weise, ohne eine äußere
große Veranlassung schwierig gemacht haben würde. Wenn
ich so alles recht u ganz in die Tiefe Deines Gemüthes u Geistes
so weit es immer möglich ist niedergelegt haben werde, so werde ich
auch noch ruhiger werden als ich jetzt schon bin. Langethal, Lange-
thal! und auch Du Middendorff, auch Du Ferdinand und Ihr
Alle: - Einem Geist, Ein Gemüth, Ein Leben, Ein Denken, Ein
Empfinden u Ein Handeln in Zwey u Drey und mehr Köpfen
Leibern, das Ihr Freunde ist etwas unaussprechlich Großes
H wenn Ihr einmal dieß wahrhaft empfunden, gedankt und /
[183R]
in diesem Bewußtseyn gehandelt habt, dann werdet Ihr ein[-]
sehen daß dieß das Höchste der menschlichen Güter ist, dann wer[-]
det Ihr anfangen mich in all mei[ne]m Handeln zu verstehen, dann
werdet Ihr die Wichtigkeit meines Wunsches und meiner For-
derung erkennen: - wenn nur erst einmal zwey Menschen
sich verstehen und in Einigkeit der Erkenntniß leben und
handeln, d.h. leben u handeln für Menschheitswohl.-

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Ferdinands wirklich männliches festes ruhiges vertrauendes
Stehen in Beziehung auf Willisau, dieß sprecht ihm aus hat uns alle mich, meine Frau
Lang Frankenberg auch Barop
herzinnig gefreut. Nur solle er es sich recht klar mache[n]
was denn eigentlich das Ziel und vor allem der Geist und
das Wesen unseres Erziehenden Wirkens sey. Er soll es
sich doch ja zur Aufgabe machen dieß sich - aber noch besser
Euch und uns recht klar zu beantworten.- Ein männliches
Handeln sey noch nicht genug zu einem menschlichen dazu
gehöre Klarheit der Einsicht, des Zieles u Zweckes rc.
Ich freue mich gar sehr, daß mein Herz und Gemüthe dem Ferdi-
nand mehrfach brüderlich u väterlich geneigt fühlt, und so hoffe
ich dann wird Gott auch noch das Übrige zur wahrhaften und
ächten Lebenseinigung schenken. Wahrlich in mir Freunde liegt
das Hinderniß dazu nicht; allein das Hülfsmittel dazu ist daß
jeder sich bemühe des Lebens Kern, Wesen und Einheit zu er-
fassen und im Leben und als Leben darzustellen. Die von
mir aufgestellten Spiele u Unterrichtsmittel

sind zu allernächst für uns wichtig
in jedem rede und spreche ich ganz besonders zu uns, unsere
Lebensspiele sollen sie seyn, wir selbst sollen uns selbst
die Kinder seyn mit welchen wir sie spielen. O! glaubt den
einfachen Worten auch als Mauern: "Gar hoher, oder wollt
ihr lieber, tiefer Sinn liegt oft im kindlichen Spiel.["] Unsere
Spiele sind die Pfähle für des Lebens Hopfen; die Mauern
für des Lebens Epheu, die Stöcke, Gebäude, Spalire für
des Lebens Natur und so die Kelter für den Geist der Lebens
Trauben.

Am 3' April. Unerwartet kommt Frankenberg heut und sagt daß wir
wenn wir anders Herrn Schmidt noch in Göttingen treffen wollen, schon
morgen den 4 April (ist der Mittwoch) von hier abreisen müßten -
Wie freue ich mich nun das vorstehendes [sc.: , daß Vorstehendes] steht.
Abends 11 Uhr. Heut war für mich ein heiter[er] Tag denn was in 3 Tagen
geschehen sollte mußte in einem geschehen nun es ist Gott sey Dank
alles so ziemlich besorgt; nemlich eine Sendung nach Amerika[.]
Lebt wohl, alle recht wohl schreibt mir bald; macht daß ich bald
nach meiner Rückkehr einen Brief von Euch erhalte. Gott behüte
uns und Euch. Gott behüte meine theure Frau Sie sey Gott befohlen.
D. u. E. FrFr. /

[zwei Randergänzungen mit Einfügungszeichen, aber ohne genauer Zuordnung:]
[181R]
* [Text von 10-15 Wörtern, entweder unleserlich oder gezielt mit viel Tinte getilgt] * /
[182R]
* An Wetzstein habe ich auch abschriftlich die drey früheren Anzeigen des Sonntagsbl. im Eidgenossen u.s.w. u.s.w.
[184]
[leer] /
[184R]
[Adressierung:]
  Herrn HeinrichLangethal
Vorsteher der Waisenhaus Erziehungsanstalt
zu
Burgdorf
Kanton Bern
Schweiz.
[enthält außerdem nachträglich Notizen bezüglich des Briefinhalts, von anderer Hand]