Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Wilhelmine Fröbel in Blankenburg v. 6.4.1838 (Göttingen)


F. an Henriette Wilhelmine Fröbel in Blankenburg v. 6.4.1838 (Göttingen)
(BN 445, Bl 66-67, Brieforiginal 1 B 8° 3 S.+Adresse)

Göttingen Freytags am 6 April 1838


Mein innig geliebtes Weib,

Mit dem Wunsche und der freudigen Hoffnung daß Dich theuerste Wilhelmine
dieser Brief nicht noch mehr angegriffen finde, als ich Dich verlassen habe
eile ich Dir nur mit einigen Worten zu sagen daß wir unser
Ziel glücklich erreicht haben obgleich wir überall eben mit Thorschluß
eintrafen, noch wenige Minuten später und unsere Kiste an deren
Beförderung nach Göttingen uns doch so viel lag, wäre nicht mehr auf
der Post angenommen worden; so kamen wir gestern Nachmittags
kurz vor 6 hier an, nachdem der Herr Prof Schmid schon Mitt-
woch hier eingetroffen war nun unabänderlich morgen, Sonnabend
um 3 Uhr früh von hier abzureisen. Luise freute sich innig noch
Ihren [sc.: ihren] Herzenswunsch erfüllt und noch einmal vor ihrer Abreise nach
Amerika ihren Bruder zu sehen. Schmid war bey seinen hiesigen
Freunden und da es gar nicht möglich war ihn aufzufinden wo?-
so kam er erst nach 10 Uhr zurück; wir trafen uns dann bey Bäthges
gieng[e]n in unsern Gasthof - denn die Umstände hatten uns in den [sc.: dem]
gleichen zusammengebracht und hier blieben wir, da Frankenberg seine
Einladung absagen ließ zusammen bis heut früh 2 Uhr; die Müdig[-]
keit bestimmte mich die Mittheilungen abzubrechen obgleich die andern
wohl noch dazu geneigt gewesen wären.
Ich habe in Herrn Prof Schmid in mancher Beziehung einen andern
Mann gefunden als ich glaubte allein dieses Andere ist nach jeder
Seite für dem [sc.: das] Leben und dessen Gestaltung wie ich ahne auf das
höchste ersprieslich und getheilig [sc.: gedeihlich]. Ich dachte ihn mir überwiegend /
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als kalten Verstandesmenschen, finde aber in ihm zwar einen sehr ruhigen
und wenn man will kühlen allein dennoch ganz ungemeinen gemüthvol-
len lebenserfahrnen Mann. Seine Mittheilungen war[en] mir auf das höchste
wichtig, alle eingreifend fördernd und befestigend mindestens
klärend in unser Gesammtleben wie ich es in mir trug. Mündlich
aber alles dieß mehr; er ist sehr wissenschaftlich gebildet doch wie es
scheint alles in unmittelbarer Beziehung auf das praktische Leben.
Leid, recht leid thut es mir daß ich unsern Barop nicht bey uns haben
konnte überzeugt bin ich jeder jedes B Wort wäre da unmittelbar ein Bau-
stein ins Leben geworden und noch mehr wenn es möglich geworden wäre daß
dann unser Lgthl das Quadrat, das Geviert [*Zeichnung: Quadrat*] hätte vollmachen können.
Unsere Leben scheinen mir rein zusammen zu gehören, was ich glaube daß
auch He Prof Schmid wenn auch nicht jetzt gleich doch später gewiß klar
wird indem er nemlich was natürlich ist, wie ich in meinem Wirken so er
in der Förderung seines Seminars lebt. Doch darüber genug. Ich danke
Gott daß ich Deiner Ansicht gefolgt bin und die Reise gemacht habe[.]-
Nun zu unserm engern häuslichen Leben. Ich habe die bekannte Luise noch
gestern Abend 10 Uhr gesehen es war auch hier der letzte Augenblick, heut
früh sollte sie sich für eine Stelle entscheiden welche sie ohne Zweifel an[-]
genommen hätte. Jetzt geht sie auf unsern Vorschlag ein, in der Zeit von
Ostern bis Johannis bey Dir einzutreten welche Du bestimmen wirst, sie wurde
von allen Seiten empfohlen wegen ihrer Bescheidenheit u Reinlichkeit und macht ein[en]
sehr einfachen bescheidenen Eindruck, dieß bestimmte mich das Verhältniß bis
auf die letzte Mittheilung mit Dir abzuschließen; doch werde ich vor meiner Ab-
reise sie nochmals sprechen.- Auch Elise Bäthge wünscht einige Zeit in Keilhau
zu leben, was ihr glaube ich in Beziehung auf die Gesammtverhältnisse nicht wohl abgeschlagen werden darf. Ich glaube /
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aber auch nicht daß Ihr [sc.: ihr] Leben in Keilhau auf einige Zeit störend eingreifen
wird; sie scheint mir einfach, bescheiden arbeitslustig und gemüthvoll. jedoch
auftretend wie eine Tochter aus einen [sc.: einem] höhern oder Beamten Stand. Sie
wird wenn Keilhau darauf eingeht zwischen Ostern u Pfingsten eine
Besuchsreise dahin machen. Daß sie weniger einseitig Eigenes als
L. F. glaube ich; aber mit derselben theilt sie gleiche Neigung, gleiche Liebe
zu und gleiche achtenden Anerkennung für Keilhau. Ohne Ansprüche auf Ge-
halt (wie ich glaube, wünscht sie theil zu nehmen an der Führung des Haus-
wesens wo und wie sie kann.- Da wir nun schon so oft dem Leben pflegend
nachgegangen sind glaube ich müssen wir es auch hier thun; und so würde
es mir wirklich sehr lieb seyn wenn man der Erfüllung ihres Wunsches
von Keilhau förderl. entgegen käme. Ich habe ihr meine Hoffnung
dazu mit Vorbehalt des Frauenworts in Keilhau u in Blankenbg
aus gesprochen.- Auch Dir glaube ich sagt sie in ihre[r] Kindlichkeit, oder <Töchterlichkeit> zu[.]
Doch nun darüber genug. Wann ich abreise weiß ich nicht. morgen [sc.: Morgen]
werde ich ohne Zweifel die L. Frankenbg mit andern Freunden bis Einbeck 8 Stunden
von hier begleiten. Dienstag oder Mittwoch denke ich von hier werde
wegzugehen, wenn es angeht über Döllstedt und also so auf jeden Fall
vor den [sc.: dem] 1n Festtag wieder in Blkenbg eintreffen.
Leonhardi habe ich noch nicht gesprochen doch höre ich daß er uns jetzt
nach Keilhau begleiten will. Dieß unter he[r]zliche Begrüßung von Barop[.]
Herzliche grße [sc.: Grüße] an alle in Keilhau u besonders auch an He. Gyger.
Sage ihm auch den Amer[i]kanern haben die Erbsenformen gefesselt.
Lebe wohl meine theure Frau. Gruß u Kuß von mir.
Gott mit Dir und mir. Erfüllen möge er mir den Wunsch daß
dieß [sc.: Dich] diese Zeilen so gesund antreffen als es die Umstände gestatt[en]
Dein FriedrichFröbel /
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  Der
Frau Wilhelmine Fröbel
geborene Hoffmeister
in
           Blankenburg
bey Rudolstadt.