Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Heise in Göttingen v. 17.4.1838 (Blankenburg)


F. an Luise Heise in Göttingen v. 17.4.1838 (Blankenburg)
(BlM VII,3, Bl 81-82, Reinschrift 1 B 8° 4 S.)

An Jungfrau Luise Heise in Göttingen

Blankenburg bey Rudolstadt am 17en April 1838.
Meinem Versprechen gemäß säume ich nicht Ihnen mit
der ersten Post nach meiner Rückkunft die Nachricht
zu geben, daß meine Frau mit dem was von Ihnen
und mir hinsichtlich Ihres Dienstantrittes in un-
serm Hause besprochen worden ist, völlig zufrieden
ist, nur muß meine Frau dringend wünschen, daß
Sie schon in den ersten Tagen des nächsten Monats
May hierher kommen möchten; indem die jetzt
in unserm Dienste stehende Person alsdann ab-
geht und meiner Frau Gesundheitszustand es ihr
nicht erlaubt auch unser, wenn auch nur kleines
Hauswesen allein oder auch nur mit halber Hül-
fe zu besorgen[.]-
Jeden Mittwoch und jeden Sonnabend Nachts geht
nun eine Fahrpost, ein Eil-Postwagen von Gotha
über Arnstadt und Stadtilm bis nach dem Dorfe
Eichfeld eine kleine Stunde von hier.- Der 2e May
fällt nun gerad auf einen Mittwoch. Sie, Luise,
müßten es also möglich zu machen suchen am
gedachten Mittwoch in Gotha zu seyn, was, wie
ich glaube, auch recht gut geschehen könnte. Denn
Dienstags, also auch am 1en May, Abends 8 Uhr
fährt die Erfurter Fahrpost mit einem guten Wagen
von Göttingen über Heiligenstadt, Mühlhausen und
Langensalza nach Erfurth. Mit diesem Wagen müßten
Sie sich dann von Göttingen bis Langensalza einschrei- /
[81R]
ben lassen. In Langensalza kommen Sie Mittwochs
früh an. Hier müßten Sie dann einen Bothen
nehmen und nach Gotha zu Fuß gehen. Durch
den Wagenmeister im Posthause zu Langensalza
können Sie leicht einen Bothen erhalten welcher
zugleich Ihr Gepäcke trägt. Der Weg von Langen-
salza nach Gotha ist eine gute Kunststraße und die
Entfernung beträgt höchstens 3 bis 4 Stunden.-
Da der Postenabgang von Gotha nach Arnstadt
und Stadtilm immer um einige Stunden unbestimmt
ist - (gewöhnlich von 11-1 Uhr Nachts, zuweilen aber
auch etwas früher, zu Zeiten auch wohl etwas später) -
so müssen Sie dem Wagenmeister im Posthause zu
Gotha sagen wo er Sie abholen lassen soll wenn die
Post abgeht; weil es etwas unangenehm ist so lang
in der Pack- und Passagierstube zu warten. Der
nächste Gasthof ist die Schelle, vielleicht daß Sie
dort am besten warten können.
Bedürfen Sie jedoch sonst in Gotha guten Rath,
so werden Sie solchen gern bey Herrn Müller, Tisch-
lermeister, wohnhaft am Ende der Salzengasse
rechts, finden, wenn Sie denselben nur von mir
grüßen wollen. Herr Müller ist ein naher Ver-
wandter von mir und ein sehr gefälliger Mann.
Sollten Sie jedoch nicht Dienstags von Göttingen
abreisen können, so geht derselbe Erfurther Wagen
auch Freytags Abends von Göttingen nach Langen-
salza. Alles übrige bleibt. Von Gotha würden
Sie dann Sonnabends Nachts abgehen.
Es geht aber auch ein Packwagen von Göttingen
nach Gotha, welcher Dienstags und Sonnabend Abends /
[82]
daselbst ankommt. Ob Sie mit demselben fahren können
und wollen müssen Sie sich erkundigen; dann hätten
Sie freylich nicht nöthig von Langensalza nach Gotha zu gehen.
Mit dem Eilwagen von Göttingen nach Gotha
zu fahren ist gar nicht zu rathen; indem Sie dann
entweder von Donnerstags früh bis Sonnabend Nacht,
oder von Sonntags früh bis Mittwoch Nachts in
Gotha bleiben müßten wenn Sie mit dem Eil-Post-
wagen weiter hierher reisen wollten.
Mannigmal fährt jedoch auch der Erfurther Wagen,
wegen ungünstigem Wege von Langensalza über
Gotha nach Erfurt. Sollte dieß der Fall seyn, so wäre
es freylich für Sie am gerathensten und Sie könnten
dann in Gotha am Gasthause zum Mohren aussteigen,
wo die Post vorbei fährt.-
Nach diesen Mittheilungen müssen Sie freylich noch
alles persönlich und mündlich auf das Beste auf
den betreffenden Posthäusern erfragen.-
Festhalten müssen Sie, Luise, jedoch als unver-
änderlich,- daß Sie spätestens jederzeit Mittwochs
oder Sonnabends gegen Abend in Gotha seyn müssen
um von dort mit der Post weiter hierher zu fahren,
weil nur an diesen beyden Tagen Nachts die Post
von da nach Arnstadt und hierher abgeht. In Gotha
lassen Sie sich dann nur bis StadtIlm einschreiben
was ohngefahr 1½ Thaler kostet wogegen Sie 40 [*Pfundzeichen*]
Gepäck frey haben. In StadtIlm lassen Sie sich
dann wieder bis Eichfeld einschreiben oder Sie
geben den Conducteur auch wohl nur ein Trink-
geld. Der Wirth in Eichfeld besorgt Ihnen dann
leicht einen Bothen hierher.- /
[82R]
Wegen des freyen Gepäckes und Postgeldes von Göttingen
bis Langensalza: in Gotha müssen Sie sich besonders
auf der Post zu Göttingen erkundigen da dieß mit
den verschiedenen Wagen auch verschieden ist; doch
ist die Uberfracht oder das Ubergewicht des Gepäckes
auch nicht kostbar. Am besten ist es wenn Sie es
recht gut und fest in Wachsleinwand oder Packtuch
einschlagen.
Vielleicht finden Sie aber auch zufällig Gelegen-
heitsfuhre bis Langensalza oder Gotha.-
Vor allem aber müssen Sie sich einen guten Paß
besorgen, welchen Sie in Gotha auf der Polizey visiren
lassen müssen, ehe Sie zur Post gehen um sich ein-
schreiben zu lassen.
Zu Ihrer Legitimation behalten Sie außer Ihrem
Passe immer noch diesen Brief bey sich.
Das Postgeld wird gegen 5 bis 6 Thaler betragen je
nachdem Sie kein oder wenig oder mehr Überfracht
haben. Auch hierüber können Sie sich in Göttingen genau
unterrichten. Sie haben nicht gewünscht, daß ich Ihnen
das Reisegeld vorher schicken sollte, sonst würde ich es
Ihnen hier beygelegt haben. Es bedarf jedoch nur eines
Wortes von Ihnen und Sie sollen es sogleich durch die
Post erhalten, anderer Seits wird es Ihnen hier zurück bezahlt werden.
Auf jeden Fall erwarten wir nun daß Sie uns
mit der nächsten Post nun Ihren bestimmten Entschluß
wegen Ihrer Abreise von Göttingen melden. Ich wie-
derhole Ihnen nur nochmals, daß ich glaube Sie
werden mit uns und Ihren Dienstverhältnissen
hier, bey Ihren [sc: Ihrem] guten Willen und was ich sonst Gutes
von Ihnen gehört habe zufrieden seyn. Meine Frau
grüßt Sie.- Friedrich Fröbel, Director der Erziehungsan-
          stalt in Keilhau gegenwärtig in Blankenburg bey Rudolstadt.