Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Ernestine Langethal in Burgdorf v. 12.5.1838 (Blankenburg)


F. an Ernestine Langethal in Burgdorf v. 12.5.1838 (Blankenburg)
(UBB 60, Bl 187-188, Brieforiginal 1 B 8° 2 S.+Adresse. Der Bogen ist gegengefaltet, daher Seiten in falscher Abfolge, 188V ist vor 187R zu lesen.)

[187]
[Adresse:]
An
Frau Ernestine Langethal
Gattin des Vorstehers der Waisenhaus
Erziehungsanstalt
zu
Burgdorf
Kanton Bern
Schweiz
[188]
       Blankenburg bey Rudolstadt am 12n May 1838.


          Liebe Ernestine.
Es begrüße und finde Dich dieser Brief in Heiterkeit des Gemüths
Klarheit des Geistes und Gesundheit des Körpers.


          ---*---
Nach deines lieben Mannes Brief vom 3en d. M. 3/4 9 Morgens worin
er uns schreibt daß er um 9 Uhr desselben Tages noch abreisen wollte,
vermuthe ich denselben nun in Frankfurt a/m und erwarte denselben
in der Mitte der nächsten Woche hier, vielleicht tritt er an
demselben Tage in unsere Stube wenn dieser Brief bey Dir ein-
spricht, wie so gerne theilte ich dann augenblicklich die Freude
seiner Ankunft mit Dir <treuen> Ernestine. Ja ich und meine Frau
freuen uns recht darauf, ihn nach mehr als 2 jähriger Trennung wieder
unter uns zu sehen. Gott gebe nur daß er von seiner Reise dann
schon solche Folgen fühlt daß er mit frohen und heiterem Gemüthe
und Geiste zu und kommt. Als es zu Ende voriger und zu An-
fang dieser Woche so wunderschönes fast Augustwarmes Wetter
war, da fühlten wir, meine Frau und ich uns wirklich beglückt
deinen lieben Mann auf dem Wege, ja auf der Reise zu uns zu
wissen. Allein am [{]Donnerstag / Freytag[}] wurde es sehr kalt, und denke Dir
in der Nacht von 10en zum 11en (von Donner[s]tag zum Freytag) ist hier
fast alles auf dem Felde erfrohrn. Die Kirschbäume hatten
wunderschön geblüht oder standen vielmehr noch in der herrlichsten
Blüthe, doch jetzt sind sie wie abgebrüht; die Zweige der Buchen
welche der scharfe Ostzugwind getroffen, stehen wie von einer
Flamme getroffen und gedörd u braun da; Äpfel und Birnen
die herauswaren sind erfroren u die andern auch scheinen
gelitten zu haben. Der Wein welchen die Sorgfalt vor dem
Winterfroste geschützte und nur der Sonne Macht hingegeben
hatte ist ganz erfroren. Die Nußbäume stehen wie ver-
brannt an ihnen ist der junge Trieb ganz schwarz. Der
Klee, die Gerste alles hat viel gelitten; Was in den
Gärten von Erbsen, Bohnen, Kohlrabi schon vorgerückt
war alles ist in dieser Nacht hingegangen; und noch dauert
das trübe kalte Wetter fort, heut schien es als wollte es
regnen aber man mögte sagen vor Kälte konnte es nicht da-
zu kommen.
Merkwürdig ist es: als es schon so sehr schönes Wetter war /
[187R]
sagte mein[e] Frau: Sie möge wohl wissen ob die Kalen-
dertage: Mamertus, Pancratius, Servatius
schon vorbey seyen, eine alte Hausregel bezeichne
sie als die drey bösen Tage, vor deren Verflossen[-]
seyn man auch dem schönsten Frühlingswetter nicht trau-
en dürfe. Nach erfolgtem Froste suche ich nun im
Kalender und sahe am 11en 12en und 13en May stehen
die drey Namen Mamertus, Pancratius, Servatius;
Achte nun doch auch in deinem künftigen Leben auf die 3 Tage.
Man sieht, daraus die Alten suchten ihr Leben mit
der Natur allwege in Übereinstimmung zu bringen we-
nigstens wo sie zugleich mit der Natur gemeinsam
wirkten; dieß haben wir verloren und noch nichts bessers
dafür gewonnen.- Meiner teuren Frau schöne Hoffnung eine
zweckmäßige Hilfe in einer gewissen Luise Heise aus
Eddigehausen bey Göttingen zu erhalten hat sich leider!
so fest alles stand auch wieder zerschlagen: - Ihre
Geschwistern wollen die weite En[t]fernung nicht zugeben,
Andere Ursachen mögen aber im Hintergrunde liegen. So muß
ich wiederkehrend immer von neuem erfahren, daß die schönsten
Lebensentwickelungen - (ich hoffte von diesem Mädchen wirk-
lich Erspriesliches für meine Frau) - sich durch Familien
Spaltungen stillerer oder lauterer Art, gestört werden.
Doch die Hauptsache dieses Briefes ist einer Auffor-
derung deines Mannes zu genügen und Dir sogleich
für Middendorffen den Preis der Ausstechbücher
zu schreiben: 1) der Verkaufspreis für ein Aus-
stechbuch von 6 Farben ist mindestens  Batzen
2) der Preis eines Ausstechbuches von ganz weisem [sc.: weißem]
Papier mit einem farbigen Blatte ist mindestens 1 Batzen.
Die Preise sind schon so billig als nur möglich gestellt.
Wenn Middendorffen sich die Preise notirt hat, lege diesen
Brief zu den Geschäftsbriefen Deines Mannes.
Will Middendorff in Parthien Ermäßigung eintreten
lassen so weiß er aus früherem den Maaßstab dazu.
Da unser Haus hier zu den Himmelsgegenden gerad dieselbe Lage
hat wie das Waisenhaus zu B[ur]gdorf so habe ich so eben die klare
Sonne untergehen sehen und Deinen Mann u Dich durch sie be-
grüßt. Möchte sie so Deines Mannes und unsere Grüße
vereint Dir zugestellt haben. Deine Calla blüht Deinem Manne,
wenn er kommt, Deinen Seelengruß entgegen.
Wenn er kommt wird sie sich
eben erschließen.- Middendorffs
gestärkte Gesundheit hat uns alle
sehr erfreut. Gott erhalte sie ihm.
An alle Grüße
DFrFr.