Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop u. Emilie Barop in Keilhau v. 17.5.1838 (Blankenburg)


F. an Johannes Arnold Barop u. Emilie Barop in Keilhau v. 17.5.1838 (Blankenburg)
(KN 54,25, Brieforiginal 1 B fol 2 ½ S. Es handelt sich um die Geburt von Emil Barop.)

Blankenburg am Geburtstage Deines zweyten Knaben
in dessen 15r Lebensstunde.


Heil und Seegen!
Dem Neugebornen
Friede und Freude!
Euch beglückten Eltern

Schon früher und namentlich bey der Geburt der ersten Kinder
unseres Kreises, lieber Barop! haben wir uns von der
Wichtigkeit überzeugt, sowohl zur Klärung für die Eltern
als zur s richtigeren Kunde von dem Kinde und zur sicheren
Führung desselben, ganz allgemein aber zur größeren
Verbreitung einer angemesseneren Beachtung des
ersten Kinder- besonders auch des Säuglingslebens
die ersten Lebens- und Thätigkeitsäußerungen der
neugebornen Kinder in der Zeitfolge und schriftlich
festzuhalten. Auch bey Ausfertigung des Sonntagsbl.
ist mir dieß wiederkehrend in seiner Wichtigkeit ent-
gegengetreten und ich habe sie in No 6 ausgesprochen.
So lese ich nun so eben wieder in Schwarz Erziehungslehre
2er Bd. S.336-S.371 [sc.: 341]. und S.371-378. zwey die Ent-
wicklungsgeschichte, oder vielmehr die Tagebücher
über die Entwicklungsgeschichte zweyer Knaben
bis von, ja von ihrer Geburt bis zum 10 Monat
nach ihrer Geburt, und ich finde sie höchst belehrend;
ich finde sie überwiegend belehrender, als was
Schriften im Allgemeinen über die Entwicklungsge-
schichte des Menschen in diesem Zeitabschnitte sagen.
Ich wollte Dich l. Barop! als Menschen- und Mensch-
heitsErzieher mit allseitiger Selbstbestimmung! bey /
[1R]
Deinem doppelten und mehrfachen neuen Vaterglück als Vater
eines frischen gesunden Knaben durch ein[e] frohe gesunde
Mutter - doch nochmals auf die Beachtung der Entwicke[-]
lungs Folge dieses Deines neuen Himmelsgeschenkes
aufmerksam machen. Ich glaube wir - als mit
Bewußtseyn und Selbstbestimmung Menschheitserzieher
wir sind es der Menschheit, den künftigen Geschlechtern
ja den Neugebornen schuldig den lebenden und nach
kommenden Menschen hierin mit Beyspiel voranzu[-]
gehen und voran zu leuchten (Lasset euer Licht Leuchten
Stellet es nicht unter den Scheffel:) damit immer
mehr und allgemeiner die Aufmerksamkeit auf
die wichtigste Lebenszeit des Menschen seine Säuglings-
zeit und seine Kindheit hingeleitet werde.
Wenn Väter mit solchen Geistesgaben und solcher
Lebenskraft als Gott Dir geschenkt hat Barop und
noch überdieß so mehrfach sollten von Gott be[-]
glückte Väter es nicht thun wollen, wer will
und wer soll es denn thun. Wollen wir
denn nun eb ewig dabey stehen bleiben auszusprechen was zu thun
wäre und nicht selbst thun was
zu thun ist.
So will ich z B bey Deiner Emilie nur auf einiges
aufmerksam machen; so deutete z.B. ihre hohe
Röthe auf ihren Wangen besonders in der letzten
Zeit, so wie viele ihrer Lebensäußerung auf
die Geburt eines Knaben[.]
Um nicht die Zeit zu versäumen schicke ich Dir
den Schwarz selbst damit du S.336-341
und S.371. wenigstens die ersten Tage zum bessern /
[2]
Verstehen meines Wollens und Wünschen lesest.
Ob ich morgen mich persönlich Eures Glückes werde
erfreuen können weiß ich wirklich noch nicht; indem
ich so eben eine Correktur bekommen habe, welche
nebst mehrern andern bis morgen besorgt seyn
muß.
Gott erhalte uns den gesunden Knaben, stärke
und bekräftige immer mehr die glückliche und frohe
Mutter und seegne Dein ganzes Haus.
Wir wünschen Euch besonders einen guten Abend
und allen eine recht erquickende Nachtruhe
E. u. DFrFr.