Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 6.8.1838 (Blankenburg)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 6.8.1838 (Blankenburg)
(KN 55,3, Brieforiginal 1 B 8° 4 S., zit. Kuntze 1952, 99 [aus 1R] ½ Satz mit deutlichen Abänderungen)

Blankenburg am 6 August 1838.


Guten Morgen lieber Barop.

Beykommend empfängst Du zur Einsicht zwey Briefe, welche
ich bey meiner Rückkehr vorgefunden habe; der erste ist
von G. Langethal in Erfurt an unsern H. Langethal, welcher
letzterem meldet, daß bald nach dessen Abreise aus Erfurt
seine kleine Nichte Eugenie, das liebe Töchterchen Gottlobs
in das Land des Friedens gegangen ist. Unser Langethal hatte
sie zwar schon krank, allein wie er glaubte außer Gefahr verlassen.
Der zweyte Brief ist von unserm alten treuen Freunde dem
Herrn Pfarrer Korn, welcher mir zuerst das Räthsel löst
warum er mich und uns seit so langer Zeit nicht besucht hat;
bettlägeriche Krankheit war die Ursache davon. Es thut mir
gar sehr leid daß ich es nicht gewußt habe, ich würde ihn
sonst gewiß mit Langethal besucht haben. Für unser Leben
ist dieser Brief wichtig, und ich sende Dir ihn deßhalb, weil er
mit den sonst immer vor uns liegenden Thatsachen, immer
klarer zeigt, wer eigentlich das Gewürm, die Maulwürfe
und die Schnecken sind welche an unserm innersten Leben
fressen, denke dabey nur an die Äußerungen des weil: Candit:
Möller aus Obernheyn rc:. Ich hoffe Du wirst von dem In-
halte dieses Briefes an rechtem Ort, zur passenden Zeit
und auf die wirksamste Weise Gebrauch machen. Ich
selbst werde nächstens den Herrn Pfarrer Korn besuchen
und ihm das Verläumderische dadurch darthun, daß wie[-]
der zwey Kettelhodte und zwar durch die Vermittelung
des GeneralSup: Zeh selbst eines Verwandten derselben in der
Anstalt sind; lieb wäre es mir auch wenn Du mir
eine Abwehr zu diesem Zwecke schicktest, vielleicht
läßt sich von dem consistorialZeugniß allein, daraus /
[1R]
Gebrauch machen. Hältst du es jedoch für zweckmäßiger
so lasse es nur, am besten von Ratzenberger oder Frkbrg
abschreiben; ich will es dann zu Händen vom Herrn Pfarrer
Korn
stellen damit derselbe in wieder vorkommenden
Fall, vielleicht auch noch in dem vorliegenden - wenigstens
zur Schwächung des Candidaten Gewichts davon Gebrauch
machen kann; Vielleicht wäre es gut wenn Du selbst
gelegentlich über diese Äußerungen an d[en] He. Pfarrer Korn
schriebst damit er in dieser Beziehung zu nachdrücklicherem
Gebrauch Etwas in seiner Hand habe. Es scheint
fast l. Barop wenn es darauf ankommt unser
Wirken nieder zu arbeiten so machen erst die
sogen: Mystiker unter den Theologen gemeinsame Sache; dann ver-
ständigen sich auch wohl Mystiker und Rationellen
Theologen über diesen Punkt mit einander um uns unter
den gemeinsam verhaßten Namen der Schwärmer
zu vernichten, daran hängen sich denn von allen Seiten
ganze Schleppen aus dem Schulmeister- wie aus
dem bürgerlichen Leben z.B. in ersterer Beziehung
ganze Seminaranstalten wie z.B. die von Harnisch
in Weißenfels. Du siehst L. B. nur Thatsachen, nur
Ausdauer, nur Einigung kann diese tausendköpfige Hydra
vernichten.
Bey dieser Gelegenheit will ich Dich doch auf etwas auf-
merksam machen was mir auf dem gestrigen Heimweg
einfiel und was ich vorher vergessen Dir auszusprechen:
- "In dem jetzt bald austretenden H- muß man
immer auch, wenn sich ihm zweckführende Veranlassung
zeigen solle, in der Zukunft einst eine Entgegnung sehen
dieß glaube ich ist wohl zu beachten, zumal wenn man ihn
in R. behalten und daselbst später haben wollte. Daß eine
stille Opposition und leise Entgegnung schon jetzt im Ganzen schlummert /
[2]
scheint sich mir darinn auszusprechen daß von gar
keiner Seite her Dir von Feststellung des Abgangs v. H.
etwas bestimmtes und von einer Seite her gar nichts dar-
über ausgesprochen worden ist. Daß sich so auch nach
unserer allerinnersten und zwar entgegnenden Seite hin
jetzt unser Verhältniß klärt, erscheint mir als eine große
Seegnung des Himmels; merkwürdig erscheinen nur
mir dabey die beyden in sich entgegengesetzten Thatsachen;
einmal wie unser ganzer Kreis und gesammtes Leben
durch innerstes Verständniß und Einigung und Eintracht
seine [sc: sein] Bestehen, seine Ausdauer und Sicherheit hat, so kommen
höchst merkwürdiger Weise auch all unsere heftigsten
Entgegnungen mitten aus unserem Kreis, ja ich möchte
sagen wir erziehen und bey unserer größten Sorgfalt
unsere heftigsten Feinde in unserem eigenen Kreise;
denke nur z.B. an Friedrich Möller, wie haben wir
ihn gepflegt und selbst seine Familie beachtet und nun
das Urtheil seines Bruders; wie haben wir das Wede-
meyersche Leben in Anrode - wie das von Arminsche [sc.: Arnimsche]
in Grunau - wie das von Ahlefeldsche in W - mit
wirklich größter Sorgfalt gepflegt.- Laß uns theurer
Barop dieß immer auf das sorglichste beachten, wenn sich
jetzt wieder Personen höherer Classen u Stände ähnlich
wie früher andere blos adliche Frauen an unseren Kreis
anschließen, damit später nicht daraus eine viel
heftigere Opposition hervorgehe. Es ist gar sehr wichtig
daß Du vor Deiner Reise nach Dresden die Punkte mit
welchen Du auf derselben in Berührung kommst recht klar über[-]
denkst; so ist z.B. durch die beyden Knaben - denn was über ihren
künftigen Aufenthalt verhandelt worden ist, ist ihnen wenigstens
in der Hauptsache gewiß nicht fern geblieben - eine neue Entgeg[nung]
nach Dresden und zu Plochmann [sc.: Blochmann] gekommen, wo sie gewiß Nahrung /
[2R]
finden und genährt werden wird. Wirst du über Alten-
burg reisen?- In Altenburg ist Hesekiel auch eine
tiefgewurzelte Opposition gegen uns - Du weißt das [sc.: daß]
Pfarrer G.- und Hesekiel sehr innig zusammen stehen;
so glaube ich hat es in Laura einen tief liegenden ihr
vielleicht selbst unbewußten Grund gehabt, warum
sie nie zugleich mit ihrem Bräutigam nach Keilhau
gekommen ist; vielleicht das unbewußt unheimliche
Gefühl, daß sie sich mit einer Opposition von Keilhau
verbunden habe, vielleicht darum das Leidenschaftliche
bey ihren Begegnungen ihrem Abschiede rc, wodurch
sich vielleicht ihr Gemüth in sich wieder ausgleichen
wollte; wer mag die Tiefen des menschlichen Her-
zens und Gemüthes ergründen?-
Merkwürdig ist ferner daß sich unsere Gegner so gern
und leicht mit denen von unsern Schülern verbünden, welche
in sich eine gewisse Ungewißheit, ein Schwanken verrathen
haben, von den 3 F herauf bis zu durch Felix hindurch und
zu Em. B. u.s.w. herab. Mich dünkt es ist sehr nothwen-
dig, darüber recht klar zu werden und so mögen denn solche
Erscheinungen wie die welche uns der Herr Pf. K. meldet
so unangenehm und nachtheilig sie auch auf der einen
Seite sind doch recht förderlich ja wieder reichlich gebend
auf der andern Seite seyn. Das Licht, die Kraft und
die Einheit wird doch endlich den Sieg über die Dunkel-
heit die Schwäche und Hinterlist, und über die Verknüpfung
der Einzelnheit den Sieg davon tragen.
Die Briefe erbitte ich mir gelegentlich zurück um
von beyden weiteren Gebrauch zu machen, vom ersteren
um ihn mit nächstem an den Ort seiner Bestimmung kommen
zu lassen. Lieb ist es mir aber doch, daß er nicht im Augen-
blick der Abreise Lgethls ankam. Mit Gruß
DFrFr.