Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 20.8.1838 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 20.8.1838 (Blankenburg)
(UBB 61, Bl 189-193, Brieforiginal 2 ½ B 4° 10 S.)

Blankenburg bey Rudolstadt am 20 August 1838.·.


Gottes Seegen Dir, theurer Langethal
zum Wiedereintritt in Deinen Keim- Blüthen- und Früchtereichen
Wirkungskreise in Burgdorf
ja, in der Schweiz.

Als Du geliebter Langethal von hier abreistest war mein Vorsatz, daß
einige Zeilen von mir noch vor Dir nach der Schweiz kommen und Dich
daselbst bey Deiner Ankunft sogleich recht herzlich von mir und uns
begrüßen sollten; doch meine Geschäfte wollten es gar nicht erlau-
ben auch hatte ich Dir wirklich nicht[s] von Bedeutung und gar nichts als
Fortentwickelung zu schreiben so unterblieb es denn. Auch heute
ist es wesentlich nur ein höchstens zwey Punkte welche mir, außer
der Freude über Deine glückliche Reise bis Mannheim,- Dir
heut zu schreiben wichtig erscheinen.
Doch zuerst zu Deinem lieben Brief. Herzinnigen Dank für denselben
denn daß Du uns allen, allen dadurch große Freude gemacht hast
brauche ich Dir gewiß nicht auszusprechen. Er kam war am 14 August
schon in Rudolst: angek. am 15en E empfing ich ihn; ich hatte an diesen [sc.: diesem]
Tag bestimmt einen Brief erwartet, wie freute ich mich, daß ich nicht
geteuscht worden war. Allein wie erstaunt war ich als ich schon das
Postzeichen Mannheim aufgedruckt sah; und wie stieg wieder meine
Freude als ich las daß Du einen großen Theil Deiner Reise schon auf
den Fluten des Vater Rheins [sc.: Vaters Rhein] gemacht hattest und den größten Theil
derselben auf demselben zurück legen würdest.- Ich hatte mir mehrere
Tage vorher, vielleicht gerad als Du dafür den Entschluß faßtest, be- /
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stimmt Vorwürfe gemacht, daß ich Dir diesen Reiseweg nicht vorge-
schlagen ihn mindestens nicht mit Dir besprochen hatte. Um so
größer war meine Freude, daß Dein guter Genius Dich so geführt
hatte als mein Wunsch für Dich ersehnte.
Daß alles sich bey Deiner jetzigen Anwesenheit zu so einem bestimmten
Ziel einigen würde, daß [sc.: das] konnte ich kaum hoffen. Wie unerwartet
mußten mich nun bey den sich Anfangs so ungünstigen Umständen
die Endergebnisse Deiner Anwesenheit u Deines Handelns freudig
überraschen. Ja Langethal Du hast ein so tiefes als breites Funda-
ment gelegt, möge der nun darauf zu errichtende Bau auch Deiner
Mühe u Anstrengung würdig seyn; Du hast Langethal einen gesunden
kräftigen Kern zu einem neuen ich möchte sagen unserm
wahren Lebensbaume, ja zu einer ächten deutschen Eiche gelegt,
möge sein Keimen, sein Wachsen und der reiche Schatten welche[n] er
der heraufwachsenden Menschheit gewähre Deinem Fleiße, Deiner
Liebe und Treue entsprechend seyn. Gott gebe es Dir zur Freude und
vielen, vielen, vielen Kindern zum wahren Lebensfrieden.-
Wie Du schreibst daß Du mir noch viel mitzutheilen hättest
so hätte ich gern noch viel gelesen so z.B. von Deiner letzteren
Unterredung mit Schnyder. Doch Du wirst hoffentlich noch manches
nachholen. Es ist mir immer als habe sich das Verhältniß und
Band mit Schnyder noch gar nicht ausgelebt; denn ich habe ihn
tief in meinem Herzen wirklich recht sehr lieb und ich gedenke
immer mit treuem hohen Danke des freyen männlichen Vertrau[-]
ens was er mir in Frkfurt schenkte, denn wahr bleibt es immer
daß ich ihm nächst Gott den Grundstein meines und wir alle /
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Wirken in der Schweiz verdanke, dieser Dank soll ihm nicht nur nichts
und Niemand verkümmern und trüben; nein! er soll ihm bestimmt
ausgesprochen und bestätigt werden: alle späteren Irrungen, zer-
stüben gegen das erste Zutrauen wie nichts. Middendorff kann
ihm dieß, wenn er über Frankfurt zurückkehrt bestimmt aussprechen[.]
Es mag dieß besser seyn, als wenn es von mir unmittelbar geschieht.
- Nicht minder hat mich gefreut was Du über den treuen Sinn Kosels
mir schreibst. Wie freue ich mich daß unser Zusammenleben und Ar-
beiten von nun gerad sieben Jahren jetzt solche Früchte trägt; wir
gaben uns dort, das darf ich sagen beyde viel Mühe: er, im ge[-]
faßten Vertrauen sich von den ausgearbeiteten Lehrmitteln das
anzueignen was die Zeit erlaubte und den Geist festzuhalten wel-
cher sich uns in unsern Arbeiten daraus aussprach; ich: - um Ver-
trauen und Fleiß durch ausdauerndes Geben des Besten was
sich daran anschloß Z zu geben. Wie so sehr theurer Langethal
hast Du Recht es kostet viel, viel Arbeit, Mittel u Kraft
um die ächten Lebenskeime in des Menschenbrust sich entfaltend
u wachsend, ja sie erst nur keimend zu machen.- Du hast
aber dadurch noch eine größer[e] Allgemeinheit und Wichtigkeit
ausgesprochen: es ist dieß abermals eine in sich abgeschlossene
Trinität wie That, Denken und Fühlen; wie Körper, Geist u Ge-
müth. Eines, das sagt es uns Eins allein, kann immer zum
Ziele führen nur alles dreyes in inniger, dreyeiniger, d.i. sich ge-
genseitig anerkennender und fördernder Einigung.- Ja Langethal
es scheint sich ein großer Seegen aus, in und durch unser gemeinsa-
mes Wirken kund zu thun; laßt es uns nun ferner treu pflegen.- /
[190R]
Und so will ich mich denn gleich hierher wenden, wo sich auch lang von uns
gepflegtes Leben in neuen Lebenskeimen zu frischer Pflege zu ent-
wickeln scheint. Ich war nemlich Freytags am 17 J Aug. mit Langethal [Frankenberg]
zuerst bey d[em] He. Sup. Lomler in Saalfeld, dann bey d[em] He. Pfarrer Korn
in Obernitz. Im Laufe der Mittheilungen äußerte letzterer ich möchte
in ihrem Lehrerver[e]in ohngefähr aus 20 und etlichen Mitgliedern besteh-
end und jeden ersten Mittwoch in jedem Monat in Saalfeld zusamm-
men kommend einen Vortrag, Mittheilungen über und Darlegung
meiner Spiele machen; ich sagte es halb u halb zu. Bald darauf
kam auch d[er] He. Sup: Lomler selbst dahin. D[er] He. Pfarrer Korn
äußerte bald, wie er aussprach daß ich versprochen habe über
meine jetzige Unternehmung einen Vortrag in ihrem Lehrerverein zu halten[.]
D[er] He. Sup: nahm es sogleich auf und sagte der nächste Mittwoch
sey der 12e Septbr, da ich aber auf diesen Tag, weil mir bis
dahin die Frkfurter Verhältnisse zu unentwickelt scheinen, nicht
eingieng so hielt er den ersten Mittwoch im October, [das] ist der
dritte Oktober fest, und er sagte er würde dem Lehrerver[-]
eine davon Anzeige machen. Bey diesem mir anzubahnenden
Leben wünschte ich nun gar sehr das [sc.: , daß] Middendorff schon gegen-
wärtig sey - damit - wenn er es anders für sich angemessen
hält in das Ganze gründlich und wahrhaft mit Hingabe förder-
lich einzugreifen - damit er dann sogleich das Ganze richtig
auffassen und weiter fortpflegen kann. Zum Fortgang der
Mittheilungen sagte ich nun was in Frankfurt sich anbahne; da
sagte der He. Sup: Lomler: - Nun dann müssen wir doch auch
dem was Frkfurt thut nachahmen. So scheint ein Funke den andern
zu wecken.- /
[191]
Dieß war nun das erste und Wichtigste was ich Dir in diesem Briefe zu schrei[-]
ben hatte wenn nemlich Middendorff in sich entschlossen ist: Ferdinand in
das hiesige Unternehmen einzugreifen, so soll er sich ja nicht unnöthig,
wie z.B. Frankenberg auf seiner Reise nach der Schweiz unterweges
aufhalten; zumal wenn noch ins Werk gerichtet werden sollte
was Kosel so männlich deutsch ausgesprochen hat, daß nach dem 18ten
Oktober sogleich die Bildungsanstalt für Führer kleiner Kinder ins
Leben treten sollte. Daß ich jedoch bis jetzt noch keine weitere Nach-
richt darüber aus Frankfurt habe wirst Du natürlich finden, da
ja nach Deinem Briefe erst in der verflossenen Woche in Frankfurt mit
Bestimmtheit dafür gehandelt worden ist, und ohne Zweifel auch Du in
der Schweiz früher von den Ergebnissen der Zirkularen unterrich-
tet werden wirst, als ich.- Der Herr Sup. Lunderstädt in <Halb[er]stadt>
hat noch nichts von sich hören lassen; ebenso wenig habe ich weiter
mit den [sc.: dem] hiesigen He. Superintendenten darüber gesprochen, weil ich nicht
eher ernstlich die Sache betreiben will, ehe ich weiß, daß das G[an]ze
in Frkfurt a/m wirklich feste Wurzel geschlagen hat; ohne diesen
Anhaltspunkt würde ich ganz und gar nichts beginnen sondern meine
Kraft unzertheilt meinem bisherigen Wirken schenken[.]-
Den Aufsatz von S. in No 86 des der allgem: Schulzeitung habe
ich gelesen; so sehr ich die Gesinnung des Mannes achtend und dank-
bar anerkennen [muß], so sehr wünschte ich, daß ich als Person nicht so
sehr hervorgehoben, vielmehr die Sache selbst, der Geist der
Sache, der Unternehmung, wie er es selbst nennt mehr in sein
wahres Licht gestellt worden wäre, was es wie es mich dünkt
so sehr verdiene. Die Schweizerischen Anzeigen gefallen mir deßhalb weit
besser. /
[191R]
Es scheint mir durchweg wahr, daß man in der Schweiz eigentlich mehr
die Sache, in Deutschland aber immer mehr die Person im Auge habe, deß[-]
halb ist aber auch die Schweiz für uns so wichtig, deßhalb ist der kleinste
Schritt vorwärts, in der Schweiz ein Fortschritt, dieß dünkt mich hat sich von
Wartensee aus, durch Willisau und Burgdorf hindurch sich bestätigt. Die Sa-
che keimt viel leichter in der Schweiz.- Vielleicht ließe sich aber früher von
Pestalozzi Wirken das Umgekehrte sagen und müßte gesagt werden; dann
wäre es aber für uns als ein noch höheres Gesetz noch wichtiger.-
Nach Leipzig an Dörffling habe ich zwar alles gewünschte geschickt; allein
noch bis jetzt keinen weiteren Brief erhalten.- Der Candidat Herrmann
bey Frankfurt a/m in Ulfa hat verneinend geantwortet, er wünscht eine Stelle
mit größerem Gehalte; jetzt ist ein Gothaner im Vorschlag welcher seit 2 Jahren
am Rhein als Hauslehrer gewirkt hat.- Daß unser Herr Pfarrer Korn
seit 7 Wochen an der Gicht bettlägerig ist habe ich Dir doch zu sagen ver-
gessen; und vorher befand er sich immer so, daß er wenigstens nicht nach
Blankenburg kommen konnte.- Daß F Barop die Keilhauer {Herbst[-] / Sommer[-] }reise
nach dem Erzgebirge, von da nach Dresden und vielleicht
über Leipzig zurück machen wird hat sich nun auch entschieden; letz-
teres wird gewiß für unser Wirken, das neubegonnene von
Folgen seyn; ob aber gut, das wird davon abhängen wie Barop
die Sache in sich trägt, erfaßt, wie er die Männer dort ergreift u
welchen Eindruck die Erscheinung des Ganzen auf diese machen wird.-
- Auch eine Trauernachricht habe ich Dir zu melden. Ich f gedachte
es durch den Brief Deines Bruders Gottlob selbst zu thun, doch den haben
S sie noch in Keilhau behalten. Eugenie Deine kleine Nichte ist Ende v[origen]
Monats gestorben. Deine von Dir am Steiger gepflückten Blumen dienten zu ihrem
Todenkranz.- Dein Bruder schrieb sehr gefaßt. Chatherinchen ist jetzt in Keilhau. /
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Von dem SonntagsBl ist jetzt No 24 unter der Presse. Ich habe in die
letzteren Nummern Deinen ganzen Plan von der Begründungsschule auf[-]
genommen; dem Plan der gesammten Unternehmen hielt ich es angemessen
hie und da einige Erweiterungen einzufügen: besonders bey der Religion
möchte deren doch von Dir und uns so treue Pflege, mir in der Darstellung etwas
zurücke trat. Möge das Eingefügte Deine Beystimmung erhalten; wie sehr
wünschte ich daß das P Blatt schon bey Dir wäre, es dünkt mich der Inhalt der
letzteren 4-6 Nummern müßte in der Schweiz günstig für Burgdorf
wie günstig für die Aufnahme u Verbreitung des Blattes wirken.
Schreibe mir nun doch bald wieviel wirkliche zahlende Abon[n]enten
sich bey Dir gemeldet haben.
Den Schluß der gesammten Darlegung Deines Planes, gedachte ich ohnge-
fähr so zu machen wie auf dem beyliegenden Blättchen angegeben ist;
damit das Ganze sich wieder in der Einheit einige jedoch daß das jetzt mit
Ziffern angegebene durch die Wortbezeichnung der Gegenstände selbst
ausgeführt werde. Sehr, sehr gern hätte ich vorher mit Dir das Ganze be[-]
sprochen, nun ist es freylich zu spät und ich bin darum noch unentschlossen was
ich thun soll; dennoch schreibe mir Deine Ansicht darüber. Überhaupt
schreibe mir ja recht bald. Künftigen Sonnabend am 26 Aug. erwarte ich be-
stimmt einen Brief aus der Schweiz von Dir. Leid thut es mir zwar daß sich
unsere Briefe kreuzen, doch es war nicht wohl anders zu machen.- Ich ver-
muthe daß Du spätestens Sonnabends am 16en August in Burgdorf angekommen
bist und ich hoffe zu ersehen daß Du alles wohl angetroffen hast.-
Du hast ein Buch den <Roman> zurückgelassen, den ich Dir schon früher von
Willisau empfohlen habe. Weil es nur der 1e Theil ist hieltst Du das Buch
für ungenügend; und doch greift es so sehr lebenvoll in Dein in Euer
Burgdorfer Leben ein. Mir hat das Buch wieder sehr, sehr viel /
[192R]
gegeben, Du weißt, es behandelt Erziehung und Gemeingeist. Wie sehr
wünschte ich, daß es in dieser Beziehung namentlich Ris hätte, denn er
und Ihr habt mit ihm gemeinsames Streben; allein Ihr habt zum gro-
ßen Theil erreicht, was das Buch erstrebt und deßhalb ist es so wich-
tig in einen Spiegel zu sehen um sich das Errungene zu bewahren zu
bestätigen, deßhalb wünschte ich Dir und Ris daß das Buch jetzt bey Euch wäre
allein mir hat es - wie ich schon sagte - viel gegeben; darum freue ich mich
auch daß Du das Buch zurück gelassen hast und ich so wiederkehrend auf
den Inhalt desselben hingeführt wurde denn es ist für den Strebenden
Menschen höchst wichtig daß ihm die Augen geöffnet werde[n] über das
was er wirklich besitze, was ihn umgebe, so war es mir
denn auf das höchste wichtig zu sehen daß Du und Ihr, daß Burgdorf
zum großen Theil das Problem gelöst habe, welches sich das Buch stellt.
Darum habe ich auch gleich der Einführung des Planes und des
Grundsatzes der Begründungsschule die Überschrift gegeben:

Familien-, öffentliches Leben und Schulleben
in Streben nach Darstellung und Ausführung ächter Kinder- u. Jugenderziehung
ein Einiges..
Langethal! ich wiederhole es: zu wissen was wir besitzen ist für uns
auf das Höchste wichtig um es treu und sorglich zu pflegen, damit wir nicht
immer erst dann zur Erkenntniß dessen kommen was wir hatten, wenn wir
es nicht mehr haben. NB Georg suchte Erziehung, Gemeingeist zu wecken
das Burgdorfer Wirken sucht gleiches zu erreichen und hat es z. Theil schon erreicht.
- Gott gebe nur daß Du gesund u freudig in der Schweiz angekommen bist und alles
wohl gefunden hast. Möge Middendorff nun praktisch Dein so hingebend
angebahntes Werk in Deutschland fortführen. Nur praktischen Sinn
gieb ihm zur Reise mit damit er nicht zu viel poetisire. Jeder Schritt /
[193]
und jedes Wort von uns ist jetzt, wie die Sache angebahnt ist, für das auf-
keimende Menschengeschlecht und die ganze Menschheit. Schäfer in Frkfurt
sagt in No 93. der allgem: Schulzeitung bey Gelegenheit der Nachricht von der
Frankfurter Kleinkinderschule ....... "Dann wird aber um so sicherer die schöne
die erhebende Hoffnung sich in schönere That verwirklichen, daß von den Kleinkin[-]
derschulen die sittliche Wiedergeburt des Volkes zu erwarten stehe." Man
darf wohl sagen: die der Menschheit. Möchte Schäfer diesen Aufsatz in Rück-
beziehung auf Dein und unser Streben gedacht u geschrieben haben; wenig-
stens steht er gerad an seiner rechten Stelle, weil dadurch der Frauen-
verein, wie der Vorstand der Klkinderschule sich als ein Einiges in sich
zu fühlen hingeleitet wird.- Die Pflege von Frankfurt ist fast so wichtig
in diesem Augenblick als die von Burgdorf, möge solche dem Middendorff
gelingen, möge er in Deinem Geiste fortwirken, fortbauen, der Seegen
würde groß seyn.- Ebenso aber auch wenn es Barop oder Frkenberg
das gleiche mit Leipzig gelingen sollte. Solltest Du für beyde noch Finger-
zeig zu geben haben, so müßtest Du sie diesem der Antwort dieses
Briefes beylegen. Da Barop über Zwickau reist - wo wenn ich nicht
irre Peyers (in <Bechbach>) Schwiegervater wohnt, so wäre es viel-
leicht gut den Namen desselben uns dann auch zu schreiben.-
- Nun ein Wort wegen Mathilden. Ich glaube doch man hat Dich
in Frkft ein Wenig zu sorglich gemacht; sie mögen einen guten Treffer
und wohl auch, in Beziehung auf andere nicht ganz Unrecht in der
Beurtheilung M-s haben, allein sie müssen auch I ihre Stellung in
unserem Kreise und die Rückwirkung desselben aufs Leben mit in
Anspruch nehmen. Denke nur wie sich Luise F. später verändert hatte.
Doch die Hauptsache bleibt immer wo etwas anderes herbekommen?- /
[193R]
Emilie B. bleibt noch ein Jahr in Koburg; auch ist sie so vom Treiben
der Fr. v. A. oder vielmehr v. F. umgarnt, daß es Dir und dem
Ganzen gewiß nicht zum Heile gewesen wäre, selbst wenn es Dir
hätte möglich werden können, sie äußerlich aus diesem Verhältnisse
zu lösen. Vertraue Du nur treu dem Geiste des Ganzen und
Mathildens wirklich menschlichen Gesinnungen und Streben; ich hoffe daß
es gehen wird.
Wenn es sich noch wegen einer Anstalt zur Bildung von Führern K kleiner
Kinder zu einem Ganzen ordnen sollte, so bedürfte ich vielleicht auch
der Betten aus der Schweiz; gienge es nun nach Deinen jetzigen Erfahrungen
nicht vielleicht an diese Sachen, so wie auch Elisens - durch Wasser
Fracht nach Frankfurt a/m zu bringen?- Es müßte doch viel billiger
seyn. Schade daß wir gar nicht bey Deinem Hierseyn daran gedacht
haben, Du hättest sonst in Basel darüber Erkundigungen einziehen können.

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Endlich bin ich wohl am Ende. Die Zufriedenheit meiner Frau mit
Luise besteht bis jetzt noch fort; da sich aber meine Frau besonders
nach dem Trinken des Emserwassers leidlich fühlt, so gönnt sie
sich doch wenig Ruhe, jetzt hat sie Wäsche und da hat sie ich glaube
schon zwey Abende bis 10 Uhr Wäsche gelegt. Danke Gott daß sie es
kann. Fast muß [ich] glauben daß ihr diese beständige Regsamkeit wöhlthätig
ist.- Gott stärke im gleichen Maaße Deine Frau!- Veranlasse doch
Middendorff oder Ferdinanden, daß er uns seinen neuen Plan von Willisau
mitbringe. Möchte er sich doch Deinen von Burgdorf zum Muster genommen
haben. Herzliche Grüße an alle. Gott geleite sie zu uns wie er Dich zu
uns und wieder zurück führte; er sey mit Dir und uns allen!
D.Fr.Fr.

[189V, Rand]
(Nachschrift)
Hast Du in Frankfurt die 25 Ex. Erkenntnißformen zu den 27 Würfeln aus Gotha erhalten?-
[191V, Rand]
(Nachschrift)
Vergeß doch nicht zu Elisens Sachen Einige Exemplare der Grundzüge zu [legen.]