Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 15.9.1838 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 15.9.1838 (Blankenburg)
(UBB 63, Bl 196-200, Brieforiginal 2 ½ B 8° 10 S. )

Blankenburg bey Rudolstadt am 15en des Sammelmonats 1838.


Dir theurer Langethal und Euch allen den innigsten Lebensgruß
zur Vorfeyer des Lebensfestes unserer treuen lieben Mutter.

*
Zuerst Dir herzlichen Dank für Deinen lieben, ausführlichen Brief vom 1sten
d. Mon. und den Ausdruck der reinsten Freude über Deine Nachricht, daß
es Dir wenigstens ziemlich wohl und immer besser geht als Du gedacht
hast. Gott erfülle Deine und unser aller Wünsche und Hoffnungen Dich
bald ganz hergestellt zu sehen.
Auch den freundlichsten Dank für Deine schnelle Beylage der Bekanntmach-
ung in dem Eidgenossen; sie war mir ein rechtes Geschenk, hier war alles
so todt und still um mich, daß meinem Gemüth und Geiste diese kleine Lebens[-]
erfrischung wohl that. Ich freue mich recht auf Middendorffs Ankunft
damit das Leben wieder ein ächt gemeinsames wird, denn es gehört dieß
nothwendig zur Förderung und Durchdringung des Ganzen d.h. daß das Ganze
im Leben und durchs Leben durchdringe, Du kannst also fest versichert
seyn daß dem Middendorffen so volles Vertrauen v. mir werden wird, wie
Dir übrigens werde ich ihn nur seiner geistigen und Lebenskraft angemessen
in Anspruch nehmen und ihm so viel Freyheit zur freyen Selbsterfassung
des Ganzen lassen als nur immer möglich ist "so daß wir alle immer
mehr (wie Du so schon Deinen vorigen Brief schließest) wie Ein Mensch da-
stehen, und so das Bild, welches die Zukunft unter den Menschen ver-
wirklichen wird, schon in die Gegenwart mahnend hineinstrahlen."-
Ich habe diese Worte auch als Deine Worte in meinem jüngsten Brief an
Leonhardi aufgenommen, damit er so die Gesinnung und das Streben unseres
Lebens klar erkenne, darinn die seinen finde und sie so den unsern Eine.
Nicht weniger erfreut mich was Du mir und uns über Mathilden be[-]
sonders in Deinem jüngsten Briefchen schreibt. Es wird Dir vielleicht ein
wenig wunderbar scheinen und vielleicht noch mehr Deiner treuen lieben Er-
nestine wenn ich von [sc.: über] so einem einfachen Mädchen ausspreche: - es ist wirk[-]
lich menschlich ja menschheitlich wichtig, daß sich das Gemüth und Leben der M.
in unserm Kreise, in unserm Leben und Streben finde; sieh' theurer Lgethl
und Du geliebte Ernestine, es hängt die Wichtigkeit eines Menschen für
ein größeres Leben, Eingreifen und Wirken nicht allein von der Bildungs[-]
stufe und Kraft eines Menschen ab, sondern besonders von der Stellung die
er im Leben hat und sich giebt, und die ihm von andern gegeben wird.
Mathilde steht durch ihre Schwester Emeline, durch ihren Schwager Rüte, durch
Ernst und Adolf Frankenberg und besonders auch durch Leonhardi, so in
der Mitte eines bestimmten Lebenskreises, daß ich wohl wünschte, daß
sie sich von ihrer Seite recht geistig und gemüthlich erhoben gestärkt
und so durch das Ganze unseres Lebens - wovon ja das Eure ein so
wesentliches lebenvolles Gliedganze ist - menschlich befriedigt fühlte. Du verstehst mich
Langethal, denn Du er- und umfassest das Ganze. Für
Burgdorf selbst ist ihr Sichfinden wichtig, denn sie erscheint als Glied von uns; /
[196R]
Ich muß es darum auch noch aussprechen, die Schlußworte Deines Briefes:
"Ihr gereifter Blick für das Leben wirkt wohlthätig auf die Kinder" -
hat mich hocherfreut und sage nun nur noch ebenfalls mit Dir: "Möge
Gott sie darin erhalten." Solche vermittelnd helfende Personen sind
für das Leben, das ausführende, schaffende, gar zu wichtig.
- Alles was Du mir über Leipzig in Beziehung auf Barops und Frknbgs
Anwesenheit daselbst schreibst, habe ich sogleich - wörtlich - ihm nach Dres-
den nach geschickt, so wie die Bekanntmachung aus dem Eidgenossen.
— Dein Brief nach Erfurt ist verflossenen Mittwoch auch besorgt worden.
Endlich liegen auch Briefe von Leonhardi und von Dörffling vor mir[.]
Ich beginne mit Leonhardi's Brief welcher auch zuerst (am 11n in Rudolstadt)
ankam. Da derselbe Dir in seinem Briefe an Dich ausgesprochen hat, er
werde mir zu weiterer geeigneter Mittheilung an Dich über das G[an]ze
berichten, so werde ich Dir seinen Brief in wörtlichem Auszuge liefern;
ich theilte Dir denselben gern ganz mit, wenn es nicht zu viel wäre, damit
Du seine Gesinnung und sein Urtheil in allem recht klar kennen lerntest. Die
Treue, die Hingabe und das Lebenvolle seines Wirkens wird Dir aber hoffent[-]
lich aus den mitzutheilenden Einzelheiten hervorgehen. Der Brief ist vom 8-9 7br.
- "Nach Langethals Abreise habe ich die Sache noch hie u da in Anregung bringen
"können, so auch konnte ich sie einem Durchreisenden, dem Redacteur des Frey-
"hafens Theodor Mundt empfehlen." "Beengt durch Geschäfte konnte ich in der
"ersten Zeit nach Lgthls Abreise weder Schäfer noch Kosel so ausführlich
"sprechen als ich gewünscht hätte. Dabey hatte Kosels Brief an Dich das Unglück
"nicht zur Post abgegeben zu werden (hoffentlich wird er Dich doch endlich
"zugekommen seyn worauf noch Antwort erwartet wird). In Folge dessen
"konnte bisher von beyden nur Vorbereitendes gethan werden. Das Circular
"ist noch nicht im Umlauf gesetzt, der Erfolg aber wird voraussichtlich <genügen>".
- (:Noch bis heute den 15en 7br ist mir kein Brief von Kosel zugekommen
entweder ist er gar nicht zur Post gekommen oder er ist nach Blkenbg am
Harz gegangen, wie schon einmal ein Brief an mich das Schicksal hatte; ge-
stern habe ich darüber an Leonhardi Bericht erstattet, und erwarte
nun spätestens durch unsere Schweizerreisenden Middend. oder Ferd. best: Nachricht.[:)]
- "Vom 25 Aug: bis 6 Sptbr machte ich einen Ausflug" fährt L. fort.
"Ich war zu m. Freunde Dr. Carl Röder in Gießen eingeladen, um uns in philo-
"<sophicis> etwas näher bekan[n]t zu machen; dieß war der Hauptzweck, der denn
"auch gefördert worden ist. Den ersten Abend gleich hatte ich Gelegenheit seiner Frau
"und dann auch ihm und dem Assessor Hille von Marburg die ersten Gaben
"der Beschäftigungskästen vorzuführen, und erregte bleibendes Interesse dafür.
"Morgens darauf fing Röders Söhnchen von kaum zwey Jahren an, mit
"Ball und Würfel sich längere Zeit täglich selbst zu beschäftigen, wo er sonst
"die Zeit der Mutter oder des Kindsmädchens in Anspruch genommen. Mich
"selbst aber gewann er sehr lieb, obgleich er eben in einer Zahnperiode begriffen
"und seit einiger Zeit, wohl als Symptom seines leiblichen Übelbefindens schüchtern,
"ehe ich das Kästchen hervorholte, sich, was sonst wenige Kinder thun, sich von
"mir zurück gezogen."- .... In Gießen habe ich noch durch bey d[em] H[errn] Gymnasial- /
[197]
"lehrer, den Philologen Dr Solden, einem Schwiegersohne Ernst Emil Hoffmann's["]
(irre ich nicht in Darmstadt) "ohne genauere Vorführung allgemein menschli-
"ches Interesse für diese Beschäftigungsweise erregt, ebenso bey dem In[-]
"stitutinhaber Dr Völker, und seinem Hilfslehrer Cand. theol. und philol:
"Bauer, dem ich Nähres mittheilte. Zuletzt noch bey dem Sekret: (oder Vorst[.])
"eines Frauenvereins für Kleinkinderschulen, Prof. d. Thierarz[ney] Kde., Vix.
"In Gießen machte ich auch die Bekanntschaft mit Director Kurtmann
"aus Offenbach, den ich da noch aufsuche, und Dir weiter unten ohne hin über
"ihn berichten werde." "Mein Aufenthalt in Gießen war zu kurz und d[urc]h
"meinen Hauptzweck zu beengt um auch eine Anzahl ausgezeichneter Frauen
"und Familien, deren Bekanntschaft mir Röder verschafft haben würde, kennen
"zu lernen." "Die gebildete Classe daselbst ist kernhaft und auf alles
"bessere bedacht. Besonderes Lob sollen die Frauen verdienen." "In Gießen
"glaube ich darum ließe sich, was wohl allen Städten noth thut, auch
"eine Kleinkinderschule für gebildete Klassen recht leicht herstellen."-
Leonhardi hat diesen Gedanken recht lebhaft erfaßt und spricht sich bestimmt
darüber aus; zunächst wünschte ich daß ihn Middendorff ebenso lebhaft
ergriffen haben und auf seiner Reise viel anregen möchte. Dann wünsche
ich lieber Langethal daß Du ihn in Burgdorf in seiner ganzen Lebensfülle
und Schöne in Ausführung brächtest. Burgdorf ist auch in dieser Beziehung wichtig.
"Ich komme nun nach Marburg wohin ich mich den ersten Septbr begab,
"und hier die Förderung Deiner Beschäftigungsanstalt gleich zu einer Hauptsache
"machend bis zum 4en blieb. Hier wird mein Bericht noch reicher. Gleich
"Abends bey meiner Hinkunft legte ich die Sache d[em] He[rrn] Prof: der Philos: Bayer[-]
"hoffer
ans Herz, der sie auch als ein Allgemeinmenschliches erfaßte, und
"bereit ist, sie in dem Allgem: Anzeiger der Deutschen und in den hallischen
"Jahrbüchern für deutsche Wissenschaft und Kunst anzuzeigen. Bayerhoffer ist
"schon früher einigermassen mit Krauses Schriften bekannt."
"Den 9' Septbr" "Bayerhoffer ist sehr fleißig und rastlos in dem, was ihn ergriffen hat."
"Da er in Kurzem zu Verwandten nach Schmalkalden und weiter reist, so hat er sich
"vorgenommen Dich in Blkburg zu besuchen." "Zuerst hatte ich bey Prof: Senglers, eines
"philosophischen Freundes Kinde auch einem Knaben Gelegenheit, ein Kästchen, das mit
"8 Bauhölzern, in Anwendung zu bringen. Der Kleine ungefähr 3 Jahre alt, beschäf-
"tigte sich die beyden ersten Tage, und wird damit wohl noch einige Zeit fort fahren,
"nur damit das Kästchen zu öffnen, aus- und einzuräumen und wieder zu schließen.
(:Dieß ist eine Beobachtung und Erscheinung welche schon einigemal auf verschiedene
Weise auch bey Gertrud in K. vorgekommen ist. So wie auch die Stäbchen in
die runden Löcher zu stecken und wieder heraus zu ziehen. Dieser Erscheinung
scheint mir im Kind wie überhaupt in der Menschennatur das Streben zum
Grunde zu liegen; das Entgegengesetzte, die Gegensätze z.B. Volles u Leeres,
Ho[h]les und Raumerfüllendes mit einander zu verknüpfen und auszugleichen.
Ich halte diese Erscheinung zur Ergründung und zum Verständniß der Menschen[-]
Natur- und des Kindeslebens gar sehr wichtig. Beachte es ferner und theile
mir L. L. Deine Bemerkung für das S Bl mit. Es ist gewiß für Eltern u Kinder
auf das Höchste heilsam:) - Leonhardi fährt fort: "Der Knabe schleppte es /
[197R]
"Tag und Nacht mit sich herum. Seine Mutter, die es zu würdigen wußte,
"machte denselben Tag noch mehrere Besuchende damit bekannt, die ich
"zum Theil selbst gesprochen, darunter Dr <Höhl> nebst Frau, Prof der
"Mathem und Physik an der polytechnischen Schule in Kassel, ebenso
"Fräulein Koch Inhaberin einer Erziehanstalt. Ferner führte sie mich zu
"2 Fräulein Wilkens, Mitgliedern des dortigen Frauenvereins, durch
"welche ich mit der Vorsteherin desselben Fr. von Dörnberg bekannt werden sollte.
"Leider trafen wir diese als für alles Bessere sehr freygebig geschilderte Frau nicht. Ich
"wohnte aber einer Sitzung dieses Frauenvereins bey, und trug daselbst die Sache vor.
"Man war sehr geneigt sich die ganze Folge der Kästchen, so wie das SonntgsBl
"sogleich kommen zu lassen und wollte es nur nicht ohne die anderen Mitglieder des
"Vorstandes beschließen." "In dieser Sitzung lernte ich noch Fr. Prof. Kling
"und Fr. Hofräthin <Burger> kennen und den Sekretär des Vereins, Herrn
"Consistorialrath Prof Scheffer, der sich vor allem für diese Beschäftigungs[-]
"Mittel interessirte. Er wird an Dich schreiben und Dich vielleicht bitten
"den Jahresbericht des dortigen Frauenvereines im SonntgsBl. aufzunehmen.
"Ich konnte dieß nicht abweisen rc." (:Ich habe hierauf an Leonhardi
geschrieben, daß mir es sehr erwünscht seyn würde wenn es geschähe
und ich wünschte daß dieß von mehreren Frauenvereinen, welche Kind[-]
heit u Kleinkinderpflege zu ihrem Zwecke hätten geschehen möchte, ja
daß das Blatt dafür ein einigender Mittelpunkt werden möchte;
Noch habe ich Leonhardi geschrieben den He[rrn] Oberlehrer Schäfer in Frkf.
zu veranlassen mir in dieser Beziehung etwas von Frkfurt a/m mitzu[-]
theilen, es wäre sehr schön wenn Frkfurt dafür an die Spitze träte rc.
Beachte Du auch diesen Gegenstand im Fall Du an irgend Jemand in Frkf
schreibst z.B. an Schäfer, Röder, Leonhardi, Ackermann.:) Leonhardi fährt
fort: "Jedenfalls ist es Dir eine Gelegenheit mit Marburg in nähere Verbindung
"zu kommen." (:So würde es aber mit jeder Stadt seyn von welcher wir Berichte
in das S. Bl. erhielten. Das S. Bl. könnte so eine Art Archiv für alle diese
Bestrebungen deutscher Frauen und deutscher Städte werden. Du siehst L. L.
wie wichtig die Aus- und Durchführung dieses Gedankens werden könnte,
vielleicht auch für die Schweiz. Burgdorf sollte damit den Anfang machen[.]
Besprich Dich doch darüber mit der Fr. Kraft u der Fr Dr. Dürr, diesen (En-
kelinen) Großkindern des würdigen Heinrich Pestalozzi; es hat mir
einigemal scheinen wollen als wenn doch etwas von seinem Blute
in ihnen schlüge. Pflege ja das Ganze theurer Langethal, denn nur einzig
so kann unser Leben und Wirken ein Lebenvolles seegensreichwirkendes
Ganzes werden.). Leonh. fährt fort: "Durch Bayerhoffer ward ich noch mit
"der Familie seiner Braut bekannt" (:So ist's recht in das offne Gemüth von Bräuten
den Saamen edler Menschheitspflege u ächter Kindererziehung gestreut:), welche selbst
"wöchentlich einen Tag in der Kleinkinderschule zu bringt, und deren Mutter
"(Fr: Oberkonsistorialräthin Kreutzer) gleich interessirt ist für erziehende
"Familienvereine und für Kleinkinderschulen. Abends lernte ich da auch
"noch ein Fräulein Theis aus <Welter> (2 Stunden v. Marburg) kennen, und Fräul[ein]
"v. Waiz, die viele Tief[en] des Gemüthes und einen klaren Geist zeigte, im /
[am linken Rand noch ein Satz mit unklarem Bezugspunkt:]
Auch Frau <Fromm> scheint mir zu beachten.-
[198]
"im Gespräche, das sich in Marburg meist gleich höheren Dingen zugewendet, da
"auch die Nichtpietisten dort eine höhere Richtung haben." "An dem Abend bey
"Kreutzers hatten wir es besonders mit dem ungetheilten Würfel zu thun,
"wo denn die Erwachsenen sich überzeugten einen Würfel bis dahin nicht ge-
"kannt zu haben." "Bishierher siehst Du hatte ich das Glück, lauter solche zu treffen, die
"entweder ganz in den Geist derselben eingingen, oder doch nichts wesentliches
"dagegen hatten, sondern höchstens bemerkten, daß es immerhin auch Kinder gäbe
"deren Individualität sie für derley Beschäftigungen weniger empfänglich mache"
(:Ganz natürlich die große Reihe der Spiele aus runden und rundlichen
Gliedern, die aus Farben, welche dem Gemüthe und so dem Mädchensinne
und Leben bey weitem näher liegen, wie z.B[.] aus den ersteren (so liegt es meinem
Geiste jetzt vor) alles Küchen- und Tischgeräthe, dem Elemente der Mädchenwelt
so wie auch die Puppe oder das Didi der Schweizerkinder hervorgehen soll,
alles dieß liegt ja dem Geiste u Gemüthe zur Ausarbeitung noch vor, dann
die g[an]ze Reihe der Lebensspiele - wovon wir beyde bis jetzt nur Pröbchen bey
den Bewegungsspielen und dem Balle gegeben haben. Langethal! welch ein
Feld u Reichthum der Bearbeitung:) Leonhardi fährt fort "In Friedberg fand ich auch
"noch vielen Anklang doch ebensoviel Abneigung und zum Theil leidenschaftliche
"Widerrede. Doch ehe ich davon Näheres berichte, noch einiges Allgemeine."
"Ich mußte fast bey Jedem, dem ich von den Beschäftigungsmitteln sprach oder
"dem ich Einiges vorführte, anders ausholen, und ich war darin meist glücklich
"theils durch eigene Bemerkungsgabe, theils vorher auf die Hauptrichtung u
"die Vorurtheile der zu Gewinnenden durch freundliche Mittheilungen Dritter
"aufmerksam gemacht. Bey denen die harmonischen Sinnes mitten im Leben
"stehen, bedarf es keiner Bevorwortung, die bey Andern auf die verschieden-
"ste Weise sehr gewählt seyn muß und was dem Einen die Sache empfiehlt
"das nimmt den Andern geradzu dagegen ein (:Ich wünschte das [sc.: , daß] dem Middendorff
diese Bemerkung bekannt würde, daß sie ihm wenigstens Leonhardi noch in Frkf
mittheilte. Irre ich nicht so hast Du mir sie auch ausgesprochen, wie sie wohl
jeder von uns gemacht und in Anwendung gebracht haben wird. Für Midden[-]
dorffs Wirken halte ich es recht wichtig daß sie ihm nicht allein ausgesprochen son[-]
dern auch mit ihm besprochen würde, denn der nimmt wie ich glaube die Men[-]
schen immer zu einseitig nur von Gemüthe und auch hier wieder immer nur we-
sentlich von einer Seite aus. Middendorff, das habe ich jetzt viel er-
fahren schadet da wo er es oft recht gut meynt und den rechten Fleck ge-
troffen zu haben meynt der Sache gar sehr, selbst in unsern nächsten Kreisen[.)]
Leonh f[ährt] f[ort:] "Mir selbst sind die Sachen durch das so vielfache und verschiedene Darstellen sehr lebendig ge-
worden und im Geiste lebe ich ganz mit der Kinderwelt, ebenso auch im Gemüthe der von Dir auszubil-
"denden Lehrer und Lehrerinnen.- Fast allgem. ward mir wenn m[an] sich v[on] der Vorzüglichkeit Deiner Beschäft:
"Mittel überzeugt hatte, das Bedürfniß ausgespr: eines Lehrers od. einer Lehrerin die dazu bes: ausge-
"bildet wäre, u. so kam das Gespräch von selbst auf Deine zu errichtende Bildungsanstalt. Consist R.
"Scheffer meynte es eigneten sich besonders dazu solche, die hernach in ein Lehrersem: treten sollten.
"Ich stimmte ihm in einer Beziehung bey pp. Wenn Du mit Scheffer in Briefwechsel trittst wirst Du sehen
"was zu thun ist damit Du einige Seminaristen aus Churhessen bekommst." Kosel hielt es [für] vorzüg[-]
"licher, daß bereits ausgebildete Seminaristen zu Dir kämen pp pp[.] Auch diese Meynung hat viel für sich." pp pp. /
[198R]
"Die Vereinigung der sich theilweise widerstreitenden Interessen möchte darin zu finden
"seyn, daß in Blankenburg doppelte Curse eingerichtet würden, einmal für solche die nur
"kurze Zeit und dann für solche die lange bleiben können und wollen." (:Ich
ging darauf ein, ebenso auch auf den folgenden Vorschlag: Verschafft, gebt
mir nur Land zum ackern und besäen, Stoff zum Bearbeiten, an Fleiß und Mühe ihn
zu bearbeiten solls von meiner Seite nicht fehlen, so erwiderte ich auf vorstehendes
und auf das nun folgende: "Würde dieß nicht herzustellen seyn, oder würden sich zu
"wenige dorthin zusammen finden, so daß der Mittelaufwand Deinerseits größer
"als der mögliche Erfolg wäre, so wüßte ich, falls Du bald eine größere Wirksamkeit Dir
"eröffnen, und der Sache Verbreitung geben wolltest keinen andern Rath
"als von den Bestehenden größeren Seminarien das zu wählen, welches dem Geiste
"der Lebenserneuung (:Mich wunderte u erfreute der Gebrauch dieses Wortes:) am offen-
"sten stände und für einige Zeit am Orte desselben Deinen Curs zu eröffnen, bis die Sache
"sich solche Anerkennung gewonnen, daß Du nun den Ort, abgesehen von diesen Rücksichten
"wählen könntest." (:Du siehst l. L. wie sich da Gedanken hervordrängen welche sich
freylich alle wunderschön in Burgdorf ausführen ließen auch selbst das folgende noch
mit angeschlossen. Ist H. Schn[ell] in Deinem ersten Gespräche mit ihm auf allgemein mensch[-]
liche Ansichten und die Möglichkeit ihrer Ausführung in Burgdorf eingegangen?-?-:)
"Noch muß ich erwähnen daß hier in Frankfurt so wohl als anderer Orte das Be[-]
"dürfniß Mädchen mit diesen Besch: Mitteln bekannt zu machen bereits schneller
"sich ausspricht, als das Lehrer zu bilden. Ich glaube daß eine hinreichende Anzahl
"von Mädchen sich weit schneller finden wird." (:Wie gesagt ich bin auch auf diesen Vor[-]
schlag eingegangen, da er sich aber zunächst und wenigstens in dem nächsten Jahre
noch < ? > nicht hier in Blankenburg ausführen läßt, so habe ich Leonhardi ausgesprochen
daß ich gern zur Belehrung für Mütter, Frauen u Mädchen mich entschließen würde einige
Monate oder mehre[re] Wochen in irgend einer Stadt zu [ver]bringen würde, wenn es
ohne Kostenaufwand von meiner Seite geschehen könnte, und ich sagte Frkf:
sey dazu wieder der passendste Anfangsort: Langethal! Du solltest diesem
Gegenstand im Fall der Curs für junge Männer nicht zustande käme - einen
ganz besondern Brief an Ackermann in Frkfurt, diesem Frauenmanne widmen
der Brief müßte aber so geschrieben seyn, daß Ackermann von demselben als Grund[-]
lage und Ausgangspunkt des Ganzen unmittelbar Gebrauch machen könnte[.]
Wenn sich 10 bis 20 der ersten Frauen und Mütter Frankfurts zu solchen Vorführungen,
Mittheilungen, Vorträgen, wie Du es nennen willst gegen eine Vergüthung von
Louisd'or für eine angemessene Anzahl von Vorträgen zusammenfänden
so dünkt mich würde es nicht schwer fallen daß sich für g[an]z Frankfurt
80-100 Theilnehmerinnen auch wohl Theilnehmer fänden so ließ sich das G[an]ze
wohl ausführen und gäb für einige Winterwochen und Monate eine angeneh-
me Unterhaltung. Vielleicht daß ich bey irgend Jemand z.B[.] bey Kosel Wohnung
und Tisch hätte so ließe sich es vielleicht noch mit weniger Interessenten ausführen[.]
Und in dem Hause wo ich lebte wollte ich schon durch Lebensmittheilungen na[-]
mentlich in einem Verhältnisse wie bey Kosel, reichlichen Ersatz für das
Empfangende geben. Langethal folge doch ganz stetig dem Entwicklungsgange der
Sache in Frankfurt a/m (es muß Dir dieß so wichtig seyn wie Burgdorf) und
wenn und wie es nöthig ist greife durch Kosel, Ackermann, Röder pp leitend ein[)]:)[.] /
[199]
L. f f "Nach Kaiserswörth wo Fliedner ich Glaube Vorsteher der Bildungsanstalt
"für Kinderwärterinnen und Krankenpflegerinnen ist werden wohl öfters für
"Kleinkinderschulen bestimmte Mädchen geschickt pp (so war auch die Vorsteherin
"der Marburger Kleinkinderschule daselbst)[.] Würde es bekannt daß sich in Blkburg
"eine empfehlenswerthe Anstalt befände so würde man sie gewiß dorthin schicken, so
"wie man sie, wie auch Lehrer von Dir, sich empfehlen lassen würde, wenn Du welche
"in Vorrath bildetest. Wo Dir also ein taugliches Subject vorkommt, da merke es Dir."—
(:Ich theile Dir Langethal dieß nur mit, damit Du siehest wie ein Gedanke den andern
erzeugt, - welche cursirende Gedanken es giebt, und welch ein Reichthum und Viel[-]
seitigkeit der Wirksamkeit sich finden würde, wenn die gesammte Anstalt
als ein größerer Familienverein wie er meinem Gemüthe vorliegt sich ausbilden
könnte. Von der einen Seite wäre freylich die Schweiz und Burgdorf wegen dem Groß[-]
artigen der Natur daselbst herrlich dazu:)[.]
L. f. f. "In Friedberg besuchte ich zuerst den Director des theol: Sem Prof. Krößmann[.]
"Dieser hatte gerad in nicht günstiger Weise Deiner Unternehmen erwähnen hören
"(ob durch Curtmann aus Offenbach?) oder wenn ich ihn recht verstanden in
"einer Zeitung oder Zeitschrift. Ich vergaß genauer zu fragen und konnte bis
"jetzt einen solchen Artikel nicht finden. Der Inhalt seyen etwas spottende
"Bemerkungen über einen zu sehr geringer Erbauung der Zuhörer über aller[-]
"hand Kästchen haltenden Schweizer Lehrer. Krößmann wünschte nun um
"so mehr, daß der üble Eindruck einer solchen Nachricht durch eigne Ansicht der
"Sache wieder verwischt werden möchte und nannte mir die welche ich vor
"Allen besuchen sollte, und charakterisirte mir sie. Ich ging dem gemäß zu erst
"zum Prof. Dieffenbach, welcher jene Charakteristik noch vervollständigte
"oder berichtigte. Er selbst ist früher Prinzenerzieher gewesen und ist jetzt Vor[-]
"steher oder Anreger des Friedberger Frauenvereins für Kleinkinderschulen;
"ein Mann der für das Höhere sich lebhaft interessirend, vielleicht den Fehler
"hat sich nicht der Empfänglichkeit seiner Schüler anzubequemen. Er billigte
"die Beschäftigungsmittel sehr und wünschte blos noch ein Urtheil des Pfarrer
"Spieß zu <Sprentlingen> (der eben selbst einer [sc.: eine] Anweisung zur Beschäftigung
"oder Unterrricht (?) kleiner Kinder ausarbeitet) zu hören." (:Dieser
Pfarr[er] Spieß ist ein rechter Gedankenangler und Gedankenfischer und
Nachdrucker; er ist eine wahre Schmarozzer Pflanze von mir früher
hat er mir den Gedanken der Erziehenden Familien abgefischt u abgeangelt
und bald darauf eine denselben darstellen sollende Zeitschrift herausgegeben die aber
auch bereits gestorben ist und jetzt scheint er es mit dem Gedanken der Beschäftigung
kleiner Kinder wieder so zu machen. Hast Du ihm denn etwas davon mitgetheilt
und wie hat er denn sich darüber vernehmen lassen?-) L. f. f. "Ich hatte be[-]
reits!
Zunächst gieng [es] in die Taubstummenanstalt. Roller["] (Ist dieß etwa ein
Verwandter von dem Burgdorfer Roller?) "Roller war gerad über Land.
"Es war gerad Zeichenstunde. Ich zeichnete einem Kinde, da ich meine mitge-
"nommenen Kästchen bereits verschenkt hatte, Acht Vierecke in verschiedenen
"Schönheitsformen auf die Tafel. Bald versammelte sich die ganze Schule; den
"Kindern kamen die vielen Veränderungen wie eine Zauberey vor und die beyden
"Hülfslehrer welche eben Unterricht gaben Büchinger u Entlinger erkundigten /
[199R]
"sich, als ich meine lithographirten Abbildungen hervorholte mit großem Interesse
"nach dem Ganzen, für das sich, wie sie meynten auch Roller sehr interessiren
"werde. Die Kinder zählten nun die Figuren und fanden auch immer Acht. Ich
"bin überzeugt, daß wenn ich wieder hinkomme, sie mir alle entgegen schreyen und
"jauchzen werden. Ich ging hierauf zum Seminardirector Oberstudienrath
"Roth, ein würdiger hochalter Mann, der zwar sehr wandelnd in seinen Neig[-]
"ungen seyn soll, weßwegen auf sein Eingehen mit voller Seele wenig zu
"rechnen seyn dürfte; dem aber das Motto: - "Kommt laßt uns unsern K. l."
"die Sache besonders empfahl." "Von nun aber kehrte sich das Blatt! und
"ich stieß fast auf lauter Widerspruch. Den Inhaber einer Privaterziehungsanstalt
"Wagner traf ich bey seinem Collegen Buchhold. Wagner zeigte sich als blinder
"Gegner. So hatte er die schale Einwendung, das Gemüth der Kinder bleibe ohne
"Nahrung, es werde blos die Erkenntniß und zwar sehr einseitig ausgebildet,
"unsere Voreltern seyen viel einfacher erzogen worden. Er wurde fast
"unartig. Buchhold der weder ihn noch sich blamieren wollte .......... rc. rc. rc sagte
"blos in ihrer Anstalt würden sie keinen Gebrauch von den Beschäftigungskästen
"machen können, aber für Familien halte er es sehr empfehlenswerth.
"Ich kam nun zu Prof der Math: am Lehrerseminar Solden, Vetter des
"Gießner Solden. Dieser war auch sehr wenig eingehend. Er meynte die Be-
"schäftigungsweise sey zu einseitig, die Natur müsse die Lehrerin der Natur
"der Kinder bleiben (:freylich wenn wir nur mit offenen Augen erst sie sähen
- mit offenen Ohren sie erst hören, ja nur mit unsern Händen und Fingern er-
greifen könnten dieß kommt mir vor, wie wenn ein Dichter nicht Metrik
studiren und ein Zeichner nicht Mathematik üben müßte. Was leisten denn
sogenannte Natur- Dichter[-] u Zeichengenie[s], was wissen denn unsere Bauern
die doch täglich in der Natur sind von der Natur, wie sie ein Dichter, ein Künstler
ein Naturforscher kurz ein wahrer Mensch erfaßt, die Thoren, die <Möhren>, die
Blinden welche andern den Weg weisen wollen:) (:Über diesen Mann schreibt mir nun
Leonhardi ein g[an]ze 8° Seite recht gutes doch zum Abschreiben zu viel. Du solltest
den He. Kremp veranlassen eine Refelexion [sc.: Reflexion] über eine Prüfung in der Mathe-
mathik von Dir für das S Bl. niederzuschreiben, doch mit Ort u Unterschrift[.]
Nun kommen noch viele gutgemeynte Ansichten von Leonhardi; selbst Kosel u Schäfer
welchen aber zu begegnen ich jetzt nicht Zeit habe darum auch sie nicht herausholen
will, welche mir nur zwey Sachen zeigen erstl. wie selbst diese so sehr eingehenden
Männer den tiefsten Geist u Sinn meiner Spiele und Beschäftigungsmittel noch
nicht erfassen, daß dadurch den Kindern schlechterdings nichts positiv Abge-
schlossenes und Ausgebildetes gegeben werden soll, daß sie aber befähigt und
geweckt werden sollen alles in noch vollendeter Gestalt - mit freyer und selbstthätiger Benutzung
alles Daseyende aus in sich zu finden und durch sich darzu-
stellen, in einer so lebenvollen Gestalt als wir in der Gegenwart kaum noch
ahnen.) "Spät Abends noch in Friedberg als Roller nach Hause gekommen war schickte
"er zu mir auch er zeigte sich als Gegner. Er kommt wahrscheinlich in Kurzem hierher
"wo ihn Kosel noch vernehmen wird, dann dieser Schäfer u Bage auch Curtmann
"vernehmen wollen, welcher bey Lgethls Vortrag sich gleich sehr gegen die Sache er-
"klärte u. von dem es also nicht unwahrscheinlich ist, daß er jenen Artikel
"verfaßt habe."- /
[200]
"Ich muß meinen Bericht wegen Mangel an Zeit schließen behalte mir aber vor viel[-]
"leicht in dem Fr[e]yhafen einen größern Aufsatz zu liefern, nachdem ich dazu in Darm[-]
"stadt, wo ich sehen werde, was sich fürs Großherzogthum von oben her bewirken
"läßt, in Heidelberg und hier selbst noch mehr Stoff gesammelt habe." Nun kommen
wieder viele gute Räthe auch ein großes Lamento gegen den Sprachwürfel
wo außer Leonhardi, die Namen Kosel Schäfer und der Dir bek: chatholische Geist[-]
liche ins Feld treten. Die theuren Männer verstehen mich nicht es soll ja dieß
nicht die Sprachkunde als Bild geben, sondern soll ein Mittel seyn die Sprache
an einem festen durchgehenden <Ge[ge]nstand> gleichsam zu messen zu vergleichen; wie wir
in der Sprachanschauung alle Arten der Eigenschaften und möglichst alle Eigenschaften jeder
Art wieder an einem und ebendemselben Gegenstand auffinden lassen. Daraus
geht das zweyte hervor, was ich oben herausheben wollte und herauszuheben
vergessen habe es ist ein Glück wenn man die Sache wieder durch von Perso[-]
nen und Ort und Verhältnisse unabhängig durchführen kann wie wir jetzt
Du in Brgdorf und ich hier in Blkbg. Siehest Du theurer Lgthl, und sprich
es immer nur selbst aus, so ist jede Förderung wieder hemmend und jede
Hemmung wieder fördernd. Aber eines dünkt mich doch gut und wesentlich
daß unsere Kräfte für einige Zeit sich wieder mehr einigen sey es auch nur
vermittelt z.B durch das S Bl. und jetzt wir beyde wieder so Gott giebt
durch Middendorffen. Merkwürdig bleibt und ist das, daß das was ich für
mein gelungenstes und Bestes halte, der Sprachwürfel - (Auch Barop ist
sehr für ihn) - so schief angesehen wird, sie bitten mich zum Vortheil des
Ganzen mit dessen Veröffentlichung ja zu warten.- Nun theurer Lgthl
suche ihn dagegen ernst still ins Leben einzuführen. Er wird sich bewähren. Hätten
wir nur Zeit gehabt ihn miteinander durchzu[ge]hen. Laße, was er fragt nur
gleich alle umgebenden Dinge das Kind den Schüler fragen; Lasse was er ant[-]
wortet nur gleich alle Dinge dem Kinde oder Schüler antworten. Er ist wie
die Magnetnadel die immer fest nach Norden zeigt doch der geschmeidige
und lebendige bewegliche Führer durch alle Lebensklippen pp pp. Denke Dir
würde der Magnet wenn er selbst nicht fest und steif nach Norden wies,
sondern selbst nach allen Richtungen hinzeigte durch alle Krümmungen hindurch finden
machen. Die Lehre vom Gegensatz wollen die Menschen gar nicht fassen.
NB Ist von <Bragar> Dir nichts weiter bekannt geworden?-?-
L. f. f. ["]Sehr genützt würde es mir haben, besonders bey Gegnern oder theil[-]
weisen Gegnern, wenn ich einerseits eine geschichtliche Übersicht schon vor-
handener ähnlicher Beschäftigungsmittel die man geltend macht, um die Dei[-]
nigen als überflüssig darzustellen, gehabt hätte, anderentheils hätte erzählen können
wie in Blkbg in einer Kleinkinderschule, und wie an verschiedenen Orten
in Familien die Kinder ein bleibendes Interesse durch Jahre hindurch
an diesen Beschäftigungsmitteln gefunden. Man ist zu sehr geneigt es für
Theorie zu halten der genügend praktische Erfahrung fehlt. Man hält
es für ein System welches sich auf überschätzte einzelne Wahrnehmungen
gründe." (Mein theurer Lgthl sind die Menschen klug? - Die Knospe soll
gleich Blüthe ja Frucht und reife ja schon wieder verdaute Frucht zugleich
seyn. Wäre doch jeder von uns wenigstens 6fach nun Du könntest schon von /
[200R]
Interesse der Kinder u Jahrelangen Erfahrungen etwas erzählen wie von dem
Dreyeckchen. Hast Du sie nicht schon in Willisau geübt. Dort war es
glaub ich Middendorff mit dem kleinen Italiener Neffen des Dr Barth rc
Langethal! lasse uns gleich einem Ruthenbündel (fasces) des Rechtes und
der Wahrheit seyn sonst zerbrechen uns unsere besten Freunde selbst
und die Andern werfen uns in Feuer.[)]
L. f. f. "Es wäre wohl zweckmäßig wenn Middendorff seinen Rückweg
(er meynt wohl aus Westphalen) "über Friedberg, Gießen und Marburg
"nähme, wo ich ihn als möglicher Weise durchkommend bereits angekündigt
"habe. Er kann da die Keime die ich geweckt, pflegen und neue anregen."
(:Diesem Gedanken Leonhardis muß ich, wenn er ausführbar wäre
bey pflichten; ich wünschte nur daß Middendorff wie auch Leonhardi
hofft und wünscht den Leonhardi noch in Frankfurt oder in Heidelberg treffe.
Von seinen Verhältnissen schreibt mir Leonhardi nichts. Sein Quar[-]
tier in Frkfurt a/m wohin die Briefe zu addressi[re]n weißt Du wohl

Große Eschenheimer Gasse No Lit D. No 158.
Du siehst l. L. aus diesen Mittheilungen aus Leonhardis Briefe, welcher vier
ganz dicht voll geschriebene Blätter wie jedes dieser enthält, daß er
sehr thätig, treusinnig thätig gewesen ist; darum käme ich auch herzlich
gern wenn es mir so möglich wäre seinen gutgemeynten Wünschen nach.

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Nun auch noch eine oder ein Paar Auszüge aus Dörf[f]lingsbrief d. d. 12. 7br[:]
"Der Wunsch mit alles zusammen Umschläge, Proben der Beschreibungen
u Abbildungen rc rc zu überschicken hat die Antwort auf meine wie-
derholten Briefe verspätet." - "Das 1' Quartal des Sonntgsbl
"habe ich da Versendung als Novität in Blättern nicht wohl an-
"geht mit dem Umschlage broschiren lassen, und so ist es zugleich mit
"den Spielen in alle Welt hinausgewandert. Welches Schicksal es
"haben wird muß sich nun bald zeigen. Bis jetzt ist noch nichts nach[-]
"verlangt worden; es ist aber auch noch zu kurze Zeit, als daß es
"anders zu erwarten wäre".
"Herr Director Vogel hat mir versprochen bald eine Beurtheilung
"zu liefern. Von den übrigen critischen Instituten an die es zum Theil abge[-]
"gangen ist zum Theil in diesen Tagen abgeht, erfahre ich nun natürlich
"nicht eher etwas als bis sie eine Rezension haben abdrucken lassen.
"Herrn Barop erwarte ich und freue mich auf seine Bekanntschaft."
Alles übrige sind Geschäftangelegenheiten welche Dir mitzutheilen we-
nigstens jetzt nicht der Ort ist.—
In der Kürze bekommst Du nun eine Sendung mit dem vollständigen ersten
Bande oder ersten Halbjahr des S. Bl. so wie mit den Sprachwürfeln[.]
Ich denke ich sende ihn Dir diese Kiste doch wieder über Nürnberg u Schaff[-]
hausen weil ich von der Spedition zu Wasser mich erst in Sonnberg
unterrichten muß, dieß dauert aber zu lange Zeit, diese Kiste kann
<auch> kaum 100 < ? > [sc.: Pfund] Gewicht bekommen. So lebe recht wohl bald bekommst Du
wieder einen Brief; schreibe mir bald; ist Middendorff rc abgereist?-
Ich hoffe es. Die herzinnigsten Grüße Dir. D.Fr Fr.