Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 5.10.1838 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 5.10.1838 (Blankenburg)
(KN 55,8, Brieforiginal 1 Bl 16°+Umschlag 3 S.+Adresse. Der Brief ist auf einem 16°-Blatt und der Innenseite eines Briefumschlags [= Bl. 2] geschrieben.)

Blankenburg am 5en Oktober 1838.


Gott zum Gruß mein theurer Langethal.

Der Hauptgrund dieses Briefes ist Dir anzuzeigen daß am 22en Septbr über
Nürnberg durch die bekannte Spedition wieder eine Kiste mit unten verzeichneten
Sachen an Dich abgegangen ist. Nun hätte ich wohl mit dieser Anzeige warten können
bis Middendorff angekommen seyn würde; allein Ferdinand hat mir einen Brief
zur Einlage an Dich und zur schnellsten Besorgung nach Willisau übergeben, so
daß ich Dir also schon vor Ankunft Middendorffs schreiben muß. Middendorffs
letzter Brief an mich ist aus Frkf vom 22 Sptbr worinn er den Vorsatz ausspricht
bis zum 3en Oktober schon hier seyn zu wollen; allein ich glaube er hat sich in der Zeit
verrechnet denn am 22 Sptbr reisete er erst von Frkfurt nach Hause.
Auch Leonhardi hat mir geschrieben. So kräftig Middendorff auch in Frkfrt gewirkt
und gehandelt, so durchgreifend er auch gesprochen hat, so steht doch daselbst noch
alles beym Alten. Man hat, ich weiß nicht wer ob Leonhardi oder Schäfer, den Gedanken
zu sehr ins Weite und Große getrieben, sich schon etwas aus von einem allgemeinen
Lehrerseminar vorgesprochen und darüber das nächste u einfachste ganz aus dem
Gesicht verlohren. Noch immer ist kein Rundschreiben zur Unterzeichnung in Umlauf
gesetzt; Leonhardi hat von mir wieder einen Plan verlangt - (mich dünkt die Sache
nun so sehr einfach) - ich habe niedergeschrieben was ich ihm schon so oft ausgesprochen
hatte und sende es mit der heutigen Post ab. Ob nun aus dem Ganzen noch et-
was werden wird, wer kann es wissen, fast zweifle ich. Sie formen und
schneiden gar zu lang daran herum, so daß ich fürchte es wird nichts als Holz bleiben.
Ich wußte und fühlte es gleich, daß wie Du, die bewegende Kraft zurück getreten seyn wür-
dest, daß dann das Ganze den Krebsgang gehen würde; allein ich konnte es nicht ändern. Diesen
Menschen in Frankfurt steigen Zweifel wie Herbstnebel auf, sie können hinter und über
denselben nicht die klare Sonne sehen, und die Kraft der andern ist doch zu schwach, mindestens
nicht geeint genug um diese Nebel mit Macht nieder zu strahlen[.] /
[1R]
In Dresden und um Leipzig hat sich unsern Reisenden: Barop u Frankenberg sehr viel
rege Theilnahme gezeigt, gz. besonders in Dresden wo mann [sc.: man] den Frkenbg sogleich
zurück behalten wollte; und er auch wohl zurück geblieben seyn würde; wenn
er das Bewußtseyn in sich gehabt hätte, daß er das Ganze um- und erfassend
und lebenvoll in sich trüge. Ich schreibe Dir jetzt über beyde Orte und deren
Theilnahmeäußerung im einzelnen nichts bis sich zeigt ob daraus auch ein
Ergebnis hervorgeht.
Das Wichtigste was ich Dir wohl aus meinem und unserem Leben mitzutheilen
habe ist wohl daß mich und uns Joh. Schmid auf ganze 8 Tage besucht
hat; er wollte, erst gleich an demselben Tage als er Mittags zu uns kam
wieder weggehen; allein da wir uns - indem er sich sehr einfach, still, bescheiden
und achtend zeigte - bald wieder in alter Liebe und altem Vertrauen fanden,
so blieb er, wie ich sagte eine ganze Woche bey uns und feyerte die Keilhauer und
Blkbrgr Kirchweyh mit uns. Er hat sich nach Möglichkeit mit dem G[an]zen besonders
auch durch Mitwirkung von Frkenberg bekannt gemacht; so daß er auch mit dem
Vorsatz ein Apostel für die Sache zu seyn und mit dem Nöthigen dazu ausgerü-
stet von hier weggegangen ist. Er wird von hier nach München gehen und er
war voll guten Vertrauens für die Sache.- Ich muß aufrichtig gestehen daß
sein Besuch sehr wohltätig für mich war; er erschien noch ganz in Hinsicht auf
Liebe, Treue und Vertrauen der Alte zu seyn. Er hat in Keilhau geäußert er ver-
danke was er erreicht habe und sey alles Keilhau. Dieß ist doch ein Wort dem
eine geprüfte und sich bewährte Gesinnung zum Grunde liegt. Schmid ist nämlich jetzt königl. Lehrer
an der Landwirthschaftl[.] u Gewerbsschule zu Straubingen.

- * -
In der Kiste empfängst Du: 100 Ex. S. Bl. No 19-26 u. 100 Ex. ¼jährige Titel (davon
würde ich nun keinen Gebrauch machen, sondern gleich von den) 100 Ex ½jährigen Um-
schlägen und 100 Ex ½jährige Haupttitel: - 10 Ex Sprachwürfel 3, 4, 5. Mittheilung -
36 Spielkästen 4e Gabe und 25 Ex: Ausstechbücher No 13-14, 15 u 16. weiß u 1 Blatt farbig.
25 Ex Beylage B u C zu No 17
ich würde eine gewisse Anzahl sogleich broschiren d.i. ganz leicht leimen lassen.
20 Schilder zu den früher erhaltenen math. Würfel.
<Staune[n]> über Gemeingeist.
Seit 14 Tagen ist ein gewisser Dr Stoy aus Göttingen hier; er giebt sich
viel Mühe, doch glaube ich fehlt es an Geist. Er ist Pädagog rc. /
[1V]
[Nachschrift:]
Beykommenden Brief wirst Du mit Oblate verschließen: Sobald Middendorff angekommen empfängst Du einen Brief. DFr.Fr.
(Die Kiste wiegt 140 <₤> [sc.: Pfund.) /
[2]

[Innenseite des Umschlags:]
Die Frau Fürstin, die Fürstin Mutter Durchl. hat mich jüngst
Nachmittags mit der Frau Prinzess Karl auf wohl mehr
als eine Stunde im Geschäftshause besucht. Sie sagte zu
meiner Frau: "Langethal hat mir aufgetragen anbefohlen Fröbeln
zu besuchen rc." Die Fürstin Mutter war besonders eingehend
doch auch die Fr. Prinzeß sehr theilnehmend; erstere fragte
mich wie es mit einem jungen ausgebildeten Manne stände
und sagte, wenn er sich gefunden, möchte ich es ihr nur anzeigen.
So liegt alles an Frankfurt. Die dort eingetretene Stöhrung
ist gewiß für das Gze nachtheilig.- /
[2R]
[Adresse auf dem Umschlag:]
Herrn Heinrich Langethal,
Vorsteher der WaisenhausErziehungsanstalt
           zu
Burgdorf
Kanton Bern
Schweiz.