Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Ferdinand Fröbel in Burgdorf v. <zw.11./13.>11.1838 (Blankenburg)


F. an Ferdinand Fröbel in Burgdorf v. <zw.11./13.>11.1838 (Blankenburg)
(BN 436, Bl 1, undat. Entwurf 1 Bl 8° 2 S. – Zur Datierung: Der Brief ist auf einer Rechnung A. Stahls für F. v. 25.6.1838 geschrieben, also jedenfalls nach diesem Datum. Am 13.11 oder 14.11.1838 benutzt F. eine weitere Stahl-Rechnung (v. 5.7.1838) für zwei andere Briefentwürfe (an Dörffling und <Müller>); mglw. benutzt F. einen Stapel ähnlicher Blätter für Briefentwürfe zur selben Zeit. - Unter dem 6.11.1838 hat Ferdinand Fröbel aus Burgdorf an F. geschrieben. Unter Berücksichtigung der Postlaufzeit kann dieser Brief frühestens am 11. oder 12.11. in Blankenburg eingetroffen sein. - Im Brief an Langethal v. 11.11.-14.11.1838 schreibt F. (212R), er habe den Brief Ferdinands an dessen Vater gesandt; das entspricht dem hiesigen Briefanfang, wonach F. Ferdinands Nachrichten an dessen Vater weiterbesorgt hat. Im gleichen Brief erwähnt F. am 13.11. (213V) einen beiliegenden Brief an Ferdinand Fröbel. Es kann sich nur um diesen Brief handeln, der allerdings nur im Entwurf erhalten blieb.)

Mein theur[er] Ferdin[and]

Dein lieber Bri[e]f welcher uns in jeder Beziehung - von Deiner schnellen Reise
von Deiner guten freundl unerwart[et]en Ankunft in W[.] u B. von Deiner fr[eu]ndl[ichen]
Bewillkom[mnun]g, von den nicht <nur> unverkümmerten frischen Muthe Wiederb[e]ginnen Dein[es]
Wirkens so gute Nachricht br[in]gt war mir u meiner Frau ein wahres
angenehme[s] Geschenk. Schade daß Dein l. Vater welcher uns eben in
Gesellschaft Heinrichs aus Gotha u Barop[s] besucht hatte schon wieder weg[-]
geg[ang]en war sonst hätte ich ihm die freudige Nachricht sogl[eich] ganz frisch u <weg>
mittheilen können doch habe ich sie heut schon hinüber besorgt und sie wird
dort eben so unerwartet freudig bewillkomm[n]et werden als du in W[.] u B.
Daß sich alles <so> beruhigt hat freut mich doch freut mich auch das [sc.: , daß]
<Bernet> die Sache in auff auf seine ruhige wenn auch verschleyert[e] <so vor[-]>
sichtige Weise in Anreg[un]g erhalten hat. Die Anzeige des Wiederbe[-]
ginns der Anstalt mit denen sie begleitenden <Wirken> von der war auch auf diesen Aufsatz eine recht passende
Antwort u konnte, wenn sie vor[-]
her bedacht gewesen wäre nicht besser seyn.
Du hast mein theurer Ferdin[an]d hier gleich einen that Beweis wenn man
in jedem Augenblick sogleich das rechte ergreift u schnell aus[-]
führt so ergreift man auch das Rechte für das nachfolgende u so
für das G[an]ze.
Deine Gesin[nun]g, Dein Muth der sich gleich d[urc]h die That ausspricht f[r]eut
mich gar sehr, wie <in[ni]g> freuen mich, daß die Worte Schillers auch Dir
Lebensworte sind, sie werden auch Dir wie mir Votivtafel werden
denn auch sie waren u sind mir im[me]r noch Lebensworte Gewesen u
Keilhau wie auch Wartensee verdank[en] diesen wie noch anderen Worten
Schillers, so z.B. auch seinem Kolumbus ihr Daseyn. Von Worten
her gilt dieß in Bezieh[un]g auf Columbus g[an]z g[an]z [2x] namentl denn sie waren die, Wor goldne lebendige Inschrift an
mein[er] <S[t]irn> als
ich 1831 nach Fr[an]kf[urt] zog u Wartensee, Willis[au] Burgdorf, ja
selbst in gewisser Bezieh[un]g Amerika selbst waren die Erndten
dieser Fahrt. Ja l. F[e]rd[inand] ich verdanke den Dichtern den Dichtern aller Zeiten u aller
Völker die mir nahe kommen vor allem aber unsern Deutschen jetzige[n] Dichtern sehr viel: ein <Klopst[ock]
Göthe Schiller, Herder Aug[ust] <Mahlen> Manfr[ed] Kosegarten <d[a]zu>
wie sollte es auch anders seyn <wer> wäre sich geistig näher
verwandt als der ächte Dichter u der wahre Erzieher, sucht doch jener allgemein so wie
dieser vom Persönl[ich] individuellen aus die Menschheit [zu] erzieh[e]n. Darum halte <lege> Dich auch immer treu /
[1R]
an S sie[;] für alle Zeiten u für alle Lage[n] u Bedürfnisse Deines Lebens f[i]ndest
Du in u bey ihnen Stärk[ung] Ermuthig[ung], Trost <Weisung> rc.
Dein hoher fester LebensMuth mit welchem Du Dein Werk <v neu> begonnen
u welcher sich so bestimmt in Deinem Briefe ausspricht hat mich gar sehr erfreut
u er wird d[urc]hdringe[n] er wird sein Ziel, Dein <sein> Ziel erreichen. Erhalte Dich nur
in Dir und um Dich frey; Deine Lage dazu Dein[e] Verhältnisse dafür <sind>
aber auch einzig[.]
Ein Weiser sagt daß man auch dem Weisesten zu Zeiten seine Lage u Verhältnisse
zeigen müsse damit er sie in sein[em] wahren Licht schaue und demgemäß <betrachte>, und ich habe die Wahrheit darin
im Leben viel u oft erfahren, so wirst Du mir denn auch nicht übel deuten wenn ich das
so eben ausgesprochene zu beweisen [versuche]. Siehe Ferdin[an]d Du stehst in Dir u außer Dir
frey kannst Dein Leben <doch> gestalten wie es Dein Leben in Dir fordert und dennoch <so>
frey Du da stehst so brauchst Du wenn Du Hülfe bedarfst nur Deine Hand nach
selb[i]ger ausstrecken und Dir sie wird Dir nach Möglichkeit freudig von dem Ganzen von welchen Du
Dich als Glied erkennst [entgegengestreckt], ja zieht man Dir in der Ferne oder
irgendwo <Dein Gut> und Boden auf welchem Du stehst unter den Füßen weg, so gehst Du in Dein[e] Heymath
da bist Du verwurzelt wie eine Eiche. Siehe Ferdin[an]d
soll [sc.: solch] eine Stell[un]g hatte ich nie und habe sie in Bezieh[un]g auf mein Wirken
kaum jetzt noch[;] allein ich freue mich sie Dir u andern er[r]ungen zu haben
denn sie ist die wahre sichtbar gewordene Vorsehung u Allgegen[-]
wart Gottes. Ja so soll es seyn u werden wie unser Ge[-]
müth u Geist ahnet u hofft von einem jenseits das soll das Dieß[-]
seits schon in Gestalt u Leben zeigen. Ich hoffe Du verstehst mich Ferdinand[.]
Ich meyne so wie sich der Mensch gläubig u vertrauend zu Gott wendet
<ich> will menschheitl[ich] u Dir als dem Kind <wohl> u würdig habende hülfe <wie>
so auch u der Hülfe <gewiß überzeugungsvoll> wenn der Mensch sich zum Menschen wendet u sagt Bruder ich will menschl[ich]
u menschheitl[ich] handeln mein Ziel ist gr[o]ß u schwer hilf mir überzeugt daß von daher ihm Hülfe wird, daß ihm dann
so meyne ich ahne <wenigstens> dort der Himmel
zur Erde komme u die Erde zum Himmel werde u daß wir Gottes <Würde>
Wirken in al[l]em schau[e]n, daß Gott sich von <neuem> auf der Erde u im Leben
der Menschen nicht <nur> offenbaren werde, sondern jetzt schon wirkl[ich] offenbare.
Du findest <Anerk[e]nnt[ni]ß> u
Hülfe [bricht ab]
[Schreibübungen]