Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Wilhelmine F. in Blankenburg v. 22.12.1838 (Dresden)


F. an Henriette Wilhelmine F. in Blankenburg v. 22.12.1838 (Dresden)
(Autograph nicht überliefert; ed. Rhein. Bl. 1878, 157-159)

Dresden, Sonnabends den 22. Dezember 1838.

Grüße Dich Gott, meine theure Frau, und herzinnigen Dank für Deine lieben Zeilen durch Middendorff, so wie für Deinen lieben Brief, welchen ich vor einigen Tagen empfing und dessen Eingang ich Dir hoffentlich dankend angezeigt habe. Middendorff kam heute Morgen wie gerufen zu mir; denn ob er gleich gestern schon hier angekommen ist, so sprach ich ihn doch heute erst, indem er bei seinem alten treuen Freund Valentin abstieg, wodurch sein Aufenthalt hier sehr erleichtert wird. /
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Für Frankenberg habe ich heut ein Quartier auf 1 Monat
gemiethet; doch wird dieser wohl länger hier bleiben, indem die Sache hier einen Grund und Boden, eine Anerkenntniß und Pflege findet, die weit das alles übertrifft, was in dieser Beziehung in meiner Ahnung lag - jedoch bezieht sich dies, um nicht mißverstanden zu werden - alles noch auf die Prüfungszeit der Unternehmer; allein diese Prüfung erscheint so allgemein und wird von mehreren Seiten mit hingebendem Eifer und Enthusiasmus betrieben, daß ich nur zu arbeiten habe, das Wort dieser Männer durch die That zu bestätigen; diese That erweckt aber gleich wieder neuen Enthusiasmus, mindestens treusinnige herzliche Theilnahme, so daß das Ganze wächst wie eine Lawine, fast ohne mein Zuthun, und ich sie bald so wenig übersehen kann wie das Kind den großen Schneeball, welcher sich, wie fast durch Nichts angestoßen, durch stetiges Fortbewegen nach der Erde Mitte, d.h. den Abhang hinab rollt. Nur eine Thatsache oder einige.
Heute morgen habe ich von dem Kammerherrn v. O. durch die Frau von Reiska das freundliche Zugeständniß erhalten, in der Kleinkinderschule auf der Viehweide mit 60 - 80 Kindern, je nachdem mehr oder weniger der eingeschulten fehlen, noch ferner vorläufige Übungen bis auf die Dauer von 14 Tagen zu halten. Heute morgen kam nun aber Middendorff wie gerufen. Ich war durch die Gegenwart eines sehr eingehenden Referenten, des Herrn Prof. Graft [sc.: Grahl], so in Anspruch genommen, daß ich nicht mit nach der Viehweide gehen konnte. Da vertrat denn Middendorff sogleich meine Stelle. Nachmittags sollte er wieder meine Stelle bei den Kindern des Herrn Schaarschmidt vertreten; allein er wurde von seinem Freund Valentin zurückbehalten.
In 2 mal 24 Stunden soll ich entweder von dem Hrn. Kammerherrn v. O. mündlich oder schriftlich die unmittelbare Erlaubniß Ihrer königlichen Hoheit, der Prinzessin erhalten, in jeder der hier befindlichen 3 Kleinkinderanstalten vorläufige Versuche zu machen, zu deren Prüfung öffentlich von hiesigen namhaften und ernsten Männern dann eingeladen werden wird. Außerdem mögen sich wohl nun bald 4 - 6 besonderer /
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Familienkreise bilden. Wie du, mein geliebtes Weib, siehst, wir sind wie Arbeiter und Schnitter zur reifen Ernte geladen und gekommen; dies Dir und Euch allen zum lieben Christfest, wie wir hier zum wahren Christfest von fast 100 Kindern gekommen sind. Gott stärke Dich und segne Dich.
Wegen F. B. werde ich Dir schreiben: in Zeit von 8 - 14 Tagen ist das Wichtigste entschieden. Spätestens nach Weihnachten schreibe ich so, daß Du ganz bestimmt in diesem Jahre noch einen Brief von mir bekommst. Alles hoffe ich, wird sich im neuen Jahr zum Heil und Segen für Alle und Alle dem stillsten Wunsche ihres Herzens gemäß entwickeln. Barop soll ja den Brief an Langethal nicht lange zurück halten, einen Auszug aus Middendorffs Brief oder durch Friedrich eine Abschrift beifügen.
Louise die freundlichsten Grüße; das Christgeschenk wolle ich schon nachholen, ich hatte nicht Zeit, für mich einen Lebkuchen zu kaufen, ob sie mir gleich fast in den Mund hingen.
D. Fr. Fr.