Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 27.12.1838 (Dresden)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 27.12.1838 (Dresden)
(KN 55,14, Brieforiginal 1 B 8° 3 S., zit. Heerwart 1905, 238. Im Briefkopf: Lithographie mit Bildunterschrift: "Dresden gegen Morgen.")

Ja, mein theurer Barop es gilt jetzt in Dresden
dem Aufgange eines neuen Lebensmorgen; und ich und wir
gehen hier demselben so - wie dem neuen Jahre entgegen!


G.z.G.


Dresden am 3en Christfest (27/XII) 1838.

-- * --
Wenn ich zu Dir komme l. Barop um Dir zu schreiben brennt mir
immer der Abgang der Post schon in die Finger, so auch heut wieder.
Seit 8 Uhr Morgens bin ich bis jetzt ¼6 für die Unternehmung auf
den Füßen und thätig; denn sie entwickelt sich ohne mein Zuthun, möchte
ich sagen so stetig allein auch so schnell - wenn man den Umfang des
Gegenstandes und seine wie meine eine persönliche völlige Unbekannt[-]
heit hier bedenkt - daß ich selbst kaum der Entwickelung folgen und doch
auch die nach den verschiedensten Seiten hin angeknüpften Lebensfäden
ja es giebt keine Richtung des Lebens nach welcher hin die Sache nicht an-
geknüpft und in welcher nicht Lebensfäden und Lebenskeime hier zu pflegen
wäre.- Über das Einzelne das Mindeste zu sagen ist mir ganz unmögl.
Ich kann Dir nur die Forderung des Augenblicks aussprechen und Dich zu bitten
mir die Hand zu reichen, daß sie erfüllt werde. Es erscheint mit einer
großen Gewißheit daß ich während 2 Wochen in jeder 2 Tage
und an jedem dieser Tage tägl. 2 Stunden - also im Ganzen in Acht Stücken
eine Vorlesung oder Vortrag über das Wesen und die Anwendung
meiner Kinderbeschäftigungsweise halten werde - die Königin Majestät
wird - ich sage das mindeste - vielleicht selbst Zuhörerin dabey seyn.
Heut habe ich nämlich wieder Spielschule in der Kinderanstalt auf der Viehweide gehalten, wo[-]
bey der Kammerherr der Prinzeß Johann <O Byrn> /
[1R]
gegenwärtig und dieser durch den Erfolg auf des Höchste befriedigt
war. er sagte: - die Entwickelung[en] gehen ins Unendliche - man kann
gar nichts durch blose Wort mitheilen man muß die Sache sehen.
Nun sie wollen also die Sache sehen und ich soll sie zeigen.
Dazu möchte ich aber gern
1. alle die Zeichnungen auf großem blauen Realpapier
haben welche Herrn Giger [sc.: Gyger] u Friedrich bis jetzt schon ge-
fertigt haben.
2. alle die Zeichnungen auf demselben blauen Realpapier [we]lche
ich dem Friedrich zu machen aufgetragen habe noch 13 Bogen
3. das eine Exemplar auf weiße Quartblätter was
ich ebenfalls Friedrich zu fertigen aufgetragen habe.
(Das zweyte Exempl. bleibt für Lgethal zurück[.)]
4. wünsche ich den einen großen Kasten in welchem das
Modell aus Wolle über Draht ist. In die 3 noch übrigen
Fächer kommt in das eine die Sphäre oder Kugel aus den dreyn
Draht Kreisen nebst 3 sich rechtwinkl. d[urc]hschneidenden Drähten
die beyden anderen Fächer kannst Du durch einen Apparat von Erb-
sen Figuren bis zu einem gewissen Umfang ausfül[l]en
5. wünsche ich wenn Herr Unger Tafeln zum 5en Spiel, Lebens[-]
formen fertig hat ein Dzzd Exemplare davon, versteht
sich von den Nummern die fertig sind, dann 25 Exp. von den
Beylagen zum SonntagsBl. dann
6. die zweyte Tafel der Erkenntnißformen zum Spiel
No 4 in 25 Ex. versteht sich alles wenn es
fertig ist.
Dieß sey so gut u packe es, wie ich es in einem
früheren Brief bestimmt habe in einen Kasten,
sende es spätestens künftigen Dienstag besser noch /
[2]
Montags an Fuhrmann Franke in Saalfeld. Einer
der sprechen kann, soll mit dem Franz aus Blankenburg
welcher die Sache hinbringt gehen zum B. Herr Unger
und soll dem Franke fragen ob ich es nicht schneller be-
käme wenn er die Sache direkte mit nach Leipzig
nähme oder spedirte und sie dann von dort sogleich
aber sogleich durch Fracht hierher bekäme. In
Altenburg muß die Sache zu lange - fast 6 Tage
liegen. Also Barop besorg dieß aufs beste[.]
Ich bedarf diese[r] großen Blätter in dem Vortrag
beym Vorzeigen an die Menge.
Grüße Bruder alle alle die Frau[.]
Morgen schreibe ich wieder heut nur daß
Du alles vorbereitest. Wir sind gesund
Gott gebe gleiche Nachricht von Euch
FrFr.,

Den Brief an meine Frau besorge so bald
als mögl. mindestens zum Neujahr Gruß.

Es schließt sich nachträglich folgende Liste an, wohl von F.s Hand mit Bleistift, wohl Bestelliste:
1/12 Spiele nebst lith. 3 G[a]b[e]
4 G[abe].
zu 6-12 Ex S Bl II B 3 Taf[e]l 1, 2, 3 4
- Stäbchenform u. Stäbche[n]körper
- Ausstecher
- Lebensf[or]m[en] N 9
- So[nn]t[a]gsbl[att] 2b 1 & 2 Taf
- Netztaf[e]l