Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. <nach> 27.12. 1838 (Dresden)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. <nach> 27.12. 1838 (Dresden)
(BlM IX,6, Bl 30a+30b, undat. Brieforiginal 1 Bl 4° + 1 Bl 8° 3 ½ S. ohne Absenderort. Da F. 30bR erwähnte, er müsse „nächstens einen Vortrag halten“ und „notwendig nach Leipzig“, ergeben sich Annäherungs-Datierung und Absenderort.)

Mein lieber Barop.

Nun eine Hiobspost allein für Dich ganz allein
doch Du mußt sehen wie Du sie in eine Freudenpost um-
wandelst darum in Eil diese Zeilen. Du erinnerst Dich, daß
ich Dir als Du Deine Schwestern begleitetest einen Staatsschuld-
schein über Rth 500.- mitgab um mir für 200 rth. Cassa
und für Rth 300 wieder Staatsschuldscheine mitzubringen.
Erstlich brachtest Du mir die gewünschten Rth 200 - dann
einen Staatsschuldschein über Rth. 300 mit. Soweit hat
alles seine Richtigkeit. Als ich nun von Hause jetzt wegreis-
te nahm ich den Staatsschuldschein von Rth. 300 mit um auf
der Reise nicht in Verlegenheit zu kommen. Heut komme ich nun
zum Wechsler um ihn umzusetzen; siehe da so ist er schon
am 1en Septbr 1836 ausgelehrt worden, und schon
am 2en Janauar [sc.: Januar] 1837 zahlbar d.h. vom zweyten
Januar 1837 werden keine Zinsen davon vergütigt,
sondern weil der Staatsschuldschein dortmals zahlbar /
[30aR]
war, so werden bey dessen jetzigen Einsendung auch
alle Zinsen von jener Zeit also netto 2 Jahre,
jedes Jahr Rth. 12 folglig Vierundzwanzig Thaler
abgezogen; ebenso verliehr ich das Agio nach jetzigen
Cours 7 rth. 3 gl also im Ganzen Einunddreißig Thaler 3 gl
Du mußt also schleunigst entweder selbst nach Erfurth zu
den [sc.: dem] Kaufmann gehen oder an Gottlob Langethal, welcher ich
meyne bey dem Geschäfte gegenwärtig war. Der Staatsschuld-
schein führt die No. 112,862 Litt. B. Hat das Handelshaus
mit Bewußtseyn u Kenntniß der Sache so gehandelt, so hat es
Dich und uns betrügen wollen, doch dieß wollen wir nicht
denken. Ich lege Dir nun die Abschrift von dem hiesigen Banquier
Schulz hier bey der die Wahrheit der Nummer bestätigt. Ist das
Haus ganz solid so muß es diese Nummer in seinen Büchern be-
merkt haben, und dann ist alles in Ordnung. Auch muß diese
Nummer auf der Nota stehen die Du mir [aus] Erfurth von diesem
Handelshause mitgebracht hast. Diese Nota liegt nun in mei-
nem  /
[30b]
Schreibtische allein wo?- Vielleicht unter alle
den Geldrechnungen welche Stauch mir geschickt hat,
ich glaube am Ersten da, dann muß das Packtchen
mit lauter Stauchschen Briefchen entweder in
meinem Schreibtische gerade zu, oder in der Schiebla-
de unter dem freyen Gefache oder links in der
Schieblade unten, auch vielleicht oben in irgend einem
der kleinen Briefgefache [sich] finden. Du kennst ja wohl
diese kleine Nota, sie war mit farbigen Linien ge-
zogen; fände sich diese Nota und auf derselben die
No. 112,862 Lit B. angegeben so wäre alles gut
und es fragte sich dann nur ob das in Frage stehende
Haus sich sogleich zu dem Ersatz der oben berechne-
ten 31 rth. 3 verstehen wolle oder ob ich ihm den
Staatsschuldschein in Original zurückgeben müßte
dann wäre es am besten wenn ich - bis ich demnächst
zu Hause alles ordnen könnte auf kurze Zeit einen
Credit Brief von Stauch über Rth. 200 erhielte.
Fändest Du nur, Könntest Du nur den Schein d.i.
die Nota oder Berechnung vom Erfurter Banquier
finden, auf jeden Fall mußt Du sogleich nach Erfurth
und zwar sowohl an Gottl. Lgthl. als an den Banquier
selbst schreiben mit welchem Du hoffentlich selbst verkehrt
hast. Beyliegend der Schein vom hiesigen Banqui[e]r; schreibe /
[30bR]
wie alles steht. Von meiner Frau kannst Du Dir
den Schlüssel zu meinem Schreibtisch geben lassen um
wie es denn wahr ist eine Erfurther Rechnung zu suchen.
Fändest Du mir das Zettelchen dann ließe
sich die Sache leicht durch Stauch abmachen. Müßte
ich nicht nächstens einen Vortrag halten. Müßte ich
nicht nothwendig nach Leipzig so käme ich augenblicklich
nach Hause. Schreibe mir nur bald ich werde dann
sehen was hier zu thun ist.
Die Post ruft. Leid, sehr leid thut es mir
Dich mit dieser unangenehmen Sache behelligen zu müssen.
Dein FrFröbel.