Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Wilhelmine F. in Blankenburg v. 17.1.1839 (Dresden)


F. an Henriette Wilhelmine F. in Blankenburg v. 17.1.1839 (Dresden)
(Autograph nicht überliefert; ed. Rhein. Bl. 1878, 145-147. Dieser Brief wurde 1878 irrtümlich unter „17. Januar 1838“ datiert)

Dresden, am 17. Januar 1839
Dir, meine einzig geliebte Frau! für Dich selbst nur ein Paar einzige Worte. Damit Du und Ihr doch wenigstens etwas von mir hört, so beeile ich mich, Dir und Euch meinen /
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Brief an Langethal nach Burgdorf zu schicken. Du und Barop werdet schon Sorge tragen, daß er möglichst schnell abgehe. Frankiert braucht der Brief nicht zu werden. Ohne Zweifel werde ich schon morgen Gelegenheit finden, Dir und Euch wieder etwas zu schicken, heut war nicht mehr Zeit dazu, es zu besorgen; und ich wollte diesen Brief doch nicht länger aufhalten, damit Du ihn, so Gott giebt, Sonnabends, spätestens Sonntags, durch den Wilhelm Wolfram erhältst. Wenn Du ihn erhalten hast, dünkt es mich am besten, Du schickst sogleich zu Barop, welcher dann zu Dir kommen kann, damit Ihr den Brief gemeinsam leset und besprecht. Aus dem Inhalte des Briefes wirst Du sehen, daß das Leben eben so tief sich zu begründen, als allseitig sich zu entfalten strebt; noch ist alles im Keime, in der Entwicklung; doch wird es sich nun alles auch schnell entscheiden. Mein Geist und Gemüth geht mit großer Freudigkeit, Gottvertrauen und Zuversicht der Zukunft entgegen; mein Herz durchbebt die Ahnung, als sollten alle meine Wünsche und Bestrebungen noch erfüllt, bei weitem höher und umfassender erfüllt werden, als ich selbst früher ahnte. - Dem Bruder dies zum Gruß. - Alte Dinge erneuten sich - sie zeigen das "Gesetz", das bei aller Darstellung menschenwürdiger Bestrebung immer sich kund thut. Als ich die Menschenerziehung und die erziehenden Familien schrieb - trat Harnisch geharnischt und ergrimmt gegen mich auf. - Als ich nach Halle wollte, trat man verschleiert gleich einer Nonne gegen mich auf. - Als ich in Wartensee erschien, trat der Ungenannte in der Appenzeller Zeitung hämisch gegen mich auf. - Jetzt soll ein solcher hämischer Aufsatz in der Allgemeinen Leipziger Zeitung gegen mich stehen; ich habe ihn noch nicht gelesen. Man hat mich auch ersucht, ihn nicht zu lesen: das von Hunderten gesehene Factum, daß die Königin Majestät mit mir als einem Fremden noch ½ Stunde, nachdem sie mir schon 2 Stunden geopfert hatte - so will ich sagen - mindestens gütevoll schenkte - dies Factum kann Niemand widerlegen; vielleicht hat dies dem guten Mann etwas in dem Magen gegrimmt, da er vielleicht an einem schwachen Magen leidet. - Ich bin hoch erfreut, daß dieser /
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Angriff nicht gleich den früheren auf mich wirkte und alles so ruhig und sicher seinen stillen natürlichen Gang fortgeht, als wäre nichts vorgefallen. Nach Berlin habe ich so geschrieben, daß ich glaube, der Brief werde Dich selbst freuen, könntest Du ihn lesen. - Nun meine theure, theure Frau für heut herzinniges Lebewohl!!!
D. Fr. Fr.