Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Wilhelmine F. in Blankenburg v. 2.2.1839 (Dresden)


F. an Henriette Wilhelmine F. in Blankenburg v. 2.2.1839 (Dresden)
(Autograph nicht überliefert; ed. Rhein. Bl. 1878, 319-322)

Dresden, am 2. Februar 1839.


Gott zum Gruß meine theure, geliebte Frau!

Wie so innig froh war ich, als ich heute Deine lieben, lieben, freundlichen Zeilen erhielt. Wenn die Natur so um einem herum tost - (denn auch wir hatten hier wirklich zu Zeiten furchtbaren Sturm und jetzt, wenn man an die armen Gebirgsbewohner denkt - wirklich grausiges Schneewetter, kaum ist in der Stadt fortzukommen) - ich sage, wenn die Natur um uns herum in so ungewöhnlicher, stürmischer Aufregung ist, so wird man wirklich auch wegen der lieben, theuern Menschen in der Nähe und besonders in der Ferne besorgt, und ich muß Dir sagen, meine gute Frau, daß eine fast ängstliche Sorge für Dich und Deine Wohnung in diesen Tagen meine Seele ergriffen hat, und so habe ich mich ganz ungemein nach Nachricht von Dir gesehnt. Wie glücklich war ich darum, als sie mir heute morgen der treuherzige Diener unseres treuen Houpe brachte. Herzlicher, innigster Dank dafür; Du wirst nun hoffentlich meinen Brief persönlich an Dich, so wie durch Barop ausführliche Briefe /
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über den hiesigen Stand der Sache mitgetheilt erhalten haben: die Briefe meine ich, welche Middendorff an Schnyder v. W. und an Dr. Kosel in Frankfurt a. M. geschrieben hat.
Jetzt theile ich Dir etwas zur Gegengabe für Barop mit: es ist dies ein Aufsatz unseres Herrn v. Nowosielsky über mein Streben, für die allgemeine Leipziger Zeitung ursprünglich bestimmt. Ich höre nun, daß dieses Blatt, - wie man es in der Kunstsprache zu nennen pflegt: seine Spalten für diesen Gegenstand geschlossen hat - was eigentlich ungerecht ist, da für die Sache bestimmt noch [k]ein Aufsatz zu Gunsten derselben in diese Zeitung aufgenommen worden ist - genug, das Blatt ist für Mittheilungen über diesen Gegenstand geschlossen, da ein von einem hiesigen Herrn Prof. Franke für die Sache geschriebener Aufsatz demselben mit dem Bemerken zurück geschickt worden ist, daß die Redaction des Blattes schon einen anderen Aufsatz ebenfalls zurückgeschickt habe, weil man nicht wünsche, daß das Blatt der Kampfplatz für eine Polemik werden möchte. - Wie gesagt, unrecht bleibt dies nun, weil dieses Blatt (die allgemeine Leipziger Zeitung) noch keinen Aufsatz eigentlich für die Sache aufgenommen hat. Da es nun zweifelhaft ist, ob der Herr Director Vogel in Leipzig und zu welcher Zeit und in welchem Blatte von des Herrn v. N. Aufsatz Gebrauch macht - (an ihn ist er nämlich abgesandt worden), so sende ich diesen Aufsatz Euch handschriftlich, damit ihr doch seht, wie andere Menschen über diesen Gegenstand denken und namentlich unser Herr v.N. selbst. – Auch habe ich diesen Aufsatz durch Dich an unsern Barop mitgetheilt, damit er ihn wenigstens abschriftlich unter unseren Freunden verbreitet. Am kürzesten wäre es, wenn er ihn von irgend Jemand unseres Kreises - vielleicht von Herrn Unger mit lithographischer Tusche schreiben und dann durch Überdruck vervielfältigen ließe. Er mag es auf die beste Weise besorgen.
Ob der Aufsatz des genannten Herrn Prof. Franke und wo er erscheinen wird, weiß ich noch nicht. - Über unseres thätigen Prof. Löwe's Wirken findest Du Neues in dem beiliegenden Briefe von Middendorff. Allein die Zeit eilt, und so /
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muß ich auch eilen, Dir den jetzigen Stand der Sache wenigstens anzudeuten.
Gegen zwölf vielleicht noch mehr (Euch durch meine früheren Mittheilungen schon größtentheils bekannte) Familien sind nun fest entschlossen, die begonnenen Spielkreise fortzuführen. Wenigstens 24 Kinder sind gleich beisammen. Diese werden nun in einer Unterschrift, oder vielmehr durch Unterschrift in einem Gesuche an mich zusammentreten und mir noch die besondere Bitte aussprechen, bei der betreffenden Behörde deshalb das Nöthige einzuleiten. Auf diese Grundlage hin werde ich bei der hiesigen Kreis-Schuldirection mit dem Gesuche um Erlaubniß dazu, d. h. in der Kunstsprache um eine Concession anhalten. Dies alles wird bis Montag, höchstens Dienstag, beendigt sein. Gestern abend war ich nun in dieser Beziehung bei der Hauptperson dieser Kreisschuldirection, Herrn Superintendenten Heimann (einem Manne, welchen ich schon einige Mal erwähnt habe). Diesen Mann hatte ich nun durch meine letzte Vorführung in der Schule zu Rath und That und durch einen hingeworfenen Gedanken - einen Gedanken, ähnlich dem, wegen dessen mich Fellenberg früher einmal an den Pranger zu stellen, d. h. vielmehr lächerlich zu machen versuchte - genug, durch diesen Gedanken und diese flüchtige Äußerung über das Wort Ball hatte ich mir ganz den Geist, das Gemüth und die förderliche Thatkraft dieses Mannes gewonnen. Wir sprachen dann noch weit über diesen Gegenstand - (vorher hörte ich, daß er ein sehr tüchtiger Philolog sei und früher an einer der sächsischen Fürstenschulen - Grimma oder Meißen, Professor gewesen war) - genug, dieser Mann - welchen manche als Prediger dem Herrn Oberhofprediger v. Ammon vorziehen und welcher in sehr hohem Grade hier geachtet ist, dieser Mann sagte, man müsse erstaunen, wie gründlich und tief ich das Ganze durchgedacht und mit welcher Consequenz und Allseitigkeit ich es durchgeführt habe. Siehe, meine geliebte, geliebte Frau, wenn man diese Männer hört - wie ich deren noch ein paar, ich sage nur ein paar, aber sorgsame Familienväter höre, so schwinden alle die persönlichen und sonstigen Angriffe wie ein Hauch und Nebel /
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vor der erwärmenden Sonne. Bis zum Mittwoch spätestens, hoffe ich, sind die geeigneten Schritte gethan - dann sind gegen 2, 3 oder 4 Wochen Frist, ehe das Ganze sich entscheidet; in dieser Zeit reise ich nach Leipzig - kehre dann vielleicht auf einige Tage hierher zurück, um zu sehen, wie es steht, und eile dann zu Dir nach Blankenburg. - Frankenberg bleibt nun bestimmt hier. - Middendorff wird, wie ich glaube, früher nach Hause kommen als ich.
Morgen habe ich Zeit; dann will ich Deinen Brief ausführlich beantworten. Ich hatte noch nicht Muße, ihn ruhig zu lesen. Ein neuer schöner Spielkreis von 3 - 4 Familien hat sich gebildet. Wegen der Scheine habe ich alles geordnet; es brennt mir unter den Sohlen: ich hoffte schon längst wieder bei Dir zu sein.
An Alle Grüße
D. Fr Fr.