Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Wilhelmine F. in Blankenburg v. 18.2.1839 (Leipzig)


F. an Henriette Wilhelmine F. in Blankenburg v. 18.2.1839 (Leipzig)
(Autograph nicht überliefert; ed. Rhein. Bl. 1878, 334-335)

Leipzig am 18. Februar 1839.


Es grüße Dich Gott, meine theure Frau, und durch Dich
       begrüße ich mit diesem Gruße alle Lieben.

Am Sonntag, von 10-1 Uhr ungefähr, wurde im großen Saale der Leipziger Bürgerschule wieder Samen ausgestreut, oder wieder Hartes am Harten gerieben, um Funken zu geben und Feuer hervorzurufen. Wie ich höre, soll gar mancher Same auf mancherlei guten Boden gefallen sein; wie ich höre, sollen manche Funken Stoff und so Feuer gefangen haben, nicht aber, um zu verbrennen, sondern zu leuchten. Ein gewisser Herr Kirchenrat Meißner kam ganz erregt zu mir, mir zu danken. Er soll der Mittelpunkt für das Schulwesen des Leipziger Distriktes sein, eben so Prof. Lindner, welchen ich noch nicht besucht hatte. Eine Familie, die des Herrn Appellations-Rathes von Hafza, lud uns für heute zu Mittag ein. Wir kommen so eben dort her, wo wir einige angenehme Stunden verlebt haben. Das Hauptergebniß war jedoch, daß ich ersucht wurde, für künftigen Sonnabend einen Vortrag für oder zu den sämmtlichen Landschullehrern des Distriktes Leipzig zu halten. So höre ich ferner, daß ich künftigen Mittwoch einen zweiten Vortrag für ein gemischtes Publikum hier halten soll. - Heute früh war ich mit dem Herrn Director des Taubstummen-Institutes, Herrn Riese, (Barop wird Dir von ihm erzählen) den ganzen Morgen ganz allein in dem Saale der Bürgerschule. Das Gespräch hatte das dem Menschen Wichtigste zum Gegenstand. - So also werde ich schwerlich vor heut über 8 Tagen von hier abreisen können; dies Dir zu melden, ist der Zweck dieser Zeilen. Ich muß arbeiten, so lange ich Aufforderung dazu finde. Vom hiesigen Leben und den Früchten meines Wirkens weiß ich sonst /
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nichts. - Hier empfängst Du meine Eingabe an die Kreisschuldirection zu Dresden, damit Du wenigstens etwas Bestimmtes bekommst. - Kannst Du nicht, theure Frau, so soll mir wenigstens Barop mit der nächsten umgehenden Post schreiben. Bald mehr von Deinem
Friedrich Fröbel.