Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Charlotte von Ahlefeld in Weimar v. zwischen 1829 u. Anfang 1839 (<Blankenburg / Keilhau>)


F. an Charlotte von Ahlefeld in Weimar v. zwischen 1829 u. Anfang 1839 (<Blankenburg / Keilhau>)
(BN 358, Bl 2-3) (Entwurf)
(Rest v. Bl 3 enthält nachrangigen Entwurf an Ammann & Caspar, der nicht eindeutig datiert ist: 11.3. oder 11.5. 1837, 1838 oder 1839 u. Notizen.)
(Dat.: Der Kontakt zu Ahlefeld besteht schon länger, Barop scheint als Leiter Keilhaus etabliert zu sein, also frühestens 1829. F. ist sicher in Thüringen, also scheint der Zeitraum 1829 bis Anfang 1831 oder Jahreswende 1832/1833 in Frage zu kommen. Der Brief setzt aber nicht notwendig die Anwesenheit der drei Clemens-Brüder in Keilhau [alle drei: 1825-1833] voraus, damit kommt auch der Zeitraum zwischen Ende 1836 und Anfang 1839 [Brief an Ammann & Caspar!] in Frage.)
(Auf 2R wird ein anstehender Besuch Barops in Weimar erwähnt.- Im Brief an Barop v. 10.4.1838 erwähnt F. "Briefe für Weimar", u.a. einen an Ahlefeld, der scheinbar Barop vorstellen soll, also mglw. erster Besuch Barops bei Ahlefeld. Dann könnte dieser Brief der Entwurf zu dem Brief sein, den Barop im April 1838 mitgenommen hat.)

Hochwohlgeborene Frau
Verehrte Fr[au] von Ahlefe[ld]
Innigst hochverehrte, gnädige Frau
*
Die Erziehung der <mir und uns> von Ihnen
gnädigste Frau zur Erziehung anver-
trauten drey Gebrüder Clemens war
schon vom ersten Augenblick der <nur> deß[-]
halbe[r] vor Jahren angeknüpften Verhand[lungen]
zwischen uns so von uns eine gemein[-]
sam väterlich[e] brüderl[iche] ja Familien[-]
Sache daß es vor allem nöthig war
mich in Hinsicht auf Gegenstand die Beant[wortung] Ihrer
<jüngsten> verehrl[ichen] Zuschrift an mich noch mit
<Keilhau u namentl[ich]> mit dem aus der Mitte
d. Gemeinsamheit von uns <aus zum> Führer
der Anstalt [bestimmten] Herrn Barop darüber <selber> mit [sc.: mich] zu besprechen.
Da wir nun hiernach eine gemeinsame
mündl[iche] Besprechung mit Ew. Hochwoh[l]geboren
für das gerathendste finden mußten, so
werden Sie es natürl[ich] finden, daß ich vor
Feststellung derselben Ew. Hochwohlgeboren <auch> < ? >
auch Ihre Zuschrift nicht genügt
die Beantwortung Ew. Hochwohlgeboren persönlichen
Zuschrift bis zur Feststellung dieser
mündl[ichen] Beredung verschieben mußte.
Allein auch jetzt müssen wir es als das
gerathenste finden das wesentl[iche] dieser
Beantwortung der mündl[ichen] Besprechung <hin>
zu geben. Mir bleibt nur
ohne ein[en] Werth auf die Erfüllung übernommener
Verpflichtungen zu legen eines übrig
Ew. Hochwohlgeboren
ganz persönlich von mir u. meiner Frau gleichsam
als Vater u Mutter dieser
Erziehungsanstalt die Versicherung [aus]zu sprechen
daß wir nie so tief wir auch [stehen / standen] nicht einen Augenblick
aufgehört haben nicht etwa
blos im Allgemeinen nein bis in das Kleinste
bis auf in Gesinnungen u Handlungen das Leben
Ihrer uns anvertrauten 3 Brüder zu pflegen
u dieß <weder> nur in Beziehung auf den
Augenblick u Effect sondern in Beziehung
auf die Forderung von deren gesamten Leben.
Was kann ich anderes aussprechen
als daß wir uns wie ächte
leibl[iche] Eltern zu <ihnen gefühlt und [zu] ihnen>
<bethätigt> haben, da dieß aber nicht
immer unmittelbar auszuführen war
so dann durch unsere älteste Freunde
gleichsam wie Brüder u Söhne
so daß, was von mir aus
etwa durch den Tod hätte un[-]
geschehen bleiben mußte [sc: müssen]
von diesen als von [sc: wie]
von mir aus fortge[-]
führt worden wäre[.] /
[2R]
Es ist nun eben
<Und> meine Sorge [geht] ganz
nun nur einzig dahin während
meines Lebens noch den Grund
u Boden zu schaffen u [zu] sichern die
Wirksamkeiten zu begründen
von welchen aus <nahe / nach> demselben
das begonnene Werk ungehemmt
sich fortentwickeln könnte
u von welchem aus auch Ihre
drey Schützlinge ununterbrochen stets
so lange sie es bedürften als Kinder
u Söhne von mir u von vom
Ganzen aus beachtet u behandelt
werden sollen. Von diesem <fundamental[en]>
stehen <meiner> zu Ihnen und [Ihren] anvertrauten
3 Brüder[n] kein[en] einzigen ausgenommen bin ich in mir, selbst noch
[auf] <eingetretenen> <kleinen>
<Steg> in den Verhältnissen nicht um
das Kleinste abgewichen, vielmehr
habe ich auch in jedem der einzelnen
wenn auch mir persönlich unangenehmen
Lebe[n]s Erscheinungen nach den tiefbegründeten
Erziehungsforderungen gehandelt. Kurz ich habe
das Leben Ihr der 3 Brüder - wie mein
eigenstes persönl[iches] Leben als ein Ganzes
in <mir> getragen
aber eben dieses Tragen des
ganzen Lebens als ein Ganzes nahm
nun aber <u nimmt> noch bis
diesen Augenblick meine
Kraft u meine <Thätigkeit> so in Anspruch, daß
ich vor
Arbeit nicht aufblicken
kann u. an Lebensruhe
u Bequemlichkeit
nicht zu denken ist.
u wenn in diesem
Gefühl u Bewußtseyn in mir lebend auch mein
Handeln ich in der Meinung stand daß
sich dieß auch in <allem> meinem Handeln
einem so tiefen erfahren[en] Frauen Gemüth wie
dem Ew. Hochwohl[geboren] auch aussprechen
mögte so ist das wohl natürl. u verdient
wenigstens Nachsicht. Barop mein Freund
wird nun über alles dieses sich mit Ihnen
besprechen u ich hoffe, er wird nach unserer
gemeinsamen Rücksprache u. Bestimmung im
Stande seyn Ihnen nach jeder Seite
hin Ihren Erwartungen von uns zu genügen
u so zweifle ich auch keinesweges, sondern
bin gewiß daß sich auch in Ew. Hoch[wohlgeboren]
<uns>
Ihre alte <Zuneigung> zu uns neu
beleben wird.
* /
[3]
Würde es
Ihnen nicht ge
angenehm seyn
Beweise zu sehen
wie ich <mich bemühe> Sorge trage
für die wachsenden
Bedürfnisse Lebens[-]
forderungen des ganzen Kreises
auch Ihr[e] 3 Pfl[eglin]ge mit
<eingeschl[ossen]> zu erfül[l]en
so kann Ihnen Barop dann
von der hier [sc.: hiesigen] mein[en] <begründenden>
Wirksamkeit solche vorlegen.
Genehmigen Sie nun gnädige
u innigst hochverehrte Frau von
mir u. meiner Frau die
Versicherung der innigsten Verehrung
u <tiefen> Hochachtung die wir stets
u <unausgesetzt> als die Pflege
<aller> Ihrer <Schützlinge> zu bewirken <uns>
bemühen werden.