Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 4.5.1839 (Blankenburg)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 4.5.1839 (Blankenburg)
(KN 55,21, Brieforiginal 1 Bl 8° 1 S., zit. Heerwart 1905, 309 mit falscher Datierung 4.3.1839 [vgl. Heiland 1982, Nr. 434]. Der Brief ist irrig auf den 4.5.1836 datiert; aus inhaltlichen Gründen mit Recht von anderer Hand auf „1839“ geändert.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

        Blankenburg am 4 May 1836 [sc.: 1839]


Mein theurer Barop.
        Guten Morgen Dir u Dein[en] Lieben.

Gestern Abend war die Tochter von der Schwester d[es] He. Pfarrer <Maurer> in Eichfeld bey mir u bot ihre Dienst[e] fürs Haus aus. Ob ich nun gleich gar nicht weiß ob jemals davon gebraucht gemacht werden kann, ich es auch ebenso wenig glaube als wünsche, so kann ich doch gar nicht wissen was das Leben fordert; da ich nun höre daß das Mädchen gewöhnlich in Eichfeld bey ihrem [sc.: seinem] Oheim lebt, (jetzt ist sie, ich weiß nicht wie das zusammenhängt, auf ein Paar Tage hier bey dem Amtsdiener <Große> zum Besuch) so bitte ich Dich wenn sich Dir ungesucht Gelegenheit dazu darzu biethet, Dich über sie zu erkundigen. Doch ja nur Gelegentlich; allein damit eine sich zeigende günstige [Gelegenheit] nicht ungenutzt gelassen werde so schreibe ich Dir gleich jetzt deßhalb.-
Mit meiner armen kranken Frau geht es immer gleich schwach und ich schwebe täglich besonders wenn die Abendstunden kommen in der Gefahr ihres augenblicklichen Verlustes.-
Wegen den nun jetzt so unerwartet auf <mich eingedrungen[en]> Umstände[n] muß ich Dich mein l. Barop recht sehr bitten ja darauf zu sehen daß ich nach u nach die bewußte Summe bekomme. Du siehst es ist nicht in meiner Gewalt die Forderung des Lebens zurück zu drä[n]gen - Ich hoffe daß Du als Freund u Mensch dieß beachtest.-
Kann vielleicht morgen Nachmittag nur auf ein Stündch[en] Middendorff kommen, so wollen wir die Sachen für Frkenbg nach Dresden besorgen.-
Heut erwarte ich daß ein Pacet von Erfurt nach Keilhau komm[t] worin auch für mich etwas enthalten seyn wird, namentl. Pflanzen dann erlaube doch den Xstrianfriedrich [sc.: dem Christianfriedrich], daß er morgen gleich früh herüber kommen und die Sachen pflegen darf.- Meine Frau sagte so diese Woche; "mein junger Gärtner verläßt mich ganz." Er könnte dann vielleicht auch am Spielgarten der kl Kinder etwas besorgen; denn leider bin ich so an die Stube gebunden, daß ich gar nicht weichen darf, denn wer soll meiner Frau, die jeden augenblick kräftiger Beyhülfe bedürfen kann u fordern muß - etwas seyn, wenn ich abwesend bin - so mußte sie gestern wie ich mit Midd[en]dorff beschäftigt war zum Nachtstuhl, nachher sagte sie, sie habe nicht gewußt wie sie hin- und zurückkommen, ja nur aufstehen solle[.]-
Nun die Hauptsache - sprich Du oder laß Middendorff mit dem Sch[u]llehrer spreche[n], er möchte jetzt ja den Friedrich so bald als mögl[ich] nach Hause nehm[en], denn ich <kenne> ihn in d[em] Augenblick gar nicht beschäftigen, ich habe nicht einmal Zeit nur daran zu denken ihn Vorzuarbeiten.- Überdieß kann ich ja nicht sagen wann dieß endet, jedenfalls bin ich aber vom Geschick ganz in Anspruch genommen; es wende sich das Leben wie es wolle. In Liebe u Treue Dein u Euer FriedrFl.-
Wird Lomatsch noch zum Reform. Fest nach Leipzig gehen?- Dieß ist wichtig. Vorher aber wäre viel mit ihm zu sprechen rc.