Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Kantor Georg Friedrich Carl in Veilsdorf v. 21.7.1839 (Blankenburg)


F. an Kantor Georg Friedrich Carl in Veilsdorf v. 21.7.1839 (Blankenburg)
(Dokumente in BN 401, Bl 5-19; BN 707a, Bl 69 und KN 55,25, ed. Hoffmann 1982. Hoffmann ediert die KN-Reinschrift, allerdings mit zahlreichen Fehlern. - Es handelt sich um sechs Archivalien:
a) Teilentwurf 1 Bl 4° 2 S. (BN 707a, Bl 69-69R)
b) Entwurfsfragment (Briefanfang) 1 Bl 4° 2 S. (BN 401, Bl 5-5R)
c) Gesamtentwurf 4 B + 2 Bl fol 20 S. (BN 401, Bl 10-19V, 14R und 19R vak.) - Die Blätter des vollständigen Entwurfs liegen folgendermaßen: B I (10-11R), II (12-13R), Bl I (14) mit Vermerk ”2. Herrn Cantor Carl 26 Jul.1839”,14R vakat, B III (15-16R), B IV (17-18R), Bl II (19,19 R vakat). Bl I ist offensichtlich nachträglich eingefügt worden, aber an falscher Stelle. Nur Bl I hat Bogennumerierung, alle übrigen Bögen bzw. Blätter nicht.
d) Reinschriftfragment (Briefanfang) mit Restdisposition (?) 1 B 8° 4 S. (BN 401,6-7R)
e) Reinschriftfragment (Briefanfang) 1 B 8° 4 S. (BN 401,8-9R)
f) Reinschrift/Abschrift 6 B 8° 23 S. (KN 55,25)

a) Teilentwurf (BN 707a, Bl 69-69R)

[69]
der Gegenstand, rein an sich; also Kennen des Gegenstandes
an und für sich und so Wiedererkennen. Dann
B. das allen Gegenständen Gemeinsame.
Dieß aber kann wohl dem Eindrucke auf das Kinde nach welchen der Gegenstand auf das Kind macht, nichts anderes seyn als:
a die Ausdehnung, der Umfang, die Größe,} Mathematisches Element
b. die Gestalt Form des Gegenstandes} Element des Dargelegten Wissenschaftlichen
c. die Menge, Vielheit, Zahl desselben}
d. die Thätigkeit des Gegenstandes <in sich ----- ohne Wirken auf in sich>
d. [sc.:e] der Gesammtausdruck des Innern desselben, oder im ganz allgem
seine Sprache a) hier wieder entweder
alpha durch das Rufende Sichtbare seiner Erscheinung, durch die Art wie er sich
und was er zeigt aa. Ruhe, Form, Farbe, ( Zeichnendes Plastisches ) <Vermittelndes Verbindendes>
          bb Bewegung (Mimisches Element)
beta. durch das Hörbare seiner Erscheinung, durch seine Töne, sein
sich Lautbarmachen im Allgemeinen
des Gegenstandes Wirksamkeit aa im reinen Ton (Musikal Element)
a an sich <Einfühlen> bb im gehemmten oder gebrochenen Ton (Sprache)
C. durch das Verhältniß des Gegenstandes zu einem zweyten
(außer sich) sein Wirksamkeit u Kraftäußerung
a. seine <eigentliche ?> Beziehung
a. das allen Gegenständen gemeinsame Verhältniß zu Raum u Zeit
b. und zur zur Zeit
c zum Gebrauch. zu Außen u Innen <? >
d zur Mannigfaltigkeit u Einheit
alpha. die Mannigfaltigkeit aus sich entwickelnd sittl Elem[ent] 3fach der menschl Forderung
oder Auffinden des Mannigfaltigen in einem Ganzen
beta. Einigung des Mannigfaltigen in einem Ganzen praktisches Elem[ent] Recht jedes Ding an sei[nem] Platz
Stellung der Arbeiter die Arbeiter rc zu einer Wirthschaft rc
gamma. Auffinden der Einheit in der Mannigfaltigkeit rel. Ele[ment] Gottes.
In jedem Dinge die höchste Einheit achten. Einzeln – das Ganze
[Drei unlesbare Sätze] /
[69R]
Nach der vorigen Darstellung ist:
No I ist die Grundlage (das Element) alles dessen, wo es sich um Gegenstands-
kenntnisse an und für sich handelt, z.B. Naturgeschichte, Erdkunde, Technologie
No II ist (das Element) für das Großreichige Topographie
No III ist die Grundlage (das Element) für das Chronologische u No 2 und 3 gemeinsam [für das] Synchronistische (Gleichzeitige und Zeitfolgige), was sich so früh in den Kindern ausspricht, z. B. wenn die Mutter das sechswöchentl[iche] Kind weiß schon, wenn die Mutter d Mantel ergreift, wird es aufgenommen und zur Thür hinausgetragen, darum verlangt
es, im Mantel gleich nach der Thür
No IV ist die Grundlage (das Element) der Geschichte
No V ist die Grundlage (das Element) des Chemischen, was sich eben so früh im
Aufnehmen der Nahrung beim Kinde äußert
No VII ist die Grundlage (das Element) der Kunde des Räumlichen (des Mathematischen)
No VI ist die Grundlage ( das Element) alles Dynamischen und Physikalischen
in engerer Bedeutung
No VIII und XII ist die Grundlage (das Element) der Farbenkunde u. Malerei
No IX ist die Grundlage (das Element) des Gesanges und der Musik
No X ist die Grundlage (das Element) der eigentlichen Sprache
No XI ist die Grundlage (das Element) des Zeichnens
No XIII ist die Grundlage (das Element) des Mimischen (was für das praktische ganz ge-
wöhnliche gemeine Leben nicht minder wichtig ist, als für das höhere;
z. B. fletsche die Zähne nicht; verzieh das Gesicht nicht; sieh nicht so finster aus)
No XIV   a. ist das politische oder RechtsElement
b. ist das moralische oder sittl[iche] Element
c. ist das religiöse oder gotteinige Element.
Die Unterordnung ist schwierig weil in der Erscheinung so vieles Gleichzeitig u an einander geknüpft ist.
Sie ersehen hieraus werthester HE Vetter, daß weit mehr <u auch>
zum Elementar[-] od. begründenden Unterrichte gehört als man dazu rechnet./

b) Entwurfsfragment/Briefanfang (BN 401, Bl 5-5R)

[5]
Herrn Cantor Carl in Veilsdorf b. Hildburghausen


Blankenburg, b. Rudolstadt, am 21. July 1839.


Hochgeehrter Herr Vetter!

Ihre werthe Zuschrift vom 11‘ dies.Mon: erhalte ich heut
am 21n also erst nach 10 Tagen. Ihr Vertrauen thut in derselben
einige Fragen an mich, welche Sie längstens binnen 14 Tagen
beantwortet wünschen; dieß wäre bis zum 25 d. M. also schon
in 4 Tagen, wie dies möglich sein wird, weiß ich nun zwar nicht, we-
nigstens kann bis dahin die Antwort schwerlich in Ihrer Hand sein
doch will ich thun; was mir möglich ist, Ihre Erwartung zu erfüllen
doch glaube ich nicht obgleich ich nicht glaube, daß auch ohne meine Zuschrift die Beantwortung derselben der Fragen Sie bei dem Schatze Ihrer Erfahrung in die geringste Verlegenheit versetzen würde, bei dem Schatze
Ihrer Erfahrungen
; vielmehr glaube ich, daß Sie, wohl wissend, daß
wie ich eigene, auch wohl eigenthümliche Überzeugung über Erziehung und
Unterricht hege und pflege - Ihre eigenen Erfahrungen und Ansichten
durch die meinigen prüfen und an denselben meinige bestätigt sehen wollen, woran ich auch, wenn wir uns über den Ausgangspunkt verständigen, nicht im min- [bricht ab]
[5R]
Ehe wir diese Frage beantworten können, ist vorher die Erörterung
einer anderen übrig die vielleicht nicht nöthig erscheint allein doch für
uns hier wesentlich ist *Der Zweck u die Art
Was ist denn Unterricht und was gehört zum Unterrichten, oder was sind die wesentlichen Forderungen u Bedingungen desselben des Unterrichts? -
Unterrichten – hängt was sich wohl leicht einsehen läßt mit Unterbauen
zusammen; zu einem Unterbau aber gehört 1 ein zu Unterbauendes 2) eine oder was unter
baut werden soll - 2.) das was oder das womit oder wod[urc]h unterbauet
werden soll u 3.) einer oder etwas Jemand, welchesr unterbauet.
Ebenso gehört zum Unterrichte ein 3faches nemlich 1) eines oder etwas ein Ggst [sc.: Gegenstand] welcher welch unterrichtet werden soll - 2) ein Gegenstd worinn oder in welchem unterrichtet werden soll 3. Ein Ggstd oder Jemand, welcher unterrichtet werden soll
Ebenso den zwar Nur beyläuf[ig], aber doch um Mißverständniß zu vermeiden
sey es gesagt daß 2 ja alle 3 mögl jeder alles 3 werden kann dieser Bedingungen oder Forderungen zusammen fallen kann z. B. der Unterrichtende u der zu unterrichtende
der zu Unterrichtende u der Gegenstd des Unterrichtes u.s.w.
endlich alle 3, der Unterrichter – der Ggst des Unterrichtes und
der z unterricht[ende] z. B. wenn ich mich über mich selbst belehre oder unterrichte
und unterrichte; dieß 2 oder 3 fache Zusammenfallen in Eines hebt aber
das wirkl[iche] Daseyn aller 3n nicht auf. So kann aber auch jeder alle 3 <erkennen> z.B. der Schüler Selbst Ggst.
Ebenso muß vorher der Zweck des Unterrichtes ins
Auge gefaßt werden, dieser ist aber wieder ein 3facher, oder
er kann jedes der 3 genannten seyn, also die Kenntniß oder Klarmachen jedes der Dreyen.
Ich kenne aber einen <-> Ggstd nur dann wenn er mir gleichsam
sein Wesen sein Inneres kundgethan hat.
Der Zweck des Gegenstandes ist also der, daß [1.] jeder u jedes in sich und
über sich klar werde – sich also gleichsam selbst kund thue
2. das er über die Dinge in sich klar werde, daß diese gleichsam ihm ihr Wesen kundthun
3) daß er über die Einh[e]it aller Dinge, den Urgrund aller Dinge klar werde, daß
diese sich ihm kund thue, offenbare. – Nun erst läßt sich die Frage über die Arten des Unterrichtes oder was ist elementar u was ist wissenschaftl Unterricht beantworten
es giebt eigentl einen 3 fachen Vergl. Unterricht v. Einzelnen, von der Einh[eit] von der Allheit <des Seyns>

c) vollst. Entwurf (BN 401, Bl 10-19R)

[10]
An Herrn Cantor Carl in Veilsdorf


        Blankenburg am 21. Jul 1839.

Hochgeehrter Herr Vetter!

Ihr werthe Zuschrift vom 11‘ dieses Mon.
erhalte ich erst heut am 21 also erst nach 10
Tagen. Ihr Vertrauen thut einige Fragen
an mich welche Sie längstens binnen 14 Tagen
beantwortet wünschen; dies wäre also
schon
bis zum 25en also schon in 4 Tagen, wie dieß
mögl seyn wird weiß ich nun zwar nicht
wenigstens kann bis dahin die Antwort
schwerlich in Ihrer Hand seyn, doch will
ich thun was mir möglich ist um Ihre Erwar-
tung zu erfüllen, ob ich gleich nicht doch glaube
ich nicht daß auch ohne meine Ant Zuschrift <->
die Beantwortung Ih derselben Sie bey dem Schatze
Ihrer Erfahrung, in die geringste Verlegenheit
versetzen würde; ich vielmehr glaube ich
daß Sie – da Sie wohl wissen daß ich
eigene auch wohl eigenthümliche Ansichten Überzeugungen über
Erziehung und Unterricht hege und pflege -
Ihre eigene Erfahrung und Ansichten an den
meinigen bestätigt sehen wollen, woran ich
auch, wenn wir uns nur über den Ausgangs-
punkt verständigen, nicht im mindesten zweifle.
Doch dem sey wie ihm wolle, hier kürzlich
das, was mir sogleich bey Lesung Ihres freund-
schaftlichen Briefes und der darinn ausgespro-
chenen Fragen sogleich als Beantwortung ent-
gegentrat; wovon ich jedoch was wie gesagt
keinesweges zweifle, daß Sie sich dieß
alles selbst aus dem Gebiet Ihres Wissens
wieder zum Theil schon selbst werden ausgesprochen haben.
Ich will mit der Beachtung der 2en Frage
beginnen, von welcher mir ich glaube daß sie früher zu stellen
gewesen wäre als die erstere.
ad 2.) [”] Wann ist der Unterricht wissenschaft-
lich und wann ist er elementarisch?"
Allein auch diese 2‘ Frage hätte wieder
anders und das spätere zu erst und das
erste zu letzt gestellt werden müssen,
nemlich so:
"Wann (Sollte wohl heißen: wenn d. h.
unter welchen Bedingungen oder in welcher Form /
[10R]
(: denn wann bezieht sich blos auf die
Zeit, und darüber läßt sich eigentlich
nichts Bestimmtes aussprechen oder
vielmehr feststellen:) also wenn
ist der Unterricht elementarisch und
wenn ist er wissenschaftlich? -
Allein Sie fühlen sogleich werthester
HErr Vetter daß diese Frage vorher
die Beantwortung zweyer anderer vor-
aussetzt und diese sind:
a. was ist denn eigentlich Elementar [-]
unterricht, und was sagt der Ausdruck elementarisch?
b. was ist wissenschaftlicher Unterricht
oder was sagt der Ausdruck wissenschaftl[ich]?-
Elementar oder elementarisch ist auch nach seiner
Grundbedeutung im Griechischen der fremden Sprache (im Latein]
doch wohl das, was sich auf die ersten Anfänge,
auf das erste sinnlich Wahrnehmbare,
also das [sc.: daß] es ein Gegenstand ist und so,
daß es Gegenstände Sachen Dinge giebt <dann zunächst>
gleichsam auf den Grundstoff, die erste letzte sinnl[iche] Grundlage eines
Dinges oder einer Sache, eines
Gegenstandes sich beziehet, darum gebrauche
ich nie das Wort Elementarunterricht, sondern
nenne diesen Unterricht den Be-gründenden
Unterricht.
Was ist denn nun für den Unterricht
das Elementare allen Gegenständen und so deren Erkenntniß
gleichsam zu allgemein zu kommende und so gleichsam zum
Grunde Liegende?
Zuerst ist es doch wohl der Gegenstand rein an sich, also Kennen
des Gegenstandkenntniß an und für sich, dann das allen Gegenständen Gemein-
same. <Dieß> kann nun wohl nichts anderes seyn als sein allgemeines
Verhältniß zum Raum u zur Zeit dann die Masse die Größe
33 dann die Form Gestalt
2 dann die Zahl Menge
24 dann seine Wirksamkeit Kraft, sein Zusammenhalt
der Stoff, die Materie, dann die Form, die Zahl, vielleicht früher auch
fällt dem Menschen, dem Kinde dann die Größe auf
(oder das Aufnehmen des Äußern im Innern)
5. <-> Gesammtausdruck seines Innern, oder
im ganz allgemeinen seine Sprache
6, Weiter sein Verhalten Tönen, sein sich laut
barmachen im Allgemeinen
7, endlich sein Verhalten zu Licht seine Farbe.
Die Sprache als Welten Abbild
als Abbild der innen u der Außenwelt
Auffassung des Gegenstandes als a. eines Entfaltenden
b. eines Aufnehmenden c. eines ruhenden
Sie ersehen hier aus werthester Herr Vetter
daß weit mehr und wenn Sie wollen aber
auch wieder weit weniger zum Elementar- oder
begründenden Unterrichte gehört als man gewöhnl
dazu rechnet[.]
Zum begründenden (elementarischen) Unterrichte gehört also nothwendig
1 GegenstandsAuffassung an und für sich (und in Hinsicht auf)
Element für Naturgeschichte Erdkunde Technol[ogie]
2 Wahrnehmung des allgemeinen Raumes u seiner einfachen Gliederung oder Verhältnisse
3 Wahrnehmung der allgemeinen Zeit und ihrer einfachen Gliederung oder Verhältnisse
4 Das Verhältniß des Gegenstandes zu Raum u Zeit oder die Veränderung desselben in R u Z d.h. das was mit ihm geschieht (Geschichtselement)
5 Auffassung der Massse des Stoffes der Materie
6 der Form Masse (Größe) der Form (Gestalt)
der Zahl (Menge) Sowohl ihrer Auffassung als Grundbedingung ihrer Darstellung nach (Zeichen)
7 die Wirksamkeit des Gegenstandes oder seine Kraftäußerung sein Zusammenhalt
8 sein Verhalten zu Licht und Farbe und Auffassung dieser Verh[ältnisse] u ihrer Grundbedingung
9 sein Tönen sein sich Hörbarmachen
10 der Gesammtausdruck seines Innern , wie ganz allgemein die Sprache des Gegenstandes genannt.
[Dazu auf dem Rand
  Skizze des Spiels mit den Gaben]
Schau die Mutter Sieh das Bällchen
Da vor dir ist die Mutter, dort ist dein
der Ball
Da (Gegenwart) ist die Mutter, fort ist M[utter] d.[er] B.[all]
Das Bällchen wird <wieder> kommen.
Da ist das Klötzchen, das Steinchen, dort fließt das Wasser
Sieh den großen Stein, das große Hölzchen, ganze halbe
<drücken> -------<lage>
<streben>----------<drehen>
Die 1,2.3 rc---------die 1,2,3 rc
Der Stein fällt, er drückt
Dort ist das Lichtchen, dort ist das Vögelchen (?)
Der Hammer macht pum, pu, pum.
Das Bällchen sagt ich drehe mich, ich drehe mich herum
ich drehe mich um mich selbst herum. /
[11]
Sie sehen also hierdurch werthester Herr V.
mit Nothwendigkeit mehrere Gegenstände
als Zum Grunde liegende eben begründend oder als elementarische
auftreten, von welchen in unsern elementar
Unterrichtsbüchern, sich kaum zufällig sie einschließend,
viel weniger sondern aber allgem sie mit Bestimmtheit als elemen-
tarisch oder begründend hervorhebend gar
gar nicht
die Rede ist. Darum fehlen aber
auch in unserm sogen elementarunterricht
zwey ganz wesentliche Seiten einmal die
Seite des praktischen, die Seite der leichten
Anwendbarkeit u Einführung ins Leben, dann
die Seite der Einführung in das Wesen der
Dinge.[Randnotiz*-*]: *Elementarunterricht Außenweltbetrachtung *
Zum ersten aber führt das Kennen des
Gegenstandes u seines Stoffes, zum zweyten
führt das Beachten der höherer Kraft eines Einigen (des Wesens) welches
sich in Mannigfaltigkeit u Allheit kundthut
oder des Einigen, was in Mannigfaltigkeit
sich kundthut u aus derselben hervorgeht, so wie
3ens der Pflege der einigen u einigenden
Selbstthätigkeit des Zöglings oder Bildlings
welche beide verbindet. Sie werden über-
haupt leicht einsehen daß Stoff – Kraft
Licht – Farbe ebensogut Gegenstand des be-
gründenden Unterrichtes sind als Zahl Form
Größe Sprache
Dagegen gehört weder eigentl[icher] Sprachunter Naturhist
noch Erdkundl noch Geschichts-}Unterricht zum elem: Unterricht
welche dem Gegenstands Unterrichte u dessen
Verhältniß zu Raum u Zeit u Wechsel anheim fallen.
[Randnotiz*-*]: *Erster Unterricht ungetheilt Dr. Weil *
Um Mißverständniß zu vermeiden will ich
nur beyläufig sagen daß wenn diese Beziehungen,
Rücksichten u Seiten des Unterrichtes Gegen Seiten
Gegenstände derselben Unterrichtes begründend oder
elementar
genannt werden, so ist dadurch keineswegs
gesagt daß sie einzeln u von einander geschieden abgerissen z. B. als
14 verschiedene Gegenstände abgerissen neben einander behandelt
und betrachtet werden sollen; sondern es ist nur davon
die Rede daß, sie als besonders und selbstständig
zu beachten und zur Anschauung, Auffassung
zur Erkenntniß erhoben werden sollen hervorgehoben
sind. Worüber weiter unten.
Die Frage wenn (d. i. in welcher Form) ist der Unterricht elementarisch begründend?
würde also heißen
In welcher Form unter welchen Bedingungen ist der
Unterricht elementarisch? - dünkt mich also
wenn ich die Frage recht verstehe, der Sache nach
leicht so beantwortet:
Der Unterricht ist begründend (elementarisch)
wenn er sich auf die nothwendigen und ersten
äußerlichen Grundeigenschaften der Dinge (:also als wirklich
daseyend:) bezieht, besonders auch in sofern
er dadurch das innere Wesen der Dinge erkennbar
u anschau- auffaßbar ist; begründend ist der sich zwar zunächst
auf äußeres und Komplexes beziehende, aber zugleich auch zum
als Schlüssel zum Inneren zum Allgemeinen u zur Einheit
und dessen Erkenntniß u Darlebung dienende dienende [2x] Unterricht. -
Dieß würde jedoch weiter u zur Beantwortung
der nicht von Ihnen aufgestellten frühern Frage führen; wie
muß der begründende (Elementare) Unterricht
beschaffen sein?- Außenweltsbetrachtung
Nun zur Beantwortung der 2‘ Frage: was
ist wissenschaftlicher Unterricht oder was
sagt der Ausdruck wissenschaftl[ich?]-
Wissen hängt ohne Zweifel mit Wesen
zusammen (<Wesen: ich bin gewesen, mögl ich war, ich war =Seyn>)
und heißt u bezeichnet das Innere Seyn eines Wesens
(Gegenstands Wesen = Seyn erkennen; also setzt Wissen nothwendig)
die Erkennbarkeit in sofern u in so weit} es als
gegenständlich angeschaut werden kann.
Wissen bezieht sich also auf die wie auf das Innere
so auf die Einheit des Wesens,
also immer auf ein Unsichtbares an u d[urc]h ein
Sichtbares, denn sobald es ein Sichtbares
wird ist es nicht mehr ein Inneres sondern ist
nun ein Äußeres geworden. /
[11R]
Wissen, als sich auf das Innere und Inneres beziehend,
setzt also erstl nothwendig zuerst das
Kennen eines Äußeren voraus
Weiter setzt Wissen als sich auf Einheit beziehend die
Kraft voraus die Mannigfaltigkeit Einen
das Eine des Mannigfaltigen erkennen zu können
und drittens im Äußeren u d[urc]h Äußeres
und Sichtbares Inneres, das Innere und Un-
sichtbares erkennen zu können.
Hiernach dünkt mich die 2‘ Frage, inso
fern ich solche anders ebenfalls richtig erfasse:
wenn (d. i. unter welcher Bedingung und bey
welcher Beschaffenheit) ist der Unterricht
wissenschaftlich, leicht beantwortet.
er ist wissenschaftl[ich] sobald er sich auf
Auffassung, Erforschung, Anschauung, Darlegung
Nachweisung der Einheit, des Innern, des Unsichtbaren
der Dinge oder Eines Dinges bezieht; z.B.
wie mache ich die Mitte eines Kreises, einer Kugel}
erkennbar oder wie entwickelt sich aus
einem Punkte (einer Mitte) ein Kreis eine
Kugel? –
[Rand*-*] *ründend = sich runden (begründend) *
Um aber die Frage: wenn ist der Unterricht
elementarisch u wenn ist er wissenschaftlich
vollendet klar zu beantworten muß
man vorher wohl fragen giebt es noch
andere Unterrichtsstufen oder Weisen
als die elementarische u die wissenschaftl?
-und ich glaube Ja sagen zu müssen
und zweifle nicht daß mir der erfahrene
u denkende Lehrer u Erzieher beystimmen
wisse wird, und daß so auch Sie werthester Herr
Vetter zuletzt darin recht geben meiner Überzeugung werden werden [2x].
Ist es nicht auch ein Unterricht wenn
die Kinder sagen und singen?
Ringel- Ringelreihe, es sind der
Kinder dreye steigen auf den Hollerbusch
rufen alle Husch, husch, Husch.-
Mich dünkt ja!
Was lernen sie aber dad[urc]h?: 1, die Auffassung
eines Kreises (Ringel) 2) einer Kreislinie
(Ringelreihe ); 3. Auffassung des Kindes in
der Mehrheit (Kinder) 4. Zahlwort
(drey) begründet oder fordert also das /
[12]
Herrn Cantor Carl 26 Jul 1839
Zählen und so die Kenntniß der Zahl oder des Zählenkönnens
bis 3. 5) das bestimmte Auffassen der Kinder als daseyend: es sind
6 allgem gegenständl (objective ) Auffassung ihrer selbst als
der Kinder: es sind (: nicht
nicht sie sind, nicht wir sind, nicht unser sind ihrer drey)
[Randnotiz*-*] (nicht wir sind, nicht sie sind
und nicht unserer sind ihrer drey) 6, Anschauung einer Thätigkeit:
steigen, und zwar 7) einer erhebenden (steigen) u eines
aufsteigens
7) einer Thätigkeit zu einem Gegenst[an]de:
<-> (der Hollerbusch) u zwar weiter 8) nach dem obern
Theile desselben: auf 9. Anschauung Wahrnehmung ihrer
selbst in einer bestimmten hörbaren Ganzen Äußerung u Thätigkeit:
rufen = sie rufen wie vorher Anschauung in einer sichtbaren:
steigen = sie steigen 10) also diese Wahrnehmungen
gelten von allen (allgemein Zahl), keinen nicht ausgenommen
also Wiederholung u darum <-> Einprägung des Gleichartigen
(alle) 11. Endlich rechtes zurück kehren zum
ganz persönlichen sich Wahrnehmen im Gefühl, und durch die
Empfindung, <-> Empfindungswort
Husch! Husch! Husch!
Wir alle sogen Verständigen und Klugen
wundern uns nun wohl wie so ein einfaches
Liedchen nicht einmal überdieß in seiner Forderung höchst
selten ausführbares Liedchen die Kinder so
lang u zwar merkwürdigerweise von
den UrgroßEltern herab durch 3-4 Ge-
schlechter hind[urc]h bis zum Urenkel und weiter erzügen [sc.:ergötzen] können
warum wohl? -Weil es für das
dem Kinde, wenn auch in seinem g[an]z dunklen Gefühl
des Kindes den Weg bezeichnet wie es durch bestimmte klare
geeinte Auffassung des Äußeren Daseyenden
Gegebenen - (Ringel, Ringelreihe) endlich
zum lebhaften (angenehmen oder unangenehmen)
Gefühl seiner selbst und so zum Fühlen zum
Wahrnehmen zum Denken seines Selbstes, seines
Inneren seines Wesens kommt. In dieser
tiefen psychologischen Beziehung scheint mir
der ewig jugendl[iche] Reiz dieses Liedchens
und jedes derartigen Liedchens u Kinderspiel
für das Kind zu liegen.
Doch zurück zur Beantw unserer Frage und
deren Beantwortung: -giebt es
denn nun nicht noch mehr und gleich wesentl[iche] Arten des Unter-
richtes für das Kind, als die beyden in der /
[12R]
Frage genannten den elementaren u den wissen-
schaftlichen [gestrichene Randnotiz*-*] und gleich wesentl
ja sich sogar das Recht der ersten zueignend
und wie können u müssen wir in
dieser Beziehung nun diesen so eben vorgeführten nennen? –
Sie werden ihn vielleicht den Spiel
Unterricht - vielleicht den zufälligen
vielleicht auch den ersten Unterricht nennen alles
Unterricht (beydes) ist gleich bezeichnend.
Erster bezeichnet vom Kinde aus: Ein
Unterricht durch u aus freyer u Selbst-
thätigkeit, der zweyte einem Unterricht
der gut zu allem ist, der sich gleichmäßig
zu allem neigt zu allem fällt der 3‘ daß diese
Unterrichtsart die nothwendig erste ist. Ich habe
gegen beyde jede dieser drey Bezeichnungen nichts; die eine geht
vom Kinde aus, von seiner Thätigkeit, seinem Thätigkeits-
triebe, seinem eigentl[ichen] Leben aus und die andern von der
Umgebung aus die 3‘ bezieht sich auf die Sache selbst.
Wir hätten also hier schon 3 Unterrichtsweisen
1) den Spiel[-], oder den zufälligen oder ersten Unterricht dann
2) den begründenden oder elementar Unterricht
3. den wissenschaftlichen [Unterricht.]
Haben wir nun aber die Arten sowohl des Unter-
richtes als die Weisen desselben erschöpft? -
oder ist es auch ein Unterricht u doch zu keinem
der vorigen gehörig wenn der Vater der Vater [2x]
zum Sohne, die Mutter zur Tochter u die Eltern
zum Kinde sagen:
Komm hilf mir Holz sägen!
Nimm den Rechen wende das Heu!
Geh hin hol uns 2 DreyerBrote da hast Du
6 sgr oder einen Sechser.
Komm wir wollen jene fruchtbeladenen Baumäste stützen
Steck das Rad mit der Nabe an die Achse u steck den Camm davor.
Gehört dieser Unterricht zu einem der 3 genannten? -
Gewiß nicht! Nun was für Unterricht ist es dann? –
[Ein Unterricht] der durch die Sache durch eine
besondere Sache selbst, sogleich, zwar für eine bestimmte
besondere einzelne Sache, für einen bestimmten Zweck zur u.s.w.
belehrt allein aus welchem auch allgemeine Belehrung hervorgeht
z. B. jedes Rad und Ähnl[iches] drehet sich um seine Achse, jeder
drehenden Bewegung liegt eine gewisse Achse zum Grunde rc rc.
Wie können wir nun diesen Unterricht nennen? -
Wohl den Sachunterricht, den Thatunterricht
man sagt mit einem Fremdworte den praktischen
Unterricht.
Sie sehen bey allem diesen ist der Unterricht
noch nicht nach bestimmten einzelnen Gegenständen
geschieden sondern hat noch immer das G[an]ze im Auge.
So hätten wir nun schon 4 bestimmte Unter-
richtsArten u Weisen
1. den Spiel[-] oder Zufalls unterricht
2. den Erfahrungs-, Sach- oder praktischen Unterricht
3. den begründenden oder elementar Unterr[icht]
4. den wissenschaftl. Unterricht
Sind wir nun aber damit zu Ende
Ich glaube nein!
Ich will kurz seyn: Wir hören jetzt so häufig
in einem Schlag wie Geist u Gemüth so Wissenschaft
u Kunst.
Also giebt es dem gemäß wohl auch ebenso /
[13]
einen Kunstunterricht wie ein[en] wissenschaftl[ichen] ein[en] be-
gründenden (elementaren) und ein[en] Unterricht d[urc]h d Thun, das
Schaffen der Sache sogl. selbst, einen praktischen
Unterricht.
Kunst kommt aber doch nun von Können, nicht
aber alles Können ist Kunst, sondern Kunst bezeichnet
ein Können, geeint mit Kennen, mit Kennen
der innern Beziehungen, des innern Wesens, der innern
Forderungen u Bedingungen dessen was ich kann,
was gekonnt wird. Dem Können liegt
also eine Einheit zum Grunde wie dem Wissen
allein keineswegs eine (blos) gedachte sondern
überwiegend empfundene Einheit, Kunst = Können
geleitet aus von der u durch die <absolute> Innere Einheit des Dinges.
So haben wir nun 5 ganz verschiedene Un-
terrichtsweisen erhalten
1) der Spiel[-] u zufäll[ige] Unter[richt]
2. der Erfahrungs- Sach- oder That-, der Schaffunterricht
3. der begründende Unterricht
4.) der wissenschaftl Unter[richt]
5. der Kunstunterricht.
Noch immer haben wir kein[en] besondern einzelnen Gegenstand
des Unterrichtes genannt d. z. B.
den Ackerbau u Gartenbau wie das Schreiben pp
kann ich Spielend betreiben u erlernen
praktisch-elementar
– wissenschaftl[ich] u kunstmäßig[.]
Sind wir nun am Ende haben wir den
Menschen das Kind als zu belehrend zu unter-
richtend in der Gesammtheit in der Allheit seiner Verhältnisse
erfaßt[?] Ich muß
mir sagen noch nicht.
Eines ist tritt sogl noch zu entgegen: Es ist dieß
der Unterricht über das Verhältniß jedes
Einzelnen zu einem Ganzen u jedes Ganzen zu
seinem zu ihm gehörenden Einzelnen
in der Erscheinung
des Kindes (u jedes einzelnen Gliedes) zur
Familie als einem Ganzen u der Familie als solcher
zu jedem Gliede zum Kinde, oder des einzelnen
Bürgers zur Gemeinde, u jeder Gemeinde als
eines in sich geschlossenen Ganzen zu jedem Einzelnen
als Glied dieses Ganzen.
Dieser Unterricht kann der (sittliche) (politische) Unter-
richt für das Leben besonders für das bürgerl Leben auch
einer Beziehung im Allgem der sittliche (moralische)
in einer andern Hin Unterricht genannt werden
Allein durch ihn tritt nun noch ein anderer
Unterricht gleichsam als Schlußstein als
Blüthe u Frucht des gesammten Unterrichtes
hervor welcher eigentlich gleich schon die stille
Quelle und Beziehung der eigentliche Lebensgrund und Faden
des ersten wie jedes weitern Unterrichtes
war es ist dieß der Unterricht /
[13R]
über das Verhältniß des Einzelnen und der
Mannigfaltigkeit zur höchsten Einheit an
u in sich ganz wie über das Verhältniß des
Einzelnen u jedes Erschienenen u Erscheinenden sowohl
für sich als als [2x] ein Ganzes zu Gott -
es ist dieß der Unterricht für u zur Gotteinigkeit
zu einem Gotteigenen Leben, es ist dieß
der religionsunterricht. Dieser wahrhaft
Gotteinige zur Gotteinigkeit in der Gesammtheit
des Lebens führende Unterricht hat das
Eigene daß er keinesweges genügt wenn er
sich blos und allein auf die Anwendung im Leben
bezieht, wenn er sich blos auf das Denken
u Erkennen Gründet oder in dem Gemüth im
Gefühle u Empfindung ruht; sondern er ruht u
wurzelt in allen 3 gleich bezieht sich u be-
lebt klar [sc.: klärt] erhöht u veredelt alle Dinge
zugleich und ist darum mit Recht die Blüthe
des Ganzen. -
Nun erst werthesterHErr Vetter nachdem
das Ganze die Arten des Unterrichtes so klar auseinandergehalten u
offen vor uns liegt, jetzt erst können wir
auch eigentlich in das Wesen unserer Frage
eindringen u zugleich mit ihr u durch sie u in ihr
noch andere beantworten:
Über das Verhältniß --- des häusl[ichen], ----des
öffentl[ichen] oder Lebens --- u des Schulunterrichtes
Über das Verhältniß die Frage warum auch
der aufgestellte beziehungsweise beste begründende Unterricht
so wie wissenschaftl[iche] Unterricht für denkendes
Leben in seiner Gesammtheit so wenig genügt;
warum auch der mit der größten Sorgfalt Mühe
gegebene Religionsunterricht in spätern und nach dem
Schulleben leider so wenig Früchte bringt ich
möchte sagen so wenig Ausdauer u <-> Nachhalt
hat - Warum? -Weil er aus seinem
nothwendigen Lebensverband herausgerissen
zu einzeln u vereinzelt dasteht, zu wenig allseitig
wie er es fördert [sc.. fordert], begründet aus dem Leben
selbst hervorkeimend wachsend, blühend u
so auch in fruchtend u so auch im Leben u fürs Leben
Früchte bringend ist.
Nun erst in seinem wahren innern Lebens[-]
zusammenseyn läßt sich auch das Wesen wie
dieForderungen u Wirkungen des begründenden
(elementaren) wie des wissenschaftlichen
(aufbauenden) Unterrichts so wie überhaupt das Wesen alles
u jedes Unterrichtes in Stoff Form, Zweck
Stoff erkennen erkennen [2x] /
[14]
2. [Bogen] Herrn Cantor Carl 26 Jul. 1839
[Linke Seitenhälfte] Hiernach nun würde zu dem begründenden
Unterricht nothwendig gehören und denselben
ausmachen:
1. Das Auffassen desGegenstandes an und
für sich.
2. Auffassung des Gegenstandes in Beziehung auf
sein Verhältniß im den Raum, oder Wahrnehmung und Auffassung
des allgemeinen Raumes
, seiner einfachen Gliederung
und seiner Verhältnisse.
3. Auffassung des Gegenstandes in Beziehung auf
die Zeit; <-> sein Verhältniß zur Zeit, oder Wahrnehmung und Auffassung der
allgemeinen Zeit
, ihrer einfachen Gliederung und ihrer Verhältnisse.
4. Auffassung des Gegenstandes in Beziehung auf
sein Begegniß; oder Wahrnehmung und
Auffassung der allgemeinen Begegnisse und
ihrer Erscheinungen.
5., Wahrnehmung des Stoffes oder der Materie
des Gegenstandes,
6., Wahrnehmung der Wirksamkeit und
Kraftäußerung des Gegenstandes (Schwere, Zusammenhalt, Wärme)
7., Auffassung der Ausdehnung (der Größe)
der Gestalt (Form) der Menge (Zahl)
8., Auffassung von Licht und Farbe
9., Wahrnehmung und Auffassen des Tones
und des Tönens überhaupt und Darstellung
durch den Ton: Gesang
10., Darstellung des Gegenstandes durch
den gebrochenen Ton (Sprache)
11., Gegenstandsdarstellung durch Gestalt, Form, Zeichnen
12., Gegenstandsdarstellung durch Farbe, Malen;
13., Gegenstandsdarstellung durch Bewegung, Geberde
14., Auffassung des Wechselverhältnisses
innerhalb eines mehrfachen oder
gegliederten Ganzen zwischen Einzelnem
und Einheit, Theil u Ganzem, Glied und Ganzem
a. Einigung des Einzelnen, Mannigfaltigen
zu einem Ganzen.
b. Auffinden des Mannigfaltigen in einem
Ganzen, Einigen.
c. Auffinden der Einheit in der Mannigfaltigkeit
und in dem Einzelnen oder Auffassung des
Wesens eines Gegenstandes in Beziehung auf
die Einheit an sich, das Allwesen, -Gott.
[Rechte Seitenhälfte]
Sie ersehen hieraus, werthester Herr
Vetter, daß weit mehr und, wenn Sie
wollen, nach einer anderen Seite hin wieder
weniger zum Elementar- oder begrün-
denden Unterrichte gehört als man ge-
wöhnlich dazu rechnet. Mit unabwend-
barer Nothwendigkeit sehen Sie mehrere
Gegenstände als begründend oder als
elementarisch auftreten, von welchen
in unsern Elementarunterrichts büchern
kaum zufällig sie einschließend, viel
weniger sie mit Bestimmtheit als elemen-
tarisch als begründend hervorhebend
die Rede ist. Darum fehlen aber auch
unserm sogenannten Elementarunter-
richte zwey ganz wesentliche Seiten
einmal die Seite des Praktischen, die
Seite der leichten Anwendbarkeit und
Einführung ins Leben, dann die Einführung
in das Wesen der Dinge wie aber in das
Wesen des Lebens überhaupt. Zum
ersten aber führt das aus dem Können, d. h.
Behandeln hervorgehende Kennen des Gegen-
standes seines Stoffes und so seiner darin bedingten Eigen-
schaften; zum Zweyten aber führt das Beachten des Grundes
seiner Thätigkeit, seiner Kraft u deren Äußerungen, führt
das Beachten [des Gegenstandes] als Glied eines großen
Ganzlebens u so seines Wesens als solches und so des Wesens an sich.
Der begründende Unterricht bezweckt bezieht sich hat also also Erfassung der
auch den Also im Auge: den Gegenstand - Raum – Zeit - Begebgniß - Stoff - Kraft - Größe - Form -ZahlKraft - Farbe -
Ton (im allgemeinen) - Gesang (im Besonderen) - Sprache - ZeichnenMalen
- Darstellung des KörperausdruckesZucht, Ordnung - Anstand, Sitte -;
Sinnigkeit u Frömmigkeit, gotteiniges Leben. /
[14R]
[vakat]
[15]
Herrn Cantor Carl 26 Jul 1839
Ehe wir aber auch diese Frage beantworten
können, muß vorher eine andere
erörtert werden, die, ob sie gleich
unnöthig erscheinen könnte, doch für
uns hier wesentlich ist, nemlich die:
Was ist denn Unterricht und was
gehört zum Unterrichten, oder was
sind die wesentlichen Forderungen und
Bedingungen des Unterrichtes?

Unterrichten hängt heißt wohl :
der Entwickelung der Ausbildung des Menschen des Kindes
gleich von ihrem ersten Beginne, von ihrem ersten Anfange, also
von unten an die entsprechende, angemessene Richtung geben,
und so hängt unterrichten, wie leicht ent-
gegen tritt mit Unterbauen zusammen.
Zu einem Unterbau gehört aber ein
Dreyfaches:
1, das zu Unterbauende <->
2. etwas, oder dasjenige, womit oder
wodurch unterbauet werden soll
3. Jemand, welcher unterbauet.
Ebenso gehört also zum Unterricht
ein Dreyfaches:
1. ein Gegenstand, welcher unterrichtet
werden soll, der zu Unterrichtende (der Schüler);
2. ein Gegenstand worinn welcher oder in welchem
unterrichtet werden soll (der Unterrichtsgegenstand)
3. Jemand welcher unterrichtet (der Lehrer).
Zwar nur beyläufig, aber doch um Miß-
verständniß zu vermeiden sey es er-
wähnt, daß nicht nur zwey dieser Bedingungen
und Forderungen in eine zusammenfallen können
z. B. der Unterrichtende und der Zu-Unter-
richtende (wenn Jemand sich selbst belehrt,
oder der Zu-Unterrichtende und der Gegenstand des
Unterrichtes (wenn Jemand über sich selbst belehrt wird) rc, oder
sondern <gelegentlich
> sogar alle drey z. B. wenn ich mich über
mich
selbst belehre oder unterrichte.
Dieß 2 oder 3fache Zusammenfallen
in Eines, hebt aber das wirkliche <->
und auch in sich geschiedene Daseyn aller
drey nicht auf.
Was ist nun elementar elementarisch und
begründend?
- /
[15R]
Hieraus geht also klar und mit Noth-
wendigkeit hervor, daß das Ele-
mentare oder Elementarische drey-
facher Art ist, - d.h. daß der Unter-
richt in drey Beziehungen nemlich
in Beziehung auf den Unterrichtsgegenstand,
in Beziehung auf den Schüler und in Beziehung
auf den Lehrer oder die Art seines Vortrages elementar
oder elementarisch nicht nur seyn kann
sondern seyn muß.
2. Dann Elementar kann also der Unterricht elementar
einmal seyn in Beziehung auf den zu
Unterrichtenden, auf den Schüler;
d. h. daß der Unterricht muß der noch unent-
wickelten ersten Bildungsstufe, überhaupt der
Bildungsfähigkeit, der Bildungsanlage des Schülers
angemessen seyn.
1. Dann Elementar kann der Unterricht elementar
einmal seyn in Beziehung auf den Gegen-
stand
in welchem, oder (worinn oder
auch wodurch) unterrichtet werden soll;
d. h. der Gegenstand des Unterrichtes
muß so behandelt gewählt werden, daß der-
selbe nicht nur alle folgenden Entwickelungen
desselben
die Elemente für die folgenden Unter-
richtsgegenstände und die Bedingungen des Fortgangs
des Unterrichtes in sich schließt in sich schließt [2x] sondern daß
sie auch mit Nothwendigkeit aus ihm
hervorgehen, aus ihm sich entwickeln lassen folgen.
3. endlich drittens kann der Unterricht
auch in Beziehung auf den Unterrich-
tenden
, den Lehrenden elementar
seyn, nemlich so, daß indem nemlich der Lehrer sich selbst
das aufzurichtende UnterrichtsGanze
dadurch unterbauet, daß er sich die Ein-
führung neuer oder die weitere DurchAusführung
bekannter Unterrichtsgegenstände dadurch vorbereitet.
Dieses dreyfache Elementare kann nun aber auch
alles wieder, wie schon vorhin in einer
anderen Beziehung hervorgehoben
wurde, entweder alles oder auch nur zu Zweyt wieder in
Eins zusammenfallen. Wann und so
oft dieß nun aber auch geschehen mag,
so ist es doch keinesweges der Fall
und noch weniger die Forderung, daß es
immer geschehen müsse. /
[16]
Ferner kann der Unterricht elementar seyn
in Beziehung auf ein Einzelnes; in Beziehung
auf das Allgemeine oder das Ganze
(z. B. des Unterrichtes) oder in Beziehung auf das
Einige, die Einheit; (z. B. die letzte Beziehung
des Unterrichtes). Da aber ein vollkomme-
ner ausgebildeter Elementarunterricht
stets die Einigung dieser Drey fordert, so wird
diese Scheidung hier nur für die vollkommene Über-
sicht des Ganzen und wegen der klaren Ein-
sicht in das Ganze hervorgehoben; für die
Ausführung bleibt aber dieß Dreyfache ein
Ungetheiltes.
Da nun aber das Wort und der Aus-
druck elementar oder elemen-
tarisch
in Rücksicht auf den Un-
terricht demnach in 3facher unter sich wirk-
lich verschiedener Beziehung ge-
braucht werden kann, so fragt
es sich: auf welche von diesen drey
Fällen soll das Wort soll der
Ausdruck elementar ausschlie-
ßend angewendet werden? -
Für uns hier soll darüber
kein Zweifel seyn, wir halten
das Wort nur für in der ersten
Beziehung in Beziehung auf den Gegenstand
Gebrauch fest; in der zweyten Beziehung
ist heißt der Unterricht am bezeichnendsten – ent-
wickelnd
und in der dritten Beziehung am angemessensten -
vorbereitend.
Nun erst können wir uns aber
auch klar die Frage beantworten:
Was ist nun elementar oder
elementarisch? -
Elementar oder elementarisch
ist nach der Grundbedeutung in
der Ursprache dasjenige, was sich
einmal auf die ersten äußerlichen
wahrnehmbaren Anfänge, auf das
erste sinnlich Wahrnehmbare, also
auf den Grundstoff, die erste sinnliche
Grundlage eines Gegenstandes, dann
aber auch auf einen Gegenstand selbst
bezieht, insofern man ihn als ein in
sich selbst ruhendes ungeteiltes Gan-
zes und so wieder gleichsam als Grundstoff , als
Grundlage eines zu entwickelnden oder entwickelteren Ganzen
eines Mannigfaltigeren betrachtet;
Darum nenne ich den Elementarunter-
richt (in unserer Lebenvollen un-
ser eigenes und alles Leben
in sich trag-
enden und aus sich kundthuenden
Sprache) den begründenden Unterricht.
Was ist denn hiernach nun aber
für den Unterricht das Elemen-
tare, allem Unterrichte gleichsam
Zum-Grunde-liegende, ihn begründende?--
Nach dem vorhergehenden ist es
also nothwendig zu
A., zuerst der Gegenstand; und zwar
jeder Gegenstand <-> a als Ganzes in sich und
als nothwendige Grundlage weiterer Entwickelungen,
b in seinem Verhalten zum Raume
c in seinem Verhalten zur Zeit u
d. in seinem Verhalten zum Wechsel
(zur Veränderung) zum Gebrauche dann
B., das allen Gegenständen Gemein-
same
, Eigene.
Dieß ist aber, den Gegenstand aufgefaßt
in seiner u durch seine Erscheinung

a., der Inhalt, die Masse, das
Stoffige jedes Gegenstandes,
b. die Wirksamkeit, die Kraftäußerung /
[16R]
des Gegenstandes, (z.B. in der Erscheinung
der Schwere, des Zusammenhaltes,
des Lichtes und der Wärme.)
c. die Ausdehnung, der Umfang, die
Größe
d. die Gestalt Form,
e. die Menge, Vielheit, Zahl.
f. die Farbe
g.) der Ton, a. der reine Ton (Gesangston),
    b. der gehemmte, gebrochene
        gegliederte Ton (: bei dem Menschen
        die Sprache:)
h. die Bewegung, der Lebensausdruck
in der Bewegung, die Geberde.
C. Das Verhältniß des Gegen-
standes zu einem Zweyten
a., das in allen Gegenständen gemein-
same Verhältniß zum
Raum
b. dasselbe zur Zeit
c. zum Wechsel , zur Veränderung , zur
Entwickelung , zu einer wirkenden Kraft.
Anwendung der Gebrauch des Gegen-
standes, oder das Verhältniß zu einer
wirkenden
Kraft, die davon abhängende
Veränderung des gegenstandes und der dadurch
bedingte
Wechsel an und mit demselben
C. das Verhältniß des Gegenstandes
zu einem Ganzen Einigen. Und hier wieder
1. Entwickelung endlich nach der Seite des jungen <-> Lebens
alpha des Mannigfaltigen des Ganzen
aus sich entwickelnd z. B. der Baum, Anschauung und
Beachtung der Entwickelung des Baumes und jedes Gewächses
2. Einigung beta. Einigung des Mannigfaltigen zu
einem Ganzen (z.B Baum; auch in der Blüthe Blühen
Beachtung des der Entstehung eines Baumes und jedes
Zusammen[ge]ordnetseyns, wie in einer höheren Beziehung,
Beachtung des Blühens, des Fruchtens in der Blüthe
gamma Darstellung gamma Auffinden Auffassen des Einigen in allem
Mannigfaltigen, oder Entwickelung
(: Anschauung, Auffassung, Achtung der Einheit in jedem Einzelnen,
Achtung und Anschauung des Ganzen in jedem Einzelnen Theile :)
(z.B. In jedem Keim, Saamen Einzelnen, Theile der Pflanze, das Wesen des
ganzen Gewächses zu sehen und umgekehrt wie
solches im Saamen, im Kern ruht; z. B.
Am Apfelbaume sagt gleichsam jeder Apfel,
oder trägt vielmehr den Charakter, das
Wesen Apfel an sich: Apfelholz, Apfelknospe,
Apfelkeim, Apfelblatt, Apfelblüte rc. so bey andern
Gewächs Ganzen, d. h. jeder einzelne Theil thut das
Wesen des Ganzen kund.
Aller Unterricht hat aber und immer für den Menschen
das Kind den Schüler als erkennendes und schaffendes lebendes empfindendes
Wesen sogleich wieder eine doppelte dreyfache} Richtung, einmal
Und dieß alles für den Menschen das Kind, den Schüler aber als erkennend und
schaffendes Wesen nach den beyden Richtungen hin
einmal nach der Richtung Seite des Erkennens
und Aufnehmens
dann nach der Seite des Darstellens
und Schaffens, Bildens und welche hier wieder
a. in Beziehung auf die Größe (Messen Formen)
die Gestalt (? Zeichnen) Farbe (Malen) Ton
(Gesang, Sprache) die Bewegung (Mimik, Tanz)
erscheinen
und so hat auch der begründende Unterricht und jeder Gegenstand
desselben diese doppelte Beziehung oder Richtung
welche zwar häufig zusammenfallen, bey der
Form u Gestalt aber ganz geschieden in Formenkunde u Zeichnen
[im Entwickeln] des Farbensinns Malen und im Gesange besonders erscheinen. /
[17]
Herrn Cantor Carl.26 Jul 1839
Nur um es erwähnt zu haben nicht aber
weil ich Mißverständnisse befürchte
will ich erwähnen wie es sich von sich selbst
versteht daß keinesweges dieser Unterricht
Arten, wie ihn hier die Erkenntniß u geistige Gliederung
zur klaren und lichtvollen Erfassung des Gegenstandes
herstellt im Leben und in der Anwendung auch
so von einander getrennt u geschieden dastehen
u etwa wie die sie ihn bezeichneten Nummern zähl-
weise aufeinander folgen. Nein keineswegs
Ein Blick in die Natur klärt das Ganze am
Baum ruht schon im Kern sein Stamm,
seine Äste Blätter Blüthen u Frucht u so der Anlage
nach schon wieder ein ganzes Gewächs vom
Keime bis zur Frucht und eine Lebenskraft
Ein Lebenssaft erhält das G[an]ze u zieht sich d[urc]h das G[an]ze
hind[urc]h, aber dennoch erscheinen Stamm – Ast
Zweige Blätter u Blüthen Knospen, Blätter
u Blüthen, u Früchte wieder <-> g[an]z als etwas
geschiedenes für sich betracht- gebrauch- und
anwendbares, so also auch jene Un-
terrichtsarten doch ist natürl der Religions-
unterricht der unsichtbare Ausgang wie
der unsichtbare Lebensfaden, wie zu-
letzt das alles beleuchtende u erwärmende
u das alles gestalten[de] Zur
Einigung des Ganzen.
[Randnotiz*-*]
* Sind nun aber dadurch alle die Unterrichtsweisen
als
sind die Beziehungen in u d[urc]h welche die Gegenstände
unterrichtend auf den Menschen auf das Kind ein-
wirken angeschaut aufge-
faßt u behandelt werden können, erschöpft? –
Ich sage Nein!
Denn haben wir bisher die Gegenstände auch
schon als Glieder eines größeren G[an]zen
u in Beziehung auf das Wechselverhältniß
zwischen Glied oder Theil zum Gzen
betrachtet und in Beziehung auf die
für das Kind daraus hervorgehende
Unterrichtsweise
betrachtet? –
Wir werden beyde sagen müssen, Nein! *
So habe ich mir nun denn auch den Weg gebahnt zur
Beantwortung Ihrer 1‘ Frage, durch das vorher-
gehende gebahnt
zu der Frage:
1) Bey welchen Gegenständen ist der synthetische u bey
welchen der analytische Lehrgang anzuwenden[?]
Erstl. will ich wieder wie oben bemerken
daß die Frage eigentl[ich] umgekehrt stehen
müsse bey welchen [Gegenständen] ist der analytische u bey welchen
ist der synthetische Lehrgang anzuwenden
denn die Einheit ist überall zuerst, als
die Bedingung der Mannigfaltigkeit u Allheit.
So allgemein nun auch die Bedeutung dieser beyden Fremdworte
bekannt ist, so lassen Sie uns doch solche
in die unserm Geiste eigene Sprache übertragen
ersteres in auflösend - gliedernd - das zweyte
in verbindend (aufbauend) einigend. Und so
dünkt mich haben wir durch die Bedeutung u den Sinn der Worte
sogl[eic]h die Auflösung der Frage. Der auflösend
gliedernde der analytische Unterricht muß da der erste
seyn wo der Unterricht von einer Einheit,
von einem Ganzen ausgeht; der verbindende einigende auf-
bauende synthetische Unterricht dagegen wo /
[17R]
schon von einem gegliederten Mannigfaltigen aus-
gegangen wird. Nun steht es aber freylich
in meinem Willen oder in den gegebenen Bedingungen
ein und ebendens[elben] Gegenstand einmal als ein in sich schon einiges Ganzes
ein andermal als eine Mehrheit
anschauen zu können wie z. B.
jede Schule, - oder die Natur rc. Es läßt
muß also die Frage wieder so gestellt
werden bey welchem Unterricht [sc.: ] Gegenstand ist mit dem
gliedernden (analytischen) - bey welchem mit dem zusammenfassen[den]
synthetischen Unterrichte begonnen werden? die
Auflösung oder Antwort auf diese Frage liegt
im vorigen[.] Ich habe gesagt begonnen werden denn da ich man
nur dasjenige richtig aufgelöst hat was
man wieder klar u bestimmt zusammenzuordnen im
Stande ist und da man nur dieß klar und ruhig
sich bewußt - zusammengeordnet hat was sich wieder einfach auf-
lösen kann so <-> geht daraus klar hervor
daß man bey jedem Gegenst[an]d über welchen man
sich vollendet u klar unterrichten will beyde Unterrichts-
weisen u Wege gehen müsse[.]
Allein wie wir oben schon sahen daß der
begründende u wissenschaftliche Unterricht nicht
die Arten des Unterrichtes erschöpfte,
so sehen wir nun auch daß der analytische
und synthetische Unterrichts Weg oder Weise
nicht das Ganze des Unterrichtes das Wesen
desselben erfassen / erschöpfen könne sondern
daß noch ein 3es dazu gehört auch noch
eben so wenig
als die Subtraction u Addition die Division u Multipli[cation]
hinlänglich ist [sc.: sind] um durch sie selbst eine Zahl[-]aufgabe
zu lösen sondern dazu allein wozu nothwendig noch
ein 3es die Vergleichung dazu gehört so gehört auch ein
3es vereinigendes zur Anwendung der beyden
Unterrichtsweisen um dadurch zu einem
ächten Ergebniß zu kommen, nemlich die
Vergleichung..
[Ergänzung linke Spalte. Die fünf
Endzeilen werden über S. 17R bis 18 geführt]
Es muß also bey jedem Unterrichtsgegenstande
alle 3 UnterrichtsWeisen
aufl[ösende] einende} und vergleichende
angewand[t] werden wenn der Unterricht
zu einem klaren Ergebniß führen soll; bey
welchem Unterrichts<ganzen> aber mit
einer der beyden ersten Weisen begonnen werden
müsse liegt in dem Wesen des Gegenstandes d h.
ob er als ein Ganzes – oder als eine
Vielheit aufgefaßt wird; dieß hat
jedoch wieder seine Eigenen Bestimmungen worinn
einzugehen nicht weiter hierher gehört und /
[18]
fordert wieder eine Totalübersicht
sämmtl[icher] Unterrichtsgegenstände u ihrer
Auffassung. [Ende Ergänzung linke Spalte S.18]
[17R]
[Noch 17R] Wie nun aber der Mensch ein in sich
einiges stetiges LebG[an]ze ist aus Leib
Seele u Geist besteht u doch aus Knochen
Muskeln Haut, Blut, Nerven, Haut und aus
noch weit verschieden artigen andern Theilen
u so der Geiste besonders in u durch der sich als
mehrere als verschieden erscheinende Vermögen u Kräfte sich
äuße[rt] Denken Verstand, Vernunft pp pp pp
was aber eben nicht in jedem Menschen gleichmäßig
noch weniger gleich vollkommen ausgebildet ist, so bildet auch
jener Unterricht ein dem Menschenwesen in seiner
Ganzheit ganz entsprechende u genügende Lehrganze
ohne daß jedoch dad[urc]h gefordert ist daß jeder
Mensch u jedes Kind nothwendig nach all diesen /
[18]
Beziehungen hin gleich vollkommen ausge-
bildet seyn müsse. Allein der Lehrer der
Erzieher muß das Bild davon so klar als
lebenvoll in sich tragen[.]
Die bisherige Schule zieht auch schon
von selber Spuren für alles Keime.
So hoffe habe ich nun wohl von meinem Standpunkte
aus und zur Genüge für mich die mir von
Ihrem Vertrauen vorgelegten Fragen beant-
wortet; ob und in wie weit aber auch für Sie und Ihren
Zweck werthester HErr Vetter, kann ich
nicht bestimmen und muß die Erfahrung an u über Ihnen
und in Ihrer Anwendung u Gebrauch lehren.
Ich mußte durch Zeit u Umstände getrieben
alles auf das höchste zusammendrängen
Um nun aber alles recht klar u ins
Einzelne gehend ihnen [sc: Ihnen] in der Anwendung u Ausführung
im Leben wie in der Schule selbst nachweisen
u vorführen zu können wünsche ich nun wohl
daß sie [sc.: Sie] Ihren Vorsatz ausführen u mich
Ende August besuchen könnten dann wollte
ich Ihnen in und an meiner Anstalt zur
Pflege des Thätigkeitstriebes für Kindheit u
Juge[nd] - kurz in meiner Spiel[-] und Beschäftigungs
Anstalt kleiner Kinder an welcher tägl zwischen 40-50 Ki[nder]
von 1 bis 7 Jahren Antheil n[ehmen] und in der damit
verbundenen Anstalt zu Bildung für Kind[heit-]
u KinderErzieher alles dieß im Obigen u das Bisherige u Obige
im Einzelnen anschaul[ich] nach-
weisen, denn beyde Anstalten in sich eigentl[ich]
eine einige beruhen auf den hier angedeuteten
Grundlagen u Grundsätzen u sind eigentl der
Anwendung u Ausführung derselben gewiedmet.
Besuchen Sie mich also auf ohngefähr wenigstens 8 – Tage
dann wollen wir den hier angeregten Gegenst[an]d
recht mit einander d[urc]h<arbeiten>; so ge-
drängt auch alles hier erscheinen mußte so
wird Ihnen doch gz gewiß nicht ent-
gangen seyn
so wird Ihnen doch nicht entgangen
seyn daß wir uns hier in der Mitte
des Erziehungs- und Unterrichtswesens nach al-
len seynen <Forderungen> Beziehungen u Richtungen befinden; es wird
Ihnen gewiß nicht entgangen seyn, daß wir
hier in eine Erziehungsansicht eingetreten sind
die in ihrer klaren u Allseitigen d[urc]hführung für
die in Kindheit immer wieder von neuem aufkeimende Menschheit
auf das höchste wichtig, ja segensreich ist; Also kommen Sie, kommen
Sie kommen Sie lassen Sie sich nicht dad[urc]h abschrecken, daß sie
zu einem Spielmanne kommen -- wir wollen dann Spielen; denn wir wissen /
[18R]
ja was die Spiele zu allen Zeiten u für
allen Völkern der Menschheit waren unter
den Griechen wie bey den alten Deutschen u noch im deutschen
Mittelalter aus [sc.: auch] und sagt doch selbst unser
Gottbegeisterter PsalmenHymnendichter
Singet u spielet dem Herrn in Eurem Herzen
Nun, singen und spielen wollen wir - wollen es im
und mit vollem Herzen u auch gewiß einzig dem
Herrn dem - Vater der Kinder u mit den
Kindern. Oder noch besser Veranlassen
Sie wenn der hier angeregte Gegenstand vielleicht
einiges lebendiges Interesse bey ihren Herren
ConferenzMitgliedern zu erregen im Stande [ist]
durch Ihre Conferenz daß man aus ihrer Mitte
eine Gesandtschaft Auswahl von 3en Sie
als HErrn ConferenzPräsidenten an der Spitze
committirt um hier an Ort und Stelle sich von
der ersten Anwendung der hier dargelegten Erziehungs-
u Unterrichtsgrundsätze zu prüfen. Sollten
Sie auch in völliger Opposition mit mir
fortgehen so darf ich Ihnen doch versichern
nach den viel u oft wiedergekehrten Thatsachen
daß sie [sc.: Sie] mit Blicken in das Erziehungs- u Un-
terrichtsWesen u Kinderleben von hier zurück kehren
werden welche Ihnen in ihrer Anwendung auf Ihr
DiözesSchulwesen viele freundl[iche] Blüthen
ja schöne Früchte bringen soll
Der Weg über Eisfeld ist schön, in einem Tag
sind Sie bequem hier. Sie, da ich hoffen darf, daß
Sie mit mir vorlieb nähmen, würden mein Gast seyn für
Ihre beyden andern Herrn Collegen weise ich Ihnen im Schwarz-
burger Hofe
am Eingang des schönen und romantischen Schwarzathales billiges
Quartir nach.
Schreiben Sie mir bald nach Ihrer Conferenz
ob die Mitglieder derselben oder doch wenigstens
Sie, l. HE. V., für Ihre Person auf meinen Vorschlag
eingehen wollen und können und wann Sie denselben
auszuführen gedächtendenken, damit Sie [mich] auch gewiß
zu Haus treffen.
Ich würde dann noch einen 2‘ zweyten Punkt mit
Ihnen besprechen, welcher mir wieder
sehr am Herzen liegt. -Der mich jetzt besonders
beschäftigende Gegenstand der Kleinkinderpflege
über welchen ich mich wie Sie aus der Anlage ersehen
öffentlich im Allgem: Anz. d. Deutschen
vor einiger Zeit ausgesprochen habe fand
nach mehreren Punkten Richtungen hin sehr lebendige
Theilnahme so daß ich jetzt schon veranlaßt worden
bin einige junge Leute dafür aus zu bilden, welche sich
gegenwärtig hier bey mir befinden; allein ich bin weiter noch
u so bin ich denn schon von einigen Punkten
aus ersucht worden weiter ferner junge Männer aufzu-
finden, welche sich entschließen könnten auf
die von mir angebahnte Weise sich einige
Jahre mit Kreisen kleiner Kinder in namhaften /
[19]
Herrn Cantor Carl 26 Jul 1839
Städten Deutschlands zu beschäftigen und zwar
so, daß sie nach Maaßgabe ihrer Vorbildung
1 ½ bis 2 Jahre theils unmittelbar von mir theils
unter meiner unmittelbaren Leitung theoretisch u
praktisch mit ununterbrochener zur der Seite
laufender Anwendung u der geistigen Deutung
ihrer Ergebnisse - auf fremde d. i. auf Kosten der Vereine
dafür ausgebildet wenn nach
Verlauf der dieser Zeit aber 2 - 3 Jahr in dieser Stadt
der ersten Kinderpflege der Kinder dafür geeinter Familien
leben würden. - Zuvörderst habe werde ich wirklich
gedrängt einen solchen jungen Mann für Fr[an]kfurt auf-
zufinden Wenn Sie sich nun von dem Geist
u Zweck von den nothwendigen Früchten einer solchen
Kinderführung wie die von mir angebahnte durch d Augenschein
überzeugt haben würden, dann werden Sie mir
vielleicht auch zunächst wenigstens einen
oder einige junge Männer nachweisen können
welche dazu Lust, Neigung u Anlage u Vorbildung
haben denn
    Liebe zu den Kindern
    Anstelligkeit bey der Beschäftigung von Kindern derselben
    Einige Kenntniß von Musik besonders Gesang
überhaupt die Vorbildung welche jetzt überall
der Eintritt in eine Schul Lehrer bildungsanstalt
fordert sind auch die Eigenschaften welche
auch zum Eintritt in diese Erzieherbildungs
Anstalt gefordert werden muß. Können Sie mir vielleicht gleich
vorläufig etwas über diesen Punkt Gegenstand
mittheilen so wird es mich herzl. freuen -
So wie es mich herzl. gefreut hat ver-
anlaßt durch Ihre Conferenz auch endlich seit
wohl 2 Jahren wieder einmal etwas von
Ihnen zu hören.
Die Nachrichten von HErrn Langethal aus Burgdorf
in der Schweiz sind vorzügl[ich] seine u seiner Frau u Gehülfen Gesundheit gut
sein Wirken umfasse[nd] und segensreich; doch verhehlt
wir uns er es nicht daß ihn doch Sehnsucht in die Heimath
zieht. Ferdinand Fröbel wirkt noch immer still in Willisau
fort, doch wünschen die Eltern ihn so sehnl[ich] zurück, daß
es fast scheint als werden wir dieser Forderung
wie schon bey Elise seiner Schwester nachgeben müssen[.]
Von Langguth höre ich daß er nach Lausanne
als Lehrer gegangen ist.---[Schlußformel fehlt]

d) Reinschriftfragment / Briefanfang mit Gesamtschema (BN 401, Bl 6-7R)

[6]
Herrn Cantor Carl in Veilsdorf, beyHildburghausen


Blankenburg, bey Rudolstadt, am 21 Juli 1839.


Hochgeehrter Herr Vetter!

Ihren lieben Brief vom 11ten d.Mon. erhalte ich heute am 21en,
also erst nach 10 Tagen. Ihr Vertrauen thut in demselben
einige Fragen an mich, welche Sie längstens binnen 14 Tagen
beantwortet wünschen; dieß wäre bis zum 25en d. Mon.
also schon in 4 Tagen; wie dieß möglich seyn wird, weiß ich nun
zwar nicht -wenigstens kann bis dahin die Antwort schwerlich
in Ihrer Hand seyn; dennoch will ich, was mir möglich ist, thun,
um Ihre Erwartung zu erfüllen, obgleich ich glaube, daß auch
ohne meine Zuschrift, die Beantwortung der beyden Fragen, Sie
bey dem Schatze Ihrer Erfahrung nicht in die geringste Verlegen[-]
heit setzen würde, Sie vielmehr solche schon klar in sich tragen;
daß jedoch, wissend wie ich über Erziehung und Unterricht hie und
da eigene, auch wohl eigenthümliche Überzeugungen hege und
pflege, Sie snun [sc.: nun] durch diese die Ergebnisse Ihrer eigenen Erfahrungen
und Ansichten bestätigt sehen wollen; woran ich auch, wenn wir
uns nur über den Ausgangspunkt verständigen, nicht im min-
desten Zweifel habe. Doch dem sey wie ihm wolle, hier kürzlich
Ihnen das, was mir bey Lesung Ihres freundschaftlichen Briefes
als und der darin vorgelegten Fragen, sogleich als Beantwor-
tung entgegen tratt, zu Ihrer weiteren gefälligen Prüfung.-
Ich beginne mit der Beachtung der zweyten Frage, von welcher
ich glaube daß sie, aus in ihr selbst liegenden Gründen,
vor die erste zu stellen gewesen wäre. Also:
,,2, Wann ist der Unterricht wissenschaftlich und wann ist
er elementarisch?" -
Allein auch diese zweyte Frage hätte gewiß wieder umge-/
[6R]
kehrt gestellt werden müssen, nemlich so:
"Wann (:sollte aber wohl heißen wenn, d. h. unter wel-
chen Sachbedingungen, oder vielmehr in welcher Form:) ist der
Unterricht elementarisch u wenn ist er wissenschaftlich?"
- (Wann bezieht sich nemlich immer blos auf die Zeit, und darüber
läßt sich eigentlich nichts Bestimmtes, Ausschließendes aus-
sprechen oder vielmehr feststellen.) -
Allein Sie sehen sogleich, werthester Herr Vetter! die Be-
antwortung der Frage: wenn ist der Unterricht elementa-
risch und wenn ist er wissenschaftlich? - setzt vorher die Er-
örterung zweyer anderer voraus nemlich der:
a) was ist eigentlich Elementarunterricht und was sagt der
Ausdruck elementar oder elementarisch?
b.) was ist wissenschaftlicher Unterricht und was sagt der
Ausdruck wissenschaftlich? -
Elementar oder elementarisch ist nach der Grundbedeutung
in der Ursprache dasjenige, was sich einmal auf die ersten äußerlich
wahrnehmbaren Anfänge, auf das erste sinnlich Wahrnehm-
bare, auf den Grundstoff, die erste sinnliche Grundlage
eines Gegenstandes bezieht, dann aber allein auch auf den Gegenstand
selbst hinweist bezieht, insofern man ihn als ein in sich selbst ruhendes, ungetheil-
tes Ganzes und so wieder als Grundstoff oder Grundlage eines
höheren Ganzen betrachtet. Darum nenne ich den Elementar-
unterricht in unserer Lebenvollen, unser eigenes Leben in sich
tragenden und aus sich kundthuenden Sprache, den begründen-
den
Unterricht.
Was ist denn nun aber für den Unterricht das Elemen-
tare, allem Unterrichte gleichsam zum Grunde liegende?
Es ist doch wohl vor Allem zuerst
A. der Gegenstand, rein an sich; (also Kennen des Gegen-
standes an und für sich und so
Wiedererkennen) dann /
[7]
B. das allen Gegenständen Gemeinsame, Eigene.
Dieß kann aber wohl dem Eindrucke nach, welchen der Gegenstand
auf das Kind macht nichts anderes seyn als:
a. die Anschauung der Inhalt, die Masse, das Stoffige jedes
Gegenstandes
b. die Wirksamkeit und Kraftäußerung das Wesen des Gegenstandes
z.B. in der Erscheinung der Schwere und des Zusammenhaltes
c. die Ausdehnung, der Umfang, die Größe
d. die Gestalt und Form.e. die Menge, Vielheit, Zahl.
f. der Gesammtausdruck des Inneren. Hier wieder entweder
alpha.durch das Sichtbare der Erscheinung; durch die Art
wie der Gegenstand sich und was er als Ausdruck
seines Inneren äußerlich zeigt:
1. in Ruhe:
aa. Form
bb. In und durch Farbe
2. in und durch Bewegung (gleichsam Geberdenausdruck)
beta. durch das Hörbare der Erscheinung des Gegenstandes
durch sein sich lautbar machen:
aa im reinen Ton
bb. im gehemmten oder gebrochenen Ton.
(:bey dem Menschen gegliederte Tonsprache:)
C. das Verhältniß des Gegenstandes zu einem Zweyten:
a. das allen Gegenständen gemeinsame Verhältniß zum Raum,
b. dasselbe zur Zeit;
c. das Verhältniß des Gegenstandes wieder zu einem Gegenstande;
man kann auch sagen der Gebrauch welcher von dem Gegen-
stande gemacht wird
d. das Verhältniß des Gegenstandes zu einem Ganzen, Einigen
alpha das Mannigfaltige des Ganzen aus sich entwickelnd z. B. der Baum
beta Einigung des Mannigfaltigen zu einem Ganzen z. B. Baum
gamma Auffinden des Einigen in allen Mannigfaltigen, oder Entwik- [bricht ab] /
[7R]
Schema

e) Reinschriftfragment/Briefanfang (BN 401, Bl 8-9R)

[8]
Herrn Cantor Carl, in Veilsdorf beyHildburghausen.


Blankenburg, bey Rudolstadt 21. July 1839.


Hochgeehrter Herr Vetter!

Ihren lieben Brief vom 11ten d.Mon. erhalte ich heute
am 21ten, also erst nach 10 Tagen. - Ihr Vertrauen thut
in demselben einige Fragen an mich, welche Sie längstens binnen
14 Tagen beantwortet wünschen; dieß wäre bis zum 25ten
d. Mon: also schon in 4 Tagen; wie dieß möglich seyn wird,
weiß ich nun zwar nicht; wenigstens kann bis dahin die Ant-
wort schwerlich in Ihrer Hand seyn; dennoch will ich, was mir
möglich ist, thun, um Ihre Erwartung zu erfüllen, obgleich
ich glaube, daß auch ohne meine Zuschrift die Beantwortung der
beyden Fragen, Sie bey dem Schatze Ihrer Erfahrung nicht in die
geringste Verlegenheit setzen werde, Sie vielmehr solche schon klar
in sich tragen; daß jedoch, da Sie wissen wie ich über Erziehung
u. Unterricht hie und da eigene, auch wohl eigenthümliche Überzeu-
gungen hege und pflege, Sie nun durch diese die Ergebnisse Ihrer
eigenen Erfahrungen und Ansichten bestätigt sehen wollen; woran
ich auch, wenn wir uns nur über den Ausgangspunkt verständigen
nicht im mindesten Zweifel habe. - Doch dem sey, wie ihm wolle,
hier kürzlich Ihnen das, was mir bey Lesung Ihres freundschaft-
lichen Briefes und der darin vorgelegten Fragen sogleich als Be-
antwortung entgegentrat, zu Ihrer weiteren gefälligen Prüfung.
Ich beginne mit der Beachtung der zweyten Frage, von wel-
cher ich glaube, daß sie, aus in ihr selbst liegenden Gründen, vor
die erste zu stellen gewesen wäre. - Also:
,,2, Wann ist der Unterricht wissenschaftlich, wann ist er
elementarisch?" -/
[8R]
Allein auch diese zweyte Frage hätte gewiß wieder um-
gekehrt gestellt werden müssen, nämlich so:
"Wann (:sollte wohl heißen: wenn, d. h. unter welchen Sach-
bedingungen oder vielmehr in welcher Form:) ist der Unter-
richt elementarisch u wenn ist er wissenschaftlich?["]
(Wann bezieht sich nemlich auf die Zeit, und darüber
läßt sich eigentlich nichts Bestimmtes, Ausschließendes aus-
sprechen oder vielmehr feststellen:)
Allein Sie sehen sogleich, werthester Herr Vetter! die Be-
antwortung der Frage: wenn ist der Unterricht elemen-
tarisch und wenn ist er wissenschaftlich? -setzt vorher die Erör-
terung zweyer anderer voraus, nämlich der:
a, was ist eigentlich Elementarunterricht, u. was sagt der
Ausdruck elementar oder elementarisch? -
b. Was ist wissenschaftlicher Unterricht u. was sagt der
Ausdruck wissenschaftlich?
Ehe wir aber auch diese Fragen beantworten können, muß vor-
her eine andere erörtert werden, die, ob sie gleich unnöthig er-
scheinen könnte, doch für uns hier wesentlich ist, nemlich die:
Was ist denn Unterricht und was gehört zum Unterrichte,
oder, was sind die wesentlichen Forderungen und Bedingungen
des Unterrichtes?
Unterrichten
heißt wohl, der Entwickelung, Ausbildung des Menschen
des Kindes gleich von ihrem ersten Beginne, von ihrem ersten An-
fange, also von unten an die entsprechende, angemessene Rich-
tung
geben; und so hängt unterrichten, wie leicht entgegentritt
mit Unterbauen zusammen; zu einem Unterbau gehört aber
ein Dreyfaches:
1, das zu Unterbauende
2, dasjenige, womit oder wodurch unterbauet werden soll
3. Jemand, welcher unterbauet.
Ebenso gehört also zum Unterrichten ein Dreyfaches: /
[9]
1, ein Gegenstand welcher unterrichtet werden soll, der zu
Unterrichtende (der Schüler);
2, ein Gegenstand, welcher oder in welchem unterrichtet werden soll;
(der Unterrichtsgegenstand);
3, Jemand, welcher unterrichtet; (der Lehrer).
Zwar nur beyläufig, aber doch um Mißverständniß zu ver-
meiden, sey es erwähnt, daß nicht nur zwey dieser Bedingun-
gen und Forderungen in eine zusammenfallen können, z. B.
der Unterrichtende und der Zu-unterrichtende; (wenn Je-
mand sich selbst belehrt), oder der Zu-unterrichtende und der
Gegenstand des Unterrichtes (wenn Jemand über sich selbst be-
lehrt wird), rc, sondern sogar alle drey, z. B. wenn ich mich über
mich
selbst belehre oder unterrichte. Dieß zwey- oder dreyfache
Zusammenfallen in Eines hebt aber das wirkliche und auch
in sich geschiedene Daseyn aller Drey nicht auf.
Hieraus geht also klar und mit Nothwendigkeit hervor, daß
das Elementare oder Elementarische dreyfacher Art ist, - d.h.
daß der Unterricht in drey Beziehungen, nämlich in Beziehung
auf den Unterrichtsgegenstand, in Beziehung auf den Schüler
und in Beziehung auf den Lehrer oder die Art seines Vor-
trages elementar, oder elementarisch nicht nur seyn kann
sondern seyn muß.
Es kann der Unterricht elementar seyn in Beziehung
auf den zu Unterrichtenden, auf den Schüler, d. h., der
Unterricht muß der noch unentwickelten Bildungsstufe,
überhaupt der Bildungsfähigkeit, der Bildungsanlage
des Schülers angemessen seyn.
Dann kann der Unterricht elementar seyn in Beziehung auf
den Gegenstand, in welchem (worin oder auch wodurch) unter-
richtet werden soll; d. h. der Unterrichts-Gegenstand muß so
gewählt werden, daß derselbe nicht nur die Elemente für die
folgenden Unterrichtsgegenstände und die Bedingungen des Fort-
ganges des Unterrichts in sich schließt, sondern daß sie auch mit
Nothwendigkeit aus ihm hervorgehen, aus ihm folgen. /
[9R]
Endlich kann der Unterricht in Beziehung auf den Unter-
richtenden
, den Lehrenden elementar seyn, indem nämlich
der Lehrer sich selbst das aufzurichtende Unterrichts-Ganze
dadurch unterbauet, daß er sich die Einführung neuer, oder
die weitere Ausführung bekannter Unterrichtsgegenstände
vorbereitet.
Dieses dreyfache Elementare kann nun aber auch, wie schon
vorhin in einer andern Beziehung hervorgehoben wurde, ent-
weder alles oder auch nur zu zweyt wieder in Eins zusammen-
fallen. Wann und so oft dieß aber auch geschehen mag, so ist es
doch keinesweges der Fall und noch weniger die Forderung,
daß es immer geschehen müsse.
(Ferner kann der Unterricht elementar seyn in Beziehung auf
ein Einzelnes, z.B. Zahl, Zeichnen, in Beziehung auf das Allgemeine oder das Ganze
(z. B. des Unterrichts) oder in Beziehung auf das Einige, die Einheit;
(z. B. die letzte Beziehung des Unterrichtes). Da aber ein vollkommener,
ausgebildeter ElementarUnterricht stets die Einigung dieser Drey
fordert, so wird diese Scheidung hier nur für die vollkommene
Übersicht des Ganzen und wegen der klaren Einsicht in das Ganze
hervorgehoben; für die Ausführung bleibt aber dieses Dreyfache
ein Ungetheiltes.-)
Da nun das Wort und der Ausdruck elementar oder elemen-
tarisch
in Rücksicht auf den Unterricht in dreyfacher Beziehung
gebraucht werden kann, so fragt es sich, auf welche von diesen
drey Fällen soll das Wort, der Ausdruck elementar ausschlie-
ßend angewendet werden? -Für uns hier soll darüber kein
Zweifel seyn, wir halten das Wort nur in Beziehung auf den
Gegenstand fest; (in Beziehung auf den Schüler heißt der
Unterricht am bezeichnendsten entwickelnd und in Beziehung
auf den Lehrer am angemessensten vorbereitend.)
Nun erst können wir uns klar die Frage beantworten:
Was ist elementar oder elementarisch?
Elementar oder elementarisch ist nach der Grundbedeutung
in der Ursprache dasjenige, was sich einmal auf die erste [bricht ab]

f) Reinschrift/Abschrift (KN 55,25)

[1]
Herrn Cantor Carl in Veilsdorf beyHildburghausen


Blankenburg, bei Rudolstadt, am 21. Juli 1839.


Hochgeehrter Herr Vetter!

Ihren lieben Brief vom 11ten d.M. erhalte ich heute, am 21.ten, also erst
nach 10 Tagen. Ihr Vertrauen thut in demselben einige Fragen an mich, welche
Sie längstens binnen 14 Tagen beantwortet wünschen; dies wäre bis zum 25sten
d. M. , also schon in 4 Tagen; wie dies möglich sein wird, weiß ich nun zwar
nicht -wenigstens kann bis dahin die Antwort schwerlich in Ihrer Hand sein;
dennoch will ich, was mir möglich ist, thun, um Ihre Erwartung zu erfüllen,
obgleich ich glaube, daß auch ohne meine Zuschrift die Beantwortung der beiden
Fragen Sie bei dem Schatze Ihrer Erfahrung nicht in die geringste Verlegen-
heit setzen werde, Sie vielmehr solche schon klar in sich tragen, daß jedoch, da
Sie wissen, wie ich über Erziehung und Unterricht hie und da eigene, auch wohl eigenthümliche Überzeugungen hege und pflege, Sie nun durch diese die Er-
gebnisse Ihrer eigenen Erfahrungen und Ansichten bestätigt sehen wollen, wor-
an ich auch, wenn wir uns über den Ausgangspunkt verständigen, nicht im
mindesten Zweifel habe. Doch dem sey, wie ihm wolle, hier kürzlich Ihnen
das, was mir bei Lesung Ihres freundschaftlichen Briefes und der darin vorgeleg-
ten Fragen sogleich als Beantwortung entgegentrat, zu Ihrer weiteren gefälligen Prüfung.
Ich beginne mit der Beachtung der zweiten Frage, von welcher ich glaube,
daß sie, aus in ihr selbst liegenden Gründen vor die erste zu stellen gewesen wäre. - Also:
,,2, Wann ist der Unterricht wissenschaftlich, wann ist er elementarisch?" -
Allein auch diese zweite Frage hätte gewiß wieder umgekehrt gestellt
werden müssen, nämlich so:
"Wann (sollte wohl heißen: wenn, d. h. unter welchen Sachbedingungen oder
vielmehr in welcher Form) ist der Unterricht elementarisch u wenn ist er wissenschaftlich?"
(Wann bezieht sich nämlich auf die Zeit, und darüber läßt sich eigentlich nichts Be-
stimmtes, Ausschließendes aussprechen oder vielmehr feststellen.)
Allein Sie sehen sogleich, werthester Herr Vetter , die Beantwortung
der Frage: wenn ist der Unterricht elementarisch und wenn ist er wissenschaft-
lich -setzt vorher die Erörterung zweyer anderer voraus, nämlich der: /
[1R]
a.) Was ist eigentlich Elementarunterricht, und was sagt der Ausdruck ele-
mentar oder elementarisch?
B.) Was ist wissenschaftlicher Unterricht und was sagt der Ausdruck wis-
senschaftlich?
Ehe wir aber auch diese Fragen beantworten können, muß vorher eine an-
dere erörtert werden, die, ob sie gleich unnöthig erscheinen könnte, doch für uns
hier wesentlich ist, nämlich die:
Was ist denn Unterricht und was gehört zum Unterrichten, oder was
sind die wesentlichen Forderungen und Bedingungen des Unterrichtes?
Unterrichten
heißt wohl, der Entwickelung, Ausbildung des Menschen,
des Kindes, gleich von ihrem ersten Beginne, von ihrem ersten Anfange, also von
unten an, die entsprechende, angemessene Richtung geben; und so hängt unterrichten,
wie leicht entgegentritt, mit Unterbauen zusammen; zu einem Unterbau ge-
hört aber ein Dreyfaches:
1.) das zu Unterbauende; Zuunterbauende,
2.) dasjenige, womit oder wodurch unterbauet werden soll
3.) Jemand, welcher unterbauet.
Ebenso gehört also zum Unterrichte ein Dreifaches:
1.) ein Gegenstand, welcher unterrichtet werden soll, der Zu unterrichtende (der Schüler);
2.) ein Gegenstand, welcher oder in welchem unterrichtet werden soll (der Unterrichtsge-
genstand);
3.) Jemand, welcher unterrichtet (der Lehrer).
Zwar nur beiläufig, aber doch um Mißverständnisse zu vermeiden, sey es
erwähnt, daß nicht nur zwey dieser Bedingungen und Forderungen in eine
zusammenfallen können, z. B. der Unterrichtende und der Zu unterrichtende (wenn
Jemand sich selbst belehrt), oder der Zuunterrichtende und der Gegenstand des
Unterrichtes (wenn Jemand über sich selbst belehrt wird), u.s.w. , sondern sogar
alle drey, z. B. wenn ich mich über mich selbst belehre oder unterrichte. Dieses
zwei- oder dreifache Zusammenfallen in Eines hebt aber das wirkliche und auch
in sich geschiedene Dasein aller Drey nicht auf.
Hieraus geht also klar und mit Nothwendigkeit hervor, daß das Elemen-
tare oder Elementarische dreifacher Art ist, d.h., daß der Unterricht in drey Be-
ziehungen, nämlich in Beziehung auf den Unterrichtsgegenstand, in Beziehung /
[2]
auf den Schüler und in Beziehung auf den Lehrer oder die Art seines Vortra-
ges elementar oder elementarisch nicht nur sein kann, sondern sein muß.
Es kann der Unterricht elementar sein in Beziehung auf den Zuunter-
richtenden
, auf den Schüler, d. h., der Unterricht muß der noch unentwickelten
Bildungsstufe, überhaupt der Bildungsfähigkeit, der Bildungsanlage des Schü-
lers angemessen sein.
Dann kann der Unterricht elementar sein in Beziehung auf den Gegenstand,
in welchem (worin oder auch wodurch) unterrichtet werden soll; d. h. der Unter-
richtsgegenstand
muß so gewählt werden, daß derselbe nicht nur die Elemente
für die folgenden Unterrichtsgegenstände und die Bedingungen des Fortganges
des Unterrichtes in sich schließt, sondern daß sie mit Nothwendigkeit aus
ihm hervorgehen, aus ihm folgen.
Endlich kann der Unterricht in Beziehung auf den Unterrichtenden, den Lehren-
den
elementar sein, indem nämlich der Lehrer sich selbst das aufzurichtende Un-
terrichtsganze dadurch unterbauet, daß er sich die Einführung neuer oder die weitere Ausführung bekannter Unterrichtsgegenstände vorbereitet.
Dieses dreyfache Elementare kann nun aber auch, wie schon vorhin in einer
andern Beziehung hervorgehoben wurde, entweder alles oder auch nur zu zwey
wieder in Eins zusammenfallen. Wann und so oft dies aber auch geschehen
mag, so ist es doch keinesweges der Fall und noch weniger die Forderung, daß
es immer geschehen müßte.
Ferner kann der Unterricht elementar seyn in Beziehung auf ein Einzel-
nes
, z.B. Zahl, Zeichen, in Beziehung auf das Allgemeine oder das Ganze
(z. B. d. Unterrichts) oder in Beziehung auf das Einige, die Einheit, z. B. die
letzte Beziehung des Unterrichtes. Da aber ein vollkommener, ausgebildeter Elementarunterricht stets die Einigung dieser Drey fordert, so wird diese
Scheidung hier nur für die vollkommene Übersicht des Ganzen und wegen der
klaren Einsicht in das Ganze hervorgehoben; für die Ausführung bleibt aber
dieses Dreyfache ein Ungetheiltes.
Da nun das Wort und der Ausdruck elementar oder elementarisch
in Rücksicht auf den Unterricht in dreyfacher Beziehung gebraucht werden
kann, so fragt es sich, auf welche von diesen drey Fällen soll das Wort, der /
[2R]
Ausdruck elementar ausschließend angewendet werden? -Für uns hier soll
darüber kein Zweifel sein, wir halten das Wort nur in Beziehung auf den
Gegenstand fest; (in Beziehung auf den Schüler heißt der Unterricht am be-
zeichnendsten entwickelnd und in Beziehung auf den Lehrer am angemessensten vorbereitend.)
Nun erst können wir uns klar die Frage beantworten: Was ist ele-
mentar
oder elementarisch?
Elementar oder elementarisch ist nach der Grundbedeutung in der Ursprache
dasjenige, was sich einmal auf die ersten äußerlichen, wahrnehmbaren Anfänge,
auf das erste, sinnlich Wahrnehmbare, also auf den Grundstoff, die erste sinn-
liche Grundlage eines Gegenstandes, dann aber auch auf einen Gegenstand
selbst bezieht, in so fern man ihn als ein in sich selbst ruhendes ungeteiltes
Ganzes und so wieder gleichsam als Grundstoff , als Grundlage eines zu ent-
wickelnden oder entwickelteren Ganzen, eines Mannigfaltigeren betrach-
tet. Darum nenne ich den Elementarunterricht (in unserer alles Leben in
sich tragenden und aus sich kundthuenden Sprache) den begründenden Unterricht.
Was ist denn hiernach nun für den Unterricht das Elementare, allem Un-
terrichte gleichsam zum Grunde Liegende Zumgrundeliegende, ihn Begründende?-
Nach dem Vorhergehenden ist es also:
A.) zuerst der Gegenstand und zwar a.) jeder Gegenstand als Ganzes in sich,
      als nothwendige Grundlage weiterer Entwickelungen, b.) in seinem Verhältnis
      a.) zum Raume, b.) zur Zeit, c.) zum Wechsel, zum Gebrauche; dann
B.) das allen Gegenständen Gemeinsame, Eigene; dies ist:
      a.) der Inhalt, die Masse, das Stoffige jedes Gegenstandes,
      b.) die Wirksamkeit, die Kraftäußerung des Gegenstandes, (z.B. in der
      Erscheinung der Schwere, des Zusammenhaltes, des Lichtes u. der Wärme,)
      c.) die Ausdehnung, der Umfang, die Größe,
      d.) die Form,
      e.) die Menge, Vielheit, Zahl,
      f.) die Farbe,
      g.) der Ton, a.) der reine Ton (Gesangston),
      b.) der gehemmte, gebrochene, gegliederte Ton (bei dem Menschen die Sprache), /
[3]
2.) h.) die Bewegung, der Lebensausdruck in der Bewegung, die Gebärde;
C.) das Verhältniß des Gegenstandes zu einem höheren Ganzen, Einigen,
und hier wieder in Beziehung:
a.) auf die Entwickelung des Mannigfaltigen aus sich, z. B. der Baum,
Anschauung und Beachtung der Entwickelung des Baumes, jedes Gewächses,
b.) auf die Einigung des Mannigfaltigen zu einem Ganzen, in ein Ganzes;
z. B. beim Baum auch Blühen; Beachtung der Entstehung eines Bau[m]es
und jedes Zusammengeordnetseins, wie in einer höheren Beziehung
Beachtung des Blühens, des Fruchtens in der Blüthe;
c.) auf das Auffassen des Einigen in allem Mannigfaltigen;
(Anschauen, Auffassung, Achtung der Einheit in jedem Einzelnen, Achtung
und Anschauung des Ganzen in jedem Theile;) z.B. in jedem einzelnen
Theile des Baumes, der Pflanze, das Wesen des ganzen Gewächses zu
sehen, wie solches im Samen, im Kerne ruht; z. B. am Apfelbaume
sagt gleichsam jeder Apfel, oder trägt vielmehr den Charakter, das
Wesen Apfel an sich: Apfelholz, Apfelknospe, Apfelkeim, Apfelblatt, Apfel-
blüte rc. und so bei andern Ganzen, d. h. jeder einzelne Theil thut das
Wesen des Ganzen kund.
Aller Unterricht hat aber immer für den Menschen, das Kind, den Schü-
ler als erkennendes und schaffendes Wesen sogleich wieder eine doppelte
Richtung, einmal nach der Seite des Erkennens, Aufnehmens, dann nach
der Seite des Darstellens und Schaffens, Bildens; und so hat auch der begrün-
dende Unterricht und jeder Gegenstand desselben diese doppelte Richtung
oder Beziehung, welche zwar häufig zusammenfällt, aber ganz geschieden
in Bildung des Formensinnes und im Zeichnen, im Entwickeln des Farben-
sinnes und im Malen und im Gesange besonders erscheint.
Hiernach nun würde zu dem begründenden Unterrichte nothwendig
gehören und denselben ausmachen:
1.) Das Auffassen desGegenstandes an und für sich;
2.) Auffassung des Gegenstandes in Beziehung auf sein Verhältniß
im Raume, oder Wahrnehmung und Auffassung des allgemeinen Rau-
mes
, seiner einfachen Gliederung und seiner Verhältnisse; /
[3R]
3.) Auffassung des Gegenstandes in Beziehung auf die Zeit; sein Verhält-
niß zur Zeit, oder Wahrnehmung und Auffassung der allgemeinen Zeit,
ihrer einfachen Gliederung und ihrer Verhältnisse;
4.) Auffassung des Gegenstandes in Beziehung auf sein Begegniß, oder
Wahrnehmung und Auffassung der allgemeinen Begegnisse und ihrer
Erscheinungen;
5.) Wahrnehmung des Stoffes oder der Materie des Gegenstandes,
6.) Wahrnehmung der Wirksamkeit und Kraftäußerung des Gegenstan-
des (Schwere, Zusammenhalt, Wärme);
7.) Auffassung der Ausdehnung (der Größe), der Gestalt (Form), der
Menge (Zahl);
8.) Auffassung von Licht und Farbe;
9.) Wahrnehmung und Auffassen des Tones und des Tönens überhaupt, und Dar-
stellung durch den Ton: Gesang;
10.) Darstellung des Gegenstandes durch den gebrochenen Ton (Sprache);
11.) Gegenstandsdarstellung durch Gestalt, Form, Zeichnen;
12.) Gegenstandsdarstellung durch Farbe, Malen;
13.) Gegenstandsdarstellung durch Bewegung, Gebärde;
14.) Auffassung des Wechselverhältnisses innerhalb eines mehrfachen oder ge-
gliederten Ganzen zwischen Einzelnem und Einheit, Theil und Ganzem, Gliede
und Ganzem:
a.) Einigung des Einzelnen, Mannigfaltigen, zu einem Ganzen;
b.) Auffinden des Mannigfaltigen in einem Ganzen, Einigen;
c.) Auffinden der Einheit in der Mannigfaltigkeit und in dem Einzelnen;
oder Auffassung des Wesens eines Gegenstandes in Beziehung
auf die Einheit an sich, das Allwesen, -Gott.
Der begründende [Hoffmann: begründete] Unterricht hat also im Auge: den Gegenstand - Raum – Zeit - Begegniß - Stoff - Kraft - Größe - Form -Zahl - Farbe -
Ton (im allgemeinen) - Gesang (im Besonderen) - Sprache - ZeichnenMalen
- Darstellung des KörperausdruckesZucht, Ordnung - Anstand, Sitte -;
Sinnigkeit, Frömmigkeit, gotteiniges [Hoffmann: gotteigenes] Leben.
Nach der vorigen Darstellung ist: /
[4]
No 1, die Grundlage (das Element) alles dessen, wo es sich um Gegenstandskennt-
nisse an und für sich handelt, z.B. Naturgeschichte, Erdkunde, Technologie;
No 2, die Grundlage (das Element) für Topographie;
No 3, die Grundlage (das Element) für das Chronologische und
No 2 und 3 gemeinsam für das Synchronistische (Gleichzeitige und Zeit-
folgige), was sich so früh in den Kindern ausspricht, z. B. das sechs-
wöchentliche [Hoffmann: wöchige] Kind weiß schon, wenn die Mutter den Mantel ergreift,
wird es aufgenommen und zur Thür hinausgetragen, darum verlangt
es, im Mantel gleich nach der Thür;
No 4, die Grundlage (das Element) der Geschichte,
No 5, die Grundlage (das Element) des Chemischen, was sich eben so früh im
Aufnehmen der Nahrung bei dem Kinde äußert;
No 6, die Grundlage ( das Element) alles Dynamischen und Physikalischen
in engerer Bedeutung;
No 7, die Grundlage (das Element) der Kunde des Räumlichen (des Mathematischen);
No 8, und 12, die Grundlage (das Element) der Farbenkunde u. Malerei
No 9, die Grundlage (das Element) des Gesanges und der Musik;
No 10, die Grundlage (das Element) der eigentlichen Sprache;
No 11, die Grundlage (das Element) des Zeichnens;
No 13, die Grundlage (das Element) des Mimischen (das für das praktische, ge-
wöhnliche, gemeine Leben nicht minder wichtig ist, als für das höhere;
z. B. fletsche die Zähne nicht; verzieh das Gesicht nicht; sieh nicht so finster aus)
No 14, a.) das politische oder Rechtselement;
b.) das moralische oder sittliche Element;
c.) das religiöse Element, die Grundlage des gotteinigen Lebens.
Die Unterordnung ist schwierig, weil in der Erscheinung so Vie-
les gleichzeitig und mit einander verknüpft ist.
Sie ersehen hieraus, werthester Herr Vetter, daß weit mehr und, wenn
Sie wollen, nach einer anderen Seite hin wieder weniger zum Elementar-
oder begründenden Unterrichte gehört als man gewöhnlich dazu rechnet.
Mit unabwendbarer Nothwendigkeit sehen Sie mehrere Gegenstände als
begründend oder als elementarisch auftreten, von welchen in unsern /
[4R]
Elementarunterrichtsbüchern kaum zufällig sie einschließend, viel weni-
ger sie mit Bestimmtheit als elementarisch, als begründend hervorhebend,
die Rede ist. Darum fehlen aber auch in unserm sogenannten Elementar-
unterrichte zwey ganz wesentliche Seiten, einmal die Seite des Prak-
tischen, die Seite der leichten Anwendbarkeit und Einführung ins Leben,
dann die Einführung in das Wesen der Dinge wie in das Wesen des
Lebens überhaupt; Zum Ersten aber führt das aus dem Können, d. h., aus dem
Behandeln hervorgehende Kennen des Gegenstandes, seines Stoffes und seiner
darin bedingten Eigenschaften; zum Zweiten aber führt bei dem Gegenstande
das Beachten des Grundes seiner Thätigkeit, seiner Kraft, deren
Äußerungen, führt das Beachten des Gegenstandes, als Glied eines großen
Ganzlebens, seines Wesens, als solches, und so des Wesens an sich.
Aus dem Vorhergehenden wird Ihnen nun leicht entgegentreten, daß
Stoff, Kraft, Farbe etc. eben so gut Gegenstände des begründenden Un-
terrichts sind als Größe, Form, Zahl; dagegen gehört weder eigentlicher
naturhistorischer, noch erdkundlicher noch Geschichts-Unterricht zum begrün-
denden oder elementaren, welche alle dem Gegenstandsunterrichte und,
wie wir es nennen, der Außenweltsbetrachtung anheimfallen.
Um Mißverständnis zu vermeiden, will ich, jedoch nur beiläufig, sagen,
daß, wenn die oben aufgezählten Beziehungen des Unterrichtes Gegen-
stände derselben
genannt werden, dadurch aber keineswegs gesagt
ist, daß sie einzeln von einander geschieden, als 14 verschiedene Gegen-
stände, getrennt, nebeneinander behandelt und betrachtet werden dür-
fen, sondern es ist dadurch nur gesagt, daß, wo sie hervortreten, sie beson-
ders zu beachten, zur Anschauung und Auffassung, zur Erkenntniß zu er-
heben sind, worüber weiter unten.
Die Frage: Wenn (in welcher Form und unter welchen Bedingungen) ist
der Unterricht elementarisch (begründend)?
dünkt mich also, wenn ich die Frage selbst recht verstehe, der Sache nach
leicht so beantwortet:
Der Unterricht ist begründend (elementarisch), wenn er sich auf
die nothwendigen und ersten äußerlich sich kundthuenden Eigenschaften /
[5]
der Dinge (also als wirklich erschienen und erscheinend) bezieht, besonders
in so fern er dadurch das innere Wesen der Dinge anschau- und aufheb-
bar
auffaßbar, erkennbar ist; begründend ist also der Unterricht, wel-
cher sich zwar zunächst auf Äußeres und Einzelnes bezieht, aber zugleich auch
als Schlüssel zum Inneren, zur Einheit und zum Wesen, zu dessen Erkennt-
niß und Darlebung [Hoffmann: Darlegung] dient.
Diese Antwort würde jedoch wieder weiter zu der Frage führen:
Wie muß dann der begründende (Elementar-) Unterricht beschaffen sein?
-Doch diese Frage ist nicht von Ihnen aufgestellt worden, läßt sich aber
auch, wenn sie aufgestellt würde, durch das bis jetzt Dargelegte lösen u.
beantworten.
Nun zur Beantwortung der zweiten Frage:
Was ist wissenschaftlicher Unterricht oder was sagt der Ausdruck
wissenschaftlich?-
Wissen hängt ohne Zweifel mit Wesen innig zusammen, heißt
und bezeichnet das Innere eines Dinges (in so fern es geistig als gegen-
ständlich angeschaut werden kann) erkennend; also setzt Wissen noth-
wendig die Erkennbarkeit des Wesens voraus.
Wissen bezieht sich also <-> wie auf das Innere so auf die Ein-
heit des Wesens, darum immer auf ein Unsichtbares. Denn so bald das In-
nere ein Sichtbares wird, ist es nicht mehr ein Inneres, sondern ein Äu-
ßeres geworden.
Wissen, als sich auf das Innere und Inneres beziehend, setzt also noth-
wendig das Kennen eines Äußeren voraus; denn Inneres und Äußeres
bedingt sich wechselseitig und ohne das Eine kann eigentlich von dem An-
dern gar nicht die Rede sein.
Wissen (als sich auf das Innere und Inneres beziehend) setzt also noth-
wendig zuerst das Kennen eines Äußeren voraus.
Weiter setzt Wissen, als sich auf Einheit beziehend, die Kraft voraus,
die Mannigfaltigkeit einen, das Eine des Mannigfaltigen erkennen zu
können, und /
[5R]
drittens im Äußeren und durch Äußeres und Sichtbares das
Innere und Unsichtbares erkennen zu können.
Hiernach dünkt mich die zweite Frage, insofern ich solche ebenfalls
richtig erfasse: wenn (d. i. unter welchen Bedingungen und bey welcher
Beschaffenheit) ist der Unterricht wissenschaftlich, -leicht beantwortet.
Er ist wissenschaftlich, sobald er sich auf Auffassung, Erforschung, Anschauung
und Darlegung der Einheit, des Inneren, des Unsichtbaren der Dinge oder
eines Dinges bezieht; z.B. wie mache ich die Mitte eines Kreises, einer
Kugel erkennbar oder wie entwickelt sich aus einem Punkte (einer
Mitte) ein Kreis, eine Kugel? –
Um aber die Frage: wenn ist der Unterricht elementarisch und
wenn ist er wissenschaftlich, vollendet klar zu beantworten, muß man
vorher wohl fragen: giebt es noch andere Unterrichtsstufen oder Weisen,
als die elementarische und die wissenschaftliche? -und ich glaube "Ja"
sagen zu müssen und zweifle nicht, daß mir der erfahrene und den-
kende Lehrer und Erzieher beistimmen wird, und daß so auch Sie, wer-
thester Herr Vetter, zuletzt darin meiner Überzeugung werden.
Ist es nicht auch ein Unterricht, wenn die Kinder sagen und singen:
"Ringel, Ringelreihe, es sind der Kinder dreie, steigen auf den Hol-
lerbusch, rufen alle husch, husch, husch!?”
Mich dünkt: ja!
Was lernen sie aber dadurch? 1.) Die Auffassung eines Kreises (Rin-
gel
); 2.) einer Kreislinie (Ringelreihe ); 3.) Auffassung des Kindes in
der Mehrheit (Kinder); 4.) Das Zahlwort ( drey) begründet oder fordert
also Zählen und so die Kenntniß der Zahl oder des Zählenkönnens bis
drey; 5.) Das bestimmte Auffassen der Kinder als Daseyende: es sind;
6.) allgemeine gegenständliche (objektive ) Auffassung ihrer selbst, als
Kinder: es sind (nicht sie sind, nicht wir sind, nicht unser sind, ihrer Drey);
7.) Anschauung einer Thätigkeit: steigen, und zwar 8.) einer Thätigkeit
zu einem Gegenstande: Hollerbusch; weiter 9.) nach dem obere[n] Theile
derselben: auf; 10.) Wahrnehmung ihrer selbst in einer bestimmten
hörbaren Äußerung und Thätigkeit: rufen = sie rufen; wie vorher /
[6]
Anschauung einer sichtbaren: steigen = sie steigen 11.) diese Wahrnehmun-
gen gelten von allen, keinen ausgenommen (allgemeine Zahl); und so
also auch Wiederholung und darum Einprägung des Gleichartigen: alle;
12.) endlich rechtes Zurückkehren zum ganz persönlichen Sichwahrnehmen
im Gefühle und durch die Empfindung, ausgedrückt in dem Empfindungs-
worte: husch! husch! husch!
Wir sogenannten Verständigen und Klugen wundern uns nun wohl,
wie so ein einfaches und überdies in seiner Forderung höchst selten aus-
führbares Liedchen die Kinder so lange von den Urgroßeltern herab durch
drei, vier Geschlechter hindurch bis zum Urenkel und weiter ergötzen könne.
Warum wohl? -Weil es dem Kinde, wenn auch in seinem ganz dunkelen
Gefühle, den Weg bezeichnet, wie es durch bestimmte und klare geeinte
Auffassung des Äußeren, Daseyenden, des Gegebenen (Ringel, Rin-
gelreihe) endlich zum lebhaften (angenehmen oder unangenehmen) Ge-
fühle seiner selbst, und so zum Fühlen, zum Wahrnehmen, zum Denken
seines Selbstes, seines Innersten, seines Wesens kommt. In dieser
tiefen Lebensbeziehung scheint mir der ewig jugendliche Reiz dieses
und jedes derartigen Liedchens und Kinderspieles für das Kind zu liegen.
Doch zurück zu unserer Frage und deren Beantwortung: -Giebt es
denn nun nicht noch mehr und gleich wesentliche Arten des Unterrichtes
für das Kind, als die beiden in der Frage genannten, den begrün-
denden (elementaren) und den wissenschaftlichen Unterricht, und
wie können und müssen wir in dieser Beziehung nun diesen so
eben vorgeführten Unterricht nennen? Denn Unterricht, und viel
Unterricht, das sehen wir , lag in diesem Spiele der Kinder.
Sie werden ihn vielleicht den Spielunterricht, vielleicht den zufälligen,
vielleicht auch den ersten Unterricht nennen; alles ist gleich bezeich-
nend. Der erstgenannte bezeichnet vom Kinde aus: einen Unter-
richt der durch und aus freier, aus Selbstthätigkeit; der zweite ein
Unterricht, der gut zu allem ist, der sich gleichmäßig zu allem neigt,
zu allem fällt; die dritte Benennung sagt, daß diese Unterrichtsart
die nothwendig erste ist. Ich habe gegen jede dieser drei Bezeichnungen /
[6R]
nichts; die eine geht vom Kinde, von seiner Thätigkeit, seinem Thätigkeits-
triebe, seinem eigentlichen Leben, und die andern von der Umgebung aus;
die dritte bezieht sich auf die Sache selbst.
Wir hatten [Hoffmann: haben] also hier schon 3 Unterrichtsbereichen:
1.) den Spiel-, den zufälligen oder ersten Unterricht,
2.) den begründenden oder elementaren Unterricht,
3.) den wissenschaftlichen Unterricht.
Haben wir nun aber die Arten sowohl des Unterrichtes als die
Weisen desselben [Hoffmann: derselben] erschöpft? -oder ist es auch ein Unterricht, und doch zu keinem der vorigen gehörig, wenn der Vater zum Sohne, die Mutter
zur Tochter, die Eltern zum Kinde sagen:
"Komm, hilf mir Holz sägen!"
"Nimm den Rechen und wende das Heu!"
"Geh hin, hole uns zwei Dreierbrote, da hast Du 6 sgr oder einen Sechser!"
"Komm, wir wollen jene fruchtbeladenen Baumäste stützen!"
"Stecke das Rad mit der Nabe an die Achse und stecke den <Camm> davor!”
Gehört dieser Unterricht zu einem der 3 genannten? -Gewiß nicht! Nun,
was für Unterricht ist es dann? – [Ein Unterricht] der durch die Sache, d. h., durch eine besondere Sache, selbst, sogleich, zwar nur für eine bestimmte, besondere, einzelne Sache,
für einen bestimmten Zweck, belehrt; allein aus welchem auch allgemeine
Belehrung hervorgeht, z. B. jedes Rad und Ähnliches drehet sich um seine Ach-
se, jeder drehenden Bewegung liegt eine gewisse Ursache zum Grunde rc.
Wie können wir nun diesen Unterricht nennen? -Wohl den Sach-
unterricht, den Thatunterricht, man sagt mit einem Fremdworte, den
praktischen Unterricht.
Sie sehen, bei allem diesen ist der Unterricht noch nicht nach bestimmten
einzelnen Gegenständen geschieden, sondern hat noch immer das Ganze
im Auge.
So hätten wir nun schon 4 bestimmte UnterrichtsArten und Weisen:
1.) den Spiel- oder Zufalls-Unterricht,
     2.) den Erfahrungs-, Sach- oder praktischen Unterricht,
     3.) den begründenden oder elementaren Unterricht, /
[7]
4.) den wissenschaftlichen Unterricht.
Sind wir nun aber damit zu Ende? -Ich glaube: nein!-
Ich will kurz seyn: Wir hören jetzt so häufig in einem Schlage: "Wie
Geist und Gemüth, so Wissenschaft und Kunst".
Also giebt es demgemäß wohl auch eben einen Kunstunterricht wie einen
wissenschaftlichen, wie einen begründenden (elementaren) und wie einen Erfah-
rungs- (praktischen) Unterricht.
Kunst kommt aber doch wohl von Können, nicht aber alles Können ist
Kunst; sondern Kunst bezeichnet ein Können, geeint mit Kennen, mit Kennen
der inneren Beziehungen, des inneren Wesens, der inneren Forderungen und
Bedingungen dessen, was ich kann, was gekonnt wird. Dem Können als Kunst
liegt also eine Einheit zum Grunde, wie dem Wissen, allein keineswegs eine (blos)
gedachte, sondern eine überwiegend empfundene Einheit; Kunst ist also ein Kön-
nen, geleitet von der empfundenen inneren Einheit des Gegenstandes.
So haben wir nun 5 ganz verschiedene Unterrichtsweisen erhalten:
1.) den Spiel- und zufälligen Unterricht,
2.) den Erfahrungs-, den Sach- oder That-, den Schaff-Unterricht;
3.) den begründenden Unterricht
4.) den wissenschaftlichen Unterricht
5.) den Kunstunterricht.
Noch aber haben wir bis jetzt immer keinen besondern einzelnen Gegenstand
des Unterrichtes genannt; allein auch jeder ganz einzelne Gegenstand kann
völlig auf dieselbe Weise betrieben und erlernt werden z.B. den Acker- und
Gartenbau wie das Schreiben und Zeichnen rc. kann man spielend-praktisch-
elementar-wissenschaftlich-und kunstmäßig betreiben und erlernen.
Dadurch treten also die 5 aufgezählten Unterrichtsweisen als völlig in
und unter sich verschieden hervor; wie sie sowohl vom Kinde als von den
es umgebenden Gegenständen aus entwickelt werden können.
Haben wir durch diese fünf verschiedenen Unterrichtsweisen alle die in
sich wirklich verschiedenen Arten des Unterrichtes angegeben?
Sind die Beziehungen, in und durch welche die Gegenstände unterrichtend auf
den Menschen, auf das Kind einwirkend aufgefaßt und behandelt werden /
[7R]
können, erschöpft? -Ich sage: nein! -Denn haben wir bisher die Gegen-
stände auch schon als Glieder größerer Ganzen und in Beziehung auf das Wech-
selverhältniß zwischen Gliede oder Teilen zum Ganzen betrachtet? -Wir werden
beide sagen müssen: nein! -
Eine Ansicht und Behandlung der Gegenstände so wie eine daraus entspringende
Unterrichtsweise tritt hier also sogleich, wie in seiner Wichtigkeit und Selbständig-
keit, so in seiner ihrer nothwendigen Entwickelung aus dem Vorigen, entgegen; es ist
dies die Auffassung des Verhältnisses jedes Einzelnen zu seinem Ganzen und jedes
Ganzen zu seinem in der Erscheinung zu ihm gehörenden Einzelnen. Dieser Unter-
richt
das nothwendige Wechselverhältniß zwischen Teil oder Gliede zum Gan-
zen und die darin gegründeten Forderungen auffassende Unterrichtsweise findet nun zwar bei jedem Gegenstande statt; allein sie tritt bei dem Menschen, dem Kinde, wegen des sich in ihm entwickelnden Selbstbewußtseins und freien Willens in ganz besonderer Wich-
tigkeit hervor. Deswegen wird sie auch in den bisherigen Schulen höchstens in die-
ser Beziehung beachtet; aber sie verdient ganz allgemeine Beachtung in bezug auf jeden Gegenstand.
Bei dieser Unterrichtsweise kann nun entweder der Gegenstand, jeder Gegenstand,
wieder in seinem blos äußeren Verhalten oder in seinen inneren Beziehungen
aufgefaßt und festgehalten werden. Das letztere findet z. B. überwiegend bei
dem Verhältnisse des Kindes und jedes einzelnen Gliedes zur Familie, als einem
Ganzen, und hier wiederum der Familie, als solcher, zu jedem ihrer Glieder (zum
Kinde), also auch zwischen Eltern und Kindern und Kindern und Eltern, statt;
das Erstere findet z.B. bei dem Verhältnisse des einzelnen Bürgers zur Gemeinde
und jeder Gemeinde, als eines in sich geschlossenen Ganzen zu jedem seiner einzelnen Glieder statt. Allein sowohl das bürgerliche als das Familien-Leben läßt jedes für
sich wieder diese doppelte Ansicht der inneren und äußeren Betrachtung zu; da-
her kann dieser hier in das Auge gefaßte Unterricht der Unterricht für das Leben ge-
nannt werden und zwar für die mehr äußere Erfassung des bürgerlichen Lebens
der Rechtsunterricht (der politische), so wie der für die Erfassung der inneren
Beziehungen, welcher besonders zuerst in der Familie und zwar gleich anfangs
zwischen Eltern und Kind stattfindet, der sittliche (moralische) Unterricht.
Allein durch diesen Schritt tritt nun noch eine andere Unterrichtsweise gleichsam
als Blüthe und Frucht, als Schlußstein des gesammten Unterrichtes her /
[8]
vor, welcher jedoch eigentlich schon die stille Quelle, der eigentliche Lebens-
Grund und Faden, die letzte Beziehung und das Ziel, wie des ersten, so
jedes weiteren Unterrichtes war und ist: es ist dies der Unterricht
über das Verhältniß des Einzelnen und der Mannigfaltigkeit zur höch-
sten Einheit
an und in sich; es ist dies der Unterricht über das Ver-
hältniß jedes Einzelnen, jedes Erschienenen und Erscheinenden, sowohl
für sich als in seiner Gesammtheit, zu Gott - es ist dies der Unterricht
für und zur Gotteinigkeit und zu einem gotteigenen Leben, es ist dies
der Religionsunterricht die religiöse Unterrichtsweise. Diese Unterrichtsweise hat das ganz Eigene, daß sie keineswegs genügt, wenn sie sich einzig und allein auf
die Anwendung im Leben bezieht, wenn sie sich blos auf das Den-
ken und Erkennen gründet oder nur in dem Gemüthe, in dem
Gefühle und der Empfindung ruht; sondern sie befriedigt den Menschen
und schon als Kind nur dann, wenn sie in allen Dreyen ruhet und wur-
zelt, sich auf alle Drey gleichmäßig bezieht und alle Drey gleichmäßig be-
lebt, klärt, erhöht und veredelt; darum ist sie mit Recht, wie der unge-
sehene stille Keim so die vollendete Frucht des Ganzen. -
Unsere Betrachtung hat uns nun so, wie stetig so nothwendig, zu
folgenden Unterrichtsweisen geführt:
1.) zum Spiel- oder zufälligen Unterricht,
2.) zum Erfahrungsunterricht,
3.) zum begründenden,
4.) zum wissenschaftlichen,
5.) zum Kunst-Unterricht,
6.) zum Rechts- (politischen) Unterricht,
7.) zum sittlichen (moralischen) Unterricht,
8.) zur Gotteinigkeit, zum gotteigenen Leben, Religionsunterricht religiöser Unterricht.-
Daß nun aber dieses eben so viele verschiedene Arten und
Weisen des Unterrichtes sind, geht daraus klar hervor, daß, wie
eben schon erwähnt wurde, bei allen diesen Unterrichtsweisen
noch von keinem besonderen Gegenstande die Rede war; denn jeder
Gegenstand kann in Beziehung auf Unterricht nach allen diesen Be- /
[8R]
ziehungen unterrichtend und belehrend aufgefaßt und dargestellt werden,
z. B. der Garten- und Acker-Bau wie die Sprache u. das Zeichnen rc.
Nun erst, werthesterHerr Vetter, nachdem wir das Ganze
des Unterrichtes in seinen verschiedenen Arten so klar <-> aus
<-> einander gehalten und geschieden vor uns hingelegt
haben, jetzt erst können wir auch eigentlich in das Wesen unserer
vorliegenden Frage eindringen, sie und mit ihr und durch sie noch
andere beantworten; z. B., über das Verhältniß des häuslichen
und des öffentlichen Lebens, des Unterrichtes in der Familie und
des Schulunterrichtes,- die Fragen:
Warum <-> genügt auch der beziehungsweise beste begründende
so wie wissenschaftliche Unterricht dem Leben in seiner Gesammt-
heit so wenig? - Warum bringt auch der mit der größten Sorg-
falt und Mühe gegebene Religionsunterricht im späteren und
nach dem Schul-Leben häufig leider so wenige Früchte und hat, ich
möchte sagen, so wenig Ausdauer und Nachhalt? - Warum? -
Weil jeder Gegenstand, aus seinem nothwendigen Lebensver-
bande herausgerissen, zu einzeln und vereinzelt dasteht, zu wenig
allseitig begründet aus dem Leben selbst hervorkeimend und
wachsend und so dem Leben Blüthen und Früchte bringend ist.
Nur um es erwähnt zu haben, nicht aber, weil ich Mißverständnisse be-
fürchte, sey es ausgesprochen, wie es sich von selbst versteht: daß keineswegs
diese Unterrichtsarten, wie solche hier die Erkenntniß und geistige Gliederung
zur klaren und lichtvollen Fassung des Gegenstandes herstellt, im Leben
und in der Anwendung auch so voneinander geschieden dastehen oder gar
wie die sie bezeichnenden Nummern zählweise auf einander folgen. Nein,
keineswegs! Im Leben wie in der Natur ist, wenn auch Fortschreiten im
Ganzen, doch im Besonderen Mehreres gleichzeitig. Ein Blick in die Natur
klärt das Ganze: vom Baume ruht schon im Kerne sein Stamm, seine
Wurzel, seine Äste, Blätter, Blüthen und Früchte, in jeder Knospe
ruhet wieder die Blüthe und Frucht und so, der Anlage nach, ein ganzes
Gewächs vom Keime bis zur Frucht, und eine Lebenskraft, ein Lebenssaft, /
[9]
5.) erhält das Ganze und zieht sich durch das Ganze hindurch; demnach erscheinen
Stamm, Ast, Zweige, Blätter und Blüthen, Knospen, Blüthen und Früchte,
jedes wieder ganz als etwas Geschiedenes, für sich Betracht-, Erkenn- und
Anwendbares: so auch jene Unterrichtsarten. Doch ist, wie schon erwähnt,
der Religionsunterricht (das Wort Unterricht hier in seiner allgemeinsten
Bedeutung genommen) unsichtbarer Ausgang, wie unsichtbarer Lebens-
faden, wie zuletzt das alles Beleuchtende, Erwärmende und Gestal-
tende und so die Einigung des Ganzen. Allein, auch der Religionsunter-
richt, der Unterricht von dem gotteinigen und für Gott einige Leben hat
wieder, wie schon oben erwähnt, eine allgemeine und besondere Be-
trachtung, letztere in Beziehung auf das Kind; daß nun aber die
erstere im Leben mit dem Kinde nicht tief und allseitig genug her-
vorgehoben wird, darin hat es seinen Grund, daß, wie schon oben
erwähnt, der Religionsunterricht für das Kind so selten tief wurzelt
und für das Leben die gewünschten Blüthen und Früchte bringt.
Nun erst läßt sich das oben über das Wesen des wissenschaftlichen
und begründenden Unterrichts Ausgesprochene in seiner Wahrheit ganz
erkennen, so wie wir uns nun auch erst den Weg zur Beantwortung
Ihrer eigentlich ersten Frage gebahnt haben, zu der Frage:
Bei welchen Gegenständen ist der synthetische und bei welchen der
analytische Lehrgang anzuwenden? -
Zuvörderst will ich gleich wieder, wie oben, bemerken, daß die
Frage eigentlich umgekehrt stehen müsse: Bei welchen Gegenständen ist
der analytische und bei welchen der synthetische Lehrgang anzuwenden?
Denn die Einheit ist als die Bedingung der Mannigfaltigkeit und All-
heit überall zuerst.
So allgemein nun auch die Bedeutung dieser beiden Fremdworte
bekannt ist, so lassen Sie uns solche doch in die, unserem Geiste eigene
Sprache übertragen, ersteres in auflösend, gliedernd, das zweite in
verbindend (aufbauend) und einigend; und so, dünkt mich, haben wir
durch den Sinn und die Bedeutung der Worte sogleich die Auflö-
sung der Fragen. Der analytische, der auflösende und gliedernde /
[9R]
Unterricht muß da zuerst stattfinden, wo der Unterricht von einer
Einheit, von einem Ganzen ausgeht; der verbindende, einigende auf-
bauende, der synthetische Unterricht dagegen, wo schon von einem ge-
gliederten Mannigfaltigen ausgegangen, also von der Mannigfal-
tigkeit zur Einheit hinaufgestiegen wird.
Nun steht es aber freilich in meinem Willen, in den gegebenen Be-
dingungen und in dem vorherrschenden Eindrucke ein und ebendenselben Ge-
genstand einmal als ein in sich schon einiges Ganzes, ein andermal als
eine Mehrheit anzuschauen, wie z. B. jene Schule oder die Natur oder den
Menschen selbst. Es muß deshalb die Frage wieder so gestellt werden:
Bei welchem Unterricht Gegenstande ist mit dem gliedernden (analytischen), bei wel-
chem mit dem einigenden (synthetischen) Unterrichte zu beginnen? Ich sage:
zu beginnen; denn da man nur dasjenige richtig aufgelöst hat, was man
wieder klar und bestimmt zusammenzuordnen im Stande ist, und da
man nur das sich bewußt, klar und richtig zusammengeordnet hat,
was man wieder leicht in seine Theile auflösen kann, so geht daraus klar
hervor, daß man eigentlich bei jedem Gegenstande, über welchen man
vollendet und klar unterrichten will, beide Unterrichtswege gehen muß.
In der Natur , die uns überall und besonders auch bei dem Unter-
richt zur Lehrerin dienen sollte, erscheinen nun beide Bildungswege
so ganz gleichzeitig, wie sich in ihr Anziehung und Abstoßung so häufig
gleich innig wechselseitig durchdringen.
Bei dem Menschen, als Kind, dem zuerst alles in Einheit erscheint,
findet wohl im Beginn seiner Entwickelung zuerst der analytische Weg
statt, allein es wird auch ebenso schnell wieder das Gegliederte und
Getrennte wieder zu neuen Einheiten verknüpfen. Wir finden daher
wieder, wie wir schon oben bemerkten, daß der begründende und wis-
senschaftliche Unterricht nicht alle Arten des Unterrichtes erschöpfe;
so sehen wir nun auch, daß der analytische und synthetische Weg
nicht das Ganze des Unterrichtes umfassen und es erschöpfen könne,
sondern daß dazu mit Nothwendigkeit noch ein Drittes gehöre, um
dadurch zu einem ächten Ergebniß, einer wahren Frucht des Unterrichts /
[10]
zu kommen, nämlich die Vereinigung Beider durch die Vergleichung. Ein
Beyspiel dafür giebt uns das Rechnen oder die Zahl, wo eben so wenig
die Addition und Subtraktion als das Multipliziren und Dividiren
hinlänglich ist [sc.: sind], um durch sie allein eine Zahl- und Rechnungs-Aufgabe zu
lösen, sondern es muß dazu noch nothwendig ein drittes Wesentliche, die
Vergleichung, hinzukommen.
Es müssen darum auch bei jedem Unterrichtsgegenstande zugleich
alle drei Unterrichtsweisen,
die auflösende, die einigende} und die vergleichende,
angewandt werden, wenn der Unterricht zu dem gewünschten Ziele
führen soll. Bei welchem Unterrichtsgegenstand aber mit einer der
beiden ersten Weisen begonnen werden müsse, liegt, wie vorhin
gesagt, in der Auffassung desselben; dies hat jedoch wieder seine ei-
genen Bestimmungen, worin einzugehen nicht weiter hierher gehört,
und fordert wieder eine Totalübersicht sämmtlicher Unterrichtsgegen-
stände und ihrer Auffassungsweise. Im Allgemeinen kann man wohl
festsetzen, wie schon vorhin berührt worden, daß das Kind zuerst in
Beziehung auf die ihn es umgebenden Gegenstände,
den trennenden, gliedernden, analytischen Weg, dann
den verbindenden, einenden, synthetischen, und endlich
den Weg der Vergleichung geführt werden müsse.
Wie nun aber der Mensch ein in sich einiges und stetiges Lebganze [Hoffmann: Erbganze]
ist und doch Leib, Seele und Geist in ihm unterschieden werden und der
Erstere wieder aus Gliedern und Sinnen, aus Knochen, Muskeln,
Blut, Nerven, Haut und noch mehr anderen verschiedenartigen Thei-
len besteht, und so der Geist sich wieder in mehreren als ganz verschiedenen
erscheinenden Vermögen und Kräften sich äußert: dem Vermögen Denken, Ver-
stand, Vernunft rc. <-> was aber nicht in jedem Menschen gleich-
mäßig, noch viel weniger gleich vollkommen ausgebildet ist: so
bildet auch das im Vorigen aufgestellte Unterrichtsganze ein dem
Menschwesen in seiner Ganzheit entsprechendes und genügendes Ei- /
[10R]
niges, ein Lehrganzes, ohne daß jedoch dadurch gefordert ist oder wird,
daß jeder Mensch und jedes Kind nothwendig nach allen diesen Beziehungen
hin gleich ausgebildet werden müsse; allein der Lehrer, der Erzieher,
muß das Bild davon so klar als lebensvoll in sich tragen; auch zeigen
die bisherigen Schulen und das über sie Ausgesprochene und von ihnen
Geforderte schon für den größten Theil des oben Ausgesprochenen schon
hie und da Spuren und Keime, jedoch ohne Klarheit und inneres Noth-
wendigkeit.
So habe ich nun wohl von meinem Standpunkte aus und zur Genüge für
mich die mir von Ihrem Vertrauen vorgelegten Fragen beantwortet;
ob und in wie weit aber auch für Sie und Ihren Zweck, werthester
Herr Vetter, kann ich nicht bestimmen. Ihnen allein kommt darüber
die Entscheidung zu; ich mußte, durch Zeit und Umstände getrieben,
alles auf das höchste zusammendrängen, ob ich gleich wohl sonst hie und
da manches weiter ausgeführt hätte.
Um nun aber alles recht klar und ins Einzelne gehend Ihnen in
der Anwendung und Ausführung im Leben wie in der Schule selbst
nachweisen und vorführen zu können, wünschte ich nun wohl, daß
Sie ihren Vorsatz ausführen und mich Ende August besuchen könnten;
dann wollte ich Ihnen in und an meiner Anstalt zur Pflege des Thä-
tigkeitstriebes für Kindheit und J ugend
, kurz, in meiner Spiel- und
Beschäftigungs-Anstalt kleiner Kinder, an welcher zum öfteren
täglich über 30 und mehr Kinder von 1 bis zu 6, auch wohl mehreren
Jahren Antheil nehmen, und in der damit verbundenen Anstalt
zur Bildung für Kindererzieher
das im Bisherigen Ihnen Ausge-
sprochene im Einzelnen anschaubar zu machen und nachzuweisen
suchen; denn die beiden genannten Anstalten, in sich eigentlich eine
einige, beruhen auf den hier angedeuteten Grundlagen und Grund-
sätzen und sind eigentlich der Anwendung und Ausführung derselben
gewidmet.
Besuchen Sie mich also doch ja auf wenigstens 8 Tage, denn /
[11]
6.) so gedrängt auch alles hier erscheinen und ich Ihnen vorführen mußte,
so wird Ihnen doch gewiß nicht entgangen sein, daß wir uns durch
den von Ihnen in Frage gestellten Gegenstand hier in der Mitte
des gesammten Erziehungs- und Unterrichts-Wesens nach allen seinen
Beziehungen und Richtungen befinden; es wird Ihnen gewiß nicht
entgangen sein, daß wir hier in eine Erziehungsansicht eingetre-
ten sind, die in ihrer klarenallseitigen Durchführung für die in
der Kindheit immer wieder von neuem aufkeimende Menschheit
auf das höchste wichtig, ja segensreich ist. Also kommen Sie, kommen
Sie! lassen Sie sich nicht dadurch abschrecken, daß Sie zu einem Spiel-
manne kommen. Wir wollen dann spielen; denn wir wissen ja,
was die Spiele zu allen Zeiten und bei allen Völkern der Menschheit
waren, unter den alten Griechen wie bei den alten Deutschen und
noch im deutschen Mittelalter, und sagt doch selbst unser gottbegeister-
ter Hymnendichter:
"Singet und spielet dem Herrn in Eurem Herzen!"
Nun, singen und spielen wollen wir, wollen es in und mit
vollem Herzen mit den Kindern und auch gewiß dem Herrn, dem
Vater der Kinder.
Oder, noch ein besserer Vorschlag: Veranlassen Sie doch, wenn
der hier angeregte Gegenstand vielleicht lebendiges Interesse bei
Ihren Herren Conferenzmitgliedern zu erregen im Stande ist,
durch Ihre jetzige Conferenz, daß man aus Iihrer Mitte eine
Auswahl von 3 Gliedern, Sie als Herrn Conferenzpräsidenten
mit eingeschlossen und an deren Spitze, committire, um hier an
Ort und Stelle die hier dargelegten Erziehungs- und Unterrichts-
Grundsätze in der Ausführung und Anwendung zu prüfen.
Sollten Sie dann auch in völliger Opposition mit mir von hier
wieder fortgehen, so darf ich Ihnen doch nach den vor mir lie-
genden und oft wiedergekehrten Thatsachen versichern, daß
Sie mit Blicken in das Erziehungs- und Unterrichts-Wesen u.
Kinderleben, daß Sie besonders mit Anregungen zur Pflege /
[11R]
desselben in dem vorschulfähigen Alter von hier zurückkehren
werden, welche Ihnen in ihrer Anwendung auf Ihr Diözesschul-
wesen viele freundliche Blüthen, ja schöne Früchte bringen werden.
Der Weg über Eisfeld, Sachsendorf, Schwarzenbrunn, Sophien-
au, Katzhütte und das Schwarzathal herab ist ja, wie Sie wis-
sen, so schön; in einem Tage sind Sie, wenn Sie sich früh aufmachen,
bequem hier. Sie, da ich hoffen darf, daß Sie mit mir vorlieb neh-
men, würden mein Gast seyn; für Ihre lieben Herrn Kollegen weise
ich Ihnen im Schwarzburger Hofe am Eingange des schönen und romanti-
schen Schwarzathales, billiges Quartier nach.
Schreiben Sie mir bald nach Ihrer Conferenz, ob die Mitglieder der-
selben oder doch wenigstens Sie, lieber Herr Vetter, für Ihre Person, auf
meinen Vorschlag eingehen wollen und können und wann Sie denselben
auszuführen gedenken, damit Sie mich auch gewiß zu Hause treffen.
Ich würde dann noch einen Punkt mit Ihnen besprechen, welcher mir
wieder sehr am Herzen liegt. -Der mich jetzt besonders beschäftigende
Gegenstand der Kleinkinderpflege, über welchen ich mich, wie Sie aus der
Anlage ersehen, öffentlich im Allg. Anzeiger d. Deutschen vor einiger Zeit
ausgesprochen habe [am .4.39], fand nach mehreren Richtungen hin sehr lebendige Theilnahme, so daß ich jetzt schon veranlaßt worden bin, einige junge Leute
dafür auszubilden, welche sich gegenwärtig hier bei mir befinden; allein
ich bin weiter noch von einigen Punkten aus ersucht worden, ferner junge
Leute aufzufinden, welche sich entschließen könnten, auf die von mir an-
gebahnte Weise sich einige Jahre mit Kreisen kleiner Kinder in namhaften
Städten Deutschlands zu beschäftigen und zwar so, daß sie nach Maßgabe
ihrer Vorbildung 1 ½ bis 2 Jahre theils unmittelbar unter theils mittelbar unter mei-
ner unmittelbaren Leitung theoretisch und praktisch mit ununterbrochener
zur Seite laufender Anwendung und geistiger Deutung ihrer Ergeb-
nisse, auf fremde, d. i. auf Kosten der Vereine, dafür ausgebildet, nach
Verlauf dieser Zeit aber 2 bis 3 Jahre in dieser Stadt der ersten Pflege
der Kinder dafür [Hoffmann: in dafür] geeinter Familien leben würden. Zuvörderst werde
ich wirklich gedrängt, einen solchen jungen Mann [Hoffmann: Menschen] für Frankfurt aufzufinden [Hoffmann: zu finden]. /
[12]
Wenn Sie sich nun von dem Geiste und Zwecke, von den nothwendigen Früch-
ten einer solchen Kinderführung, wie die von mir angebahnte, durch den Augen-
schein überzeugt haben werden, dann werden Sie mir vielleicht auch, zunächst
wenigstens einen oder einige, junge Männer nachweisen können, welche dazu
Lust, Neigung, Anlage und Vorbildung haben, denn
Liebe zu den Kindern,
Anstelligkeit bei der Beschäftigung derselben,
einige Kenntniß von Musik, besonders Gesang, und
überhaupt die Vorbildung, welche jetzt überall der Eintritt in eine
Schullehrerausbildungsanstalt fordert, sind die Eigenschaften, welche auch zum Ein-
tritt in diese Erzieherbildungsanstalt gefordert werden müssen. Können
Sie mir vielleicht gleich vorläufig etwas über diesen Gegenstand mittheilen, so wird
es mich herzlich freuen, - so wie es mich herzlich gefreut hat, veranlaßt
durch Ihre Conferenz, auch endlich seit wohl 2 Jahren wieder einmal etwas von
Ihnen zu hören.
Die Nachrichten von Herrn Langethal aus Burgdorf in der Schweiz sind vor-
züglich, seine, seiner Frauen und Gehülfen Gesundheit gut, sein Wirken um-
fassend und segensreich; doch verhehlt er es nicht, daß ihn doch Sehnsucht in die
Heimath zieht. Ferdinand Fröbel wirkt noch immer still in Willisau fort;
doch wünschen die Eltern ihn so sehnlich zurück, daß es fast scheint, als werden
wir dieser Forderung, wie schon bei seiner Schwester, nachgeben müssen.
Von Langguth höre ich, daß er nach Lausanne als Lehrer gegangen ist.
[Schlußformel fehlt]