Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 24.9.1839 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 24.9.1839 (Blankenburg)
(UBB 80, Bl 273, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S. Der Brief ist in Briefliste nicht erfaßt.

Blankenburg b. Rudolstadt am 24sten 7br 39


G. z. G. l. L.

Ein junger Mann HErr Karl Fröbel, Sohn des gewesenen
GürtlerM[ei]sters gleiches N. in Rudolstadt, sprach am <vorwochigen>
Sonntag bey mir vor mir anzeigend daß er in diesen Tagen (<morgen>)
von hier nach der Schweiz reise um sich in Bern bürgerlich niederzu-
lassen und erbot sich freundlich Briefe von mir nach der Schweiz mit
zu nehmen; um ihn, da ich nicht wußte in wie weit ich von seinem Aner-
bieten würde Gebrauch machen können - in der Eile eine Gegengabe
zu geben, so gab ich ihm einen offenen Gruß wie an d[en] He. Prof. Vogt
in Bern, so auch an Dich mit, welchen er Dir ohne Zweifel mit diesen
Zeilen übergeben wird. Kannst Du nun diesen jungen Mann, gleich
falls wie früher sein Vater Gürtler in Bern oder Burgdorf, zur Förde-
rung seiner Geschäfte einige Empfehlung in Häußern geben <wo man>
dergl. Arbeit bedarf z.B. im Schnel[l]schen, Bayerschen, Kraftschen Hause
auch bey Spieß <etwaiger> <Verfügung nöthig> so bitte ich Dich es zu thun;
seine Eltern sind sehr brave solide Leute, Du mußt ja selbst in mein-
nen Angelegenheiten früher mit ihnen verkehrt haben; der Sohn scheint
mir auch tüchtig und hat sich nach seiner Reifung in der Welt et-
was versucht. Auch Voigt und sonst den Dir bekannten Deutschen in
Bern empfiehl ihn gelegentlich; ich glaube er wird Deine Vorsprache [sc.: Fürsprache]
rechtfertigen.-
Dieses Anerbieten des jungen Fröbels (keines Verwandten von uns)
nun benutzend schicke ich Dir in der Anlage erstlich einen Auszug
aus der Hanauer Zeitg, welcher wunderbar genug zugleich in der Carls-
ruher und Leipziger Zeitung (wie ich später erfahren habe) abgedruckt
worden ist.- Der dort gedachte junge Mann ist Herr Hochstädter,
Lehrer an der israel. Bürger- und Realschule zu Leipz Frankfurt
am Mayn und zugl. Vorsteher einer eigenen Pensionsanstalt; er ist
jetzt seit 4 Wochen bey mir und lebt und wirkt fast den ganzen
Tag mit mir. Es ist ein sehr lieber achtungswerther sinnig angehender
junger Mann von 30 Jahren, wir fühlen uns gar sehr gegenseitig an-
gezogen befriediget u befreundet. Wie wir beyde hören, hat der jü-
dische Schulrath nun g[an]z bestimmt für die Eröffnung einer Pflege- und
Beschäftigungsanstalt im Monat October entschieden, selbst auf den
Fall hin, daß sie zum im Voraussehen eines bestimmten Verlustes er-
öffnet werden müßte. Noch wird Herr Hochstädter etwa gegen
14 Tage bey mir bleiben. Schon von hier aus hat er die bestimmtesten
Vorkehrungen getroffen daß gleich jetzt schon alles zur baldigen Eröffn[un]g in Frkfurt
vorgearbeitet wird.
Die zweyte Anzeige ist von dem Vater des HErrn Dr H. Weil
welcher heut vor 8 Tagen von hier abgegangen ist. Ich schicke
Dir diese Anzeige ganz besonders in der Absicht um denjenigen /
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die mich namentlich in meiner Handlungsweise gegen Dr Weil
und daß ich demselben so viele und so schöne Zeit gewidmet habe
das ganz unstatthafte und ungegründete ihres Urtheils und
Ausspruchs zu zeigen. Der junge Weil mag wohl weder Willens
gehabt noch weniger geahnet haben daß es er sobald [sc.: so bald] das hier
gesehene und zwar persönlich und als Leitende Person würde nun
aus führen müssen. Ich hielt mich aber auch nicht an das was
er wollte und sprach sondern ich hielt mich in mir an das was
ich sollte und immer vernahm. Hätte ich mich mich nun dem jungen
Mann und den Mittheilungen an ihn und der Einführung in jede
Einzelheit was der Brief einseitig auch tadelt nicht mit solcher <Art> und Hingabe geändert [sc.: genähert], wie
sollte dann nach so wenigen
Wochen derselbe aus u in sich den Muth gehabt haben, der Träger
und Verbreiter, der Säemann einer so wichtigen Sache zu seyn.
Es mag immer seyn, daß er dieß bis jetzt selbst noch nicht in dem
Maaße erkennt; allein er ist ein Diener der Vorsehung; ich
ahne zwar den Eigenwillen u die Selbstbestimmung eines jeden
achte und anerkenne beyde, allein ich sehe in jedem einen mir
von der Vorsehung Gesandten, als solchen ehre und behandle ich
ihn diesen nur bin ich von meinem Verhalten gegen ihn Rechenschaft
<schuldig>, deßhalb ist es mir um meinetwillen ganz gleichgültig
wie er das was ich ihm gebe und thue aufnimmt und sich deßhalb
gegen mich beträgt, allein Betragen, Denken und Urtheilen hat ein
Jeder wieder mit der Vorsehung abzumachen.
Wie überhaupt die Vorsehung meine Gesin[nun]gen und mein Handeln an-
sieht, darüber werden gewiß auch zu seiner Zeit u wie es scheint sehr
bald die Thatsachen des Lebens sprechen, jetzt sende ich Dir nur
einstweilig die Abschrifften der in dem Dresdner Anzeiger kürzlich er-
schienenen Aufsätze über die Fortschritte des von mir
Middendorff und Frankenberg angebahnten Wirkens in Dresden.
Ich lasse die Sache selbst sprechen und enthalte mich jedes Commen[-]
tares darüber.
Aus Frankenbergs Brief vom 9 7br füge ich noch folgendes hinzu.
"Das letzte was nun über diese Sache im Dresdner Anzeiger gestanden hat,
"ist derselbe Artikel aus No 241, nur am Schlusse mit einem Zusatze; so daß
"der letzte Satz folgendermaßen lautet: - "Alle Kinderfreunde werden hier-
"durch zum freyen Besuche beyder Locale und zur eigenen Prüfung der Eigenthüm-
"lichkeiten und Vorzüge dieser Methode - welche bereits in mehreren deutschen
"Städten und auch in der untersten Classe der Leipziger Bürgerschule, unter
"dem Schutze der obersten Schulbehörde angewandt wird,- freundlich ein-
"geladen. Es folgen dann dieselben Unterschriften." So weit Frankenberg[.]
- Da es scheint l. Lgethl als ob Du mehrere Spiel- und Beschäftigungsmittel
in der Schweiz nicht wohl absetzen und zu Gelde machen kannst; so bitte ich
Dich mir ein Verzeichniß derselben zu schicken und sie nach Frkfurt a/m an Herrn
Hochstädter pp zu senden, wo für Süddeutschland woher jetzt Aufträge kommen die
Hauptnieder<legend> ist, das Porto will ich verschweigen.- Grüße an alle auch von Malchen. DFrFr.
[273R, Rand]
Daß Dein Bruder vor einigen Tagen außerordentl. Professor in Jena geworden ist, wirst Du wissen - So eben bekomme ich einen Brief welcher mir meldet, daß Titus Pfeiffer an Folgen einer < ? > Entzündung am 10 d. M. gestorben ist. Viel giebt mir dieß zu denken.-