Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. <um> 25.9.1839 (Blankenburg)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. <um> 25.9.1839 (Blankenburg)
(BN 428, Bl 13, hier: 13R-13V, undat. Entwurf 1 Bl 8° 1 1/3 S. auf Bl mit Brief an Adolph Frankenberg v. 25.9.1839, Übernahme der Datierung, da beide Entwürfe wohl zur gleichen Zeit, da gleicher Schriftduktus, geschrieben wurden.)

[13R]
[Briefanfang ohne Anrede]
Um nicht gegen die Todten Leben[den] in denselben Fehler ja in dieselbe Schuld zu verfallen davon ich
mich gegen die Todten zeihen muß, denn so tief schmerzt daß ich [es] gar nicht aussprechen kann schmerzt es mich nicht an dem letzten Geburtstag der lieben Patin Ihr ein paar <froh Worte gesan[d]t zu haben> darum beeile ich mich Ihnen einige ausführlichere
Kunde von meinem Leben seit ich vereinsamt bin zu geben, Ihnen
die meine verklärte Wilhelmine so innig liebte u ganz besonders hochachtend
so liebte u hochachtete wie Sie es vielleicht selbst nicht einmal ahnen[.]
Meine geliebte Frau sprach stets nur mit herzlichster Theilnahme von
Ihnen und Ihrem l. Bruder und Sie [sc.: sie] würde es höchst mißbilligen wenn
ich diese Liebe u Treu Acht[un]g nicht bewahren wollte forderte mich nicht mein
eigenes Herz so lang es auch immer stimme seyn mag dazu auf.
Vor allem bitte ich um Nachsicht wenn ich mir erlaube Sie mir gütig Ihnen ein paar die Empfindung mit
wie sie sich im Augenblick des Empfanges Ihres Trauerbriefes in
Wort[en] hervordrängte hier beylegen in der Anlage Ihrer Nachsicht mittheilen zu dürfen um ihnen [sc.: Ihnen] darzu-
legen in welcher Stimme [sc.: Stimmung] auch Gefühl derselbe
in mir hervorrief. Wenn alle unsere schon geschiedenen Theu[ren]
in einen Sternenkranz vor das tiefbewegte Gemüthe traten und die
drey Schwestern uns in schwesterlicher Treue geeint <vor> Liebe <auf schienen>
erschien[en] u sich so mein Bitte darum auch bittend an Ihr von mir ungekanntes früh
verklärte[s] Mutter Herz sich wandte;
so verzeihen Sie mir meine Aneignung reinen Gemüthe welches dieses
Leben u d[urc]h Liebe Geeintes ungetrennt auch gern liebend in Einigung ehrt[.]
Durch den sehr frühen Verlust meiner Mutter zur pflegenden zum Lieben
Einigung u Leben mit der AbGeschiedenen gewöhnt und ist es mein[em] Gemüthe durch
mein g[an]zes Leben Bedürfniß geworden diese Einigung
zu pflegen und so Vverzeihen Sie mir wenn ich mir erlaube
in meiner eigensten Persönlichkeit vor Ihnen zu erscheinen.
Wo theure, liebe Muhme, ich mir dieß nicht verstattet er-
laube, da bin ich auch ganz arm u habe gar nichts zu geben[.]
Doch zweif Irre ich nicht hat Ihnen noch meine theure Frau in meinem Ihrem [sc.: ihrem]
letzten Brief an Sie kund geschrieben, daß ich mit dem Monat
May die Eröffnung einer Anstalt zur genügenden Pflege der frühen Kindheit
in öffentl. Blättern angekündigt hatte. Irre ich nicht so hat sie Ihnen auch
eine Anzeige davon mitgetheilt. Die doppelte Erscheinung des Todes in meinem
Hause so wie der gänzl. Mangel an weibl Hülfe verschob die Eröffnung bis
zum Monat Juny wo ich zus. in einer der Töchter meiner längst verstorbenen Schwester
in der schwerhörenden Amalie eine Wirthschafterin erhielt.
Das allgemein tiefgefühlte Bedürfniß einer genügenden Pflege u Beachtung entsprechender Führung besonders der Kinder
vor dem schulfähigen Alter u das Vertrauen vieler
Bürger ja des Magistrates des Städtchens ließ mein
Streben bald Anerkennt[ni]ß finden. Von Frkfurt a/m wurden besonders mehre-
re Männer hierher gesandt um sich mit der von mir angebahnten Führung
kleinerer Kinder bekannt zu machen. <Auch> von Reisenden der verschiedensten
Orte wurde ich besucht, so besuchte mich auch unter andern dH Pred Steffens aus Berlin
Besonders edle hochgebildete Frauen schenkten dem Begonn[enen] ihre
Aufmerksamkeit, so die Hofdame der Fr: Großherzogin von Weimar während
ihres 5monatl Aufenthaltes hier; die Fr. Prinzeß Carl.[sc.: Caroline] zu Schaumburg [-Lippe] /
[13V]
welche die Anstalt zum öftern besuchte
eben so die D[urc]hl. Schwester, die Fürstin Mutter u die Frau Prinzeß Carl
zu Rudolstadt welche noch vor kurzem in Begleit[ung] mit ihren beyden Schwestern
der Fr: Herzogin von Dessau u der Fr. Erbgroßherzogin von Meck[len]b[ur]g die
Anstalt besuchte u sich auf eine seltene Fürstl Mütterl[iche] Weise darüber
aussprach so wie die Fürstin Mutter den Gedanken die Ausführung festhält einen jungen Mann
für ihre Erz K[inder]sch[ule] in R[udolstadt] – hier ausbilden zu lassen. Um Ihrer Theiln[ahme] <theure> Muhme ein[en] Bew[eis] zu geben Wie die Einwohner
Blankenburgs selbst die Sache erfaßten
erlaube ich mir Ihnen hier 2 Aufsätze aus einem Mittheil
vielgelesenen Blatte mitzutheilen worinn sich achtbare Glieder aus den Famil[ien] der ersten Beamte[n] Familie[n] des Städtchens, deren Kinder selbst Antheil an
der Anstalt nehmen, darüber aussprachen.-
Ich habe mir erlaubt Ihnen dieß mitzutheilen, weil ich glaube Sie bekommen
dad[urc]h zuerst ein lebendiges Bild von dem Ganzen in seinen verschiedenen
Beziehungen. Auch von einer Frau es ist dieß die Fr. v. Mannsbach, die eine
Tochter des Canzlers von Grün in Greitz lege ich ein welche länger[e] Zeit hier
in der Anstalt u mit den Kindern lebte, lege ich ein Urtheil [bey] [bricht ab]