Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Anna von Mannsbach in <Greiz> v. <vor 1.> 10.1839 (Blankenburg)


F. an Anna von Mannsbach in <Greiz> v. <vor 1.> 10.1839 (Blankenburg)
(BN 555, Bl 1-2, undatierter Entwurf 1 B fol 4 S. - Der Text wird von F. selbst als Teil eines Briefs oder Beilage zu einem Brief an Anna von Mannsbach identifiziert. Da er "zum [= zu dem] Brief" schreibt, scheint es sich um einen singulären, also ersten Brief an diese Frau zu handeln. Datierung gemäß Briefliste Nr. 917; inhaltlich plausibel, aber nicht zwingend. Stützende Argumente:
- Schriftzug und Blattgestaltung erinnern an den Briefentwurf an Amalie Müller von Herbst (vor 25.11.) 1839.
- Anna von Mannsbach ist lt. F.-Brief an Heinrich Langethal v. 10.11.1839 (Bl 280V) in der ersten Hälfte des Oktober 1839 Gast in Blankenburg gewesen. Da es sich um einen ersten Brief an die Adressatin zu handeln scheint, dürfte er dem Besuch vorausgegangen sein.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

Zum Briefe an die Fr. v. Mannsbach gehörig
Wie aber so auf diese Weise die Spiele zur Schule u zur gesetzmäßigen Thätigkeit leiten des Geistes leiten, so führen sie auch zur geregelten Bewegung des Körpers. Ball, Kugel u Würfel dienen auch hier gleichsam als Vorbild. Ich will <hier> mein[en] Leserinnen das ganze mittheilen wiederholen vorführen, was mir von einer unsrer Besuchenden Mitschwestern darübe[r] mitgetheilt worden ist. Wie zb. der Ball sich hin u her, und auf u ab bewegt, so bewegt auch das Kind entweder sich selbst als ein Ganzes oder irgend eines seiner Glieder, wie den Arm p[p.] auf u ab und hin u her, nun selbst schon dazu singend:
auf u ab und hin und her,
Das ist doch auch gar nicht schwer.
Dies ist jedoch nur die Andeutung zu einer großen Reise von Spielen dem den durch Ball u der Kugel vorgezeichneten u sich daraus entwickelnden Spielen.
Der Würfel bleibt dabey nicht zurück. So wie das Kind den Würfel mit Fläche an Fläche, mit Kante an Kante stellen lernt, so lernt es nun auch sich mit Fläche an Fläche d.i. sich mit Brust an Rücken - u mit Seite an Seite u mit Arm an Arm stellen gleichsam Kante an Kante, und so stehend sich bewegen und gehen. Dabey wird wieder gemeinsam gesungen:
"Brust an Rücken das ist schön, m
Man kann dann in Linie gehn."
Oder: 
"Schöner Seit' an Seite stehn
Und wir schlängelnd wies Bächlein gehn"[.]
Dieser erste Anfang muß als kleine Andeutung aus dem reichen Vorrath dieser auseinander hervorwachsenden Bewegungsspiele genügen. Sie begleiten das Kind auf den Wegen in die Natur.
Weiter Dem Kindessinn u seinem Leben gemäß wird als vermittelnd zwischen Außenwelt u Innenwel[t], zwischen Körper und Geist /
[1R]
dem Kindessinne u Leben gemäß die Sprache in der Blankenburger Übungsschule spielend u singend in dem ABC., wie es die Kinder nennen ausgeführt. A als der erste Ton des <Haup> Kindes, und selbst der Ton in dem Namen seines ersten Spielzeuges, beginnt. Er wird erst rein vor u gem dann gemeinsam nach gesprochen, dann wird er in dem natürlichen Grundton des Kindes vor- u von ihnen ausgehalten nachgesungen. O folgt hierauf so gesungen in dem 3ten Ton (in der Terze) U im 5ten Ton (in der Quinte) die Zusammenziehung aller dreye AOU in Au schließt wieder in dem Grundton. Doch werden auch hier Doch werden Hiermit werden noch manche Veränderungen u Tonspiele verknüpft.
Nun beginnt wieder wie vorhin angegeben das Ganze AOU - Au. Der Kinderführer ergreift das Nächste oder das was er glaubt was für alle <das dem> meisten Interesse habe interessirend glaubt, zb A all, tönts im Worte Ball; oder den Eintritt eines Kindes < ? > recitirend vorsingend:
Ah da kommt die Lina, (welches dann die Kinder wieder gemeinsam nachsingen)
Oder aus der Erinnerung:
Ah da kommt der Vater
Ah da blüht das Blümchen
Oh wie ist das Blümchen schön
Blümchen, oh wie freust du mich
Uh wie ist es finster[.]
Die Kinder schließen die Augen oder halten die Hand vor das Gesicht u. singen nach:
"Dennoch fürchte ich mich nicht
Wovor (weshalb, warum) sollt ich mich auch fürchten["] /
[2]
Wieder von Neuem singend wobey (die Form des Vor[-] u Nachsingens nicht durchgehend): A O U - Au
AU wie hab ich mich gestoßen
AU wie thut der Fuß mir weh
AU ist eine Landschaft auch
"Wo auf grünen Wiesen
Schön die Blumen blühn.["]
Wieder beginnend[:]
A tönt der erste Ton im ABC
A tönt im ABC der erste Ton
O tönt es in des ABC'es Mitte
1) Und nicht nur kennen sondern auch u lieben lernen soll das Kind die Natur soll das Kind die Natur sondern sich auch dankbar beweisen u gerne hülfreich mitwirkend seyn, wie ein gutes Kind so früh schon ja schon früh so gerne der Mutter helfend zur Hand geht. So werde das Kind früh angeleitet die Erde zu bearbeiten, ihre Gewächse zu pflegen, ihre Blum und durch das innigere Anschau[en] ihrer Entfaltung, was auf diese Weise so natürlich herbey geführt wird, wie durch den reinsten Spiegel auf die eigene richtige Entwicklu[n]g hingewiesen.
2) Oder es sey die umgebende Lebenvolle Natur selbst auf die ja die Führerin Vermittlerinn und führe durch ihre
Oder es sey die umgebende lebenvolle Natur, auf die ja wie auf das umgebende Menschenleben stellvertretend Ball u die Spiele hinweist, selber die Vermittlerin schöner Gemeinschaft u führe die Kinder zu lebensfrohen Spiele die reich aus ihrem mütterlichen Schooße quellen. Wie diese die Blankenburger Pflegeanstalt zu finden weiß geht aus dem ihr Liede hervor was die Kinder so gern u freudig wahr zu finden u wahrzunehmen sucht können im Lied andeuten was die Kinder so gern u freudig singen da es ihnen mit schönen melodischen Tönen in die Erinnerung ruft wie sie so beglückt zusammen einen schönen klaren Herbstnachmittag im Freyen begrüßt u durchlebt haben nach ihrer ehrwürdigen schön[en] wandern nach der ehrwürdigen alten Burg
wandern zur alten Burg (wie die nah gelegene Ruine Greifenburg genannt wird, reich begabt durchlebt haben:
Seht uns Froh wir wandeln ins Freye
Besonnte die himmlische Bläue
Singen Lieder voll Lust;
Sammeln Blätter von Bäumen
Spielen* auf grünenden Räumen
Muth u Freude erfüllt uns die Brust
* indem Blätter zu Körper <verbinden> Moos zu Gärten
"Seht den Himmel wie heiter
Farbige Blätter u Kräuter
Schmücken Felder u Hain;
Milde gehen die Lüfte
Um uns wallen die Düfte,
Uns erfreut der Sonnenschein.["] /
[2R]
2) Oder es sey es trete die lebenvolle Natur, auf die ja wie auf die ja wie auf das umgebende Menschenleben, der Ball mit seinen Gefährten Kugel u Würfel stellvertretend hinweist selber als die Vermittlerin schöner Gemeinschaft in die Kinderschaar auf u führen sich zu frohen Kinderspielen die so reich aus ihrem mütterlichen Schooße quellen. So nimmt Die Blankenburger Pflegeanstalt nimmt darum in dieser Beziehung die verschiedenen Jahreszeiten den Sommer mit ihren eigenthümlichen Gaben wahr in dieser Jahres Beziehung für die Kinder wahr, wie den Herbst den Frühling. So erzählte uns sorglich eine <An? > wie sie an einem schönen Herbsttage wesentl[ich] mit den Kindern hier auswandernd die Blätter der Bäume, die in ihrem Farbenschmuck wie ein Wiederschein des Frühlings wird u die Kinder so anziehen, gesammelt in ein[en] Kranz verbunden sie in ihren verschiede[nen] Farben betrachtet, benannt dan[n] die Blätter zu Kränzen u Formen schön zusammengelegt; so mit den gefunden[en] Moosen Gärten umheget u in Beete gegliedert abgetheilt; Burgen ge von Stein gebaut erinnert durch die alte Ruine Greifenstein die sie auf dem Hofraume seynen Platz <sie ? die sein> zu der sie beachtend hinaufgestiegen; auf den freyen Rasenplatze umschlossen vom freundlichen Buchenwald Wald belebt durch muntere Vögel von denen sie wohl gern einen nächsten Fang gehabt hätten haben mögen, ein Spiel daraus gebildet, worin jeder sich selbst als ein Vogel ansehe u benennt wenn so dann auf einem Raum Platz zusammengestellt vor dem mit seinem Vogelfänger, der mit seinem <Drohrufe> singend ihnen zus[ingt] <wie>
Der Vogelfänger kommt gegangen
um all die kleinen Vögel zu fangen
ihnen zusingt, was er auf sie zuspringt, was nach allen Seiten flüchtend sich zertheilen u sich das gleichsam einen Schutz bietende Mahl [sc.: Mal] zu gewinnen suchen. Wie sehr die Kinder die Kinder das beglücken kann <was> noch einen in der Freude mit der die Kinder sie das Lied singen worin sie dieses Lebens<schatz> <wendung> als einen Lebensschatz Leben als einen theuren Schatz bewahrt finden u was sie an klaren Tagen immer so gern wieder anstimmen[.]
[ohne Zuordnung links neben dem vorigen Absatz:]
sammeln, betrachten und mannigfach zusammenordnen, so von Moosen u Zweigen Gärten die u Umgegend darstellen diese auf fr[e]y[e]n Platz das <Strafe sagen d[er] Vögel>, sich aber solche haschend umfassend in geordnetem Spiele durch zu erst Gesange nachahmend freudig besingen die Kinder sich selbst dieses Leben, im Liede festgehalten wenn d Kind < ? > Tage sie wieder ins Freye führen ziehen[.]