Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Otto Helmert in Freiberg v. 15.10.1839 (Blankenburg)


F. an Otto Helmert in Freiberg v. 15.10.1839 (Blankenburg)
(BN 470, Bl 7-8, hier: 8, undatierter Entwurf 1 Bl 4° 2 S. auf Bogen des Eingangsbriefs und zwar auf vakante S. 8V u.8R geschrieben. Datierung gemäß Partnerbrief, in dem H. Antwort bis 20. Oktober erbittet und F.s Vermerk in seiner Antwort, es seien nur noch 5 Tage bis zu diesem Termin)

Werthgeschätzter lieber Herr Helmert!         Blkb. bey Rud

Obgleich ich unmittelbar nach Empfang Ihrer werthen Zuschrift ohne Datum welche ich
am 6ten vor Mon. d[urc]h Einschluß des HE Oberpostamtssecretärs
Kr[äm]er in Leipzig empfing Ihnen un mittelbar wieder zu antworten
gedachte, indem mir auch HF Krämer in Beziehung auf ein sich vielleicht
zwischen uns anknüpfendes Verhältniß Hoffnungsvolles u Erfreuliches schrieb;
so wollte mir doch keine Zeit werden die stets in mir drängende Ant-
wort zu Papier zu bringen, weil ich seit 6 Wochen einem außerge-
wöhnlichen Lehr- u Geschäftsdrang lebe. Jetzt sehe ich mit Schrecken daß
nur noch 5 Tage bis zu dem letzten Termin sind innerhalb welchem
Sie Antw Erwiderung von Antwort von mir wünschen. Und ich wünsche
nur daß der Brief noch zur rechten Zeit bey Ihnen eintreffen möge.
Ihren vertrauenden Brief glaube ich nun in folgenden Punkten
vollständig zu beantworten. Erstlich wird es mich freuen, wenn <sich mit> freyer
Wahl u Selbstbestimmung von Ihnen aus gegründet auf inneres Vertrauen
zum Wohl der in der Kindheit neu aufblühenden Menschheit und so zunächst
zum Heil der ersteren ein Verhältniß zwischen Ihnen und meinem Wirken
dafür anknüpfe. Zweytens glaube ich nicht, daß Sie dadurch Ihre
Vaterlandsliebe u Ihren Pflichten gegen u Ihre Rechte an Ihr
Vaterland im mindesten etwas vergeben. Denn ich habe ja selbst
in unserer Erziehungsanstalt zu Keilhau zwey Landesleute von Ihnen
als Lehrer, Candidaten dTheologie ebenfalls aus dem Erzgebirge,
welche auf unbestimmte Zeit in diesem Verhältnisse wirken, ohne sich
dadurch für die Verhältnisse in ihrem Vaterlande für dZukunft etwas
zu vergeben. Und ich glaube, ob mit Recht kann ich freylich nicht entscheiden,
daß auch den Schulamtscandidaten wie den Candidaten des Predigt-
amts nach Beendigung <ihrer> Bildungscurse bis zur fixirten Anstellung einige
Jahre zur freyen Verfügung zur weitern praktischen Ausbildung übrig
bleiben. Vier Jahre würden es seyn, welche ein [Ausbildungskurs] mit mir oder
vielmehr mit der von mir angebahnten ersten Kinderpflege
führung besonders durch Pflege der Entwickelung ihres schöpferischen
Lebens in Anspruch nehmen würde, u zwar so daß a) ein Jahr
davon über theoretischen u praktischen Vorbildung dafür bey mir
und b) 3 Jahr der unmittelbaren Führung und Leitung u Führung einer solchen Anstalt
dafür in FrankfurtaMayn gewidmet seyn würden[.]
ad a. Während dem ersten der gedachten Jahre würden Ihre Lehr- u Un-
terhaltskosten von einem dafür zusammen ge<tretnen> Verein in Frkfurt
a. Mayn getragen werden. Zu einem Beytrag von Unterhalt an Kleidern
für diese Zeit hat er sich nicht bestimmt. Sollte aber dieser unumgängl
nöthig seyn, so müßte man sehen wie sich derselbe etwa vermitteln ließe /
[8R]
ad b. Nach Verlauf jenes Jahres würde der gedachte Verein
während 3 aufeinanderfolgender Jahre auf Ihre Wirksamkeit
bestimmten Anspruch machen, wo Ihnen dann nach Maaßgabe der An-
zahl der Zöglinge eine Jahreseinnahme von 1000.- bis 1500 Gulden
also ein Mittel von 1200 Fl zugesichert seyn würde. Nach Verlauf die-
ser Zeit könnten Sie dann, wenn das Verhältniß gegenseitig zusagt in dem-
selben entweder noch bleiben, oder dann auch auf eine fixe Anstellung an
eine der Ihnen entsprechenden S Lehranstalten an den Schulen in Frankfurt Anspruch machen, u
man schreibt mir, daß dieß unter den in der Sache
selbst liegenden Bedingungen keine Schwierigkeiten haben würde. Vielleicht können
Sie dann auch <beratend> in die Mitte mehrer derartiger Anstalten, <?>
<aus> in die Mitte einer Muster u bey der weitern Fortbildungsanstalt dafür treten –
Sollten Sie aber <?> dann in Ihr Vaterland zurück zu kehren wünschen, so zweifle
ich nicht, daß dasselbe Sie mit solchem Wege mit Erfahrungen ausgerüstet, gern
aufnehmen wird.
So wüßte ich nun hinsichtl des Äußeren Ihnen nichts mehr zu sagen. Die innern
Bedingungen sind natürlich das Durchdrungen seyn von der Wichtigkeit der Idee, deren
Darlebung es gilt; Liebe zu den Kindern u nam[en]tlich Achtung u Liebe dieses Berufes
dann was sich ja außer dem was sich ja bey Ihnen von selbst versteht, dieser
Wirksamkeit angemessene Bildungsstufe, einige Anlage zum Gesange.bis
bis Neujahr bleibt <obg> das Ganze Ihrer Prüfung überlassen. Dann schreiben Sie
mir entweder selbst oder seyn Sie so gütig mir Ihre Addr. [sc.: Adresse] zu melden um
Sie mit dem nachmaligen Stand der Verhältnisse bekannt zu machen.
Auf jeden Fall wünschte ich daß Sie die Gedanken der ersten Kindheitpflege
in Beziehung auf Ihr nächstes Wirken vielmehr als die Wurzel undGrundstein
Ihres künftigen Wirkens fest im Auge behalten indem sich jetzt die hohe
Wichtigkeit desselben <?weise> allgemein ausspricht u das Wirken dafür
Gestalt u Raum gewinnt. Ich zweifle <durchaus> nicht daß Ihnen darüber bekannt
seyn wird, was darüber im Dresdner Anzeiger No <23> steht, und was Sie
bey Ihrer etwaigen Durchreise durch Dresden mindestens durch HE Frankenberg
(Dippoldiswalde Pl. (am See) 493 1 Treppe hoch bey HE Prof. Löwe zu erfragen.)
welcher nun fast seit einem Jahr für diesen Gegenstand in Dresden wirksam
ist.- Auch über das hiesige Wirken können Sie im Allg. Anz: d. Deutschen
No 276 vom 10. Oct. einen Aufsatz finden, der mir so eben zu Gesichte gekommen
und der wie ich höre aus der Feder eines sehr geachteten Mannes, des hiesigen
HE Raths[-] u Amtmanns geflossen seyn soll.
Kommen HE Fran Kommen Sie nach Leipzig, so grüßen Sie HE Krämer
wie Sie freundl. grüßt HE Middendorff dessen Sie sich vielleicht von Lei[pzi]g
her noch erinnern u auch
Ihr ergebener