Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Karl Hermann Scheidler in Jena v. 27.10.1839 (Blankenburg)


F. an Karl Hermann Scheidler in Jena v. 27.10.1839 (Blankenburg)
(BlM IX,6, Bl 51-52, Reinschrift 1 B 8°gr 2 ½ S.)

Herrn Professor Dr. Scheidler Wohlgeb[.] in Jena.


Blankenburg b. Rudolstadt am 27. 8br. 1839.

        Wohlgeborner Herr,
gütig theilnehmender Freund.

Schon durch Ihre freundlich eingehende Beachtung meiner wenigen
mündlichen Mittheilungen über den Gedanken und Gegenstand
meines Lebens und Wirkens fühlt mein Herz sich aufgefordert
Sie als Freund, als Freund der reinsten Wahrheit zu begrüßen
ohne dadurch Gefahr zu laufen hinsichtlich meines ernstesten
und reinsten Wunsches nach gründlichster und tiefster Prüf-
ung mißverstanden zu werden. Nun aber höre ich, ver-
mittelt durch die Güte der Frau von Mannsbach wiederkeh-
rend Ihren Entschluß meinen Lebensgedanken und mein Wirken
für dessen Darstellung einer so gründlichen als ernsten Prüf-
ung zu unterwerfen; wodurch kann aber der Mann in dem
Manne mehr den Freund, den ächten Freund erblicken, als
wenn er ihm zur so klaren als wahren, zur so reinen
als schönen Gestaltung und Darlebung seines Lebensgrund-
gedanken behülflich ist; und so hoffe ich werden Sie meine
einigende Begrüßung ebensowenig mißdeuten, als,
daß ich auf eine etwas eigene Weise dem von Ihnen,
der, meinem Wirken und Wollen sich befreundet fühlenden
Frau von Mannsbach ausgesprochenen Wunsche: - durch
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dieselbe über mein Unternehmen alles Materiale zu
erhalten was immer ihr nahe sey - entgegen komme
und Ihnen durch dieselbe, unter der Ägide ächten Freundes-
trauens einen Aufsatz mittheile, welcher vor
nun fast 4 Jahren zur Feyer mehrerer nahe zusammenfallender Lebensfeste innigst ge-
einter Freunde niedergeschrieben wurde. Ich
wage es Ihnen diese Blätter, nicht sowohl als Schrift-
steller und Renzensent, sondern als Mensch für
Ihr ganz eigenstes Gemüth, für Ihren ganz eigen-
sten Geist mitzutheilen um Ihnen dadurch nicht
nur den innersten Beziehungs- ja Quellpunkt mei-
nes Wollens und Strebens nicht nur anzudeuten,
sondern mit mir fühlen in mir erkennen zu machen.
So, unmittelbar gleichsam vom eigenen Herz zum
eigenen Herzen, vom eigenen Geiste zum eigenen
Geiste gesprochen müssen Sie diese Worte be-
trachten und darum besonders gewisse Wortdeutungen
- welche zunächst blos unter innigst sich verstehenden
Freunden das tiefe und lebenvoll Geistige jener Worte
für festzuhaltende, ich möchte sagen heilige Pflege der
Sache selbst andeuten sollte. Und so fürchte ich selbst
vom ernsten und scharf prüfenden Denker, wie vom
Manne u. vom Gatten, wie vom Vater und Menschen
keine Mißdeutung noch weniger Mißbrauch
denn es handelt sich ja nicht um Worte, sondern um Her-
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vorrufung, um endliche Ausführung der Sache selbst:
ächtes Menschheitslebens in allen Lebensverhält-
nissen.
So weiß ich Ihnen hochgeehrtester Herr und Freund
nun nichts weiter zu sagen als - halten Sie
mit mir das Ziel unverrückt wie fest im Auge
so klar und fest beym Handeln und Wirken, dann
zum Schluß Sie und Ihre treffliche Gattin
wie Ihren lieben Engel herzinnig zu grüßen.
Friedrich Fröbel