Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 27.10.1839 (Blankenburg)


F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 27.10.1839 (Blankenburg)
(KN 55,27, Brieforiginal 1 Bl 16° 2 S. Trotz fehlender Anrede kann der persönlichen Bezüge wegen nur Middendorff der Briefpartner sein)

Blankenburg am 27 8br 1839.


Gott zum Gruß am lieben Sonntags Morgen.

Barop hat gestern seine Reisenotizen hier liegen lassen, wie auch die vor[i]ge
Nr des Allgem: Anz: ich sende hier beyde; ich sende solche an Dich damit Du
vor Abgabe des Allgem: Anz. denselben noch Deiner l. Fr: welche ich herz-
lichst grüße vorlesen kannst.- Da nun Barop beyde Nrn des Allg. Anz.
mit sich nehmen will, so vergeßt ja nicht mir heut und morgen von
der jüngsten, gestern von Bp mir mitgetheilten Nr eine correcto
Abschrift, ich dächte am besten durch d[en] He. Schullehrer machen zu lassen;
ich will sollche [sc.: solche] demselben gern vergütigen, wie ihm sein Notenschreiben
vergütigt wird.
Heut morgen habe ich wieder einen sehr freundlichen und in mehrfacher
Hinsicht wohl auch wichtigen Brief von der Fr. v. M. in Jena erhalt[e]n[.]
Vielleicht komme ich heut Nachmittags nach Keilhau und theile Euch
denselben mit. Jetzt nur so viel: - Aus der Gesammtstellu[n]g des Ganzen
und dem gegenwärtigen Entwickel[un]g Gange und Stande geht hervor,
daß Bp - obgleich seine jetzige Reise wie faßt alle unsere frühern
durch zufäll[i]ge und fremdartige äußere Umstände gegeben erscheint -
bey derselbe[n] das eigentliche Ziel unseres Wirkens und unser Gesammt-
Streben als den eigentl[i]chen und Hauptzweck derselben beacht[e]n
und betracht[e]n soll. Diese Ansicht soll Bp ja nicht aus dem [sc.: den] Augen
lassen. Ein solcher Moment wie der gegenwärt[i]ge war für uns
noch nie da und kann in dieser jugendlich[e]n Frische u[n]d ich möchte
sagen kindlich[e]r Unschuld nie wieder kommen. Brp soll sich ja in seine[m]
Wirken rechte Gemüthswärme und Treue bewahren, diese siegt
über alles und bahnt uns den Weg dahin, wohin nicht einmal unsere /
[1R]
leiseste Ahnung sich wagt. Barop soll die personal No-
tizen für Kassel welche in der Anl[a]ge enthalten sind ja
nicht unbenutzt lassen und so soll er wie die Sachen nun
jetzt stehen seine Reise über Giessen & Marburg ja fest[-]
halten. Er soll sehen ob vielleicht durch Bayerhoffer
oder <Scheffer> vermittelt der Gedanke dort Anklang
findet, daß ich einmal dorthin käme und bestimmte Vor-
träge über den Geist den innern Zusammenhang wie über
den letztern u[n]d höchsten Zweck dieser Spielweise hielt[e]. Es ist
nicht eben darum zu thun, daß so etwas auch, noch viel
weniger sogleich aus geführt werde, es ist nur darum
zu thun daß die Menschen eine höhere und allgemeinere
Ansicht von der Sache erhalten.-
Vielleicht kommt auch noch während Bps Reise wen[i]gstens
vor seiner Einkehr in Gießen oder Marburg ein Aufsatz in
der Frauenzeitung; rc. rc.
Eint ja alle Eure Liebe, Eure Treue und Eure Kraft in
dem jetzt angebahnt[e]n Geg[en]st[an]d ächter Pflege der Kindheit -
der Menschheit in der Kindheit - und der Gottheit in
der Menschheit von diesen Gipfel-, Blüthen- und Frucht[-]
punkte aus muß Bp stets das Ganze im Kopf und
Herzen tragen und im Leben auspräg[e]n, wie wir alle.-
DFrFr.