Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 5.11.1839 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 5.11.1839 (Blankenburg)
(UBB 83, Bl 279, Brieforiginal 1 Bl 8° 1 S. +Adresse)

Blankenburg bey Rudolstadt am 5 Novbr 1839:


Lieber Langethal.
Gott zum Gruß.

Dein letzter Brief an uns wenigstens an mich ist vom 3en d. v. M. also nun schon
bald 5 Wochen alt; dagegen wirst Du in dieser Zeit wenigstens zwey Briefe von
uns Middendorffen und mir erhalten haben, in welchem einen er Dir auch eine
Stimme, oder einen Aufsatz im Allgem: Anz. d. D. No 276 vom 10n vor[.] Monats
aus Blankenburg - (Aus der Familie d[es] He. Amtsact: Schmiedeknecht) - über unser
hiesiges Wirken mitgetheilt hat. Auch schreibst Du dort von der baldigen Entschei[-]
dung der Stellung Ferdinand, so wie von der baldigen Abreise Mathildens u.s.w.
Dennoch bin ich seit jener Zeit so ganz ohne Nachricht von Dir. Jeden Tag erwartete
ich einen Brief, welcher uns die Abreise und vielleicht baldige Ankunft der Mathilde
hier melden sollte, so wie die letzte Bestimmung wegen Ferdinand. Auch hatte
ich Dich in einem früheren Brief l. Lgethal schon gebeten daß mir doch einer Deiner
Gehilfen nur mit wenigen Worten die Haupttitel der Dir zurückgelassenen Bücher
schicken möchte um darüber zu bestimmen. Das Verzeichniß aller derer von welchen
ich Dir ein Dupplicat zurück gelassen habe bedarf ich nicht, allein das Verzeich-
niß aller der Bücher welche ich zu einer bestimmten Absendung an mich schon in eines
der oberen Fächer meines Schreibschrankes zusammengeordnet hatte und welche
Antonen später beym Ausräumen jener Stube mit den früher übrigen zusammen
geworfen hat; dieß Verzeichniß wünschte ich - nochmals gesagt: jeden Titel
nach dem Namen des Verf[.] nur mit 2-3 Worten angedeutet zu haben,
und zwar klein auf Briefpapier geschrieben damit es mir durch die Brief-
post gesandt werden könnte. Mich dünkt das Ganze könnte so nicht eines
8° Blatt einnehmen. Ferdinand ist gewiß ehe er an den Ort seiner
Bestimmung abgereist ist einige Tage bey Dir gewesen, wo auch er wohl die
Freundlichkeit für mich gehabt hätte dieß zu besorgen da er überhaupt
auf kleinem Raume und doch so deutlich so vieles Stereotypisiren [sc.: Stenotypieren] kann.
Wie ich überhaupt alle meine Verhältnisse gern in Ordnung gebracht hätte, so auch
die mit der Schweiz; es treibt mich gar sehr dazu - wenn nur die Sache klar zu Pa-
pier ist so bin ich schon zunächst zu frieden. Ich hätte auch gar zu gern gewußt ob etwas,
und was von den Dir übersandten Sachen verbraucht und nicht verbraucht ist; es ist ein
gar zu unangenehmes und unheimliches Gefühl, wenn man nicht weiß was man durch
seine Thätigkeit bewirkt. Was Du nicht glaubst in der Schweiz absetzen zu können, darüber
schreibe mir nur, damit ich es nach Süddeutschland verwende.-
Gestern Mondtag den 4 Nov. Vormittags ist die mit der israelitischen Bürger- und Realschule
zu Frankfurt a/m verbundene Kinderbeschäftigungsanstalt eröffnet worden. Herr Hochstäd-
ter
schreibt mir mit freudiger Hoffnung darüber. 20 Kinder hätten sich schon gemeldet - Mütter
ständen ihm schon bey seinen Vorversuchen zur Seite. Ein Mitlehrer, eine Mitlehrerin
und ein Kindermädchen für etwa nöthigere besondere Hülfsleistungen bey den Kleinen
sind ihm zur Seite gegeben. Vierzig Exempl. sämtlicher Spiele bis No 4 habe ich
senden müssen und 20 Exempl. bis No 5 hatte er schon früher erhalten.- Leon-
hardi
der alte, treue Mitarbeiter im eigentlichen Sinn steht ihm noch über-
dieß mit aller Hingabe zur Seite.- Wie es hier geht siehst Du und die Freunde
aus der Anlage. Es ist die Abschrift eines zweyten Aufsatzes im Allg: Anz. d. D.
aus der Familie des Herrn Raths[-] u Amtm: Sigismund hier. Du und ihr alle bekommt
dadurch wieder ein recht lebendiges und noch bey weitem vollständigeres Bild von
meinem hiesigen Wirken. Jetzt ist alles hier in schönem frohen Leben. Heut hatten
wir wieder mehr als 50 Kinder wobey welche von 1 Jahr.- Kannst Du Deinen
Schweizern nicht auf Veranlassung des Allgem: Anz. Kunde geben lassen welchen guten
Fortgang die Sache in Deutschland hat?- Viel hätte ich Dir noch zu schreiben. An alle Grüße
DFrFr.-
Middendorffs und Barops Verwandte sind wieder abgereißt am 29n Oktobr. Barop begleitet sie. Gesund ist Gott sey Dank alles, alles. Middendorffs Kind, Herrmann, ist ein selten klares frisches Kind. DFrFr. /

[279R]
[Adresse:]
Herrn,
Herrn Heinrich Langethal,
Vorsteher der Waisenhauserziehungsanstalt
       zu
       Burgdorf
       Kanton Bern,
               Schweiz.